23. Oktober 2014

Der Dyson 360 Eye mischt den Markt der Staubsaugroboter auf

Der Staubsaugroboter Dyson 360 Eye bahnt sich autonom seinen Weg durch die Wohnung und geht dem Staub an den Kragen. Mithilfe einer App kann der fleißige Helfer konfiguriert und gesteuert werden.

Zu einem Vorreiter der Saugroboter-Technologie kann der kürzlich auf der IFA 2014 vorgestellte Dyson 360 Eye nun wahrlich nicht gezählt werden. Zahlreiche Konkurrenten tummeln sich bereits auf dem Markt: Neben auf Robotik spezialisierten Firmen wie iRobot oder Neato haben sich auch Hersteller von Elektronik- und Haushaltsgeräten – beispielsweise Philips und Miele – an der der Produktion von autonomen Staubsaugrobotern versucht. Die Mängelliste ihrer Geräte ist jedoch lang: Sie stoßen an Stühlen, Tischbeinen und Kommoden an, drehen sich mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip und beim Saugen der Wohnungist zumeist kein Muster erkennbar.

James Dyson, Chefentwickler von Dyson, brachte die Unzulänglichkeiten der ersten Generation von Staubsaugrobotern auf den Punkt:

„Die meisten Roboterstaubsauger erkennen die Umgebung nicht, haben wenig Saugkraft und reinigen nicht richtig. Es sind Spielereien.“

Für das englische Unternehmen, das bislang eher für die Entwicklung von herkömmlichen Haushaltsgeräten bekannt war, ist dies Grund genug, um nun selbst die Produktion eines Staubsaugroboters zu wagen. Doch was unterscheidet den Dyson 360 Eye von seiner Konkurrenz?

Langjährige Entwicklungs- und Testphase

Der Vorgänger des Dyson 360 Eye ist der DC 06 , der 2001 vorgestellt wurde und der erste Staubsaugroboter überhaupt war. In Serie ging dieser Prototyp nie. Auch weil James Dyson dessen Technik für unausgereift hielt und mit seiner Leistung unzufrieden war. So ließ man sich für die Entwicklung des Nachfolge-Modells ganze 16 Jahre Zeit. Nicht von ungefähr wird das Unternehmen, das derzeit vom deutschen Vorstandschef Max Conze geführt wird, als „Apple der Hausgeräteindustrie“ bezeichnet. Ähnlich wie Apple tüftelt Dyson nämlich auch mal etwas länger an einem Produkt.

Der Vorstandschef von Dyson, Max Conze, hält einen Staubsaugroboter Dyson 360 Eye in den Händen
© Dyson

Wie wichtig Dyson die Forschung ist, zeigt die enge Zusammenarbeit mit dem Imperial College London. Im Februar 2014 investierte das Unternehmen 5 Millionen Pfund in ein gemeinsames Robotertechnik-Laboratorium. Von den 600 Millionen Pfund Gewinn, die das Unternehmen 2013 erzielte, wurden mehr als ein Drittel in die Forschung und Entwicklung gesteckt. Das langfristige Ziel ist es, Roboter für alle denkbaren Haushaltsarbeiten zu produzieren.

Allein die Entwicklungskosten für den Dyson 360 Eye belaufen sich auf mehr als 200 Millionen Pfund. 31 Ingenieure haben mehr 100.000 Stunden an seinem Erfassungssystems gearbeitet und für dieses weltweit 420 Patente registriert. Mehr als 1,5 Milliarden Bilder ließ man die Prototypen machen und analysieren.

Innovative Umgebungserfassung

Das Resultat kann sich sehen lassen: Ähnlich wie ein selbstfahrendes Auto verfügt der Dyson 360 Eye mit dem 360° Vision System über einen Rundum-Blick. Die 360-Grad-Panoramakamera, die 30 Aufnahmen pro Sekunde machen kann, erfasst die Umgebung auf den Millimeter genau und erstellt einen detaillierten Grundrissplan. Zusätzliche Infrarot-Sensoren tasten die Umgebung ab und lokalisieren mögliche Hindernisse, sodass der Roboter auch bei dunklem Licht, wenn die Kameras versagen, trotzdem manövrieren und seine Arbeit verrichten kann. Markierte Orientierungspunkte erlauben es dem Roboter, seine Bewegungen zwischen den Einzelbildern zu registrieren und das Umgebungsbild entsprechend zu aktualisieren. Da der Dyson 360 Eye stets seine Positionen protokolliert, wird mehrmaliges Staubsaugen an der gleichen Stelle verhindert.
Mit der dazugehörigen Smartphone-App kann der Roboter gestartet, überwacht und gestoppt werden. Zudem legt man mit der App fest, wann der Staubsauger seine Touren zurücklegen soll. Dyson plant die App mit einer Datenbank zu verknüpfen, die den Benutzern ermöglicht, Fehler zu beheben und die eigenständige Navigation des 360 Eye zu optimieren.

Starke Zug- und Saugkraft

Für ausreichend Zugkraft sorgt der energieeffiziente Motor Dyson Motor V2. Mit diesem werden die Raupenketten des 2,4 kg schweren Staubsaugroboters angetrieben. Der Kettenantrieb ermöglicht es dem Dyson 360 Eye, auf allen Untergründen seine Geschwindigkeit und Richtung beizubehalten und Stuhl- und Tischbeine sowie andere im Weg stehende Objekte präzise zu umfahren. Auch kleinere Hindernisse wie Türschwellen machen ihm nichts aus. Hohe Stufen kann der Roboter jedoch nicht überwinden.
Von der Ladestation startend, beginnt der 360 Eye seine Touren in der Mitte des Raumes und bewegt sich fortan in Spiralen fort. Die Lithium-Ionen-Akku erlauben eine Betriebszeit von 20-30 Minuten ohne Leistungsabfall. Danach fährt der Roboter zu Docking-Station und ist in etwa zwei Stunden wieder aufgeladen und startbereit.
Der Root Cyclone Technologie sei Dank, hat Staub kaum eine Chance gegen den Dyson 360 Eye. Ab einer Größe von 0,5 Mikrometern – das entspricht einem Staubkorn, der 600 Mal kleiner ist als der Punkt am Ende dieses Satzes – saugt der Roboter jeglichen Schmutz auf.

Fazit

Nie wieder Staubsaugen, nie wieder unter Schränke und Tische bücken und nie wieder die Saugbürste über den Boden hin und her bewegen müssen – etliche Staubsaugroboter-Hersteller erklären diese Wunschvorstellung für Realität. Doch leider erfüllen die meisten Roboter auf dem Markt nicht die hoffnungsvollen Erwartungen: Schwache Saugkraft, willkürliches Manövrieren und wiederholtes Saugen von einigen Stellen, während andere ungeputzt bleiben, sind die Mängel, die bei allzu vielen Staubsaugrobotern auftreten. Der Dyson 360 Eye könnte mit seinem ausgefeiltem Erfassungssystem, dem 360° Vision System, und der starken Saugkraft eine neue, bessere Generation der Staubsaugroboter begründen. Vor allem die lange Entwicklungszeit stimmt hoffnungsfroh und lässt die Vorfreude steigen. Ein Wermutstropfen könnte der hohe Preis sein: Der intelligente Staubsauger soll ab Sommer 2015 – in Japan ist er bereits seit Juli 2014 zu haben – für einen Preis von ungefähr 900€ in Europa erhältlich sein.

Update (21.04.15)

Dyson hat 15 Millionen Dollar in das Unternehmen Sakati3 investiert. Dieses hat Solid-State-Akkus entwickelt, die doppelt so viel Energie speichern können wie herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Der Deal garantiert Dyson vorerst als einziges Unternehmen Sakati3 Akku-Technologie verwenden zu dürfen. Es ist davon auszugehen, dass Dyson die Akkus in den Dyson 360 Eye verbauen werden. Dann könnte der 360 Eye seine Konkurrenten nicht nur mit einer besseren Saugleistung und Navigation, sondern auch mit einer längeren Akkulaufzeit in den Schatten stellen.

Update (27.05.15)

Auf Nachfrage bei der Firma Dyson bekamen wir die Information, dass der Dyson 360 Eye im zweiten Halbjahr 2015 in Japan auf den Markt kommen wird (ursprünglich war die Markteinführung für den letzten Sommer geplant). Danach soll auch der Verkauf im Rest der Welt gestartet werden. Zurzeit wird der Dyson 360 Eye in japanischen Haushalten einem letzten Praxistest unterzogen.

Update (06.10.15)

In einem kürzlich erschienen Video erklärt James Dyson höchstpersönlich, wodurch sich der Dyson 360 Eye von seiner Konkurrenz unterscheidet.

Update (09.11.15)

Um das Warten auf den Verkaufsstart zu überbrücken, hat Dyson ein neues Video vom 360 Eye in Action veröffentlicht.


Quellen


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