Da-Vinci-Operationsroboter: Verbreitung, Zulassungen, Studienlage

Mehr als 11.700 Da-Vinci-Systeme stehen weltweit in Kliniken, 2025 liefen rund 3,15 Millionen Eingriffe darüber. Was das System kann, wo das neue Modell da Vinci 5 zugelassen ist und was randomisierte Studien über den Nutzen sagen.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 9
Patientenwagen eines Da-Vinci-Xi-Operationsroboters mit vier Armen über einer weißen Trainingskuppel, links der Turm mit Monitor, in einem hellen Klinikraum
Ein Da Vinci Xi im Krankenhaus von Vesoul, Frankreich Foto: A.BourgeoisP / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, bearbeitet

Wie das System arbeitet

Intuitive aus Sunnyvale in Kalifornien brachte sein erstes Da-Vinci-System 1999 auf den Markt; im Jahr 2000 ließ die US-Arzneimittelbehörde FDA es für die allgemeine laparoskopische Chirurgie zu. Laut Geschäftsbericht 2025 besteht jedes Da-Vinci-System aus einer oder mehreren Chirurgenkonsolen, einem Patientenwagen mit den Roboterarmen, der Bildverarbeitung sowie Rechentechnik und Software. Der Chirurg sitzt an der Konsole, blickt auf ein dreidimensionales Bild und führt Steuergriffe; das System überträgt seine Handbewegungen in Echtzeit auf die Instrumente im Körper des Patienten. Eine zweite Konsole kann für Assistenz oder Ausbildung angeschlossen werden. 

Im Einsatz sind fünf Modelle: das 2024 in den USA zugelassene da Vinci 5, die Modelle X, Xi und SP der vierten Generation sowie das ältere Si. Das SP arbeitet über einen einzigen Schnitt, die übrigen über mehrere kleine Zugänge. Die Fluoreszenzbildgebung Firefly, mit der sich Gefäße, Durchblutung und Gallengänge sichtbar machen lassen, gehört bei 5, X, Xi und SP zur Standardausstattung. 

Verbreitung und Kosten

Zum 30. Juni 2026 waren nach Angaben des Unternehmens 11.710 Da-Vinci-Systeme installiert, zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal 2026 kamen 468 Systeme hinzu, darunter 246 vom Typ da Vinci 5. Ende 2025 standen 1.231 Geräte der fünften Generation und 377 SP-Systeme in Kliniken. 

2025 wurden mit Da-Vinci-Systemen rund 3.153.000 Eingriffe vorgenommen, 18 Prozent mehr als 2024. Knapp zwei Drittel davon entfielen auf die USA, wo die Allgemeinchirurgie mit rund 1,25 Millionen Eingriffen das größte Feld war. Außerhalb der USA lag die Urologie mit rund 507.000 Eingriffen vorn. Mehr als die Hälfte aller Eingriffe betrifft laut Intuitive gutartige Erkrankungen, vor allem Leistenbrüche, Gebärmutterentfernungen und Gallenblasenoperationen. Seit Markteinführung zählt das Unternehmen 21,8 Millionen Eingriffe (Stand September 2026). 

Den durchschnittlichen Verkaufspreis eines Systems gibt Intuitive für 2025 mit rund 1,6 Millionen US-Dollar an, nach 1,5 Millionen im Vorjahr. Ein wachsender Teil der Geräte wird geleast oder nutzungsabhängig abgerechnet. Als Wettbewerber nennt Intuitive im Geschäftsbericht unter anderem Medtronic, Johnson & Johnson, CMR Surgical, Distalmotion und mehrere chinesische Hersteller. 

Da Vinci 5 in Europa

Die FDA ließ das da Vinci 5 im März 2024 zu, Südkorea folgte im Oktober 2024, Japan im Juni 2025. Die europäische CE-Kennzeichnung erhielt das System im Juli 2025 für urologische, gynäkologische, allgemeinchirurgische und thorakoskopische Eingriffe bei Erwachsenen und Kindern, ausdrücklich ohne die Kraftrückmeldung. Diese Funktion, mit der der Chirurg Zug- und Druckkräfte am Gewebe in den Steuergriffen spürt, ist das wichtigste neue Merkmal des Modells. Nach Herstellerangabe messen Sensoren die Kräfte etwa 1.000-mal pro Sekunde. Die CE-Kennzeichnung für die Force-Feedback-Instrumente folgte im September 2026. Für Herzeingriffe wie Mitralklappenrekonstruktionen erteilte die FDA im Januar 2026 eine Zulassung, allerdings mit Instrumenten ohne Kraftrückmeldung. 

In Deutschland setzte das St. Antonius-Hospital Gronau das da Vinci 5 nach eigener Darstellung als erste Klinik Europas ein; im Oktober 2025 stellte die Urologie um Chefarzt Christian Wagner die ersten Eingriffe vor. Das Haus hat seit 2006 mehr als 23.700 Prostataentfernungen mit Da-Vinci-Systemen vorgenommen. 

Was Studien zeigen

Ob Patienten von der Robotik profitieren, hängt vom Eingriff ab. In der britischen Studie iROC wurden 317 Patienten mit Blasenkrebs an neun Zentren entweder robotisch oder offen operiert. Nach der Roboteroperation waren sie in den ersten 90 Tagen im Median 82 Tage lebend außerhalb des Krankenhauses, nach offener Operation 80 Tage. Thrombosen und Embolien traten mit 1,9 gegenüber 8,3 Prozent seltener auf, Wundkomplikationen mit 5,6 gegenüber 16,0 Prozent. Bei Rückfällen und Sterblichkeit fand sich kein Unterschied. Die Autoren um James Catto nennen den Vorteil statistisch signifikant, seine klinische Bedeutung aber unsicher. 

Beim Mastdarmkrebs verglich die Studie ROLARR an 26 Kliniken in zehn Ländern 471 Patienten. Eine Umstellung auf den offenen Bauchschnitt war nach robotischer Operation in 8,1 Prozent der Fälle nötig, nach herkömmlicher Laparoskopie in 12,2 Prozent; der Unterschied war nicht signifikant. Eine im August 2026 in „Surgical Endoscopy“ erschienene Metaanalyse von sieben randomisierten Studien mit 2.540 Patienten kommt zu einem gemischten Bild: Die Roboteroperation dauerte im Mittel knapp 40 Minuten länger, führte seltener zu Umstellungen auf offene Chirurgie und unterschied sich bei schweren Komplikationen und beim Überleben nicht. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz stuften die Autoren durchgehend als niedrig oder sehr niedrig ein. Ihr Schluss: Die Ergebnisse hängen stärker von Patient und Operateur ab als von der Plattform. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 4. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

Mehr zu Medizin & Pflege

Alle 16 Beiträge
Operationssaal mit drei Personen in blauer OP-Kleidung, im Vordergrund weiße, in Folie gehüllte Roboterarme mit der Aufschrift Versius über dem abgedeckten Patienten, oben Monitore mit dem Bild aus dem BauchraumAnalyseChirurgieroboter nach da Vinci: Wer Intuitive herausfordertMehr als 11.700 Da-Vinci-Systeme stehen weltweit in Kliniken. Inzwischen haben Medtronic, Johnson & Johnson, mehrere europäische Spezialisten und chinesische Hersteller eigene Operationsroboter zugelassen. Ein Überblick über Zulassungen, belegte Einsatzorte in Deutschland, Geschäftsmodelle und den Stand der Telechirurgie.08.10.2026Drei Produkte von Wandercraft nebeneinander: eine Frau im Klinik-Exoskelett Atalante X mit Techniker, eine Frau im persönlichen Exoskelett Eve mit Begleitperson und der zweibeinige Industrieroboter Calvin-40FirmenporträtWandercraft: Vom Exoskelett für die Klinik zum Roboter in der FabrikDrei Absolventen der École Polytechnique wollten 2012 einen Roboter bauen, der gelähmte Menschen wieder gehen lässt. Vierzehn Jahre später steht ihr Exoskelett in über 150 Kliniken, ein zweites Modell wird in den USA nach Hause geliefert – und dieselbe Technik trägt inzwischen Reifen durch ein Renault-Werk. Ein Porträt mit Zahlen, Belegen und offenen Fragen.27.09.2026Eine junge Frau steht aufrecht im schwarzen Exoskelett Eve und streckt den rechten Arm nach oben, hinter ihr steht eine BegleitpersonKurzmeldungFDA gibt selbstbalancierendes Exoskelett Eve für zu Hause freiEve hält sich selbst im Gleichgewicht – ohne Krücken, ohne Rollator. Die US-Behörde FDA hat das Exoskelett des Pariser Unternehmens Wandercraft freigegeben, seit dem 17. September 2026 wird es in den USA verkauft. Was das Gerät kann, was die Studie dahinter wirklich zeigt und warum es in Deutschland noch nicht zu haben ist.27.09.2026KI-generierte Illustration: Person in einem schwarzen Ganzkörper-Exoskelett mit Kabeln geht über einen sonnigen GehwegAnalyseKamera statt EMG: Transformer-Modell steuert Knie-ExoskelettEin Team des RIKEN Guardian Robot Project lässt ein Knie-Exoskelett per Brillenkamera und Bewegungssensoren entscheiden, wann es unterstützt. Im Versuch mit zwei gesunden Männern sank die Muskelarbeit messbar – mit klaren Grenzen.18.09.2025