Die Robotergesetze von Isaac Asimov
von Sebastian Scholtysek16. Januar 2016
Isaac Asimov ist der wohl bekannteste Science-Fiction-Autor der Welt. In seinem literarischen Werk setzte er sich auch mit der Beziehung zwischen Mensch und Roboter auseinander, für deren Zusammenleben er die drei Robotergesetze entwickelte.
Dieser Artikel wurde am 25. August 2026 aktualisiert.

Die Vorstellung von gefährlichen Robotern, die sich der Kontrolle ihrer menschlichen Schöpfer entledigen und zur Gefahr für eben diese werden, ist so alt wie der Roboter selbst. Zum ersten Mal verwendete der tschechische Schriftsteller Karel Čapek (1890-1938) in seinem Theaterstück „Rossums Universal Robots“ den Begriff des Roboters. Gegenstand der Handlung: Vom Menschen gebaute Roboter lehnen sich gegen ihre Erbauer auf und versklaven sie. Doch gibt es abseits der Fiktion eine reale Gefahr für den Menschen durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz? Auf den ersten Blick scheint es diese nur im Reich der Fantasie zu geben. Ein Großteil der Roboter unserer Tage sind auf mehr oder weniger einfache Arbeitsschritte ausgelegte maschinelle Helfer. Jedoch gibt es immer mehr androide Roboter, die eine erstaunliche Autonomie im Treffen von Entscheidungen besitzen. Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung in der Robotertechnologie ist die Vorstellung von Robotern, die einen eigenen Willen entwickeln und zur Bedrohung für Menschen werden, nicht undenkbar. Wie kann dies verhindert werden? Und welchen Gesetzen müssen Roboter folgen, damit eine reelle Gefahr für den Menschen ausgeschlossen ist? Um Antworten auf diese Fragen war der bekannte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov bemüht. Er beschäftigte sich eingehend mit der Beziehung von Mensch und Roboter und entwarf dabei einen Verhaltenskodex für Roboter, die sogenannten Robotergesetze. Auch wenn seine Werke Fiktion sind, so haben sie dennoch die Wissenschaft und Robotik nachhaltig beeinflusst.
Vom Chemiker zum Science-Fiction-Autor
Isaac Asimov wurde am 2. Januar 1920 in Russland geboren. Als er drei Jahre alt war, wanderte seine Familie in die USA aus. Er wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und war von klein an ein Vielleser – das Lesen brachte er sich im Alter von fünf Jahren selbst bei. Besonders hatten es ihm Science-Fiction-Bücher angetan, obgleich sein Vater ihm zunächst diese in seinen Augen nutzlose Literatur verbieten wollte. Doch der kleine Isaac konnte seinen Vater überreden und durfte weiter seinem Lesedrang nach derartigen Geschichten nachgehen. Er verschlang die Ausgaben von Magazinen wie „Amazing Stories“ oder „Science Wonder Stories“. Entgegen dem Wunsch seiner Eltern, die in ihrem Sohn einen kommenden Mediziner sahen, entschied sich Isaac Asimov für ein Studium der Chemie. Während seines Studiums begann er mit der Schriftstellerei und veröffentlichte 1939 seine erste Kurzgeschichte. In dieser Zeit kam der junge Akademiker auch mit der amerikanischen Science-Fiction-Szene in Berührung, deren Anhängerschaft in den 1930er Jahren stetig wuchs. Bevor er aber das Schreiben zu seinem Hauptberuf machte, sollte noch viel Zeit vergehen.

Asimovs Robotergeschichten und die Robotergesetze
1948 wurde Asimov Doktor der Biochemie und erhielt eine Stelle als Dozent an der Boston University. Doch schon 1958 gab er seine Lehrtätigkeit auf und widmete sich ganz der Schriftstellerei. Besonders seine Robotergeschichten erfreuten sich bei der Leserschaft großer Beliebtheit. Asimov beschäftigte sich aber auch intensiv mit dem Zusammenleben von Menschen und Robotern und entwickelte dabei die drei Gesetze der Robotik, die in der Kurzgeschichte „Runaround“ erstmalig Erwähnung fanden. In ihrer ursprünglichen Form lauten sie folgendermaßen:
Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
Ein Roboter muss den Befehlen gehorchen, die ihm von Menschen erteilt werden, es sei denn, dies würde gegen das erste Gebot verstoßen.
Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange solch ein Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt.
Später erweiterte Asimov den Kodex in der Erzählung „Das galaktische Imperium“ um ein weiteres, das sogenannte nullte Robotergesetz: „Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird.“ Das nullte Gesetz stellte Asimov als übergeordneten Grundsatz den anderen Regeln voran.
Mehr als 500 Bücher entstammen der Feder Asimovs. Neben den zahlreichen Science-Fiction-Geschichten verfasste er auch wissenschaftliche Werke, die Themen aus der Physik, Chemie und anderen Naturwissenschaften behandelten. 1983 zog er sich bei einer Bluttransfusion HIV zu, an dessen Folgen er am 6. April 1992 starb.
Inspiration für Pop-Kultur
Vor allem Filmemacher wurden von Asimovs Robotergeschichten inspiriert. Dem ersten Robotergesetz folgend, nicht durch Untätigkeit Schaden für menschliche Wesen zuzulassen, übernehmen Roboter beispielsweise in einer Folge der TV-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ (1965) die Kontrolle in einem Bergwerk, um die Menschen nach einer Auseinandersetzung davon abzuhalten, sich weiter gegenseitig zu schaden. Auch in dem Blockbuster „I, Robot“ (2004) – der Filmtitel ist zugleich der Titel einer Kurzgeschichtensammlung von Isaac Asimov – sind die Anleihen von Asimovs Grundregeln der Robotik offensichtlich: Im Chicago des Jahrs 2035 sind Roboter allgegenwärtig. Einer von ihnen wird zum Delinquenten und tötet einen Wissenschaftler. Der Polizist Del Spooner, gespielt von Will Smith, will den Roboter dingfest machen, weil dessen Tat gegen die Robotergesetze, die im Film für alle Roboter gelten, verstoßen hat.

Robotergesetze als Grundgesetz für Roboter?
Auch auf die Wissenschaft hatte der berühmte Schriftsteller erheblichen Einfluss. So war es Asimov, der den Begriff der „Robotik“ erstmalig in der Geschichte „Runaround“ benutzte und somit prägte; ein Begriff, der sich in der Wissenschaft als Terminus für die Beschäftigung mit Robotertechnologien etabliert hat. Darüber hinaus dienen die Robotergesetze heutigen Programmierern als Richtschnur. War es lange Zeit nicht möglich, Roboter so zu programmieren, dass sie die Regeln von sich aus befolgen – die meisten Maschinen waren dafür schlichtweg zu simpel –, so hat sich das mit den Fortschritten der künstlichen Intelligenz geändert. Damit einfache Roboter nicht zur Gefahr für den Menschen werden, nutzt man bis heute Sicherheitsvorrichtungen wie Stoßpuffer, Warnsignale oder Ähnliches. Mit der steigenden Komplexität der Robotertechnologie rückt jedoch die Frage nach einer Ethik für Maschinen immer näher – und damit die Möglichkeit, dass Asimovs Robotergesetze zum Grundgesetz der Maschinen mit künstlicher Intelligenz werden.
Die Robotergesetze im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Was zu Asimovs Lebzeiten reine Fiktion war, ist heute eine der drängendsten Fragen der Technologiepolitik. Mit Sprachmodellen wie ChatGPT, autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern, die erste Arbeiten in Fabriken übernehmen, sind Maschinen Realität geworden, die eigenständig Entscheidungen treffen. Die Frage, nach welchen Regeln sie das tun sollen, beschäftigt inzwischen ein ganzes Forschungsfeld: Unter dem Stichwort „AI Alignment“ arbeiten Wissenschaftler daran, Künstliche Intelligenz zuverlässig an menschlichen Werten auszurichten – im Kern also an genau dem Problem, das Asimov vor über 80 Jahren literarisch durchspielte.
Auch der Gesetzgeber hat reagiert: Mit der KI-Verordnung (AI Act) hat die Europäische Union das weltweit erste umfassende Regelwerk für Künstliche Intelligenz geschaffen. Sie verfolgt einen risikobasierten Ansatz – je größer die mögliche Gefahr eines KI-Systems für den Menschen, desto strenger die Auflagen. Der Schutz des Menschen steht dabei an oberster Stelle, bestimmte Anwendungen sind ganz verboten. Das erinnert nicht zufällig an die Hierarchie der Robotergesetze. Zugleich zeigen Asimovs Geschichten bis heute, warum einfache Regeln allein nicht genügen: Fast alle seine Erzählungen handeln davon, wie die drei Gesetze in der Praxis an Widersprüchen, Auslegungsfragen und unvorhergesehenen Situationen scheitern. Genau diese Erkenntnis macht sein Werk für die aktuelle Debatte um sichere KI so erstaunlich aktuell.
Bücher von Isaac Asimov
Kaum ein Autor hat die Science-Fiction so geprägt wie Isaac Asimov: Über 500 Bücher umfasst sein Werk, darunter die Robotergeschichten, in denen er die drei Robotergesetze entwickelte, und der monumentale Foundation-Zyklus. Beide Welten verband er später zu einer großen „Geschichte der Zukunft“, die im Heyne Verlag heute als 17-bändige Reihe „Roboter und Foundation – der Zyklus“ erscheint. Wer sich in dieses Universum stürzen möchte, findet hier unsere Empfehlungen für den Einstieg – und im Anschluss die komplette Reihe in der richtigen Reihenfolge.
Die besten Bücher von Asimov
Auswahl der Redaktion: Aus Asimovs gewaltigem Werk haben wir die Titel herausgesucht, die den Einstieg in seine Roboter-Welt am lohnendsten machen – allesamt aktuell als Heyne-Taschenbuch lieferbar.

Ich, der Roboter (1950)
Das Buch, in dem die drei Robotergesetze erstmals gesammelt vorgestellt wurden. In neun zusammenhängenden Erzählungen blickt die Robotpsychologin Dr. Susan Calvin auf fünfzig Jahre Robotergeschichte zurück – jede Geschichte ist ein kleines Logikrätsel rund um die Robotergesetze. Wer nur ein einziges Asimov-Buch lesen möchte, greift zu diesem.

Der Zweihundertjährige (1976)
Emotionaler Höhepunkt der Robotergeschichten: Der Haushaltsroboter Andrew entwickelt sich über Jahrzehnte weiter und kämpft schließlich vor Gericht darum, als Mensch anerkannt zu werden. Die Titelnovelle gewann sowohl den Hugo als auch den Nebula Award und wurde 1999 mit Robin Williams verfilmt.

Die Stahlhöhlen (1954)
Mit diesem Roman erfand Asimov den Roboter-Krimi: Der New Yorker Ermittler Elijah Baley klärt den Mord an einem Diplomaten auf – gemeinsam mit dem menschenähnlichen Roboter R. Daneel Olivaw, dem wohl berühmtesten Roboter der Literaturgeschichte.

Die nackte Sonne (1957)
Die Fortsetzung der „Stahlhöhlen“ schickt das ungleiche Ermittlerduo auf den Planeten Solaria, wo auf jeden Menschen zehntausend Roboter kommen und persönlicher Kontakt als anstößig gilt.

Die Foundation-Trilogie (1951–1953)
Asimovs Hauptwerk: Der Psychohistoriker Hari Seldon sagt den Zerfall des Galaktischen Imperiums voraus und ersinnt einen Plan, der die Menschheit durch das drohende dunkle Zeitalter führen soll. Die Trilogie erhielt 1966 den Hugo Award als „beste Serie aller Zeiten“ und diente als Vorlage für die Apple-TV+-Serie „Foundation“.

Das Ende der Ewigkeit (1955)
Ein Geheimtipp abseits der Robotergesetze: Der Zeitreiseroman über eine Organisation, die die Vergangenheit korrigiert, um der Menschheit Leid zu ersparen, gilt vielen Kritikern als Asimovs bester Einzelroman.
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Reihenfolge seiner Werke
Asimov schrieb sein Leben lang an seinem Roboter/Foundation-Universum, sprang dabei aber in der fiktiven Zeit hin und her. Die Bandnummerierung der Heyne-Reihe folgt der internen Chronologie der Saga – wer ihr folgt, liest also erst die Roboter-Erzählungen, dann die Baley-Krimis, anschließend die Imperium-Romane und zum Schluss die Foundation-Bände. Alle Bücher funktionieren aber auch unabhängig voneinander. Die mit ★ markierten Titel gehören zu unserer Redaktionsauswahl.
| Band | Titel | Originaltitel | Erschienen | Tipp |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ich, der Roboter | I, Robot | 1950 | ★ |
| 2 | Geliebter Roboter | Earth is Room Enough | 1957 | |
| 3 | Der Zweihundertjährige | The Bicentennial Man | 1976 | ★ |
| 4 | Die Stahlhöhlen | The Caves of Steel | 1954 | ★ |
| 5 | Die nackte Sonne | The Naked Sun | 1957 | ★ |
| 6 | Der Aufbruch zu den Sternen | The Robots of Dawn | 1983 | |
| 7 | Das galaktische Imperium | Robots and Empire | 1985 | |
| 8 | Sterne wie Staub | The Stars, Like Dust | 1951 | |
| 9 | Ströme im All | The Currents of Space | 1952 | |
| 10 | Ein Sandkorn am Himmel | Pebble in the Sky | 1950 | |
| 11 | Die Rettung des Imperiums | Prelude to Foundation | 1988 | |
| 12 | Das Foundation Projekt | Forward the Foundation | 1993 | |
| 13 | Die Foundation-Trilogie | Foundation / Foundation and Empire / Second Foundation | 1951–1953 | ★ |
| 14 | Die Suche nach der Erde | Foundation's Edge | 1982 | |
| 15 | Die Rückkehr zur Erde | Foundation and Earth | 1986 | |
| 16 | Das Ende der Ewigkeit | The End of Eternity | 1955 | ★ |
| 17 | Nemesis | Nemesis | 1989 |
Übrigens: Die Bände 16 und 17 gehören inhaltlich nicht zur Roboter/Foundation-Saga – Heyne hat die beiden eigenständigen Romane der Reihe als Bonus angefügt.
Noch mehr Lesestoff: Die 10 wichtigsten Roboter-Romane aller Zeiten – von Jack Williamsons Klassiker bis zu Kazuo Ishiguros künstlicher Freundin Klara.
Isaac Asimov entwickelte in den 1940er Jahren die berühmten drei Robotergesetze, um das Zusammenleben von Menschen und Robotern sicher zu gestalten. Diese Gesetze wurden erstmals in seiner Kurzgeschichte „Runaround“ vorgestellt und lauten:
Ein Roboter darf einem Menschen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem Menschen Schaden zugefügt wird.
Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen, es sei denn, diese Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht mit dem ersten oder zweiten Gesetz kollidiert.
Später ergänzte Asimov ein „nulltes Gesetz“:
Ein Roboter darf der Menschheit nicht schaden oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird.
Diese Gesetze haben nicht nur die Science-Fiction-Literatur geprägt, sondern auch Diskussionen in der Robotik und Ethik beeinflusst.
Drei zentrale Erkenntnisse:
Vorausschauende Ethik in der Robotik
Asimovs Robotergesetze waren ein früher Versuch, ethische Richtlinien für künstliche Intelligenz und autonome Maschinen zu formulieren, lange bevor solche Technologien Realität wurden.Hierarchisches Regelwerk
Die Gesetze sind so strukturiert, dass der Schutz des Menschen oberste Priorität hat, gefolgt von Gehorsam gegenüber menschlichen Befehlen und dem Selbstschutz des Roboters.Einfluss auf Wissenschaft und Popkultur
Obwohl fiktiv, haben die Robotergesetze reale Diskussionen über die Sicherheit und Ethik von Robotern angestoßen und sind zu einem festen Bestandteil der (Pop)Kultur geworden.
Sebastian ScholtysekRedakteur
Roboterwelt Redaktion