THeMIS in der Ukraine: Was der estnische Bodenroboter dort leistet

Seit Ende 2022 fahren Kettenroboter des estnischen Herstellers Milrem Robotics für die ukrainischen Streitkräfte. Aus 15 Fahrzeugen sollen nach Herstellerangaben bis Ende 2026 mehr als 200 werden – finanziert von Deutschland und den Niederlanden, gebaut zum Teil in den Niederlanden.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 11
Mehrere olivgrüne Kettenfahrzeuge vom Typ THeMIS und ein radgetriebenes unbemanntes Fahrzeug auf einem Parkplatz vor einem Backsteingebäude
THeMIS-Bodenroboter beim US Marine Corps in Camp Lejeune, USA, September 2025 – nicht in der Ukraine Foto: U.S. Marine Corps / Sgt. Alfonso Livrieri, DVIDS (gemeinfrei). Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Ein Werkzeugträger auf Ketten

THeMIS ist ein ferngesteuertes Kettenfahrzeug mit Hybridantrieb, auf das je nach Auftrag eine Transportfläche, eine Trage, ein Minenräumgerät oder eine fernbediente Waffenstation montiert wird. Milrem Robotics wurde 2013 in Tallinn gegründet; seit 2023 hält der staatliche Rüstungskonzern EDGE aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Mehrheit. Laut Hersteller haben 20 Staaten das Fahrzeug beschafft oder testen es, darunter acht NATO-Mitglieder, auch Deutschland. 

Bei der Zuladung gehen die Angaben auseinander. Business Insider nannte 2025 bis zu 1,2 Tonnen Nutzlast und rund 19 Kilometer pro Stunde, das Datenblatt von Milrem nennt heute eine Nennzuladung von 750 Kilogramm bei 20 Kilometern pro Stunde und eine Sichtverbindungs-Steuerung über bis zu 1,5 Kilometer. 

Die ersten 14 Fahrzeuge kamen über Deutschland

Am 29. November 2022 gaben Milrem und Krauss-Maffei Wegmann bekannt, im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums 14 THeMIS an die Ukraine zu liefern. Sieben waren für den Verwundetentransport ausgelegt und sollten bis Ende 2022 eintreffen, sieben weitere trugen ein Räumsystem des französischen Herstellers CNIM und folgten im zweiten Quartal 2023. Milrem selbst spricht in späteren Mitteilungen von 15 Fahrzeugen, die seit 2022 in der Ukraine im Einsatz seien; woher das fünfzehnte stammt, geht aus den Mitteilungen nicht hervor. 

Im Januar 2024 veröffentlichte Milrem Rückmeldungen der Nutzer. Nach Angaben von Jüri Pajuste, der das Ukraine-Programm des Herstellers leitet, räumen die Fahrzeuge Panzerminen und Blindgänger und bringen Material dorthin, wo normale Fahrzeuge nicht hinkommen oder ihr Verlust zu riskant wäre. Pioniere hätten sie genutzt, um eigene Panzerminen zum Verlegen nach vorn zu fahren. In der Schlammperiode, ukrainisch Bezdorizhzhia, ersetze THeMIS Lastwagen, die im Morast stecken blieben. „Außerdem macht die geringe Größe und niedrige Bauhöhe des Fahrzeugs es dem Gegner schwer, es zu entdecken, und das hat seine Überlebensfähigkeit erhöht“, sagte Pajuste (Übersetzung). Einheiten und Einsatzorte nennt Milrem aus Sicherheitsgründen nicht; unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. 

Soldaten bauen um

Im Juni 2025 sprach Milrem-Gründer und Geschäftsführer Kuldar Väärsi mit Business Insider über den Einsatz. Ukrainische Soldaten brächten zusätzliche Ausrüstung an den Fahrzeugen an. „Wenn man einem Soldaten ein Werkzeug gibt, dann wird er es so einsetzen, wie es ihm am sinnvollsten erscheint“, sagte Väärsi (Übersetzung). Für die Truppe gehe es buchstäblich um Leben und Tod. Einzelheiten nannte er aus Sicherheitsgründen nicht. Milrem habe seine Produkte nach den Erfahrungen aus der Ukraine geändert und plane ein eigenes Team im Land. 

Oleksandr Jabtschanka, Leiter der Robotersysteme des ukrainischen Bataillons „Da Vinci Wolves“, beschrieb im selben Bericht, dass seine Einheit Bodenroboter auch zum Minenlegen, zum Bergen von Gefallenen und als Sprengsatz gegen russische Ziele nutzt – allerdings ohne sich dabei speziell auf THeMIS zu beziehen. „Die Bodenrobotersysteme sind Lego-Baukästen“, sagte er (Übersetzung). 

Im August 2025 meldete Milrem, gemeinsam mit dem ukrainischen Unternehmen Frontline die Waffenstation BURIA mit 40-Millimeter-Granatwerfer auf THeMIS integriert zu haben. Bei Schießversuchen in der Ukraine seien Ziele in bis zu 1.100 Metern Entfernung bekämpft worden. Es handelt sich um eine Herstellerangabe. 

Nachschub aus den Niederlanden

Am 6. Oktober 2025 unterzeichneten der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans, Milrem und das Unternehmen VDL in Born eine Vereinbarung über mehr als 150 THeMIS für die Ukraine, finanziert und koordiniert von der niederländischen Regierung. Milrem sagte zudem die Ausbildung ukrainischer Bediener und Instandsetzer zu. Am 4. Juni 2026 eröffneten Milrem und VDL Defentec in Born eine Endmontagelinie und übergaben die ersten dort gebauten Fahrzeuge an die niederländische Regierung zur Weitergabe an die Ukraine. Über diese Linie sollen laut Mitteilung mehr als 100 Fahrzeuge laufen. 

Brandanschlag in Tallinn

In der Nacht zum 15. August 2026 brannte es in einem von Milrem genutzten Gebäude im Tallinner Stadtteil Lasnamäe. Die Lieferungen seien davon nicht betroffen, sagte Väärsi der Nachrichtenagentur Reuters laut Militarnyi; bis Jahresende sollen nach Firmenangaben mehr als 200 Milrem-Systeme in der Ukraine sein. Am 29. September 2026 erklärte die estnische Regierung auf Grundlage von Erkenntnissen ihres Inlandsgeheimdienstes, der Anschlag sei eine von russischen Diensten beauftragte Sabotage gewesen. Drei lettische Staatsbürger wurden im August in Lettland festgenommen und im September an Estland überstellt. Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte die Vorwürfe laut Defense News „haltlos“ (Übersetzung). 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 4. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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