Der Betrieb und das Problem
Im Juli 2025 veröffentlichte Robotiq, ein Hersteller von Greifern und Palettierlösungen für kollaborative Roboter, im Firmenblog ein Anwenderbeispiel. Autor ist Mike Welch. Es geht um einen kleinen Betrieb im Mittleren Westen der USA, der Produkte anderer Lebensmittel- und Getränkemarken pasteurisiert und ausliefert. Den Namen des Unternehmens, den genauen Standort, die Zahl der Beschäftigten oder Produktionsmengen nennt der Beitrag nicht.
Nach der Darstellung des Herstellers kommt der Betrieb mit wenig Handarbeit aus – bis auf das Ende der Linie. Dort mussten Kartons von Hand auf Paletten gestapelt werden. Fehlende Arbeitskräfte und die körperliche Belastung durch das wiederholte Heben gaben den Ausschlag für eine Automatisierung. Bedingung war laut Robotiq, dass sich die Anlage schnell aufbauen und einfach bedienen lässt und für die Belegschaft sicher ist.
Was Robotiq über die Inbetriebnahme schreibt
Gekauft wurde eine „Robotiq Palletizing Solution“. Zum Paket gehörten laut Blogbeitrag Unterstützung beim Anlauf durch einen Robotiq-Fachmann, ein auf Hallenlayout und Betrieb zugeschnittenes Sicherheitspaket und die Betreuung durch einen zertifizierten Partner vor Ort. Welches Robotermodell und welcher Greifer zum Einsatz kamen, steht nicht im Text.
Am zweiten Tag sei das System voll funktionsfähig und das Team geschult gewesen, schreibt Robotiq. Während der Einrichtung mussten Kartonausrichtung, Geschwindigkeit und Greifkraft nachjustiert werden; das habe jeweils nur Minuten gedauert, ohne Neuprogrammierung und ohne Stillstand. Der Kunde habe von der reibungslosesten Werksabnahme gesprochen, die er je erlebt habe – das gibt Robotiq sinngemäß wieder, ein namentlich zugeordnetes Zitat enthält der Beitrag nicht.
Messbare Ergebnisse fehlen: Der Bericht nennt weder eingesparte Arbeitsstunden noch Investitionssumme oder Amortisationszeit. Ob die Lösung später auf weitere Linien übertragen wurde, bleibt ebenfalls offen. Es handelt sich um eine Darstellung des Herstellers, die nicht unabhängig überprüft ist.
Ein zweites Beispiel aus Chile
Zwei Tage vor dem oben beschriebenen Fall, am 15. Juli 2025, hatte Robotiq im Firmenblog ein weiteres Anwenderbeispiel veröffentlicht. Autor ist Juan Manuel Herrera Medina. Es geht um ein Werk in Chile, in dem ein Getränkehersteller trockene Zutatenmischungen für seine Rezepturen herstellt; Erfrischungsgetränke selbst werden dort nicht abgefüllt. Den Namen des Unternehmens nennt der Beitrag nicht.
Nach Darstellung des Herstellers hatte der Konzern die Vorgabe ausgegeben, wo immer möglich zu automatisieren, um menschliche Eingriffe und damit das Kontaminationsrisiko zu verringern. Am Linienende hoben Beschäftigte bis dahin Kartons von 22 Kilogramm von Hand. Ein Robotiq-Partner hatte in dem Werk zuvor schon eine Kartonaufrichtung mit einem kollaborativen Roboter eingerichtet; für das Palettieren reichte die Traglast der damaligen Robotiq-Lösung aber nicht.
Den Ausschlag gab laut Blogbeitrag der Platz: Für einen herkömmlichen Palettierer mit Industrieroboter sei in der Halle nicht genug Fläche gewesen. Bestellt wurden drei Einheiten der Palettierlösung AX30, die auf dem Cobot UR30 von Universal Robots aufbaut. Wie lange die Inbetriebnahme dauerte und welche Ergebnisse die Anlagen bringen, steht nicht im Text. Auch hier handelt es sich um eine Herstellerdarstellung.
Zur Traglast der AX30 macht Robotiq unterschiedliche Angaben: Im Anwenderbeispiel sind es 32 Kilogramm, in der Pressemitteilung zur Markteinführung vom 12. August 2024 nennt das Unternehmen 60 Pfund, also gut 27 Kilogramm, und eine Palettenhöhe von bis zu 108 Zoll (rund 2,74 Meter). In derselben Mitteilung gibt Robotiq an, seine Cobot-Palettierer brauchten ein Viertel der Fläche eines Palettierers mit Industrieroboter.
Was solche Palettierzellen leisten
Einordnen lässt sich das Beispiel über die Produktunterlagen des Herstellers. Robotiq bietet mit „PAL Ready“ eine vormontierte Zelle an. Laut Datenblatt vom September 2025 hebt sie Kartons bis 21 Kilogramm, schafft 13 Aufnahmen pro Minute und stapelt bis 2,20 Meter hoch; die gesamte Zelle braucht in der EU-Ausführung mehr als 3,70 mal 3,60 Meter Fläche. Die Lieferzeit gibt Robotiq mit fünf Tagen an, das Versetzen der nicht verankerten Zelle mit unter zehn Minuten. Die modulare „PAL Series“ deckt je nach Modell Nutzlasten von 11,5 bis 32 Kilogramm, 10 bis 13 Zyklen pro Minute und Palettenhöhen von 1,55 bis 3 Metern ab. Auf der Produktwebseite nennt Robotiq dagegen bis zu 35 Kilogramm Nutzlast.
Zur Wirtschaftlichkeit schreibt der Hersteller auf derselben Seite, die meisten Fabriken erreichten den Return on Investment in ein bis zwei Jahren. Weltweit seien knapp 1.000 Einheiten installiert. Auch das sind Herstellerangaben.
Sicherheit hängt an der Anwendung, nicht am Roboter
Der Ausdruck „Cobot“ suggeriert, dass ein Roboter von sich aus ungefährlich ist. Die Normung sieht das anders. Im März 2025 erschienen die überarbeiteten Sicherheitsnormen ISO 10218-1 für Industrieroboter und ISO 10218-2 für Roboteranwendungen und Roboterzellen; sie ersetzen die Fassungen von 2011. Die Anforderungen an kollaborative Anwendungen, bisher in der technischen Spezifikation ISO/TS 15066 geregelt, sind in die neue Fassung eingeflossen. Bewertet wird die gesamte Anwendung samt Werkstücken, Programm und Peripherie. Die Sicherheitsfunktionen können im Roboter selbst oder in zusätzlichen Schutzeinrichtungen stecken, erläutert der US-Robotikverband A3. Das im Anwenderbeispiel erwähnte, auf die Halle zugeschnittene Sicherheitspaket ist genau so ein Baustein: Ob eine Palettierzelle ohne Schutzzaun betrieben werden darf, entscheidet die Risikobeurteilung für den konkreten Aufbau.
Quellen
- Why one small palletizing project delivered big results – Robotiq (Mike Welch) – 17.07.2025
- Production-Ready Palletizer / PAL Series, Produktdatenblatt (Stand 09-2025) – Robotiq – 09.2025
- Lean Palletizing, Produktseite – Robotiq – abgerufen 03.10.2026
- Updated ISO 10218: Answers to Frequently Asked Questions (FAQs) – A3 Association for Advancing Automation – 20.03.2025
- When small space meets big goals – Robotiq (Juan Manuel Herrera Medina) – 15.07.2025
- New Robotiq Cobot Palletizers: The Smart Cobots, Making your Investment Risk-Free – Robotiq via PRWeb – 12.08.2024
- Unveiling UR30 and AX30: A Breakthrough in Robotic Solutions – Robotiq (Nicolas Lauzier) – 01.12.2023
Aktualisiert : Auf Basis der Primärquellen neu gefasst Aktualisiert : Zweites Robotiq-Anwenderbeispiel aus Chile ergänzt Erstveröffentlichung: .

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.
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