Palettieren mit dem Cobot: Was ein Robotiq-Anwenderbeispiel zeigt

Ein kleiner Lebensmitteldienstleister im Mittleren Westen der USA lässt seine Kartons von einem Roboter stapeln. Der Hersteller Robotiq erzählt die Geschichte – Firmenname und Kennzahlen bleiben dabei offen.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 7
Cobot von Universal Robots auf einer Edelstahlsäule mit Vierfach-Vakuumgreifer über einer Lage Kartons, rechts ein Förderband
Cobot-Palettierer mit Hubsäule (nicht die Anlage aus dem Robotiq-Beispiel) Foto: CollaborativePalletizer / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Betrieb und das Problem

Im Juli 2025 veröffentlichte Robotiq, ein Hersteller von Greifern und Palettierlösungen für kollaborative Roboter, im Firmenblog ein Anwenderbeispiel. Autor ist Mike Welch. Es geht um einen kleinen Betrieb im Mittleren Westen der USA, der Produkte anderer Lebensmittel- und Getränkemarken pasteurisiert und ausliefert. Den Namen des Unternehmens, den genauen Standort, die Zahl der Beschäftigten oder Produktionsmengen nennt der Beitrag nicht. 

Nach der Darstellung des Herstellers kommt der Betrieb mit wenig Handarbeit aus – bis auf das Ende der Linie. Dort mussten Kartons von Hand auf Paletten gestapelt werden. Fehlende Arbeitskräfte und die körperliche Belastung durch das wiederholte Heben gaben den Ausschlag für eine Automatisierung. Bedingung war laut Robotiq, dass sich die Anlage schnell aufbauen und einfach bedienen lässt und für die Belegschaft sicher ist. 

Was Robotiq über die Inbetriebnahme schreibt

Gekauft wurde eine „Robotiq Palletizing Solution“. Zum Paket gehörten laut Blogbeitrag Unterstützung beim Anlauf durch einen Robotiq-Fachmann, ein auf Hallenlayout und Betrieb zugeschnittenes Sicherheitspaket und die Betreuung durch einen zertifizierten Partner vor Ort. Welches Robotermodell und welcher Greifer zum Einsatz kamen, steht nicht im Text. 

Am zweiten Tag sei das System voll funktionsfähig und das Team geschult gewesen, schreibt Robotiq. Während der Einrichtung mussten Kartonausrichtung, Geschwindigkeit und Greifkraft nachjustiert werden; das habe jeweils nur Minuten gedauert, ohne Neuprogrammierung und ohne Stillstand. Der Kunde habe von der reibungslosesten Werksabnahme gesprochen, die er je erlebt habe – das gibt Robotiq sinngemäß wieder, ein namentlich zugeordnetes Zitat enthält der Beitrag nicht. 

Messbare Ergebnisse fehlen: Der Bericht nennt weder eingesparte Arbeitsstunden noch Investitionssumme oder Amortisationszeit. Ob die Lösung später auf weitere Linien übertragen wurde, bleibt ebenfalls offen. Es handelt sich um eine Darstellung des Herstellers, die nicht unabhängig überprüft ist. 

Ein zweites Beispiel aus Chile

Zwei Tage vor dem oben beschriebenen Fall, am 15. Juli 2025, hatte Robotiq im Firmenblog ein weiteres Anwenderbeispiel veröffentlicht. Autor ist Juan Manuel Herrera Medina. Es geht um ein Werk in Chile, in dem ein Getränkehersteller trockene Zutatenmischungen für seine Rezepturen herstellt; Erfrischungsgetränke selbst werden dort nicht abgefüllt. Den Namen des Unternehmens nennt der Beitrag nicht. 

Nach Darstellung des Herstellers hatte der Konzern die Vorgabe ausgegeben, wo immer möglich zu automatisieren, um menschliche Eingriffe und damit das Kontaminationsrisiko zu verringern. Am Linienende hoben Beschäftigte bis dahin Kartons von 22 Kilogramm von Hand. Ein Robotiq-Partner hatte in dem Werk zuvor schon eine Kartonaufrichtung mit einem kollaborativen Roboter eingerichtet; für das Palettieren reichte die Traglast der damaligen Robotiq-Lösung aber nicht. 

Den Ausschlag gab laut Blogbeitrag der Platz: Für einen herkömmlichen Palettierer mit Industrieroboter sei in der Halle nicht genug Fläche gewesen. Bestellt wurden drei Einheiten der Palettierlösung AX30, die auf dem Cobot UR30 von Universal Robots aufbaut. Wie lange die Inbetriebnahme dauerte und welche Ergebnisse die Anlagen bringen, steht nicht im Text. Auch hier handelt es sich um eine Herstellerdarstellung. 

Zur Traglast der AX30 macht Robotiq unterschiedliche Angaben: Im Anwenderbeispiel sind es 32 Kilogramm, in der Pressemitteilung zur Markteinführung vom 12. August 2024 nennt das Unternehmen 60 Pfund, also gut 27 Kilogramm, und eine Palettenhöhe von bis zu 108 Zoll (rund 2,74 Meter). In derselben Mitteilung gibt Robotiq an, seine Cobot-Palettierer brauchten ein Viertel der Fläche eines Palettierers mit Industrieroboter. 

Was solche Palettierzellen leisten

Einordnen lässt sich das Beispiel über die Produktunterlagen des Herstellers. Robotiq bietet mit „PAL Ready“ eine vormontierte Zelle an. Laut Datenblatt vom September 2025 hebt sie Kartons bis 21 Kilogramm, schafft 13 Aufnahmen pro Minute und stapelt bis 2,20 Meter hoch; die gesamte Zelle braucht in der EU-Ausführung mehr als 3,70 mal 3,60 Meter Fläche. Die Lieferzeit gibt Robotiq mit fünf Tagen an, das Versetzen der nicht verankerten Zelle mit unter zehn Minuten. Die modulare „PAL Series“ deckt je nach Modell Nutzlasten von 11,5 bis 32 Kilogramm, 10 bis 13 Zyklen pro Minute und Palettenhöhen von 1,55 bis 3 Metern ab. Auf der Produktwebseite nennt Robotiq dagegen bis zu 35 Kilogramm Nutzlast. 

Zur Wirtschaftlichkeit schreibt der Hersteller auf derselben Seite, die meisten Fabriken erreichten den Return on Investment in ein bis zwei Jahren. Weltweit seien knapp 1.000 Einheiten installiert. Auch das sind Herstellerangaben. 

Sicherheit hängt an der Anwendung, nicht am Roboter

Der Ausdruck „Cobot“ suggeriert, dass ein Roboter von sich aus ungefährlich ist. Die Normung sieht das anders. Im März 2025 erschienen die überarbeiteten Sicherheitsnormen ISO 10218-1 für Industrieroboter und ISO 10218-2 für Roboteranwendungen und Roboterzellen; sie ersetzen die Fassungen von 2011. Die Anforderungen an kollaborative Anwendungen, bisher in der technischen Spezifikation ISO/TS 15066 geregelt, sind in die neue Fassung eingeflossen. Bewertet wird die gesamte Anwendung samt Werkstücken, Programm und Peripherie. Die Sicherheitsfunktionen können im Roboter selbst oder in zusätzlichen Schutzeinrichtungen stecken, erläutert der US-Robotikverband A3. Das im Anwenderbeispiel erwähnte, auf die Halle zugeschnittene Sicherheitspaket ist genau so ein Baustein: Ob eine Palettierzelle ohne Schutzzaun betrieben werden darf, entscheidet die Risikobeurteilung für den konkreten Aufbau. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

Mehr zu Industrie & Logistik

Alle 44 Beiträge
Fassade des Stata Center am MIT bei Sonnenschein: geschwungene, silbern glänzende Metallwände mit schräg gesetzten Fenstern, dazwischen ein hoher Turm aus gelbem Backstein, rechts eine Glasfront, vorn ein kleiner Baum und GräserKurzmeldungEka Robotics: 150 Millionen Dollar für ein Robotermodell, das Kraft statt Sprache auswertetDas 2024 gegründete US-Start-up Eka Robotics hat eine Series-A-Runde über 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Andreessen Horowitz und F-Prime. Sein „Vision-Force-Action“-Modell verarbeitet neben Kamerabildern die Kraftrückmeldung des Greifers. TechCrunch beziffert die Bewertung auf 1,45 Milliarden Dollar; Eka selbst nennt keine Zahl.26.10.2026Humanoider Forschungsroboter iCub mit weißem Kopf, leuchtend weißen Augenbrauen und lächelndem Mund, grauer Textilhülle mit iit-Logo und der Aufschrift S/N: 049 auf der Brust, beide Arme mit metallischen Fingern seitlich ausgebreitet; dahinter ein Labor mit blauen Regalrahmen, einem orangefarbenen Drehstuhl links, blauen Schubladenschränken rechts und einem zweiten, unverkleideten Roboter im HintergrundKurzmeldungGenerative Bionics plant in Italien eine Trainingsfabrik für HumanoideDas Genueser Robotikunternehmen Generative Bionics will bis Ende 2027 in Italien eine 5.000 Quadratmeter große „Physical AI Data Factory“ eröffnen, in der sein Humanoid GENE.01 Trainingsdaten erzeugt. Zwei weitere Standorte sollen folgen, die Rechentechnik liefert AMD. Ort und Kosten nennt die Firma nicht.25.10.2026Humanoider Roboter in schwarzem Textilanzug mit NEURA-Schriftzug und glänzend schwarzem Helmkopf, an Gurten aufgehängt, greift mit einer schwarzen Roboterhand nach orangefarbenen Kunststoffteilen auf einem weißen Tisch; davor eine graue Kunststoffkiste, links ein Schreibtisch mit Laptop und Bürostuhl, im Hintergrund ein zweiter weißer Humanoid hinter einer GlaswandKurzmeldungTUM RoboGym eröffnet: 100 Roboter trainieren am Münchner FlughafenDie TU München und NEURA Robotics haben am 22. Oktober 2026 das TUM RoboGym im LabCampus des Münchner Flughafens eröffnet. In 48 Trainingszellen sollen rund 100 Roboter Daten für verkörperte KI erzeugen; die Partner investieren nach eigenen Angaben 17 Millionen Euro.24.10.2026Blick über die Limmat in Zürich bei Abenddämmerung: links das Fraumünster mit grüner Turmspitze und die Kirche St. Peter mit beleuchteter Uhr, in der Mitte eine beleuchtete Brücke, rechts die beiden Türme des Grossmünsters; auf dem Wasser Boote und ein SchwanKurzmeldungEnact Intelligence: Zürcher Robotik-Start-up sammelt 30 Millionen Dollar vor dem ersten Produkt einDas im März 2026 gegründete Zürcher Start-up Enact Intelligence hat eine Pre-Seed-Runde über 30 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Co-Leads sind laut Notion Capital redalpine und Notion Capital, zu den Privatinvestoren gehört Mistral-Mitgründer Arthur Mensch. Die Firma will Roboter bauen, die Kraft über ihre eigenen Antriebe messen – ein Produkt gibt es noch nicht.23.10.2026