Acht Sachbücher über künstliche Intelligenz und ihre Folgen

Von Joseph Weizenbaums Computerkritik aus den Siebzigern bis zu Kate Crawfords Reise in Lithiumminen: acht lieferbare Sachbücher, die KI als gesellschaftliche Frage behandeln, nicht als Programmierkurs.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 9
Kate Crawford mit rotbraunem, schulterlangem Haar und schwarzer Jacke spricht vor einer orange-rosafarbenen Wand mit grafischen Augenmotiven
Kate Crawford, Autorin von „Atlas der KI“, auf der SXSW 2019 Foto: Ståle Grut / NRKbeta, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Wie die Auswahl entstand

Aufgenommen wurde nur, was sich in Autor, Verlag, Ausgabe und ISBN gegen den Verlag belegen ließ und auf Deutsch vorliegt. Lehrbücher und Programmiertitel fehlen bewusst, ebenso Romane. Auch Stuart Russells „Human Compatible“ und „Ethik in KI und Robotik“ von Christoph Bartneck und Kollegen bleiben außen vor: Beide stehen in unserer Auswahl von Einsteigerbüchern zu Robotik und KI. 

Geschichte und frühe Kritik

Joseph Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft. Das Buch erschien 1976 im Original als „Computer Power and Human Reason“ und liegt seit 1978 in der Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft vor (Band 274, übersetzt von Udo Rennert). Suhrkamp nennt Weizenbaum den Programmierer des ersten Chatbots der KI-Geschichte und zugleich ihren schärfsten Kritiker. Er wendet sich gegen Forscher, die den Menschen als bloßes informationsverarbeitendes System betrachten, und fordert, Wissenschaft und Technik rational einzusetzen, statt sie zu mystifizieren. Die 16. Auflage erschien im Dezember 2023, 369 Seiten. ISBN 978-3-518-27874-1. 

Yuval Noah Harari: Nexus. Der Untertitel lautet „Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz“. Harari verfolgt, wie Informationsnetzwerke Gesellschaften geprägt haben, von biblischen Zeiten über die Hexenjagden der frühen Neuzeit bis zu Stalinismus, Nationalsozialismus und heutigem Populismus, und endet bei den Fragen, die KI aufwirft. Penguin, September 2024, 656 Seiten, übersetzt von Jürgen Neubauer und Andreas Wirthensohn. Eine Taschenbuchausgabe ist angekündigt. ISBN 978-3-328-60375-7. 

Überblick und Alltag

Manuela Lenzen: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken. Die 4., aktualisierte Auflage erschien am 20. August 2026 in der Reihe C.H.Beck Wissen, 127 Seiten. Lenzen beschreibt Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen der KI und ihren Einsatz in Arbeitswelt, Gesellschaft, Militär und Wissenschaft. Der Verlag betont, dass das Forschungsfeld weit mehr umfasst als Chatbots und Bildgeneratoren. Es ist das kürzeste Buch dieser Auswahl. ISBN 978-3-406-84849-0. 

Katharina Zweig: Weiß die KI, dass sie nichts weiß? Heyne, 30. September 2025, 272 Seiten. Die Informatikprofessorin an der RPTU Kaiserslautern-Landau, die dort den Studiengang Sozioinformatik gegründet hat, erklärt, wie Sprachmodelle wie ChatGPT arbeiten und warum man ihre Leistungen nicht mit menschlichen verwechseln sollte. Laut Verlag zeigt sie, dass diese Systeme „weder im menschlichen Sinne zusammenfassen, vergleichen, analysieren noch bewerten“ können. Ein Schwerpunkt sind KI-Agenten, die künftig Aufgaben selbstständig erledigen sollen. ISBN 978-3-453-21907-6. 

Rohstoffe, Arbeit und Macht

Kate Crawford: Atlas der KI. Untertitel: „Die materielle Wahrheit hinter den neuen Datenimperien“. Crawford besucht Lithiumminen und Klickfabriken, automatisierte Arbeitsplätze, große Datenarchive und das Team des Pentagon für algorithmische Kriegsführung. Ihre These: KI ist vor allem eine Technologie der Extraktion, von Mineralien, billiger Arbeitskraft und Daten. Die deutsche Ausgabe erschien 2024 bei C.H.Beck, übersetzt von Frank Lachmann; lieferbar ist das Paperback in 2. Auflage, 336 Seiten mit 31 Abbildungen. ISBN 978-3-406-83767-8. 

Mustafa Suleyman, Michael Bhaskar: The Coming Wave. Suleyman hat DeepMind mitgegründet, schreibt also als Beteiligter. Er stellt KI in eine Reihe mit der landwirtschaftlichen Revolution, der Dampfmaschine und dem Internet und fragt, wie Gesellschaften von ihr profitieren können, ohne die Kontrolle zu verlieren. Unter den Gefahren nennt er die Auflösung von Staaten und eine Verdrängung des Menschen. Sein Vorschlag ist, die Entwicklung zu kanalisieren, nicht aufzuhalten. C.H.Beck, deutsch zuerst 2024, als Paperback in 4. Auflage, 384 Seiten, übersetzt von Andreas Wirthensohn. ISBN 978-3-406-82961-1. 

Zukunftsszenarien

Nick Bostrom: Superintelligenz. Bostrom fragt, was geschieht, wenn eine Maschine die menschliche Intelligenz auf fast allen Gebieten übertrifft, entwirft Szenarien für diesen Fall und untersucht, wie sich ein solches System kontrollieren ließe. Sein Fazit laut Verlag: Man müsse kollektiv handeln, „bevor der Geist aus der Flasche gelassen ist – also jetzt!“ Suhrkamp, deutsch zuerst 2014, aktuelle Ausgabe als Flexcover in 6. Auflage (November 2025), 480 Seiten, übersetzt von Jan-Erik Strasser. ISBN 978-3-518-58684-6. 

Max Tegmark: Leben 3.0. Untertitel: „Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“. Tegmark spielt Szenarien durch, in denen Demokratie, Gerechtigkeit und Sicherheit neu verhandelt werden müssen, und plädiert dafür, über Regeln, Verantwortung und Grenzen zu sprechen, solange Menschen noch die Richtung bestimmen. Die Hardcover-Ausgabe erschien 2017 bei Ullstein, das Taschenbuch im Januar 2019, 528 Seiten, übersetzt von Hubert Mania. ISBN 978-3-548-37796-4. 

Wer Weizenbaum neben Bostrom und Tegmark liest, sieht den Bogen der Debatte: vom Einwand, der Mensch sei mehr als ein informationsverarbeitendes System, bis zur Frage, wie man Maschinen kontrolliert, die Menschen übertreffen könnten. 

Joseph Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft – Sachbuch (Suhrkamp)
Modell · Suhrkamp
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Manuela Lenzen: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken – Sachbuch (C.H.Beck)
Modell · C.H.Beck
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Kate Crawford: Atlas der KI – Sachbuch (C.H.Beck)
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Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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