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Anthropic: KI braucht in den USA bis 2028 mindestens 50 Gigawatt

Im Juli 2025 hat der KI-Entwickler Anthropic vorgerechnet, wie viel Strom die US-KI-Branche bis 2028 braucht – und was Washington tun soll, damit Rechenzentren, Kraftwerke und Leitungen rechtzeitig fertig werden.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 8
Luftaufnahme großer flacher Rechenzentrumshallen und Umspannwerke zwischen Straßen und Gewerbegebieten bei Ashburn, Virginia
Rechenzentren in Ashburn, Virginia, November 2025 Foto: Theodore Christopher / Wikimedia Commons (CC0)

Was Anthropic berechnet hat

Anthropic, Entwickler der KI-Modellfamilie Claude, veröffentlichte den 33-seitigen Bericht „Build AI in America“ am 21. Juli 2025. Die Kernzahl: Die US-KI-Branche werde bis 2028 mindestens 50 Gigawatt elektrische Kapazität benötigen. Zum Vergleich nennt Anthropic die Spitzenlast von New York City – schon die 20 bis 25 Gigawatt für das Training entsprächen etwa dem Doppelten davon. 

Hergeleitet wird die Zahl aus dem eigenen Bedarf. Für einen einzelnen Trainingslauf eines fortgeschrittenen Modells rechnet Anthropic 2027 mit einem Rechenzentrum von 2 Gigawatt, 2028 mit 5 Gigawatt. Da mehrere US-Firmen an der Spitze konkurrieren und ähnliche Kapazitäten brauchen, ergeben sich 20 bis 25 Gigawatt für das Training. Mindestens noch einmal so viel werde für die Nutzung fertiger Modelle nötig, die sogenannte Inferenz. 

Der Bericht stellt dem andere Schätzungen gegenüber, die weit auseinanderliegen: Schneider Electric kam 2023 auf 14 bis 19 Gigawatt weltweit für KI-Rechenzentren im Jahr 2028, das Analysehaus SemiAnalysis Anfang 2024 auf rund 80 Gigawatt weltweit, davon 56 in den USA, die RAND Corporation auf 117 Gigawatt weltweit. Anthropic räumt selbst ein, dass Fachleute über die genauen Werte uneins sind. Zur Einordnung: Der Stromverbrauch in den USA ist laut Bericht in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Schnitt um weniger als ein Prozent pro Jahr gewachsen. 

Engpass Genehmigung und Netz

Das eigentliche Problem sieht Anthropic in der Dauer der Verfahren. Netzanschlüsse für neue Kraftwerke dauerten in der Regel vier bis sechs Jahre. 2023 seien in den USA nur 55 Meilen Hochspannungsleitungen gebaut worden, im Mittel der Jahre 2010 bis 2014 waren es 1.700 Meilen pro Jahr. Transformatoren und Leistungsschalter aus heimischer Produktion hätten Lieferzeiten von etwa drei Jahren. Wer 2028 ein Trainingsrechenzentrum im Gigawattmaßstab betreiben wolle, müsse die Genehmigungen deshalb bis 2026 in der Hand haben. 

Als Kontrast nennt der Bericht China: Dort seien 2024 mehr als 400 Gigawatt neue Erzeugungskapazität ans Netz gegangen, in den USA etwa ein Zehntel davon. Anthropic betont zugleich, die USA sollten Chinas Genehmigungspraxis ausdrücklich nicht übernehmen. 

Die Vorschläge

Der Bericht gliedert die Empfehlungen in zwei Säulen. Die erste betrifft große Trainingsrechenzentren: Flächen des Verteidigungs- und des Energieministeriums sollen für Rechenzentren verpachtet werden, um langwierige kommunale Bauleitverfahren zu umgehen. Umweltprüfungen nach dem National Environmental Policy Act sollen vorab und gebündelt erfolgen, das Energieministerium soll beim Leitungsbau mit privaten Firmen kooperieren. Netzanschlüsse sollen in zwei bis drei statt vier bis sechs Jahren gelingen. Als letztes Mittel bringt Anthropic den Defense Production Act ins Spiel, mit dem der Präsident Netzbetreiber zum Anschluss verpflichten könnte. 

Die zweite Säule zielt auf den landesweiten Ausbau: schnellere Genehmigungen für Geothermie, Erdgas und Kernkraft, ausgewiesene Korridore für Stromtrassen, strategische Reserven an Transformatoren und Turbinen sowie Ausbildungsprogramme für Elektriker und Bauberufe. Bei der Energiequelle plädiert Anthropic für Offenheit. Für die nächsten Jahre hält der Bericht Solarstrom, Batteriespeicher und Geothermie für am wirtschaftlichsten, neue Kernkraftwerke seien bis 2028 nicht realisierbar. 

Der Bericht ist ein Positionspapier eines Unternehmens, das selbst zu den größten Abnehmern dieser Infrastruktur gehört. Der Blogbeitrag zur Veröffentlichung beginnt mit dem Satz: „Damit die Vereinigten Staaten weltweit bei KI führen, müssen wir erheblich in Rechenleistung und Strom investieren, die es möglich machen, KI in Amerika zu bauen.“ (Übersetzung) 

Was seitdem geschah

Zwei Tage nach dem Bericht, am 23. Juli 2025, unterzeichnete US-Präsident Donald Trump einen Erlass zur schnelleren Genehmigung von Rechenzentren. Er gilt unter anderem für Projekte mit mehr als 100 Megawatt zusätzlicher Last oder mindestens 500 Millionen Dollar Investitionen und sieht neue Ausnahmen von Umweltprüfungen sowie die Bereitstellung von Bundesflächen vor. 

Anthropic selbst hat seither große Kapazitäten gebunden. Im Oktober 2025 kündigte das Unternehmen an, bis zu eine Million Google-TPUs zu nutzen, was 2026 deutlich mehr als ein Gigawatt bringen soll. Im November 2025 folgten 50 Milliarden Dollar für eigene Rechenzentren mit Fluidstack in Texas und New York, die im Lauf des Jahres 2026 in Betrieb gehen sollen. Im April 2026 vereinbarte Anthropic mit Google und Broadcom mehrere Gigawatt TPU-Kapazität ab 2027 und mit Amazon bis zu 5 Gigawatt; dafür verpflichtet sich Anthropic, über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden Dollar für AWS-Technik auszugeben. Knapp ein Gigawatt davon soll bis Ende 2026 bereitstehen. 

Roboterwelt Redaktion

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