Eilik und Eiliko: Sicherheitsforscher meldet schwere Lücken bei Energize Lab

Ein Sicherheitsforscher hat in der Plattform hinter den Begleitrobotern Eilik und Eiliko Dutzende Schwachstellen gefunden: Gespräche lagen im Klartext auf Servern, Konten ließen sich übernehmen, das Verhalten der Roboter aus der Ferne ändern. Laut seinem jüngsten Nachtest sind die meisten Lücken offen, der Hersteller schweigt.

Von Roboterwelt Redaktion5 Min. LesezeitQuellen: 5
Links der weiß-türkise Eilik mit erhobenen Armen und leuchtenden Pixelaugen auf seinem runden Standfuß, rechts der kleinere Eiliko mit großen blauen Display-Augen an einem türkisfarbenen Anhängerband, beide vor weißem Hintergrund
Betroffen sind beide Begleitroboter von Energize Lab: Eilik (links) und Eiliko (Größen nicht maßstabsgetreu). Foto: Energize Lab

Die Begleitroboter von Energize Lab haben schwere Sicherheitslücken. Das berichtet das US-Techmagazin The Verge am 15. Oktober 2026 unter Berufung auf den Sicherheitsforscher Sammy Azdoufal, der seine Ergebnisse parallel veröffentlicht hat. Betroffen sind laut der Sicherheitsmitteilung der Sicherheits-Community AHA! (Austin Hackers Anonymous), über die Azdoufal die offiziellen Schwachstellen-Kennungen (CVEs) koordiniert hat, die RoboterEilik und Eiliko, die Eilik AI Station, die Apps für Smartphone und Windows sowie die Cloud-Dienste dahinter. Der Kern des Problems: Spricht man über WLAN mit Eiliko, landet das Gespräch laut The Verge auf Servern in China, und die waren laut Forscher kaum geschützt. 

Was der Forscher gefunden hat

Verge-Redakteur Sean Hollister kaufte Ende August selbst einen Eiliko und fragte ihn, ob er weitererzähle, was man ihm sage. „Your secrets are safe with me“, antwortete der Roboter, deine Geheimnisse sind bei mir sicher. Wenige Minuten später hatte Azdoufal nach Hollisters Schilderung das vollständige Protokoll des Gesprächs. Laut The Verge wertet der Dienst die Gespräche aus und legt Profile der Nutzer an, mit Name, Alter, Geburtstag, Beruf, Familie, Freunden und Haustieren. Laut Forscher geschieht das jede Nacht automatisch, die Daten liegen auf Servern in Peking. 

AHA! hat neun CVEs veröffentlicht und acht weitere Befunde beschrieben, vier der CVEs gelten als kritisch. Dazu gehören eine Kontoübernahme über manipulierbare Nutzerkennungen, ein ohne Anmeldung möglicher Austausch des KI-Sprachmodells, Firmware-Updates, die ohne Integritätsprüfung über unverschlüsseltes HTTP geladen werden, und voreingestellte Root-Zugangsdaten an der AI Station. Als noch nicht vollständig geprüften Befund führt AHA! zudem, dass die Firmware Audio- und Kamerabilder von Kindern unverschlüsselt über HTTP senden kann. Laut The Verge lagen Fotos, die vermutlich Kinder zeigen, und kurze Sprachaufnahmen frei abrufbar im Netz, obwohl die Datenschutzerklärung zusagt, Aufnahmen nach der Verarbeitung sofort zu löschen. 

Wie weit der Zugriff reicht, zeigte Azdoufal an Hollisters eigenem Gerät: Er änderte aus der Ferne dessen Gedächtnis und Sprachmodell. Danach behauptete der Roboter unter anderem, die Erde sei eine Scheibe, und erklärte auf den Einwand, die Lehrkraft sage etwas anderes, diese liege falsch. Laut Forscher ließe sich das bei der gesamten Flotte gleichzeitig machen. Er sieht außerdem Hinweise darauf, dass Unbekannte schon seit März 2026 Zugang zu einem Produktionsserver des Herstellers haben. 

Wie viele Geräte und Gespräche betroffen sind

The Verge zufolge konnte Azdoufal 13 Millionen Gespräche von Zehntausenden Menschen lesen und auf die offenbar gesamte aktive Flotte von 68.000 Robotern zugreifen. Größter Markt seien die USA, wo mehr als 31.000 Profile Kindern gehörten. Azdoufals eigener Bericht nennt für den 13. Oktober 9,1 Millionen im Klartext gespeicherte Gespräche über alle Produktlinien, eine aktive Flotte von 62.000 bis 68.000 Geräten, 74.575 Nutzerkonten und mehr als 32.000 Kinderprofile. Woher der Unterschied zwischen 13 und 9,1 Millionen Gesprächen kommt, erklären beide Quellen nicht; wir geben deshalb beide Zahlen mit ihrer Quelle an. 

Stand der Behebung und Reaktion des Herstellers

Erste Kontaktversuche beim Hersteller gab es laut AHA! Ende August, am 1. September informierte Azdoufal Energize Lab über seinen fertigen Bericht. Eine Frist von 72 Stunden lief am 18. September ohne Antwort ab. Bei seinem fünften Nachtest am 13. Oktober waren nach seiner Zählung 32 von 40 aus der Ferne prüfbaren Befunden weiter offen, acht behoben. Die Ursachen seien nicht beseitigt: Kein einziges der offengelegten Passwörter und Schlüssel sei geändert worden. 

The Verge hat über einen Monat lang zehn Adressen des Unternehmens angeschrieben. Aus dem Auslandsvertrieb kam lediglich die Antwort, man habe die Nachricht an das technische Team weitergeleitet, inhaltlich äußerte sich niemand. Auch auf der eigenen Website hat Energize Lab bis zum 18. Oktober keine Stellungnahme veröffentlicht, weder im Blog noch im Newsbereich. 

Was Besitzer jetzt tun können

Laut Azdoufal gibt es keine Einstellung, mit der Nutzer die Lücken selbst schließen können. Er rät, den Roboter wie ein vernetztes Mikrofon im Kinderzimmer zu behandeln, das andere mithören können. Daraus und aus den Empfehlungen des Sicherheitsunternehmens Malwarebytes ergeben sich einige Vorsichtsmaßnahmen: 

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Welche Daten vernetzte Haushaltsroboter generell erfassen und wie man sich schützt, beschreibt unser Ratgeber Saugroboter und Datenschutz. 

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Häufige Fragen

Welche Geräte sind von den Sicherheitslücken betroffen?

Laut der Sicherheitsmitteilung von AHA! die Roboter Eilik und Eiliko, die Eilik AI Station, die Apps für Smartphone und Windows sowie die Cloud-Dienste von Energize Lab. Die gespeicherten Gespräche stammen aus der KI-Sprachfunktion, die Eiliko über WLAN nutzt. 

Wie viele Gespräche waren einsehbar?

The Verge nennt 13 Millionen Gespräche, die der Forscher lesen konnte. Sein eigener Bericht zählt zum 13. Oktober 2026 rund 9,1 Millionen im Klartext gespeicherte Gespräche über alle Produktlinien. Woher der Unterschied kommt, erklären beide Quellen nicht. 

Sind die Lücken inzwischen geschlossen?

Größtenteils nicht. Beim Nachtest des Forschers am 13. Oktober 2026 waren 32 von 40 aus der Ferne prüfbaren Befunden offen und acht behoben. Offengelegte Passwörter und Schlüssel wurden laut Forscher nicht geändert. 

Hat sich Energize Lab zu den Vorwürfen geäußert?

Nein. Weder der Forscher noch The Verge haben eine inhaltliche Antwort erhalten, und auf der Website des Herstellers gab es bis zum 18. Oktober 2026 keine Stellungnahme. 

Was sollten Besitzer eines Eilik oder Eiliko jetzt tun?

Malwarebytes rät, das Gerät vom WLAN zu trennen, bis die Behebung bestätigt ist. Außerdem sollte man dem Roboter nichts Persönliches erzählen, die Gesichtserkennung nicht nutzen, das WLAN-Passwort ändern und beim Hersteller die Löschung von Konto und Gesprächen verlangen. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 18. Oktober 2026 geprüft.

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