imes – Das Institut für Mechatronische Systeme der Leibniz Universität Hannover

Bildung & Forschung sind für Robotik und anverwandte Gebiete essentiell. Mehr als Grund genug also, um einen genaueren Blick auf ausgewählte Institute und Einrichtungen zu werfen, die sich ganz diesen Themengebieten widmen und zum Voranschreiten der technologischen Entwicklung entscheidend beitragen – sowohl durch eigene Forschung als auch durch die Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler.

Von Jens KotlarskiAktualisiert 6 Min. LesezeitQuellen: 8
Logo der Leibniz Universität Hannover: weiße Schriftzeichen und Schriftzug auf blauem Grund
Foto: Leibniz Universität Hannover

Das Institut für Mechatronische Systeme (kurz imes) unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Tobias Ortmaier ist der Fakultät für Maschinenbau der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover zugeordnet. Die mehr als zwanzig wissenschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des imes teilen sich in die drei thematischen Forschungsgruppen „Identifikation und Regelung“, „Medizintechnik und Bildverarbeitung“ sowie „Robotik und autonome Systeme“ auf. 

Mechatronik

In vielen Bereichen der Technik entstehen Produkte, bei denen Lösungen nur durch Integration von mechanischen, elektronischen und informationsverarbeitenden Komponenten erreicht werden können. Die intelligente und interdisziplinäre Verknüpfung dieser einzelnen Fachgebiete in einem System wird als Mechatronik bezeichnet. Beispiele für mechatronische Systeme finden sich nahezu in allen Bereichen der Ingenieurswissenschaften: Anti-Blockier-Systeme für Fahrzeuge, Einrichtungen des aktiven Schwingungsschutzes, moderne Werkzeugmaschinen, Spiegelreflexkameras, sensorgeführte Roboter oder chirurgische Instrumente. Das imes beschäftigt sich mit dem Charakter solcher Systeme, ihrer Entwicklung, Konstruktion, Modellierung, Identifikation und Regelung. 

Die Entstehung des Instituts

Das imes ist indirekt aus dem ehemaligen Institut für Mechanik hervorgegangen, in dem die Gebiete Elasto- und Plastomechanik, Dynamik und Schwingungen sowie Robotik und Mechatronik angesiedelt waren. Im Rahmen von Umstrukturierungsmaßnahmen entstanden aus den verschiedenen Teilbereichen eigenständige Institute, wodurch 2005 u. a. das Institut für Robotik unter damaliger Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Bodo Heimann hervorging. Im April 2009 wurde das Institut für Robotik unter neuer Leitung von Prof. Dr.-Ing. Tobias Ortmaier schließlich in das heutige Institut für Mechatronische Systeme umgewandelt. 

Forschungsschwerpunkte und Kernkompetenzen

Das imes beschäftigt sich nicht ausschließlich mit grundlagenorientierten Forschungsthemen, vielmehr zeigen zahlreiche Projekte eine Verschmelzung des wissenschaftlichen Know-Hows mit industriellen und klinischen Fragestellungen. 

Venn-Diagramm der drei imes-Forschungsgruppen Medizintechnik & Bildverarbeitung, Identifikation & Regelung sowie Robotik & autonome Systeme mit Beispielen wie Schädelmodell mit Navigationssystem, Versuchsaufbau, Industrieroboter und youBot
Foto: imes

Die Kerngebiete in Forschung und Lehre sind Robotik, Produktionstechnik, Fahrzeugmechatronik und Medizintechnik. Aus methodischer Sicht stehen insbesondere Fragestellungen der Modellbildung, Identifikation und Regelung sowie der Sensorik im Vordergrund. Die Kernkompetenzen des Instituts spiegeln sich besonders in der Expertise der einzelnen Forschungsgruppen wider. 

Forschungsgebiet: Identifikation und Regelung

Versuchsaufbau aus Aluminium mit gelben Schraubenfedern an Führungssäulen, Linearführungen und einem Sensor
Foto: imes

Im Fokus der Forschungsaktivitäten der Gruppe „Identifikation und Regelung“ stehen modellbasierte Verfahren und Methoden. Die Modellierung und das hierdurch erlangte Systemverständnis bildet dabei die Grundlage für die weiterführenden Arbeiten. Ziel ist, durch den Einsatz geeigneter onlinefähiger Beobachter- und Identifikationsmethoden gezielte Aussagen über im Allgemeinen nicht direkt messbare Zustände und Parameter eines Prozesses oder eines Systems treffen zu können. Diese Ergebnisse werden anschließend zur Prozessüberwachung, zur Entwicklung modellbasierter Regelstrategien bis hin zur Konzeption von neuen Antriebsmechanismen eingesetzt. Das Resultat sind optimierte Systeme in den Bereichen der Automobil-, Antriebs- und Produktionstechnik, die beispielsweise Fehler automatisch detektieren, einen Prozess automatisiert „erlernen“ oder eine höhere Dynamik als konventionelle Systeme aufweisen. 

Arbeitsfelder der Gruppe Identifikation und Regelung: Modellierung mechatronischer Systeme, Online-Parameteridentifikation, Beobachtersynthese, modellprädiktive Regelung, Prototypenentwurf und -bau, adaptive und lernende Regelung, Fehlerdetektion und Condition Monitoring
Foto: imes

Forschungsgebiet: Robotik und autonome Systeme

Grafik eines orangefarbenen Industrieroboters in zwei Stellungen mit farbigen Bewegungsbahnen und einer Energieeffizienzskala bis A+++
Foto: imes

Die Forschungsgruppe „Robotik und autonome Systeme“ beschäftigt sich mit Fragestellungen aus den Bereichen der kinematischen und dynamischen Modellierung sowie der Bewegungsplanung komplexer mechatronischer Systeme. Im Vordergrund der Betrachtung stehen Mehrkörpersysteme sowie autonome, mobile (Service-)Roboter. Neben der Entwicklung und Umsetzung maßgeschneiderter, anwendungsspezifischer Lösungen, die beispielsweise im Bereich der mechatronisch assistierten Chirurgie zum Einsatz kommen, werden flexibel nutzbare Konzepte erforscht. Des Weiteren erfolgt die Entwicklung allgemeingültiger Modellierungs- und Identifikationsmethodiken. Diese werden u. a. innerhalb modellbasierter Regelungsansätze sowie bei der (energie-)optimalen Bahnplanung eingesetzt, um der stetig steigenden Nachfrage an Effizienz, Nachhaltigkeit und ökonomischen Systemen gerecht zu werden. 

Arbeitsfelder der Gruppe Robotik und autonome Systeme: Modellierung von Mehrkörpersystemen, Parameteridentifikation, Kenngrößendefinition und -berechnung, Struktur- und Maßsynthese, Prototypenentwurf und -bau, optimale Bahnplanung, modellbasierte Regelung
Foto: imes

Forschungsgebiet: Medizintechnik und Bildverarbeitung

Handgeführtes Instrument mit Kamera und Markerkugeln wird an ein Schädelmodell angesetzt, dahinter ein optisches Trackingsystem mit zwei Kameras auf einem Stativ
Foto: imes

Heutige chirurgische Eingriffe sind gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Komplexität. Diese resultiert aus kontinuierlich steigenden Anforderungen, die an den ausführenden Chirurgen gestellt werden. So sind zunehmend feinere anatomische Strukturen Gegenstand von operativ durchgeführten Therapien. Gleichzeitig soll das postoperative Trauma des Patienten auf ein Minimum reduziert werden. Hierzu sind innovative Geräte erforderlich, die modernste informationstechnische, bildgebende und mechatronische Komponenten fusionieren. In enger Zusammenarbeit mit Medizinern, Ingenieuren und Informatikern arbeitet die Forschungsgruppe „Medizintechnik und Bildverarbeitung“ an innovativen Projekten im Bereich der Geräte- und Lasertechnik sowie bildverarbeitenden Methoden für die computergestützte Präzisionschirurgie. 

Arbeitsfelder der Gruppe Medizintechnik und Bildverarbeitung: Instrumentendesign und -entwicklung, Prototypenentwurf und -bau, Roboterassistenz, Algorithmen, Patientenindividualität, chirurgische Motivation
Foto: imes

Interdisziplinäres Forschen

Logo des Mechatronik-Zentrums Hannover (MZH)
Foto: Mechatronik-Zentrum Hannover

Um den steigenden Anforderungen auf dem interdisziplinären Gebiet der Mechatronik Rechnung zu tragen und die vorhandenen Ressourcen aus den vielen verschiedenen Teildisziplinen des Maschinenbaus, der Elektro- und Informationsverarbeitung sowie der Informatik zu bündeln, wurde das Mechatronik-Zentrum Hannover (kurz MZH) im Jahr 2000 mit Unterstützung des Landes Niedersachsen gegründet. Das imes (bzw. seine Vorgängerinstitute) gehört zu den Gründungsmitgliedern und ist auch heute im Verbund der Institute noch sehr engagiert. 

Logo des Hannoverschen Zentrums für Optische Technologien (HOT)
Foto: Hannoversches Zentrum für Optische Technologien

Zusätzlich ist das imes Mitglied im Hannoverschen Zentrum für Optische Technologien (kurz HOT). Das fachübergreifende Forschungszentrum der Leibniz Universität Hannover befasst sich im Speziellen mit der Forschung auf dem Gebiet der Optik und optischen Technologien und hat das Ziel, neue Forschungszweige zu schaffen und diese für Forschung, Lehre und Wissenstransfer nutzbar zu machen. 

Engagement in der Lehre

Zwei Studenten mit Laptop hocken hinter einem KUKA youBot mit orangefarbenem Greifarm, davor bunte Bälle auf dem Boden
Foto: imes

Neben den Forschungstätigkeiten ist insbesondere die Ausbildung des Ingenieurnachwuchses durch Vorlesungen und die Betreuung studentischer Arbeiten ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit am Institut. Neben grundlegenden Vorlesungen wie „Technische Mechanik I & II für Elektrotechniker“ und „Mechatronische Systeme“ werden Vertiefungsvorlesungen im Hauptstudium angeboten. Hierunter fallen „Robotik I & II“, „Computer- und Roboterassistierte Chirurgie“, „Aktive Systeme im Kfz“ und „Augmented Reality Apps für die Mechatronik und Medizintechnik“. Ein neues, innovatives Konzept in der Lehre ist die Veranstaltung „RobotChallenge“. Im Vordergrund steht bei dieser wettbewerbsartigen Vorlesung das Duell zwischen zwei studentischen Teams, die innerhalb des Semesters auf der mobilen Roboterplattform youBot der Firma KUKA Roboter GmbH verschiedene Aufgaben praktisch lösen müssen. Diese Vorlesung ist ausgerichtet auf den RoboCup@Work, an dem die LUHbots – ein studentisches Team des Mechatronik-Zentrums – regelmäßig mit großem Erfolg teilnehmen. 

Neben den Vorlesungen bildet die Betreuung studentischer Arbeiten einen weiteren Schwerpunkt in der Lehre. Bachelor-, Master- und weitere Arbeiten werden forschungsnah und in Kooperation mit dem betreuenden Mitarbeiter im Rahmen laufender Forschungsprojekte erarbeitet. 

Logo des Instituts für Mechatronische Systeme der Leibniz Universität Hannover
Foto: imes

Gastbeitrag von
Jens Kotlarski, Leiter der Forschungsgruppe Robotik & autonome Systeme
Ausführliche Informationen: Institut für Mechatronische Systeme (imes), Mechatronik-Zentrum Hannover (MZH), Hannoversches Zentrum für Optische Technologien (HOT), LUHbots, RoboCup@Work 

Nachtrag der Redaktion (Oktober 2026)

Prof. Tobias Ortmaier, der das Institut seit 2008 leitete, wechselte Ende 2021 in die Wirtschaft; seit April 2023 leitet Prof. Thomas Seel das imes, das seither zusätzlich an selbstlernenden mechatronischen Systemen forscht. Die drei Arbeitsgruppen heißen heute „Learning & Control“, „Biomedical Engineering“ und „Robotic Systems“, das Institut sitzt inzwischen auf dem Campus Maschinenbau in Garbsen. Das Mechatronik-Zentrum Hannover besteht seit 2020 nicht mehr. Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag des Instituts für Mechatronische Systeme. 

JK
Jens Kotlarski

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 4. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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Alle 57 Beiträge
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