Generative Bionics plant in Italien eine Trainingsfabrik für Humanoide

Das Genueser Robotikunternehmen Generative Bionics will bis Ende 2027 in Italien eine 5.000 Quadratmeter große „Physical AI Data Factory“ eröffnen, in der sein Humanoid GENE.01 Trainingsdaten erzeugt. Zwei weitere Standorte sollen folgen, die Rechentechnik liefert AMD. Ort und Kosten nennt die Firma nicht.

Von Roboterwelt Redaktion6 Min. LesezeitQuellen: 9
Humanoider Forschungsroboter iCub mit weißem Kopf, leuchtend weißen Augenbrauen und lächelndem Mund, grauer Textilhülle mit iit-Logo und der Aufschrift S/N: 049 auf der Brust, beide Arme mit metallischen Fingern seitlich ausgebreitet; dahinter ein Labor mit blauen Regalrahmen, einem orangefarbenen Drehstuhl links, blauen Schubladenschränken rechts und einem zweiten, unverkleideten Roboter im Hintergrund
Ein iCub im Produktionslabor des Istituto Italiano di Tecnologia in Genua, aufgenommen 2022. Aus dem Institut ist Generative Bionics hervorgegangen; der Humanoid GENE.01 ist auf dem Bild nicht zu sehen. Foto: European Union, 2022, CC BY 4.0

Generative Bionics hat am 21. Oktober 2026 auf der Veranstaltung CES Unveiled in Mailand angekündigt, ein Netz aus drei „Physical AI Data Factories“ aufzubauen. Der erste Standort soll in Italien entstehen: ein 5.000 Quadratmeter großer Hub, der bis zum vierten Quartal 2027 in Betrieb gehen soll. Einen Ort nennt das Unternehmen nicht. Ein zweiter Standort ist an anderer Stelle in Europa geplant, ein dritter soll globale Märkte bedienen; für beide gibt es keinen Zeitplan. Partner für die KI-Infrastruktur ist der Chiphersteller AMD, dessen Rack-System Helios die Anlagen mit Rechenleistung versorgen soll. Zu den Kosten des Vorhabens macht die Mitteilung keine Angabe. 

Was in der Data Factory entstehen soll

Den Zweck beschreibt Generative Bionics mit einem Datenproblem: Große Sprachmodelle lernen aus dem Internet, für humanoide Roboter gibt es keine vergleichbare Quelle, die zeigt, wie man in der physischen Welt handelt. In der Anlage sollen deshalb Flotten des hauseigenen Humanoiden GENE.01 in nachgebauten Industrieumgebungen fortlaufend Aufgaben ausführen. Welche Umgebungen das sind, will die Firma mit Industriepartnern festlegen; Namen nennt sie nicht. Erfasst werden Bild- und Bewegungsdaten sowie die Signale der Sensorhaut des Roboters, also Kontakt, Kraft, Nähe und Temperatur. 

Jede Umgebung wird zusätzlich als digitaler Zwilling nachgebildet. Dort sollen dieselben Aufgaben in Tausenden Varianten von Layout, Objekten, Materialien und Fehlerfällen wiederholt werden, die sich physisch nicht nachstellen lassen. Die in der Simulation trainierten Modelle, Generative Bionics spricht von „World Action Models“, gehen zur Prüfung zurück auf die Roboter; Daten aus Flotten im Kundeneinsatz sollen später in weitere Trainingszyklen fließen. Die Anlage soll außerdem komplette Roboterkonfigurationen vor der Auslieferung validieren, von der Wahrnehmung über die Steuerung bis zum Sicherheitsverhalten. Robotik-, KI- und Datenteams will das Unternehmen direkt an der Infrastruktur ansiedeln. 

AMD ist nach Darstellung beider Firmen von Anfang an dabei: Die Beteiligungsgesellschaft AMD Ventures gehört zu den Investoren der Seed-Runde, AMD-Rechner stecken im GENE.01, und nun soll Helios die Data Factory antreiben. Helios ist ein Rack-System für KI-Rechenzentren, das AMD im Juli 2026 vorgestellt hat; es kombiniert laut AMD Instinct-Grafikprozessoren vom Typ MI455X mit EPYC-Prozessoren der sechsten Generation. Keith Strier, bei AMD für die globalen KI-Märkte zuständig, spricht von „Italiens erster physischer KI-Datenfabrik“. Firmenchef Daniele Pucci fasst das Vorhaben so zusammen: „Wir bilden die Welt physisch und digital nach, um humanoide Roboter in großem Maßstab zu trainieren, bevor sie jemals in sie eintreten.“ 

Wer dahintersteht

Eckdaten 

Angabe 

Quelle 

Unternehmen 

Generative Bionics, Genua; gegründet im Juli 2024 als Ausgründung des Istituto Italiano di Tecnologia (IIT) 

Il Sole 24 Ore, The Robot Report 

Gründer 

Daniele Pucci (CEO), Alessio Del Bue, Marco Maggiali, Andrea Pagnin, alle zuvor am IIT 

Il Sole 24 Ore 

Finanzierung 

70 Millionen Euro Seed-Runde (Dezember 2025), angeführt von CDP Venture Capital; außerdem AMD Ventures, Duferco, Eni Next, RoboIT, Tether 

Generative Bionics 

Team 

rund 100 Beschäftigte, knapp die Hälfte promoviert 

Generative Bionics (Juli 2026) 

Roboter 

GENE.01, vorgestellt am 20. Juli 2026; Ganzkörper-Sensorhaut für Berührung, Nähe, Kraft und Temperatur; Robotermodell als Open Source über PyPI, conda-forge und ROS 

Generative Bionics 

Erster Einsatzfall 

Schweiß-Humanoid für die Werft Sestri Ponente von Fincantieri; Programm über vier Jahre, erste Tests vor Ort bis Ende 2026 

Fincantieri (Februar 2026) 

Das IIT hat dem Unternehmen laut Il Sole 24 Ore eine exklusive Lizenz für seine Kerntechnologien erteilt; rund 70 Ingenieure wechselten aus dem Institut zur Firma. Das Team bringt nach eigenen Angaben Erfahrung mit den IIT-Forschungsrobotern iCub, iRonCub und ergoCub mit. GENE.01 soll als Basisplattform dienen, die Generative Bionics je Anwendung in drei Stufen anpasst: KI, Außengestaltung und Endeffektoren wie Hände und Füße. Die Aktuatoren entwickelt das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Synapticon aus Deutschland, Endmontage und Sicherheitstests sollen in Europa stattfinden. Preis, Traglast und Stückzahlen des Roboters hat die Firma bislang nicht genannt. 

Einordnung: Europas Trainingszentren

Die Ankündigung fällt in eine Woche, in der gleich mehrere Trainingsanlagen für Physical AI Schlagzeilen machten. Am 22. Oktober eröffneten die TU München und NEURA Robotics das TUM RoboGym am Münchner Flughafen mit 48 Trainingszellen für zunächst rund 100 Roboter. Am 20. Oktober nahm Schaeffler im chinesischen Taicang eine rund 7.500 Quadratmeter große Fabrik in Betrieb, zu der ein Trainings- und Datenerfassungszentrum und eine Plattform für digitale Zwillinge gehören. Generative Bionics bezeichnet seinen geplanten Hub als „Europas größte Trainingseinrichtung für physische KI humanoider Roboter“; der Vergleich bezieht sich auf die Fläche, und anders als das RoboGym existiert die Anlage bislang nur als Plan. 

Generative Bionics begründet das Vorhaben auch politisch: Daten, Modelle und Know-how hinter europäischen Industrie-Humanoiden sollen auf dem Kontinent entstehen und dort betrieben werden; das Unternehmen spricht von „europäischer humanoider Souveränität“. Offen bleibt neben dem Standort, wie viele Roboter in der Anlage laufen sollen, ob Kunden oder Forschungspartner Zugang bekommen und was das Netz aus drei Standorten kostet. Ein Produkt, das sich in Deutschland kaufen ließe, gibt es von Generative Bionics bislang nicht. 

Häufige Fragen

Was ist die Physical AI Data Factory von Generative Bionics?

Eine geplante Trainingsanlage, in der Flotten des Humanoiden GENE.01 in nachgebauten Industrieumgebungen Aufgaben ausführen und dabei Daten erzeugen. Jede Umgebung wird zusätzlich als digitaler Zwilling simuliert, in dem die Aufgaben in Tausenden Varianten wiederholt werden. Die so trainierten Modelle gehen zur Prüfung zurück auf die Roboter. 

Wo und wann entsteht die Anlage?

Der erste Standort mit 5.000 Quadratmetern soll in Italien entstehen und bis zum vierten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Einen genauen Ort nennt Generative Bionics nicht. Ein zweiter Standort in Europa und ein dritter für globale Märkte sind ohne Termin angekündigt. 

Welche Rolle spielt AMD?

AMD ist Partner für die KI-Infrastruktur: Das Rack-System AMD Helios soll die Rechenleistung für Datenverarbeitung, Modelltraining und parallele Simulationen liefern. AMD Ventures gehört außerdem zu den Investoren der Seed-Runde, und AMD-Rechner stecken laut Generative Bionics im GENE.01. 

Wer ist Generative Bionics?

Ein 2024 gegründetes Unternehmen aus Genua, das aus dem Istituto Italiano di Tecnologia hervorgegangen ist. Es hat im Dezember 2025 eine Seed-Runde über 70 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt von CDP Venture Capital, und im Juli 2026 den Humanoiden GENE.01 mit Ganzkörper-Sensorhaut vorgestellt. Erster Industriepartner ist der Schiffbauer Fincantieri. 

Was kostet das Vorhaben?

Dazu macht Generative Bionics keine Angabe. Auch die Zahl der Roboter in der Anlage und ein möglicher Zugang für Kunden oder Forschungspartner sind nicht genannt. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 24. Oktober 2026 geprüft.

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