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Roboter-Insekten: Was das Veritasium-Video aus den Laboren zeigt

von Roboterwelt Redaktion20. Juli 2025

Ein Veritasium-Video vom Januar 2025 zeigt Roboter in Insektengröße, die fliegen, schwimmen, hüpfen und mit Mini-Explosionen laufen. Was die Forschung dahinter tatsächlich belegt und was seither passiert ist. 

Das Video

Der YouTube-Kanal Veritasium veröffentlichte das rund 21-minütige Video am 21. Januar 2025. Gedreht wurde überwiegend im Soft and Micro Robotics Laboratory von Kevin Chen am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Videobeschreibung nennt außerdem das Harvard Microrobotics Lab und den Maschinenbau der Cornell University als Quellen. Das Video erklärt vor allem Physik: warum Oberflächenspannung für ein Objekt von wenigen Milligramm zur Wand wird und warum kleine Flieger mit den Flügeln schlagen müssen, statt zu gleiten. 

Wasser als Hindernis

Der erste gezeigte Roboter wiegt 175 Milligramm, schlägt in der Luft 220 bis 300 Mal pro Sekunde mit den Flügeln und unter Wasser 9 bis 13 Mal. Um die Wasseroberfläche wieder zu verlassen, erzeugt er per Elektrolyse Knallgas, sammelt es in einer Kammer und zündet es mit einem Funken. Im Video wird er Chens Arbeit am MIT zugeschrieben. Entstanden ist er laut der Harvard School of Engineering and Applied Sciences (SEAS) 2017 in Harvard, wo Chen damals als Postdoktorand forschte; er war Erstautor der Studie in „Science Robotics“. 

Auch der vierbeinige Laufroboter, der auf dem Wasser steht und auf Kommando untertaucht, stammt aus dieser Harvard-Zeit. Der 1,65 Gramm schwere HAMR nutzt Elektrobenetzung: Eine Spannung an den Fußflächen verändert den Kontaktwinkel zum Wasser, die Oberflächenspannung trägt den Roboter dann nicht mehr. 

Piezokristall oder künstlicher Muskel

Harvards RoboBee wiegt nach Angaben des Wyss Institute weniger als ein Zehntelgramm und schlägt 120 Mal pro Sekunde mit den Flügeln, angetrieben von piezoelektrischen Keramikstreifen. Das Video weist auf deren Schwäche hin: Die Keramik ist spröde. Chens Gruppe am MIT setzt stattdessen auf weiche künstliche Muskeln, dünne Elastomerschichten zwischen Elektroden aus Kohlenstoff-Nanoröhren, zu einem Röhrchen gerollt. 2023 berichtete das MIT, dass ein Roboter nach zehn Nadelstichen in die Muskeln und einem um 20 Prozent gekürzten Flügel weiterflog; ein Laserverfahren stellte bei schwer beschädigten Muskeln 87 Prozent der Leistung wieder her. 

Die im Video gezeigten Saltos stammen aus einer Studie, die am 15. Januar 2025 in „Science Robotics“ erschien. Der Roboter besteht aus vier Einheiten mit je einem Flügel, die bis zu 400 Mal pro Sekunde schlagen. Er schwebte mehr als 1.000 Sekunden lang, laut Chen hundertmal länger als bisher in diesem Forschungsfeld erreicht. 

Hüpfen statt fliegen

Fliegen kostet viel Energie. Im April 2025 stellten MIT und City University of Hong Kong in „Science Advances“ einen Mikroroboter mit Teleskopbein vor, der 20 Zentimeter hoch springt. Laut MIT braucht er rund 60 Prozent weniger Energie als ein reiner Flieger und kann etwa zehnmal mehr Last tragen. 

Inspektion, Rettung, Bestäubung

Als Anwendungen nennt das Video die Inspektion von Flugzeugtriebwerken und die Suche nach Verschütteten. Harvards Kletterroboter HAMR-E, 1,48 Gramm schwer, entstand auf eine Herausforderung von Rolls-Royce hin: Mikroroboter sollten in Triebwerksteile klettern, an die Menschen nicht herankommen. Er haftet per Elektroadhäsion auch kopfüber. 

Beim Thema Bestäubung gehen die Aussagen auseinander. Im Video heißt es, das RoboBee-Projekt sei einst mit dem Ziel gestartet, Bienen zu ersetzen. Ein Forscher hält dort dagegen, Bienen bestäubten besser und billiger, und es sei sinnvoller, echte Bienen zu schützen. Die MIT-Mitteilung vom Januar 2025 nennt unterstützte Bestäubung dagegen ausdrücklich als mögliche Anwendung. 

Kraftstoff statt Batterie

Batterien werden beim Verkleinern ineffizient, erklärt das Video. Cornell-Forscher um Cameron Aubin und Robert Shepherd stellten 2023 in „Science“ einen 325 Milligramm schweren Verbrennungsaktor vor, der mit Methan und Sauerstoff arbeitet, mehr als 100 Mal pro Sekunde zündet und über 9,5 Newton Kraft erzeugt. Ein vierbeiniger Roboter damit trug das 22-Fache seines Gewichts und sprang laut Cornell rund 60 Zentimeter hoch. 

Stand im Oktober 2026

Selbstständig arbeitet noch keiner der gezeigten Roboter. Im Video räumt ein Mitglied des MIT-Labors ein, dass Sensorik, Energie und Rechenleistung derzeit vollständig außerhalb des Roboters liegen. Die Aussage, Harvards RoboBee sei kurz „autonom“ ohne Kabel geflogen, trifft nur zur Hälfte: Die RoboBee X-Wing flog 2019 ohne Kabel mit Solarzellen, brauchte dafür aber Licht von etwa drei Sonnen aus Halogenlampen und hatte keine eigene Steuerung an Bord. 

Im Dezember 2025 legte Chens Gruppe zusammen mit dem Team von Jonathan How in „Science Advances“ nach: Ein lernbasierter Regler machte den 750 Milligramm schweren Roboter um 447 Prozent schneller und ermöglichte zehn Saltos in elf Sekunden. Der Regler läuft allerdings auf einem externen Rechner. Chen sagte dazu, das insektenähnliche Flugverhalten könne helfen, „wenn wir anfangen, Kameras und Sensoren an Bord des Roboters zu bringen“ (Übersetzung). Harvard stattete die RoboBee im April 2025 mit Landebeinen nach dem Vorbild der Schnake aus; Robert Wood bezeichnet sicheres Landen als Schritt hin zum Ziel voller Autonomie. 

Zusammenfassung
  • Das Video „Why Is MIT Making Robot Insects?“ stellt Mikroroboter aus dem Labor von Kevin Chen am MIT sowie Arbeiten aus Harvard und Cornell vor. 

  • Die gezeigten Systeme fliegen bislang nur im Labor, mit Strom, Steuerung und Positionsmessung von außen. 

  • Bienen ersetzen sollen sie nicht; diskutiert werden Inspektion, Suche nach Verschütteten und allenfalls unterstützende Bestäubung. 

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