BDX-Droiden: Wie Disney Star-Wars-Roboter laufen lässt

Disneys zweibeinige BDX-Droiden sind echte Laufroboter, trainiert mit bestärkendem Lernen in der Simulation. Dazu kommen Fans, die seit 1999 R2-D2 nachbauen – und von denen zwei für einen Star-Wars-Film engagiert wurden.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 12
Mann im blauen T-Shirt kniet und arbeitet mit Werkzeug an einem geöffneten R2-D2-Nachbau, daneben aufgeklappte Droidenkuppeln
Droidenbau im Builders-Bereich der Star Wars Celebration in Anaheim, April 2015 Foto: William Tung / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Ein Laufroboter nach Drehbuch

Die BDX-Droiden beschreibt Disney Research als zweibeinige Laufroboter mit der Persönlichkeit hilfsbereiter Star-Wars-Droiden. Die technische Grundlage steht in einem Fachbeitrag von acht Forschern um Ruben Grandia und Moritz Bächer von Disney Research und Walt Disney Imagineering, vorgestellt auf der Konferenz Robotics: Science and Systems 2024. Das Paper selbst nennt keine Filmfigur; Disney Research stellt es unter dem Dateinamen „BD_X_paper“ bereit. 

Der Roboter ist 0,66 Meter hoch (ohne Antennen) und wiegt 15,4 Kilogramm. Jedes Bein hat fünf Freiheitsgrade, Hals und Kopf zusammen vier. Dazu kommen bewegliche Antennen, leuchtende Augen, eine Kopflampe und Lautsprecher in Körper und Kopf. Die Autoren schreiben, sie hätten nicht die bestmögliche Mechanik angestrebt, sondern eine einfache, die der künstlerischen Absicht genügt. Entwurf und Animation liefen deshalb in einem gemeinsamen, wiederholten Abstimmungsprozess. 

Training in der Simulation

Gesteuert wird der Roboter von mehreren neuronalen Regelstrategien, die per bestärkendem Lernen im Simulator Isaac Gym trainiert wurden: eine für das Stehen, eine für das Gehen und weitere für einzelne Gefühlsausdrücke. Sie setzen Bewegungen um, die Animatoren vorgegeben haben, und sollen dabei robust gegen Unsicherheiten und äußere Störungen bleiben. Jede Strategie durchlief 100.000 Trainingsiterationen mit 8192 parallel simulierten Umgebungen, was laut Paper rund 22 Tage Rechenzeit auf einer Nvidia RTX 4090 entspricht. Der größte Teil des Verhaltens werde allerdings schon in den ersten Iterationen gelernt; 1500 Iterationen oder 30 Minuten genügten, um das grundlegende Verhalten vorab zu prüfen. 

Autonom sind die Droiden im Einsatz nicht. Ein Bediener steuert sie über einen Steam Deck mit zwei Joysticks und belegt die Tasten mit Gangarten, Animationen und Showfunktionen. Bis zur Veröffentlichung hatte das Team nach eigenen Angaben mehrere öffentliche Auftritte mit bis zu drei Robotern gleichzeitig absolviert, zusammen rund zehn Stunden Laufzeit ohne einen einzigen Sturz. Manche Zuschauer hätten den sichtbaren Puppenspieler allerdings als störend empfunden. 

Newton: Physik-Engine als Gemeinschaftsprojekt

Am 18. März 2025 stand ein BDX-Droide bei NVIDIA-Chef Jensen Huang auf der Bühne der Entwicklerkonferenz GTC. Dort kündigten NVIDIA, Google DeepMind und Disney Research die Physik-Engine Newton an, gebaut auf NVIDIAs Warp-Framework und kompatibel mit MuJoCo und Isaac Lab. Disney Research wolle damit seine Plattform für Roboterfiguren weiterentwickeln, hieß es. Kyle Laughlin, Senior Vice President bei Walt Disney Imagineering, sagte: „Die BDX-Droiden sind erst der Anfang. Wir wollen weitere Figuren so zum Leben erwecken, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, und diese Zusammenarbeit mit Disney Research, NVIDIA und Google DeepMind ist ein zentraler Teil dieser Vision.“ (Übersetzung) 

Am 29. September 2025 übernahm die Linux Foundation das Projekt. Der Code steht unter der Apache-2.0-Lizenz; Version 1.0 erschien im April 2026 auf GitHub, Version 1.6 am 10. September 2026. 

In den Parks

Im November 2024 erhielten die BDX-Droiden den Thea Award für technische Innovation; entwickelt haben sie Walt Disney Imagineering Research & Development und Disney Live Entertainment. Disney nennt Auftritte im Disneyland Resort, auf dem Kreuzfahrtschiff Disney Wish, auf der Konferenz SXSW und der Aktionärsversammlung 2025. Seit dem 22. Mai 2026 sind die Droiden wieder in „Star Wars: Galaxy's Edge“ in Disneyland unterwegs. Nach demselben Prinzip – bestärkendes Lernen in der Simulation – hat Imagineering im November 2025 einen laufenden Olaf aus „Die Eiskönigin“ vorgestellt. 

Fans als Droidenbauer

Lange vor Disneys Forschung haben Fans Droiden nachgebaut. Der R2-D2 Builders Club wurde 1999 gegründet und teilt Bauvorlagen und Baulogs auf seiner Website astromech.net. Gebaut wird mit Aluminium, Holz, Polystyrol, Kunstharz und Teilen aus dem 3D-Drucker. Zwei britische Mitglieder, Lee Towersey und Oliver Steeples, wurden 2013 ins Creature-Effects-Team von „Star Wars: Episode VII“ in den Pinewood Studios geholt, um die R2-D2-Einheiten zu bauen und einsatzfähig zu halten. Towersey sagte damals, man prüfe Antriebe, die auf jedem Untergrund zuverlässig laufen. Steeples: „Ich hoffe, ich werde den Erwartungen der Tausenden R2-D2-Bauer weltweit gerecht, von den Millionen Star-Wars-Fans ganz zu schweigen.“ (Übersetzung) 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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