Humanoide Roboter bei BMW: Von Spartanburg bis Leipzig

BMW hat im Werk Spartanburg den humanoiden Roboter Figure 02 im Karosseriebau eingesetzt und ihn dort über 30.000 BMW X3 mitbauen lassen. Inzwischen folgen der Nachfolger Figure 03 in der Logistik und der Roboter AEON von Hexagon im Werk Leipzig.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 6
Humanoider Roboter Figure 02 steht vor einer gelben Schweißvorrichtung im Karosseriebau des BMW-Werks Spartanburg
Figure 02 im BMW-Werk Spartanburg, August 2024 Foto: BMW Group

Vom Vertrag zum ersten Test

Im Januar 2024 gab Figure AI eine kommerzielle Vereinbarung mit BMW Manufacturing bekannt. Ziel war der Einsatz humanoider Roboter im Werk Spartanburg in South Carolina, dem einzigen Werk von BMW in den USA. Figure kündigte damals an, mit fünf Aufgaben zu beginnen und diese nacheinander einzuführen. 

Im August 2024 meldete BMW den ersten Test. Über mehrere Wochen legte der Roboter Figure 02 im Karosseriebau Blechteile in Vorrichtungen ein, in denen sie anschließend zur Karosserie gefügt wurden. Für diesen Arbeitsschritt muss der Roboter besonders geschickt greifen können. BMW nennt für Figure 02 eine Größe von etwa 170 Zentimetern, ein Gewicht von 70 Kilogramm und eine Traglast von 20 Kilogramm. Jede Hand hat 16 Freiheitsgrade, die Rechenleistung ist dreimal so hoch wie beim Vorgänger. 

„Mit einem frühzeitigen Testbetrieb eruieren wir jetzt die Einsatzmöglichkeiten humanoider Roboter in der Produktion“, sagte Milan Nedeljković, Produktionsvorstand der BMW AG. In der englischen Pressemitteilung stellte BMW zugleich klar, dass zu diesem Zeitpunkt keine Figure-Roboter im Werk standen und es keinen festen Zeitplan für ihren Einsatz gab. 

Serieneinsatz im Karosseriebau 2025

2025 arbeitete Figure 02 in Spartanburg dann in der laufenden Produktion. Die Aufgabe blieb dieselbe: Blechteile greifen und in Schweißvorrichtungen einlegen, ein klassischer Pick-and-Place-Schritt. Laut Figure lag die geforderte Taktzeit bei 84 Sekunden, davon 37 Sekunden für das Einlegen, bei einer Toleranz von fünf Millimetern. Gearbeitet wurde montags bis freitags in Schichten von zehn Stunden. 

Im November 2025 zog Figure Bilanz: mehr als 1.250 Betriebsstunden, mehr als 90.000 eingelegte Teile, rund 1,2 Millionen Schritte und ein Beitrag zur Produktion von über 30.000 BMW X3. Figure nennt eine Einsatzdauer von elf Monaten, BMW spricht in seinen Mitteilungen von zehn Monaten. Die Quellen erklären die Differenz nicht. 

Figure benennt auch die Schwachstelle: Am häufigsten fiel der Unterarm aus. Als Ursachen nennt das Unternehmen die enge Bauweise, die Anforderungen an die Fingerfertigkeit und die Wärmeentwicklung. Nach der Einführung von Figure 03 wurden die Figure-02-Roboter außer Dienst gestellt. 

Figure 03 übernimmt die Logistik

Am 25. Juni 2026 kündigte BMW den Einsatz des Nachfolgers Figure 03 in Spartanburg an, diesmal in der Logistik der Montagehalle. Angelieferte Bauteile kommen dort unsortiert in großen Behältern an. Figure 03 nimmt sie heraus und sortiert sie in einen Sequenzwagen. Der Wagen wird an einem festen Sammelpunkt abgestellt, ein automatischer Routenzug oder ein Smart Transport Robot bringt die Teile dann in der richtigen Reihenfolge an die Montagelinie. 

Ulrich Wieland, Vice President Production Control and Logistics bei BMW Manufacturing, bezeichnet Spartanburg als Geburtsort der humanoiden Robotik im Tagesbetrieb von BMW Manufacturing (Übersetzung aus dem Englischen). Figure-Chef Brett Adcock sagt, der elfmonatige Einsatz von Figure 02 habe gezeigt, dass Humanoide keine Laborexperimente mehr seien (Übersetzung aus dem Englischen). Als Neuerungen von Figure 03 nennt er weiche Außenteile für mehr Sicherheit, kabelloses Laden, Sprachkommunikation sowie Hände mit Tastsensoren und Kameras in der Handfläche. 

BMW ordnet humanoide Roboter als Ergänzung der bestehenden Automatisierung ein. Das Potenzial sieht das Unternehmen vor allem bei monotonen, ergonomisch belastenden oder sicherheitskritischen Tätigkeiten. 

AEON im Werk Leipzig

In Deutschland setzt BMW auf einen anderen Hersteller. Im Werk Leipzig arbeitet seit Dezember 2025 der Roboter AEON von Hexagon Robotics, nach Angaben von BMW der erste humanoide Roboter in einem deutschen Werk des Konzerns. AEON ist 1,65 Meter groß, wiegt 60 Kilogramm und fährt auf Rädern statt zu laufen, mit bis zu 2,5 Metern pro Sekunde. Sein menschenähnlicher Oberkörper lässt sich mit Greifern, Händen oder Scannern ausstatten. 

Eingesetzt wird AEON in der Montage von Hochvoltbatterien und in der Komponentenfertigung. Weitere Tests waren für April 2026 vorgesehen, die Einbindung in einen Pilotbetrieb für den Sommer 2026. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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