Mit einer Kamera und 500 Befehlen pro Sekunde: KI-Drohne der TU Delft schlägt drei FPV-Weltmeister

Eine Renndrohne der TU Delft hat im April 2025 in Abu Dhabi alle KI-Teams und drei ehemalige FPV-Weltmeister geschlagen, mit einer einzigen Kamera, einem Lagesensor und einem kleinen Bordrechner. Jetzt liegt die begutachtete Studie dazu in Science Robotics vor. Sie zeigt auch, was das System nicht kann; und beim zweiten Rennen im Januar 2026 gewann wieder ein Mensch.

Von Roboterwelt Redaktion7 Min. LesezeitQuellen: 11
Blick durch eine lange Messehalle mit grauem Teppichboden und Lichterreihen an der Decke; violette Renntore mit A2RL- und DCL-Logos stehen verteilt im Raum, das vorderste mit violett leuchtenden Kanten, und an mehreren Toren hängen orange leuchtende Lichtspuren einer Drohne in der Luft; rechts am Rand zwei Personen und eine Hebebühne
Zeitrafferaufnahme der MonoRace-Drohne auf der Rennstrecke in Abu Dhabi 2025: Die orangen Lichtspuren stammen von ihren LED-Streifen, die violetten Rahmen sind die 1,5 Meter weiten Renntore. Laut Bildunterschrift der TU Delft fliegt die Drohne hier durch das letzte Tor. Foto: Micro Air Vehicles Lab, TU Delft, Pressebild via EurekAlert, minimal beschnitten

Zwei Runden durch elf Tore in 16,56 Sekunden, in der Spitze gut 100 Kilometer pro Stunde, ohne GPS, ohne externe Kameras, ohne vorab gelernte Flugbahn: Damit gewann eine Drohne der Technischen Universität Delft am 11. und 12. April 2025 das Zeitfahren der Abu Dhabi Autonomous Racing League (A2RL) und anschließend ein K.-o.-Turnier gegen die besten menschlichen FPV-Piloten. Das System heißt MonoRace. Die Studie des Micro Air Vehicle Laboratory (MAVLab) dazu ist am 14. Oktober 2026 begutachtet in Science Robotics erschienen. 

Die Drohne stellte der Veranstalter. An Bord waren eine einzelne Kamera mit Rolling-Shutter-Sensor, eine Inertialmesseinheit (IMU) und ein Rechner vom Typ Jetson Orin NX von NVIDIA. 

Das Rennen: elf Tore, zwei Runden, drei K.-o.-Duelle

Der Wettbewerb fand in einer 100 × 30 Meter großen Halle statt, organisiert von A2RL und der Drone Champions League (DCL). Die Strecke bestand aus elf quadratischen Toren mit 1,5 Metern Öffnung, darunter zwei Doppeltore und ein Split-S-Manöver. Vier Disziplinen standen an: ein Zeitfahren, das Duell Mensch gegen KI in drei K.-o.-Runden, ein Rennen mit vier KI-Drohnen gleichzeitig und ein Drag Race über 83 Meter; laut Veranstalter waren 14 Teams aus elf Ländern qualifiziert. 

MonoRace gewann Zeitfahren, Duell und Drag Race; im Vierer-Rennen wurde es Dritter, weil das System andere Drohnen weder erkennt noch ihnen ausweicht. Die menschlichen Gegner waren die bestplatzierten Piloten des parallel ausgetragenen DCL Falcon Cup, laut Studie drei ehemalige FPV-Weltmeister. Die Namen der Piloten nennt der Text der Studie nicht; nur in einer Bildunterschrift taucht Killian Rousseau als Gegner des schnellsten erfolgreichen Flugs auf. Die vom Veranstalter gemessenen Zeiten der K.-o.-Läufe stehen in einer Abbildung der Studie. 

Eine Kamera, ein Lagesensor, 500 Motorbefehle pro Sekunde

Die Wahrnehmung beruht darauf, dass Form und Position der Tore bekannt sind. Ein neuronales Netz (GateNet) trennt in einem 384 × 384 Pixel großen Bildausschnitt, in dem die nächsten Tore erwartet werden, die Torrahmen vom Hintergrund. Aus den Eckpunkten der Tore berechnet das System per Perspektiv-Projektion die eigene Position; ein Kalman-Filter verschmilzt sie mit den Daten der IMU. 

Die Steuerung übernimmt ein kleines neuronales Netz mit drei Schichten zu je 64 Neuronen. Es erhält 24 Zustandsgrößen und gibt direkt die Befehle für die vier Motoren aus, ohne die üblichen Zwischenregler, mit 500 Hertz auf dem Flugregler. Trainiert wurde es per Reinforcement Learning (PPO) in einer Simulation, in der die meisten Parameter des Drohnenmodells pro Episode um mindestens 40 Prozent variiert wurden. 

Ein Zusatz erwies sich im Wettbewerb als entscheidend: Der Beschleunigungssensor sättigt bei 16 g; weicht die Messung mehr als 22 m/s² vom physikalischen Modell ab, vertraut der Filter dem Modell. Die Kameraausrichtung kalibriert das Team zudem aus den eigenen Flugdaten, auf etwa ein Grad genau. 

Ergebnisse in Zahlen

Werte laut Studie; nur die Wettbewerbszeit wurde vom Veranstalter gemessen. 

Größe 

Wert 

Anmerkung 

Schnellste Wertung (zwei Runden) 

16,56 s 

Zeitmessung des Veranstalters 

Höchstgeschwindigkeit 

28,23 m/s (rund 102 km/h) 

Mitteilung der TU Delft vom April 2025: 95,8 km/h 

Zuverlässigkeit 

88,4 % von 43 Flügen (Modell M23); 55 von 77 (Modell M17) 

Modelle mit unterschiedlicher Gewichtung von Tempo und Robustheit 

Gestörte Kamerabilder 

8 bis 75 % je Flug 

Doppelrunde trotz 50 % unbrauchbarer Bilder 

IMU-Sättigung 

ohne Korrektur 22 Abstürze bei 44 Flügen; mit Korrektur 3 von 3 erfolgreich 

Korrektur während des Wettbewerbs eingebaut 

Kamera 

Sensor IMX219, 820 × 616 Pixel, 90 Hz, Sichtfeld 155° × 115° 

laut t3n ein Acht-Megapixel-Modul für knapp 30 Euro 

Lagesensor (IMU) 

1.000 Hz Beschleunigung, 2.000 Hz Drehrate 

im Flugregler integriert, Sättigung bei 16 g 

Flugregler 

STM32H743, 480 MHz 

führt das Steuernetz mit 500 Hz aus 

Drohne 

966 g, Rahmen vom Veranstalter 

Rechner NVIDIA Jetson Orin NX 

Nahaufnahme einer Renndrohne mit orange-violetter Verkleidung und TU-Delft-Logo auf grauem Teppichboden, die vordere Haube im Bildvordergrund, links ein Propeller mit rot und orange leuchtenden LEDs, dahinter unscharf ein violettes Banner mit der Aufschrift A2RL Abu Dhabi Autonomous Racing League
Die vom Veranstalter gestellte Renndrohne der TU Delft während des Wettbewerbs in Abu Dhabi 2025. Kamera, Lagesensor und der Jetson-Orin-Rechner sitzen unter der Verkleidung; die LED-Streifen dienen der Sichtbarkeit für die Zuschauer.Foto: Micro Air Vehicles Lab, TU Delft, Pressebild via EurekAlert, Ausschnitt

Grenzen: feste Tore, keine Kollisionsvermeidung, ein Mensch gewinnt zurück

Die Autoren benennen die Grenzen selbst: Das Steuernetz setzt eine fehlerfreie Positionsschätzung voraus, die Bilderkennung ist auf rechteckige Tore trainiert, und andere Drohnen erkennt das System nicht, was im Vierer-Rennen zu einer Kollision führte. Die Geschwindigkeitsangaben weichen ab: 100 km/h in der Studie, 95,8 km/h in der TU-Delft-Mitteilung vom April 2025, „über 150 km/h“ beim Veranstalter ohne Zuordnung zu einer Drohne. 

Und das Duell ist nicht entschieden. Bei der zweiten A2RL-Saison im Januar 2026 schlug der südkoreanische Pilot Minchan Kim, laut DroneDJ amtierender FPV-Weltmeister, im Finale die KI-Drohne des Technology Innovation Institute (TII) aus Abu Dhabi: Nach 4:4 Läufen im Best-of-nine streifte die KI im entscheidenden Lauf ein Tor. Die schnellste KI-Runde fuhr dort TII mit 12,032 Sekunden, das MAVLab folgte mit 12,832 Sekunden und gewann das Mehrdrohnen-Rennen. 

Vergleich mit Swift: von 22 auf 28 Meter pro Sekunde

Den ersten Sieg einer autonomen Drohne über Weltklassepiloten hatte 2023 die Gruppe um Davide Scaramuzza an der Universität Zürich in Nature veröffentlicht. Swift trat gegen Alex Vanover, Thomas Bitmatta und Marvin Schaepper an, gewann die Mehrheit der Rennen und fuhr die schnellste Zeit, eine halbe Sekunde vor dem besten Menschen. Es nutzte eine Stereo-Trackingkamera von Intel RealSense und eine per Reinforcement Learning trainierte Steuerung; die Simulation wurde mit Motion-Capture-Daten abgeglichen. Als Grenzen nannten die Zürcher: keine Erholung nach einem Absturz, Empfindlichkeit gegenüber veränderter Beleuchtung, eine Kamera mit nur 30 Hertz. 

MonoRace geht in drei Punkten darüber hinaus: eine statt zwei Kameras, kein Motion-Capture-System in irgendeiner Phase, und ein fremd ausgerichteter Wettbewerb mit fremder Hardware. Die Spitzengeschwindigkeit stieg laut Studie von rund 22 m/s auf 28,23 m/s, allerdings auf einer längeren Strecke (76 × 18 × 5,4 statt 30 × 30 × 8 Meter). 

Was das für Drohnen bedeutet

Man habe sehen wollen, wie viel Intelligenz sich aus sehr begrenzten Mitteln herausholen lasse, statt dem Roboter immer leistungsfähigere Sensoren und Computer zu geben, sagt Teamleiter Christophe De Wagter in der Mitteilung der TU Delft. Guido de Croon, Professor am MAVLab, sieht die Prinzipien auch jenseits des Rennens, von Staubsaugerrobotern bis zu großen Hafenkränen. Die Autoren erwähnen auch militärische Einsatzmöglichkeiten und hoffen auf zivile Nutzung; die Steuerung wurde aus dem EU-Projekt SPEAR gefördert. Eine Veröffentlichung des Codes nennt das Preprint nicht. 

Die Studie

„MonoRace: Winning Champion-Level Drone Racing with Robust Monocular AI“ von Stavrow A. Bahnam, Robin Ferede, Till M. Blaha, Anton E. Lang, Erin Lucassen, Quentin Missinne, Aderik E. C. Verraest, Christophe De Wagter und Guido C. H. E. de Croon (alle TU Delft) erschien am 14. Oktober 2026 in Science Robotics (DOI 10.1126/scirobotics.aee9250). Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Preprint auf arXiv (2601.15222, CC BY 4.0), da die Science-Robotics-Seite für uns nicht abrufbar war. 

Häufige Fragen

Was ist MonoRace?

Ein autonomes Flugsystem der TU Delft für Drohnenrennen, das nur eine Rolling-Shutter-Kamera und eine Inertialmesseinheit nutzt. Ein neuronales Netz erkennt die Renntore im Bild, ein Kalman-Filter schätzt daraus die Position, und ein zweites, kleines Netz steuert mit 500 Befehlen pro Sekunde direkt die Motoren. GPS, Stereokameras oder externe Tracking-Systeme kommen nicht zum Einsatz. 

Wie schnell war die KI-Drohne?

Laut Studie erreichte sie auf der Rennstrecke in Abu Dhabi bis zu 28,23 m/s, rund 100 km/h, und absolvierte die zwei Wertungsrunden durch elf Tore in 16,56 Sekunden. Die Mitteilung der TU Delft vom April 2025 nannte 95,8 km/h. 

Gegen wen hat die Drohne gewonnen?

Gegen alle anderen KI-Teams im Zeitfahren und in drei K.-o.-Duellen gegen die bestplatzierten Piloten des DCL Falcon Cup, laut Studie drei ehemalige FPV-Weltmeister. Die Namen der Piloten nennt der Text der Studie nicht; in einer Bildunterschrift wird Killian Rousseau als Gegner des schnellsten erfolgreichen Flugs genannt. 

Ist die KI den Menschen jetzt dauerhaft überlegen?

Nein. Bei der zweiten A2RL-Saison im Januar 2026 gewann der südkoreanische Pilot Minchan Kim, laut DroneDJ amtierender FPV-Weltmeister, das Best-of-nine-Finale gegen die KI-Drohne des Technology Innovation Institute im neunten Lauf. Die Autoren der Studie nennen außerdem Grenzen ihres Systems: feste rechteckige Tore, keine Erkennung anderer Drohnen, getrennte Wahrnehmung und Steuerung. 

Was unterscheidet MonoRace von Swift der Universität Zürich?

Swift (Nature, 2023) schlug drei Spitzenpiloten mit einer Stereo-Trackingkamera in einer eigenen Halle und nutzte beim Abgleich der Simulation ein Motion-Capture-System. MonoRace kommt mit einer Kamera aus, verzichtet in jeder Phase auf externe Positionsmessung und gewann auf einer fremden Strecke mit einer vom Veranstalter gestellten Drohne; die Spitzengeschwindigkeit stieg laut Studie von rund 22 auf 28,23 m/s. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 26. Oktober 2026 geprüft. Die Zahlen stammen aus dem arXiv-Preprint (CC BY 4.0), der Mitteilung der TU Delft und der Pressemitteilung auf EurekAlert; die Science-Robotics-Seite (science.org) war für uns nicht abrufbar (HTTP 403), Veröffentlichungsdatum und DOI sind der TU-Delft-Mitteilung entnommen. Die Angaben zur zweiten A2RL-Saison im Januar 2026 stammen von TII und DroneDJ, die Zahl von 14 Teams aus elf Ländern und die Angabe „über 150 km/h“ aus der Pressemitteilung von A2RL, die 95,8 km/h aus den Mitteilungen der TU Delft vom April 2025. Die Bilder sind Pressebilder des MAVLab der TU Delft (EurekAlert, „Usage Restrictions: None“), nicht die Abbildungen des Preprints, für die kein Fotonachweis vorliegt.

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