Laufroboter ertastet Marsboden: Projekt LASSIE in White Sands

Ein vierbeiniger Roboter hat im August 2025 fünf Tage lang die Gipsdünen des White Sands National Park in New Mexico abgeschritten. Er misst mit jedem Schritt, wie fest der Boden ist – und hat dort erstmals eigenständig entschieden, wo er weitermisst.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 5
Silhouette eines vierbeinigen Laufroboters und zweier Forscher mit Laptop auf einer Düne im White Sands National Park in der Abenddämmerung
LASSIE-Feldtest im White Sands National Park, August 2025 Foto: Justin Durner Photography / Oregon State University, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten)

Ein Vierbeiner als Messinstrument

LASSIE steht für „Legged Autonomous Surface Science in Analog Environments“, also autonome Oberflächenforschung mit Laufrobotern in Analoggebieten. In dem Projekt arbeiten Ingenieurinnen, Kognitionswissenschaftler, Geowissenschaftler und Planetenforscherinnen der Oregon State University, der University of Southern California (USC), der Texas A&M University, des Georgia Institute of Technology, der University of Pennsylvania, der Temple University und des Johnson Space Center der NASA zusammen. Finanziert wird es über das NASA-Programm PSTAR (Planetary Science and Technology through Analog Research) und das Mars Exploration Program. 

Im Mittelpunkt steht ein hundeähnlicher, vierbeiniger Roboter. Er dient nicht nur als Transportmittel, sondern selbst als Messgerät: Über seine Beine erfasst er, wie der Boden auf jeden Fußtritt reagiert. „So wie der menschliche Fuß spürt, wie stabil der Untergrund ist, wenn sich etwas verschiebt, können Laufroboter potenziell genau dasselbe fühlen“, sagt Cristina Wilson, Robotikforscherin am College of Engineering der Oregon State University (Übersetzung aus dem Englischen). „Jeder Schritt, den der Roboter macht, liefert uns also Informationen, die seine künftige Leistung an Orten wie dem Mond oder dem Mars verbessern.“ 

Feifei Qian von der USC, die das Projekt leitet, beschrieb die Anforderung 2024 so: „Ein Laufroboter muss erkennen können, was passiert, wenn er mit dem Boden unter sich in Kontakt kommt, und seine Fortbewegung schnell entsprechend anpassen“ (Übersetzung aus dem Englischen). 

Gipsdünen statt Marssand

Der White Sands National Park in New Mexico dient dem Team als Analoggebiet für den Mars. Im Projektbericht heißt es, das Gelände stehe für Sedimentlandschaften auf dem Mars, etwa die Ablagerungen ehemaliger Salzseen in Meridiani Planum, die der NASA-Rover Opportunity untersucht hat, und die Gipsdünen in den hohen Breiten des Mars. 

Im August 2025 war das Team zum zweiten Mal dort; der erste Besuch fand 2023 statt. Zuvor hatte die Gruppe denselben Roboter 2023 und 2024 an den Hängen des Mount Hood in Oregon eingesetzt. Die vereiste Vulkanlandschaft dort gilt als Analoggebiet für den eisigen Boden in Kratern an den Mondpolen. 

Die Bedingungen im Sommer 2025 waren schwierig. Weil die Höchstwerte über 100 Grad Fahrenheit (knapp 38 °C) lagen, begann das Team laut Oregon State University bei Sonnenaufgang und brach am späten Vormittag ab – wegen der Belastung für die Forschenden und für die Stromversorgung der Roboter. 

Erstmals eigene Entscheidungen

Den wichtigsten Fortschritt sieht das Team bei der Autonomie. Nach Angaben der Oregon State University führten die über mehrere Jahre verbesserten Algorithmen dazu, dass der Roboter in White Sands zum ersten Mal autonom handelte und eigene Entscheidungen traf. Für einen Einsatz auf dem Mars wäre das wichtig, erklärt Wilson: Wenn Roboter und Astronaut unabhängig voneinander arbeiten können, steigt die Menge an wissenschaftlicher Arbeit, die eine Mission leisten kann. 

Außerdem testete das Team verschiedene Fortbewegungsarten, zwischen denen der Roboter je nach Untergrund wechseln kann. Das könnte nach Wilsons Worten den Energieverbrauch senken. Ihr Fazit fällt nüchtern aus: „Es gibt sicherlich noch viel zu erforschen, aber dies sind wichtige Schritte, um Vierbeiner auf den Mond und den Mars zu schicken“ (Übersetzung aus dem Englischen). 

Was die Auswertung zeigt

Im März 2026 hat das Team einen zusammenfassenden Bericht als Preprint auf arXiv veröffentlicht; er ist noch nicht von Fachleuten begutachtet. Darin beschreiben Wilson und 22 Mitautorinnen und Mitautoren Laborversuche und Feldeinsätze in den beiden Analoggebieten. Der Roboter wechselt dabei zwischen langsamen, präzisen Messbewegungen an den Grenzen interessanter Bodenbereiche und schnelleren Gangarten in gleichförmigem Gelände. 

In einem Versuch in White Sands schlug der Roboter drei Geowissenschaftlern Messorte vor. Alle drei übernahmen mindestens einen Vorschlag; insgesamt wurden die Vorschläge in sechs von neun Runden angenommen, also zu 70 Prozent. Zugleich halten die Autoren fest, dass die Fachleute ihr Vorgehen im Laufe der Datensammlung anpassten – was ein starres Algorithmusmodell nicht abbildet. 

Ebenfalls im März 2026 stellte Ian Rankin von der Oregon State University Ergebnisse des Feldeinsatzes vom August 2025 auf der Konferenz Human-Robot Interaction in Edinburgh vor. Laut dem Fachmagazin Aerospace America der AIAA kamen Forschende und Roboter gemeinsam zu besseren Einschätzungen der Bodeneigenschaften als jeder für sich. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

Mehr zu Forschung & Technik

Alle 57 Beiträge
Fassade des Stata Center am MIT bei Sonnenschein: geschwungene, silbern glänzende Metallwände mit schräg gesetzten Fenstern, dazwischen ein hoher Turm aus gelbem Backstein, rechts eine Glasfront, vorn ein kleiner Baum und GräserKurzmeldungEka Robotics: 150 Millionen Dollar für ein Robotermodell, das Kraft statt Sprache auswertetDas 2024 gegründete US-Start-up Eka Robotics hat eine Series-A-Runde über 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Andreessen Horowitz und F-Prime. Sein „Vision-Force-Action“-Modell verarbeitet neben Kamerabildern die Kraftrückmeldung des Greifers. TechCrunch beziffert die Bewertung auf 1,45 Milliarden Dollar; Eka selbst nennt keine Zahl.26.10.2026Sam Altman in dunkelgrauem Pullover sitzt mit Headset-Mikrofon auf einer Bühne, hinter ihm eine blaue Lamellenwand und eine unscharfe gelb-grüne ProjektionFirmenporträtOpenAI: Vom Non-Profit zum 852-Milliarden-Dollar-Konzern, der jetzt eigene Roboter bautOpenAI wurde 2015 als gemeinnütziges Forschungslabor gegründet und ist seit Oktober 2025 ein gewinnorientiertes Unternehmen unter dem Dach einer Stiftung. Eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar bewertet es mit 852 Milliarden US-Dollar, mehr als 800 Millionen Menschen nutzen ChatGPT jede Woche, und seit Mai 2026 baut die Firma eine eigene Robotik-Sparte auf, die 2027 einen Humanoiden zeigen soll. Dem stehen Milliardenverluste, Klagen von acht US-Bundesstaaten und eigene Berichte über Agenten gegenüber, die aus Testumgebungen ausgebrochen sind.26.10.2026Humanoider Forschungsroboter iCub mit weißem Kopf, leuchtend weißen Augenbrauen und lächelndem Mund, grauer Textilhülle mit iit-Logo und der Aufschrift S/N: 049 auf der Brust, beide Arme mit metallischen Fingern seitlich ausgebreitet; dahinter ein Labor mit blauen Regalrahmen, einem orangefarbenen Drehstuhl links, blauen Schubladenschränken rechts und einem zweiten, unverkleideten Roboter im HintergrundKurzmeldungGenerative Bionics plant in Italien eine Trainingsfabrik für HumanoideDas Genueser Robotikunternehmen Generative Bionics will bis Ende 2027 in Italien eine 5.000 Quadratmeter große „Physical AI Data Factory“ eröffnen, in der sein Humanoid GENE.01 Trainingsdaten erzeugt. Zwei weitere Standorte sollen folgen, die Rechentechnik liefert AMD. Ort und Kosten nennt die Firma nicht.25.10.2026Schwarz-Weiß-Aufnahme eines mit Flüssigkeit gefüllten Glasbehälters: ein kleiner, durchscheinender gebogener Streifen liegt am Boden, ein zweiter schwebt gewölbt in der Mitte, ein grauer Pfeil zeigt von unten nach oben, rechts unten ein Maßstabsbalken mit der Aufschrift 5 mmForschungGezüchteter Mäusemuskel lässt Mini-Roboter springen, schwimmen, gehen und greifenEin Team der ETH Zürich hat lebendes Muskelgewebe und sein weiches Trägergerüst erstmals gemeinsam am Computer entworfen. Die 1,5 Zentimeter langen Bioaktoren bewegen sich laut Studie bis zu elfmal weiter als frühere Bauformen mit ähnlich viel Muskel. Praxisreif ist das nicht: Die Roboter leben in Nährlösung, und jeder Muskel fällt anders aus.25.10.2026