J.P. Morgan: Robotik-Start-ups bekamen 2024 fast doppelt so viel Geld

Ein Branchenbericht von J.P. Morgan wertet Wagniskapital für Robotik, Halbleiter, Verteidigungs- und Raumfahrttechnik in den USA aus. Robotik ist darin der größte Gewinner des Jahres 2024.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 3 Min. LesezeitQuellen: 4
Rote Industrieroboter mit Schweißzangen an einer Karosseriebaulinie, in der Mitte eine unlackierte Aluminiumkarosserie
Robotergestützter Karosseriebau in einem US-Werk (2012) Foto: Steve Jurvetson, CC BY 2.0

Was der Bericht untersucht

Die Bank J.P. Morgan hat im Juli 2025 aus ihrem Geschäftsbereich „Innovation Economy“ einen 17-seitigen Bericht über sogenannte Applied Technology veröffentlicht. Darunter fasst die Bank Unternehmen, die wissenschaftliche Fortschritte mit Ingenieursarbeit in Hard- und Software umsetzen. Untersucht werden vier Branchen: Verteidigungstechnik, Robotik samt Automatisierung und KI für Roboteranwendungen, Halbleiter sowie Raumfahrttechnik. Zur Robotik zählt der Bericht ausdrücklich humanoide Roboter, autonome Robotersysteme und Spezialroboter für Gastronomie, Medizin und Bau. 

Verfasst haben den Bericht Nick Candy, Vincent Harrison und Julie Tsang aus dem Analyseteam der Bank, das Vorwort stammt von Justin Krauss, Leiter des Bereichs Applied Technology. Die Investitionsdaten kommen vom Datenanbieter PitchBook; die Bank weist darauf hin, dass PitchBook-Analysten die Auswertung nicht geprüft haben. Werte für 2025 reichen nur bis zum 30. April 2025. Der Bericht ist nach eigener Angabe kein Produkt der Research-Abteilung von J.P. Morgan Securities. 

Robotik zieht das meiste Kapital an

Insgesamt lagen die US-Venture-Investitionen in die vier Branchen 2024 knapp über dem bisherigen Höchststand von 2021. Getrieben wurde das von wenigen sehr großen Finanzierungsrunden: Die durchschnittliche Rundengröße stieg laut Bericht von 35 auf rund 44 Millionen US-Dollar. 

Den größten Anteil hatte die Robotik. Die Investitionen in Robotik-Start-ups waren 2024 nach Angaben der Bank „fast doppelt so hoch“ wie 2020 (Übersetzung); im zugehörigen Diagramm steigt der Wert von rund 7 auf über 12 Milliarden US-Dollar, die Zahl der Finanzierungsrunden von etwa 265 auf etwa 355. Die Autoren führen das auf Fortschritte bei KI, mehr industrielle Anwendungen und das Bestreben von Unternehmen zurück, ihre Produktivität durch Automatisierung zu steigern. 

Auch die Unternehmensbewertungen zogen an. Robotik-Firmen in späteren Finanzierungsphasen wurden 2024 im Median mit 136 Millionen US-Dollar vor der Finanzierung bewertet, die mittlere Rundengröße lag in dieser Phase bei 20 Millionen US-Dollar. In der Frühphase lag die Medianbewertung bei 47 Millionen, in der Seed-Phase bei 16 Millionen US-Dollar. Bei der Zahl neuer Seed-Finanzierungen lag Robotik in den ersten vier Monaten 2025 auf Platz eins der vier Branchen; 2023 und 2024 hatte dort die Verteidigungstechnik geführt. 

Staatliche Budgets als Rückenwind

Für Verteidigungstechnik und Halbleiter spielt Wagniskapital eine kleinere Rolle, weil diese Branchen stärker von staatlichen Mitteln leben. Der Bericht stellt dazu die Jahresbudgets von vier US-Behörden dar: Forschung und Entwicklung sowie Beschaffung des Verteidigungsministeriums, die Raumfahrtbehörde NASA und die National Science Foundation. Zusammen kamen sie im Haushaltsjahr 2024 auf 338 Milliarden US-Dollar. Das ist die Summe dieser Budgets, nicht ein Betrag, der gezielt an Applied-Tech-Unternehmen ging. Außerdem verweist der Bericht auf den CHIPS and Science Act, der die heimische Halbleiterfertigung stärken soll. 

Ausstieg über Übernahmen

Börsengänge waren im untersuchten Zeitraum selten. Fast alle Erlöse aus Ausstiegen stammten aus Übernahmen, in den meisten Jahren zwischen 95 und 100 Prozent; 2024 waren es 81 Prozent. Robotik und Halbleiter lagen bei der Zahl der Übernahmen vorn. Für Robotik-Firmen nennt der Bericht für die Jahre 2015 bis April 2025 einen Median-Kaufpreis von 115 Millionen US-Dollar; die übernommenen Firmen hatten vorher im Median 14 Millionen US-Dollar eingesammelt und waren 5,6 Jahre alt. Halbleiter-Start-ups wurden deutlich später gekauft, im Median nach 11,5 Jahren, Verteidigungstechnik-Firmen schon nach 3,8 Jahren. 

Krauss schreibt im Vorwort, dass Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Branche „entscheidend sein werden, um die Dynamik aufrechtzuerhalten und neue Chancen zu nutzen“ (Übersetzung). Kristina Nilsson, Managing Director im Technologie-Investmentbanking der Bank, sieht in KI- und Applied-Tech-Unternehmen den Schlüssel für Probleme wie „alternde Bevölkerungen, Arbeitskräftemangel, stagnierende Produktivität und gestörte Lieferketten“ (Übersetzung). Beides sind Einschätzungen einer Bank, die selbst Unternehmen dieser Branchen finanziert und berät. 

Was seither geschah

In ihrem am 30. Juli 2026 veröffentlichten Halbjahresbericht zur Innovation Economy konzentriert sich J.P. Morgan auf KI. Der Anteil des US-Wagniskapitals, der an KI-Start-ups ging, stieg demnach von 65 Prozent im Jahr 2025 auf 89 Prozent im ersten Halbjahr 2026. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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