Zero Click: Wenn KI-Antworten den Klick auf die Website ersetzen

Suchmaschinen beantworten Fragen zunehmend selbst, KI-Agenten erledigen Aufgaben im Browser. Eine Pew-Studie misst, wie viel seltener Nutzer dabei auf Quellen klicken, und die EU-Kommission prüft, ob Google dafür Inhalte von Verlagen unfair nutzt.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 7
KI-generierte Illustration: Hand hält ein Smartphone mit einer KI-Benachrichtigung, im Hintergrund eine unscharfe Straße
Foto: KI-generiert (Roboterwelt)

Ein Schlagwort aus dem Sommer 2025

Im Juli 2025 griff Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung den Begriff „Zero Click Future“ auf. Gemeint ist die Erwartung, dass KI-Assistenten bald den Zugang zur digitalen Welt vermitteln und damit auch kontrollieren. Statt eine Liste von Links zu durchsuchen, bekommt der Nutzer eine fertige Antwort oder lässt eine Software die Aufgabe gleich ganz erledigen. Wie weit diese Entwicklung trägt, lässt sich inzwischen an Messdaten, Produktankündigungen und einem laufenden Wettbewerbsverfahren ablesen. 

Was die Pew-Messung zeigt

Das Pew Research Center wertete das Surfverhalten von 900 Erwachsenen in den USA aus seinem Panel „KnowledgePanel Digital“ aus. Im März 2025 führten sie 68.879 eindeutige Google-Suchen aus. Bei 18 Prozent davon erschien eine KI-Zusammenfassung über den Ergebnissen. 

Der Unterschied im Verhalten ist deutlich: Mit Zusammenfassung klickten Nutzer bei 8 Prozent der Besuche auf ein herkömmliches Suchergebnis, ohne bei 15 Prozent. Auf einen Link innerhalb der Zusammenfassung selbst klickten sie nur bei 1 Prozent der Besuche. 26 Prozent der Seiten mit Zusammenfassung waren der letzte Schritt der Browsersitzung, bei Seiten ohne Zusammenfassung 16 Prozent. 

Ob eine Zusammenfassung erscheint, hängt stark von der Formulierung ab. Bei Suchen aus einem oder zwei Wörtern war es in 8 Prozent der Fälle so, bei Anfragen mit zehn oder mehr Wörtern in 53 Prozent, bei Fragen, die mit „wer“, „was“ oder ähnlichen Fragewörtern beginnen, in 60 Prozent. Am häufigsten zitierten die Zusammenfassungen Wikipedia, YouTube und Reddit. 

Google widerspricht

Liz Reid, bei Google für die Suche verantwortlich, schrieb im August 2025, das gesamte organische Klickvolumen von der Google-Suche zu Websites sei im Jahresvergleich „relativ stabil“ (Übersetzung). Google schicke sogar etwas mehr „Qualitätsklicks“ als ein Jahr zuvor, also Klicks, nach denen Nutzer nicht sofort zurückkehren. Berichte über Einbrüche beruhten auf „fehlerhaften Methoden, Einzelbeispielen oder Verkehrsänderungen, die vor der Einführung der KI-Funktionen stattfanden“ (Übersetzung). Reid räumte ein, dass sich der Verkehr verschiebe: Foren, Videos und ausführliche Analysen gewännen, andere Seiten verlören. Eigene Zahlen, die sich mit der Pew-Messung vergleichen ließen, legte Google nicht vor. 

Von der Antwort zur Handlung

Der zweite Strang sind sogenannte Agenten. OpenAI stellte am 17. Juli 2025 den „ChatGPT agent“ vor, der auf einem eigenen virtuellen Rechner Websites bedient, Code ausführt und etwa Zutaten für ein Frühstück plant und bestellt. Nach Angaben von OpenAI fragt das System vor folgenreichen Aktionen wie Käufen nach, verlangt beim Versenden von E-Mails aktive Aufsicht und lehnt Banküberweisungen ab. Als besonderes Risiko nennt OpenAI „Prompt Injection“: versteckte Anweisungen auf Webseiten, die den Agenten etwa dazu bringen könnten, private Daten an Angreifer weiterzugeben. 

Google zog nach. Am 7. Oktober 2025 weitete das Unternehmen den „AI Mode“, eine Suchansicht im Chat-Stil, auf mehr als 40 weitere Länder und Gebiete und mehr als 35 weitere Sprachen aus. Auf der Entwicklerkonferenz I/O am 19. Mai 2026 meldete Google mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer für den AI Mode (Herstellerangabe). Angekündigt wurden zugleich „Information Agents“, die das Web dauerhaft nach vorgegebenen Kriterien absuchen, zunächst für zahlende Abonnenten, sowie Buchungsfunktionen und Anrufe bei Betrieben für Reparaturen, Kosmetik oder Tierpflege im Auftrag der Nutzer, zunächst nur in den USA. 

Das EU-Verfahren

Am 9. Dezember 2025 eröffnete die EU-Kommission ein förmliches Kartellverfahren gegen Google (Aktenzeichen AT.40983). Sie prüft, ob Google Inhalte von Verlagen für AI Overviews und AI Mode nutzt, ohne angemessen zu vergüten und ohne den Verlagen eine Ablehnung zu ermöglichen, die sie nicht zugleich den Zugang zur Google-Suche kosten würde. Zweiter Punkt sind YouTube-Videos, die Google zum Training seiner Modelle verwendet, während Konkurrenten das untersagt ist. 

Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, sagte, eine freie und demokratische Gesellschaft hänge von vielfältigen Medien und offenem Zugang zu Informationen ab. KI bringe viele Vorteile, „aber dieser Fortschritt darf nicht auf Kosten der Prinzipien gehen, die im Kern unserer Gesellschaften stehen“ (Übersetzung). Die Eröffnung des Verfahrens nimmt das Ergebnis nicht vorweg, eine Frist gibt es nicht. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

Mehr zu Künstliche Intelligenz

Alle 48 Beiträge
Fassade des Stata Center am MIT bei Sonnenschein: geschwungene, silbern glänzende Metallwände mit schräg gesetzten Fenstern, dazwischen ein hoher Turm aus gelbem Backstein, rechts eine Glasfront, vorn ein kleiner Baum und GräserKurzmeldungEka Robotics: 150 Millionen Dollar für ein Robotermodell, das Kraft statt Sprache auswertetDas 2024 gegründete US-Start-up Eka Robotics hat eine Series-A-Runde über 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Andreessen Horowitz und F-Prime. Sein „Vision-Force-Action“-Modell verarbeitet neben Kamerabildern die Kraftrückmeldung des Greifers. TechCrunch beziffert die Bewertung auf 1,45 Milliarden Dollar; Eka selbst nennt keine Zahl.26.10.2026Sam Altman in dunkelgrauem Pullover sitzt mit Headset-Mikrofon auf einer Bühne, hinter ihm eine blaue Lamellenwand und eine unscharfe gelb-grüne ProjektionFirmenporträtOpenAI: Vom Non-Profit zum 852-Milliarden-Dollar-Konzern, der jetzt eigene Roboter bautOpenAI wurde 2015 als gemeinnütziges Forschungslabor gegründet und ist seit Oktober 2025 ein gewinnorientiertes Unternehmen unter dem Dach einer Stiftung. Eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar bewertet es mit 852 Milliarden US-Dollar, mehr als 800 Millionen Menschen nutzen ChatGPT jede Woche, und seit Mai 2026 baut die Firma eine eigene Robotik-Sparte auf, die 2027 einen Humanoiden zeigen soll. Dem stehen Milliardenverluste, Klagen von acht US-Bundesstaaten und eigene Berichte über Agenten gegenüber, die aus Testumgebungen ausgebrochen sind.26.10.2026Humanoider Forschungsroboter iCub mit weißem Kopf, leuchtend weißen Augenbrauen und lächelndem Mund, grauer Textilhülle mit iit-Logo und der Aufschrift S/N: 049 auf der Brust, beide Arme mit metallischen Fingern seitlich ausgebreitet; dahinter ein Labor mit blauen Regalrahmen, einem orangefarbenen Drehstuhl links, blauen Schubladenschränken rechts und einem zweiten, unverkleideten Roboter im HintergrundKurzmeldungGenerative Bionics plant in Italien eine Trainingsfabrik für HumanoideDas Genueser Robotikunternehmen Generative Bionics will bis Ende 2027 in Italien eine 5.000 Quadratmeter große „Physical AI Data Factory“ eröffnen, in der sein Humanoid GENE.01 Trainingsdaten erzeugt. Zwei weitere Standorte sollen folgen, die Rechentechnik liefert AMD. Ort und Kosten nennt die Firma nicht.25.10.2026Weißer humanoider Roboter AgiBot X2 mit gelben Füßen hebt grüßend die rechte Hand, auf der Brust ein blaues Logo mit der Aufschrift Minth Group, links ein blauer Roll-up-Banner mit drei Abbildungen des Roboters, dahinter ein vergoldeter Barockspiegel auf einer Marmorkonsole, rechts eine Hand mit einer kleinen KameraKurzmeldungAgiBot gibt Datensatz für „Physical Reasoning“ frei: Roboter sollen vor dem Handeln entscheidenMit dem vierten Teil seines Datensatzes AGIBOT WORLD 2026 will AgiBot Robotern beibringen, je nach Lage zu entscheiden, statt feste Abläufe zu wiederholen. Die Daten liegen bei Hugging Face; die Lizenz schließt eine kommerzielle Nutzung aus.24.10.2026