Roboter im Pflegeheim: Was Garmi und Navel leisten und was nicht

Ein Assistenzroboter der TU München und ein sozialer Roboter aus einem Münchner Start-up werden in Pflegeheimen erprobt. Die Erfahrungen zeigen, wo Technik entlastet, wo sie zusätzliche Arbeit macht und welche Bedingungen der Deutsche Ethikrat an ihren Einsatz knüpft.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 10
Pflegeroboter Garmi mit weißem Kopf, Bildschirm auf Brusthöhe und zwei Roboterarmen, im Hintergrund die erste Garmi-Generation in einem hellen Flur
Die neue Garmi-Generation der TU München, dahinter die erste Version Foto: Max Merget / TUM

Mehr Pflegebedürftige, zu wenig Personal

Ende 2021 waren in Deutschland rund 5,0 Millionen Menschen pflegebedürftig. Das Statistische Bundesamt rechnet für 2035 mit etwa 5,6 Millionen, ein Plus von 14 Prozent. Bis 2030 werden in Pflegeheimen und ambulanten Diensten nach einer Berechnung der „Initiative für eine nachhaltige und generationengerechte Pflege“, der unter anderem der Verband der privaten Krankenversicherung angehört, rund 130.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht, bis 2040 bis zu 250.000. Roboter sollen einen Teil der Arbeit übernehmen. Wie weit sie dabei sind, zeigen zwei Projekte aus Bayern und Baden-Württemberg. 

Garmi: Hilfe bei Routinearbeiten

Am Forschungszentrum Geriatronik der Technischen Universität München (TUM) in Garmisch-Partenkirchen wird seit mehreren Jahren der Assistenzroboter Garmi entwickelt. Partner am Standort sind der Caritasverband für München und Oberbayern und LongLeif. Garmi war bereits mehrmals im Testeinsatz im Caritas-Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen. Isabella Salvamoser, wissenschaftliche Referentin für Robotik beim Caritasverband München und Freising, beschreibt das Vorgehen so: „Wir haben uns genau die Tätigkeiten angeschaut und haben identifizieren können, welche Tätigkeiten repetitiv sind, welche oft auftreten und vielleicht zeitaufwändig sind – und diese gilt es jetzt in GARMI zu implementieren.“ Gemeint sind etwa Schränke auffüllen, Pflegewagen schieben und die Pflegedokumentation. 

Am 22. Januar 2026 stellte die TUM eine neue Garmi-Generation vor, entwickelt mit dem Munich Design Institute. Der Roboter steht auf einer fahrbaren Basis mit ausfahrbarer Hubsäule, hat zwei Arme, Kameras auf Augenhöhe, einen Lidar-Sensor auf Beinhöhe und einen Bildschirm auf Brusthöhe, über den künftig Ärzte zur Fernuntersuchung zugeschaltet werden sollen. „Der neue Garmi versteht Sprache, entwickelt eigenständig einen Plan und bringt etwas zu trinken“, sagt Alexander König, Professor für Robotik und Systemintelligenz an der TUM. Als nächsten Schritt nennt die Universität, den Roboter abzusichern, damit er in Pflegeeinrichtungen und Wohnungen eingesetzt werden kann. Einen Termin dafür nennt sie nicht. 

Einen Roboter, der sich wie ein Mensch selbstständig in der Welt zurechtfindet, hält König in naher Zukunft nicht für erreichbar: „Das liegt daran, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt noch sehr wenige Trainingsdaten haben.“ Für Bewegungen gebe es nicht annähernd so viele Daten wie für Text, zudem brauche man Informationen über die aufgebrachten Kräfte. 

Der soziale Roboter Navel der Münchner navel robotics GmbH trägt nichts und hebt niemanden. Er erkennt Gesichter, merkt sich Namen, erzählt Witze und sagt Gedichte auf. Im Johanniter-Haus in Herrsching am Ammersee ist ein Navel namens „Johanni“ einmal pro Woche im Einsatz, rund 70 Zentimeter groß und etwa acht Kilogramm schwer. Aus Sicherheitsgründen darf er nicht allein unterwegs sein; Betreuungsassistentinnen wie Martina Schreiber begleiten ihn. Das hat auch einen ethischen Grund: Es ist offen, ob Menschen mit Demenz Roboter und Menschen sicher unterscheiden können. Schreiber sieht dennoch einen Nutzen: „Wir können selbst auch ganz viele Informationen aus den Gesprächen der Bewohner mit Johanni herausziehen, etwa biografische oder was sie interessiert und bewegt.“ 

Die Evangelische Heimstiftung setzt Navel seit 2023 im Haus im Wiesengrund in Albershausen und im Seniorenzentrum Rheinauer Tor in Mannheim ein; eine externe Ethikkommission hat die Begleitstudie geprüft. Im Januar 2025 zog das hauseigene Institut für Innovation, Pflege und Alter Bilanz: Die Bewohner erlebten den Roboter als sympathisch, freundlich und humorvoll, auf den Wohnbereichen herrschte mehr Freude. Weil Navel sich aber nicht selbstständig bewegen und nicht ohne Mitarbeitende agieren kann, brauchte das Personal mehr Zeit statt weniger. Verbessert werden müssten Mobilität, Reaktionszeit sowie Sprach- und Gesichtserkennung. Die Heimstiftung setzt das Projekt mit weiteren Geräten und einer Folgestudie fort. Anfang März 2026 lieferte navel robotics nach eigenen Angaben den hundertsten Roboter aus. 

Was der Ethikrat verlangt

Der Deutsche Ethikrat hat sich im März 2020 in seiner Stellungnahme „Robotik für gute Pflege“ festgelegt. Roboter könnten die Lebensqualität Pflegebedürftiger und die Arbeitsqualität in der Pflege verbessern, allerdings nur, wenn sie zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzen, nicht gegen den Willen von Gepflegten und Pflegenden und nicht zur bloßen Effizienzmaximierung eingesetzt werden. Den Nutzen sieht der Rat weniger in der Behebung des Personalmangels als in der Förderung guter Pflege. Er hält es für „äußerst fragwürdig“, wenn Pflegebedürftige soziale und emotionale Bedürfnisse künftig überwiegend mit Begleitrobotern stillen, die Gefühle nur simulieren. Er warnt zudem, Robotik könne statt mehr Zeit für Beziehungen eine höhere Arbeitsdichte bringen. Seine Empfehlungen: Pflegebedürftige und Pflegende an der Entwicklung beteiligen, Sicherheitsstandards und Haftungsregeln überprüfen, Pflegekräfte in Aus- und Fortbildung im Umgang mit Robotern schulen, ethische Fragen eingeschlossen. 

Die Frage der Finanzierung

Ein Navel kostet rund 30.000 Euro. Uli Fischer, Leiter der Stabsstelle für klinische Pflegeforschung und Qualitätsmanagement am LMU Klinikum München, verweist darauf, dass Robotik in Kliniken „durch keine Leistungsgruppen, durch keine Infrastrukturpauschalen“ abgedeckt sei und nicht aus dem Regelhaushalt bezahlt werden könne. navel robotics sieht für die Altenpflege ein ähnliches Hindernis: Das Elfte Sozialgesetzbuch sehe bislang keine Abrechnung solcher Unterstützungssysteme vor. 

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Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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