Novanta: Antriebe für Humanoide, Wachstum in der Medizintechnik

Der US-Konzern Novanta liefert Servoantriebe, Encoder, Motoren und Kraft-Momenten-Sensoren an Roboterhersteller, zunehmend auch für humanoide Roboter. Die ersten nennenswerten Aufträge aus diesem Feld sind da, das Geld verdient Novanta aber vor allem anderswo.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 3 Min. LesezeitQuellen: 8
KI-generierte Illustration: Beine eines humanoiden Roboters mit freiliegenden Gelenkantrieben in einem Labor
Foto: KI-generiert (Roboterwelt)

Der Anlass: ein gesponserter Podcast

Im Juli 2025 war Nick Damiano, Senior Business Development Manager bei Novanta Robotics and Automation, Gast in Folge 205 des Podcasts von The Robot Report. Er sprach über Sicherheitsfunktionen auf Komponenten- und Gelenkebene, über die Schwierigkeiten beim Bau sicherer humanoider Roboter und über das Zusammenspiel von Sensoren und Antrieben. Die Folge war von Novanta gesponsert, die Episodenseite weist das Unternehmen als Sponsor aus. Wörtliche Aussagen Damianos gibt die Begleitseite nicht wieder. 

Auf einen Blick

Gegründet1968 als General Scanning, Inc. in Massachusetts
SitzBedford, Massachusetts (eingetragen in New Brunswick, Kanada)
FührungMatthijs Glastra (Chair und CEO)
Mitarbeiterrund 3.000, davon 55 Prozent in Europa (Ende 2025)
BörseNasdaq, Kürzel NOVT
Umsatz 2025980,6 Millionen US-Dollar
GeschäftsbereicheAutomation Enabling Technologies, Medical Solutions
StandOktober 2026

Vom Laserscanner-Hersteller zum Komponentenkonzern

Laut Jahresbericht ging das Unternehmen 1999 durch die Fusion mit Lumonics in GSI Lumonics auf, hieß ab 2005 GSI Group und trägt seit Mai 2016 den Namen Novanta. Gewachsen ist es vor allem durch Zukäufe. Für die Robotik besonders wichtig war 2021 die Übernahme von ATI Industrial Automation, einem Hersteller von Werkzeugwechslern und mehrachsigen Kraft-Momenten-Sensoren, für 223,9 Millionen US-Dollar. 2024 folgte Motion Solutions für 192 Millionen US-Dollar, 2025 der RFID-Spezialist Keonn für 64,8 Millionen Euro. 

Der Bereich Automation Enabling Technologies umfasst Laserscanning und Laserquellen, Präzisionsantriebe und Robotikkomponenten, Greiferzubehör sowie Luftlagerspindeln. Er setzte 2025 rund 500,8 Millionen US-Dollar um. Als Anwendungsfelder nennt der Jahresbericht unter anderem Roboterchirurgie, Lagerautomatisierung, Halbleiterfertigung und humanoide Roboter. 

Was Novanta für Humanoide anbietet

Auf seiner Produktseite für humanoide Robotik empfiehlt Novanta vier Bausteine: die Servoantriebe Everest Safe, den induktiven Winkelgeber IncOder Core, den rahmenlosen Motor Omni+ und das Kraft-Momenten-Sensor-Set Axia80. Nach Herstellerangabe sollen die Komponenten in menschengroße Gelenke passen, Positionsrückmeldung im Submikrometerbereich liefern und Sicherheitsfunktionen über das Protokoll Safety over EtherCAT unterstützen. Unabhängige Tests dieser Angaben liegen nicht vor. 

In der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal am 6. August 2026 berichtete Co-COO Charles Ravetto von den „ersten bedeutenden Aufträgen“ für Servoantriebe, mit denen Kunden „Hunderte Humanoide“ in Test- und Lernzentren einsetzen wollen, um deren Betrieb in Fabriken und in von Menschen genutzten Umgebungen zu erproben (Übersetzung). Kunden nannte er nicht. 

Zahlen und Wachstum

2025 stieg der Umsatz um 3,3 Prozent auf 980,6 Millionen US-Dollar, organisch, also ohne Zukäufe und Währungseffekte, ging er um 0,5 Prozent zurück. Der Gewinn nach US-Bilanzierungsregeln lag bei 53,8 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 10,3 Prozent auf 265,8 Millionen US-Dollar, davon entfielen 136,2 Millionen auf den Automatisierungsbereich. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Novanta 1,13 bis 1,14 Milliarden US-Dollar Umsatz, einschließlich der zugekauften Riverpoint Medical. 

Offene Fragen

Wie viel Umsatz Humanoide tatsächlich bringen, beziffert Novanta nicht. Die Unternehmensführung selbst bremst die Erwartungen: Ravetto sprach von einem „langen Entwicklungsweg“ bis zum kommerziellen Einsatz, CEO Glastra sagte zur Frage, wie lange es bis dahin dauere: „Das kann niemand sagen“ (jeweils Übersetzung). In den Ergebnismitteilungen zum Gesamtjahr 2025 und zum zweiten Quartal 2026 kommen humanoide Roboter nicht vor. 

Strategisch setzt der Konzern derzeit auf die Medizintechnik. Im Juni 2026 kündigte Novanta die Übernahme des Herstellers chirurgischer Verbrauchsmaterialien Riverpoint Medical aus Portland, Oregon, an: 1,2 Milliarden US-Dollar sofort, weitere 250 Millionen als Meilensteinzahlung im ersten Quartal 2027. Der Kauf wurde am 27. Juli 2026 abgeschlossen. Danach soll die Medizintechnik rund 60 Prozent des Umsatzes ausmachen, der Anteil der Robotik schrumpft entsprechend. 

Hinzu kommen Abhängigkeiten, die der Jahresbericht selbst nennt: Zwei Erstausrüster aus der Medizintechnik standen 2025 für rund 12 und 11 Prozent des Konzernumsatzes. Neue US-Zölle bezeichnet Novanta als zusätzliche Unsicherheit. 

Roboterwelt Redaktion

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 3. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

Mehr zu Forschung & Technik

Alle 70 Beiträge