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Landwirtschaftsroboter

Die Erfolgsstory von Naio Technologies

von Sebastian Scholtysek29. Dezember 2014
Weißer Feldroboter Oz mit gelbem Hackgerät fährt zwischen jungen Gemüsepflanzen über einen Acker
Der Roboter „Oz“ beim Hacken zwischen Gemüsereihen© Naio Technologies

Naio Technologies ist ein junges Unternehmen aus Frankreich, das Roboter für die Landwirtschaft entwickelt und baut. Die Erfolgsgeschichte begann mit einer Crowdfunding-Kampagne. 

Wie an die nötigen finanziellen Mittel kommen, um meine Roboter-Idee in die Wirklichkeit umzusetzen? Für viele Jungunternehmer, die in der Robotik-Branche Fuß fassen wollen, stellt sich eben diese Frage. Denn so innovativ und praktisch der Robotertyp am Reißbrett erscheinen mag, ohne Reputation schafft es kaum ein Unternehmen auf konventionellem Wege Geldgeber für sich zu gewinnen. 

Viele Erfinder entscheiden sich deswegen dafür, ihr Projekt auf den zahlreichen Crowdfunding-Plattformen zu bewerben und so das nötige Startkapital zu sammeln. Wir haben bereits einige Robotermodelle wie den rClock oder den AirDog vorgestellt, deren Finanzierung auf diese Weise verlief. Nicht immer gibt es genug interessierte Spender und nur in den seltensten Fällen wird der Prototyp zu einem verkaufbaren Produkt auf dem Roboter-Markt. Anders gestaltete sich dies bei dem Unternehmen Naio Technologies. Gestartet mit einer Spendenkampagne für einen Roboter zur Bodenkultivierung, hat es auf dem Markt für Landwirtschaftsroboter Fuß gefasst und bietet mittlerweile weitere Geräte an. 

Idee: Effiziente und umweltschonende Landwirtschaftsroboter

Vier Absolventen des „IMERIR“, einer Hochschule für Robotik im südfranzösischen Perpignan, vereinte die Idee, Roboter, die in der Landwirtschaft einsetzbar sind, zu konstruieren. Diese Roboter sollten aber keine großen die Anbaugebiete durchfurchenden Ungetüme sein, sondern sie sollten vielmehr umweltschonend und gleichzeitig effizient ihre Arbeit verrichten. Und so machten sich die vier Freunde daran, Modelle zu kreieren, die diesen Kriterien entsprechen könnten. Nach unzähligen Gesprächen mit regionalen Landwirten und vielen unbrauchbaren Entwürfen, gelang dem Team im Sommer 2011 der Durchbruch: Es baute den ersten brauchbaren Prototypen. Im November desselben Jahres wurde das Unternehmen Naio Technologies gegründet. Bis zum Start der Crowdfunding-Kampagne sollte noch ein ganzes Jahr vergehen, in dem der Roboter auf Herz und Nieren geprüft wurde. Am 23. November 2012 wurde die Spendenaktion gestartet. Die anvisierten 5.800€ wurden mit Leichtigkeit übertroffen und bis zum 31. Januar 2013 8.730€ gesammelt. Der „Oz“, so der Name des autonomen Kultivierers, wusste auf Anhieb zu überzeugen. 

Autonomer Bodenkultivierer „Oz“

Die Hauptfunktion des „Oz“ ist die Kultivierung von landwirtschaftlich genutzten Böden. Der kleine Roboter, der lediglich 40 Zentimeter breit und 70 Zentimeter lang ist, wird von Elektromotoren mit zusammen 500 Watt angetrieben und hat eine Akkulaufzeit von 4 Stunden. Wenn die Batterien entladen sind, begibt sich der „Oz“ selbstständig zur Ladestation. Sobald die Batterien wieder aufgeladen sind, setzt er seine Arbeit fort. Der Verbrauch des kleinen Helfers ist derart gering, dass laut Herstellerangabe die Energiekosten zur Kultivierung eines Hektars lediglich einen Euro betragen. Die schonende Arbeitsweise, mit der er den Boden bearbeitet, ist ein weiterer Vorteil seiner Kompaktheit und seines niedrigen Gewichts. Denn anders als bei schweren Maschinen wird die Struktur der Erde nicht zerstört. 

Computergrafik: Roboter Oz mit rotem Hackgerät vor zwei gerahmten Bildern mit den Schildern „Papa“ (alter Traktor) und „Maman“ (Roboterfigur auf einem Sofa)
Der „Oz“ ist halb Traktor und halb Roboter © Naio Technologies

Mit gleich mehreren elektronischen Sensoren sowie einer Kamera bestückt, kann er vollständig autonom seine Touren drehen. Selbst das Wenden und das Einfahren in die nächste Reihe von Anbaupflanzen stellt für den „Oz“ kein Problem dar. 

Neben der Kultivierung des Bodens kann der Roboter auch zur Messung von relevanten Daten wie beispielsweise des Luftdrucks, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden. Mit diesen Informationen kann der Landwirt den Zustand seiner Pflanzen kontrollieren und den Ausbruch möglicher Krankheiten vorhersehen. Zudem besitzt der Roboter eine Personen-Tracking-Funktion, mit der er als Hilfsfahrzeug beispielsweise bei der Ernte benutzt werden kann. Via SMS kann man ihm Befehle erteilen und Daten abrufen.  

Nützlichkeit ist wesentlicher Erfolgsfaktor

Naio Technologies hat mit dem „Oz“ eine Erfolgsgeschichte geschrieben und viele Abnehmer gefunden. Durch den Erfolg konnten neue Investoren gewonnen werden. Allein im Juni 2014 wurden 730.000 € für die Entwicklung und Produktion neuer Roboter gesammelt. Die Produktpalette von Naio Technologies ist unlängst erweitert worden: Neben einem ferngesteuerten Elektrotraktor (écoTracteur) vertreibt die Firma nun auch den elektrischen Werkzeughalter SAM. Das langfristige Ziel des Unternehmens ist es, eine Flotte von Robotern und automatisierten Werkzeugen zu entwickeln, die kooperativ zur Unterstützung bei allen denkbaren landwirtschaftlichen Arbeiten in allen möglichen Anbauarten und -gebieten eingesetzt werden können. Diese Maschinen sollen stets unter der Maxime arbeiten, Umwelt und Effizienz in Einklang zu bringen. 

Das Beispiel von Naio Technologies macht deutlich, dass durch Crowdfunding finanzierte Produkte durchaus erfolgreich sein und sich auch langfristig auf dem umkämpften Markt der Roboter durchsetzen können. Ein entscheidender Faktor ist die Nützlichkeit der Roboter, an der es zugegebenermaßen vielen Robotermodellen mangelt. Bei Robotern solcher Art, die allenfalls Spielerei sind, stellt man sich fast zwangsläufig die Frage „Wozu?“. Bei den Robotern von Naio Technologies ist dies anders. 

Nachtrag der Redaktion (Oktober 2026)

Im Juni 2025 kam Naïo Technologies in ein gerichtliches Sanierungsverfahren (redressement judiciaire). Am 27. Oktober 2025 genehmigte das Handelsgericht Toulouse die Übernahme durch eine neue Gesellschaft namens Naïo unter Antoine Monville und dem langjährigen Vertriebsleiter Matthias Carrière; übernommen wurden 20 der 49 Beschäftigten. Die neue Firma will sich laut Fachzeitschrift Réussir auf die Roboter Oz und Ted konzentrieren; Oz steht weiterhin im Programm, die im Text genannten Geräte écoTracteur und SAM führt Naïo nicht mehr. 

Zusammenfassung
  • Der Beitrag von Ende 2014 schildert, wie vier Absolventen der Robotik-Hochschule IMERIR das Unternehmen Naio Technologies gründeten und ihren Hackroboter „Oz“ 2012/13 per Crowdfunding finanzierten. 

  • Er beschreibt Maße, Antrieb, Akkulaufzeit und Zusatzfunktionen des Oz, darunter Wetterdatenerfassung, Personenverfolgung und Steuerung per SMS. 

  • Zudem nennt er eine Finanzierungsrunde über 730.000 Euro im Jahr 2014 und die Erweiterung des Sortiments um weitere Elektrogeräte. 

Autoren
  • Sebastian ScholtysekSebastian ScholtysekRedakteur