Servierroboter in der Gastronomie: Wer sie einsetzt und was sie leisten

Rollende Tablare mit Katzengesicht sind in deutschen, österreichischen und Schweizer Restaurants keine Neuheit mehr, verbreitet sind sie aber nicht. Die dokumentierten Beispiele zeigen, wofür sich Servierroboter eignen, wo sie an Grenzen stoßen und warum der bislang größte Einsatz in der Region aus dem Handel kommt.

Von Roboterwelt Redaktion10 Min. LesezeitQuellen: 12
Weißer Servierroboter mit schwarzem Kopfteil, Katzengesicht auf dem Display und vier blau beleuchteten Tablaren fährt durch einen Gastraum mit hellem Fliesenboden, links und rechts sitzen Gäste an Tischen, im Hintergrund ein Kühlschrank und ein Servierwagen
Ein BellaBot von Pudu Robotics im April 2022 in einem Sushi-Restaurant. Auf vier Tablaren bringt er Speisen an die Tische. Foto: Marc Auledas-Noguera, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, bearbeitet

Auf der IFA in Berlin hat der chinesische Hersteller Pudu Robotics im September 2026 seine ganze Produktpalette gezeigt und angekündigt, eine Europazentrale in Deutschland aufzubauen. Nach eigenen Angaben hat Pudu weltweit mehr als 130.000 Roboter ausgeliefert und ist in mehr als 20 europäischen Ländern tätig, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. 

Im Gastraum deutscher Restaurants sieht man davon wenig. Servierroboter fahren hier in einzelnen Betrieben, und die Wirte, die sie einsetzen, beschreiben sie fast wortgleich: als Hilfe beim Tragen, nicht als Ersatz für die Bedienung. Dieser Beitrag sammelt, was über die Einsätze im deutschsprachigen Raum belegt ist, was die Geräte können und kosten und wo sie an Grenzen stoßen. 

Auf einen Blick

Betrieb 

Roboter 

Aufgabe 

Stand laut Quelle 

Speisegalerie, Fischen im Allgäu 

BellaBot (Pudu) 

Geschirr vom Gastraum in die Spülküche 

seit Februar 2022 (BZT, Januar 2023) 

Grüner Baum, Dormitz (Oberfranken) 

Servierroboter „Hilde“, geleast 

Speisen an den Tisch, Geschirr zurück 

seit Oktober 2021 (BZT, Januar 2023) 

Liebesbier, Bayreuth (Brauerei Maisel) 

BellaBot (Pudu) 

Auf- und Abtragen, serviert wird vom Personal 

fester Bestandteil des Teams (August 2022) 

Restaurant im Verkehrshaus Luzern 

Serviceroboter mit Katzengesicht 

Transporthilfe im Service 

neu im Oktober 2021 (SRF) 

Denner, Schweiz (Migros-Gruppe) 

200 × Pudu CC1 

Bodenreinigung in den Filialen 

ab September 2025 in den 200 größten Filialen 

Was ein Servierroboter tut

Ein Servierroboter ist im Kern ein fahrendes Regal. Das Personal stellt Teller oder Gläser auf die Tablare, wählt per Display, Knopfdruck oder Smartwatch einen Tisch oder eine Station, und der Roboter fährt los. Am Ziel nehmen Gäste oder Servicekräfte die Teller ab, danach kehrt das Gerät zurück. Es fährt auf Laufwegen, die bei der Installation einprogrammiert werden, und weicht mit seinen Sensoren Menschen und Hindernissen aus. Das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) beschreibt die häufigste Rolle als „Läufer“: Der Roboter bringt Essen an die Tische oder benutztes Geschirr in die Küche, be- und entladen wird er weiterhin von Menschen. 

In Fischen und Bayreuth fuhr der BellaBot von Pudu, erkennbar am Display mit animiertem Katzengesicht. Laut Hersteller trägt er auf vier Tablaren zusammen bis zu 40 Kilogramm, höchstens 10 Kilogramm je Tablar, und fährt mit einstellbaren 0,5 bis 1,2 Metern pro Sekunde. Steigungen über 5 Grad schafft er nicht, Stufen gar nicht. Ohne Last hält der Akku nach Pudu-Angaben 13 Stunden, das Laden dauert 4,5 Stunden, der Akku lässt sich aber auch tauschen. Weitere Geräte dieser Art, darunter Liefer- und Transportroboter, sammelt unser Katalog Service- und Lieferroboter. 

Nahaufnahme eines weißen Roboters mit schwarzem, katzenohrförmigem Kopfteil, auf dem Display zwei große blaue Kreisaugen und Schnurrhaare, darunter ein Schild mit dem Schriftzug BellaBot und japanischem Text, Hintergrund unscharf in Braun
Das Katzengesicht auf dem Display gehört zum Konzept: Der BellaBot soll Gäste unterhalten, nicht nur Teller tragen. Aufnahme aus Japan, 2022.Foto: MIKI Yoshihito, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Zwei Gasthäuser in Bayern

Am genauesten dokumentiert sind zwei Betriebe, die das BZT im Januar 2023 vorgestellt hat; die folgenden Angaben geben den Stand dieses Berichts wieder. In der Speisegalerie im Kurhaus von Fischen im Allgäu fuhr seit Februar 2022 ein BellaBot namens „Bella“. Er stand an einem festen Platz im Gastraum, die Servicekräfte stellten benutztes Geschirr darauf ab und schickten ihn per Knopfdruck in die Küche. Den Kontakt mit den Gästen behielten die Menschen. Nach Angaben des Betriebs verkürzte sich der Laufweg zwischen Gastraum und Küche so um 200 Meter pro Teller. Die Anschaffung samt Einrichtung kostete rund 20.000 Euro. In den anderen Häusern des Gastronomen Anton Schöll konnte der Roboter nicht fahren, dort gibt es zu viele Stufen. Schöll zog eine nüchterne Bilanz: „Missen will Bella heute in der Speisengalerie niemand mehr, aber der Serviceroboter allein ist kein Mittel, Mitarbeitende zu binden.“ 

Im fränkischen Traditionsgasthaus Grüner Baum in Dormitz war seit Oktober 2021 ein geleaster Roboter namens „Hilde“ im Einsatz, Einrichtung und Wartung waren in der Leasinggebühr enthalten. Die Wirte hatten zuvor vergeblich Servicepersonal gesucht. Hilde fuhr direkt an die Tische und brachte das Geschirr zurück, auf dem Weg in den Biergarten sparte die Bedienung so laut BZT zwei Drittel der Strecke. Ein zweites Gerät lohnte sich nach Einschätzung des Hauses nicht: Im Biergarten fehlen die baulichen Voraussetzungen, und das Obergeschoss war zu wenig ausgelastet. Dass der Roboter im Erdgeschoss problemlos fahren kann, liegt laut BZT am ebenerdigen Umbau des Hauses. Der Wirt zeigte sich begeistert, wie gut er sich im engen Speiseraum bewegt: „Das Schlimmste, was passiert, ist, dass ein bisschen Suppe überschwappt, wenn ein Gast sich plötzlich Hilde in den Weg stellt.“ 

Ein drittes Beispiel kommt aus Bayreuth. Im Liebesbier, Restaurant und Bar der Brauerei Gebr. Maisel, war der BellaBot nach einem Bericht der Getränke Zeitung vom August 2022 nach einer Testphase fester Bestandteil des Teams. Küchenchef Mathias Locker nannte ihn „eine enorme Arbeitserleichterung für unser Servicepersonal“. Der Roboter übernahm nur die Lieferung, serviert wurde weiterhin vom Personal. Den Tischplan hatte der Küchenchef zu Beginn einprogrammiert, geladen wurde über Nacht, tagsüber reichte die Ladung für etwa zehn bis zwölf Stunden. 

Weißer Roboter mit schwarzem Katzenkopf und Augen auf dem Display, seitlich drei schwarze Tablare mit Prospekten, am Kopf ein Aufkleber „Nenne mich: Bella Bella“, unten das Pudu-Logo, er steht auf Holzparkett vor einer beleuchteten Vitrine
Nicht nur im Restaurant: Im Kongresszentrum Luftschiffhafen in Potsdam trägt ein BellaBot im Oktober 2025 Prospekte statt Teller. Der Aufkleber nennt das Weckwort.Foto: Alraunenstern, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wo die Geräte an Grenzen stoßen

Die Grenzen sind in allen Berichten dieselben. Stufen, Schwellen und enge Gänge schließen Räume aus, und bei vollem Haus kommt der Roboter schlecht durch. Im Restaurant des Verkehrshauses Luzern fuhr 2021 nach Angaben von SRF der erste Serviceroboter in einem Deutschschweizer Restaurant. Gäste mochten ihn vor allem als Fotomotiv, bei Hochbetrieb und vielen Hindernissen geriet er aber an seine Grenze. „Wir mussten ihn auch schon in eine Ecke stellen“, sagte Gastronomieleiter Hans Buehlmann. Die Berufsorganisation Hotel- und Gastro-Union sah darin eine Option für sehr einfache Arbeiten, im gehobenen Service bleibe die Beratung beim Menschen. 

Auch die Gäste ziehen eine Linie. Das BZT verweist auf eine weltweite Befragung der Tourismusforscher Stanislav Ivanov und Craig Webster aus dem Jahr 2020. Roboter wurden darin für Reinigung, Gepäcktransport, die Lieferung von Speisen und Auskünfte eher akzeptiert, bei der Zubereitung von Speisen oder körpernahen Dienstleistungen dagegen weniger. In Restaurants und Bars erwarteten die Befragten häufiger als anderswo den Kontakt mit Menschen. Beide bayerischen Betriebe berichten, dass Personal und einzelne Gäste anfangs skeptisch waren, die Akzeptanz mit der Zeit aber stieg. 

Warum Gastronomen trotzdem darüber nachdenken

Der Antrieb ist vor allem das Personal, und zwar in doppelter Hinsicht. Lange ging es darum, dass Servicekräfte schlicht fehlten; in Dormitz war das der Auslöser. Inzwischen drücken die Kosten stärker. In einer Mitgliederumfrage des DEHOGA Bundesverbands zum Jahresbeginn 2026 zählten 75,2 Prozent der Befragten die Personalkosten zu den drängendsten Problemen, häufiger als Bürokratie (67 Prozent), Energiekosten (65,7 Prozent) und die Kosten für Lebensmittel und Getränke (64,6 Prozent). Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde. 

Eine Servicekraft ersetzt ein Servierroboter nach allen vorliegenden Berichten nicht. Er nimmt ihr Wege ab, und die gewonnene Zeit fließt in die Betreuung der Gäste. Aus der Speisegalerie in Fischen berichtete das BZT, dass Gäste den intensiveren Kontakt zum Personal positiv bewerteten und der Umsatz pro Gast steigen könne. Wer einen Roboter als Personalersatz plant, findet in den dokumentierten Fällen keine Grundlage dafür. 

Kaufen, mieten oder leasen

Einen Listenpreis nennt Pudu auf seiner Produktseite nicht, Interessenten sollen Kontakt aufnehmen. Verkauft wird nach Angaben des Herstellers über eigene Teams und autorisierte Partner vor Ort. Die beiden bayerischen Beispiele stehen für zwei Wege: Fischen hat gekauft und nannte rund 20.000 Euro für Gerät und Einrichtung, Dormitz least und zahlt eine Gebühr, in der Einrichtung und Wartung enthalten sind. Hinzu kommen nach der Aufstellung des BZT Kosten für die Anpassung des Gastraums und die Schulung der Mitarbeiter. 

Der Weg über Miete gewinnt international an Bedeutung. Die International Federation of Robotics (IFR) stellte im Oktober 2025 fest, dass immer mehr Unternehmen Serviceroboter abonnieren oder mieten, statt sie zu kaufen; die Flotte im Modell Robot as a Service sei um 31 Prozent gewachsen. In den USA ist das Mietmodell nach dem aktuellen IFR-Bericht im Bereich Transport und Logistik inzwischen das vorherrschende Geschäftsmodell. 

Der Markt: zwei Spitzenreiter, zwei Studien

Belastbare Zahlen für Restaurants im deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Die IFR zählt weltweit: 2025 wurden nach ihrem Bericht World Robotics 2026 fast 250.000 professionelle Serviceroboter verkauft, 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Größte Gruppe sind Transport- und Logistikroboter mit 117.500 Einheiten. Den zweiten Platz belegen Roboter für das Hotel- und Gastgewerbe, die laut IFR aber überwiegend als Informations- und Telepräsenzroboter arbeiten. Die IFR weist darauf hin, dass ihre Zahlen auf einer Stichprobe von 238 Unternehmen beruhen und nicht hochgerechnet sind. 

Bei den Herstellern dominieren chinesische Anbieter, und zwei von ihnen beanspruchen die Spitze für sich. Pudu nennt sich unter Berufung auf das Marktforschungsinstitut Frost & Sullivan weltweit führend bei Umsatz und Stückzahl kommerzieller Serviceroboter. Der Konkurrent Keenon Robotics beruft sich auf das Institut IDC: Danach hatte Keenon 2024 einen Anteil von 22,7 Prozent an den weltweiten Auslieferungen kommerzieller Serviceroboter und von 40,4 Prozent bei Robotern für die Speisenlieferung. Chinesische Hersteller lieferten nach derselben IDC-Auswertung 84,7 Prozent aller kommerziellen Serviceroboter aus. Die zugrunde liegenden Studien haben wir nicht eingesehen, die Angaben stammen aus den Pressemitteilungen der Hersteller. 

Im Handel geht es schneller

Der größte dokumentierte Einsatz im deutschsprachigen Raum kommt nicht aus der Gastronomie, sondern aus dem Einzelhandel, und es geht um Reinigung. Der Schweizer Discounter Denner, eine Tochter der Migros, setzt seit September 2025 in seinen 200 größten Filialen den Reinigungsroboter Pudu CC1 ein, „dort, wo die Platzverhältnisse den Einsatz ermöglichen“, wie Denner laut Blick mitteilte. Zu den Kosten äußerte sich die Kette nicht. Ersetzen sollen die Roboter das Verkaufspersonal nach Angaben eines Sprechers nicht, die Teams sollen mehr Zeit für die Beratung haben. Dass solche Einsätze auch enden können, zeigt ein Beispiel aus demselben Bericht: Die SBB beendeten den Test eines Reinigungsroboters Anfang 2024 wieder. 

Pudu nennt in seiner Mitteilung vom September 2026 weitere Kunden in der Region, darunter EDEKA in Deutschland und ein Parkhotel in Österreich, sowie in Deutschland die Seniorenpflege-Einrichtungen DOREAFAMILY und den Reinigungsdienstleister Kühl Cleaning. Welche Geräte dort in welcher Zahl fahren, schlüsselt der Hersteller nicht auf. 

Was bleibt

Servierroboter funktionieren dort, wo die Wege lang, die Böden eben und die Gänge frei sind, etwa beim Geschirrrücklauf aus einem großen Gastraum oder auf dem Weg zum Biergarten. Sie tragen, sie unterhalten, und sie verschaffen dem Personal Zeit. Bedienen im eigentlichen Sinn, also beraten oder eine Beschwerde annehmen, können sie nicht. Für die meisten Betriebe ist deshalb nicht die Technik die entscheidende Frage, sondern ob der eigene Gastraum zu ihr passt. 

Pudu BellaBot – Servierroboter mit Katzengesicht für die Gastronomie
Modell · Pudu Robotics
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Pudu CC1 – gewerblicher Reinigungsroboter zum Kehren, Schrubben, Saugen und Wischen
Modell · Pudu Robotics
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Häufige Fragen

Was kostet ein Servierroboter für die Gastronomie?

Die Hersteller veröffentlichen keine Listenpreise, verkauft wird über Händler und Partner. Die Speisegalerie in Fischen im Allgäu nannte 2023 für ihren BellaBot rund 20.000 Euro für Anschaffung und Einrichtung, der Grüne Baum in Dormitz leaste seinen Roboter, Einrichtung und Wartung waren in der Gebühr enthalten. Hinzu können Kosten für die Anpassung des Gastraums und die Schulung des Personals kommen. 

Ersetzt ein Servierroboter eine Servicekraft?

Nach allen dokumentierten Beispielen nicht. Der Roboter übernimmt Wege zwischen Küche und Tisch, be- und entladen wird er von Menschen. Die gewonnene Zeit fließt in die Betreuung der Gäste. Der Gastronom Anton Schöll aus Fischen sagte, der Serviceroboter allein sei kein Mittel, Mitarbeitende zu binden. 

Welche baulichen Voraussetzungen braucht ein Servierroboter?

Ebene Böden und freie Gänge. Stufen kann der BellaBot nicht überwinden, Steigungen über 5 Grad schafft er laut Hersteller nicht. In Fischen konnte der Roboter deshalb in anderen Häusern desselben Gastronomen nicht fahren, in Dormitz fehlten im Biergarten die Voraussetzungen. Bei Hochbetrieb und vielen Hindernissen kommt er schlecht durch. 

Wie lange fährt ein BellaBot mit einer Akkuladung?

Pudu gibt 13 Stunden ohne Last an, das Laden dauert 4,5 Stunden. Der Akku lässt sich auch tauschen. Im Restaurant Liebesbier in Bayreuth wurde der Roboter über Nacht geladen und reichte tagsüber für etwa zehn bis zwölf Stunden. 

Welche Hersteller von Servierrobotern sind am größten?

Den Markt bestimmen chinesische Anbieter. Pudu Robotics nennt sich unter Berufung auf Frost & Sullivan weltweit führend bei Umsatz und Stückzahl kommerzieller Serviceroboter, Keenon Robotics beruft sich auf IDC und einen Anteil von 40,4 Prozent bei Robotern für die Speisenlieferung im Jahr 2024. Beide Angaben stammen aus Pressemitteilungen der Hersteller. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Zahlen in diesem Artikel wurden am 18. Oktober 2026 geprüft.

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