Auf der IFA in Berlin hat der chinesische Hersteller Pudu Robotics im September 2026 seine ganze Produktpalette gezeigt und angekündigt, eine Europazentrale in Deutschland aufzubauen. Nach eigenen Angaben hat Pudu weltweit mehr als 130.000 Roboter ausgeliefert und ist in mehr als 20 europäischen Ländern tätig, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Im Gastraum deutscher Restaurants sieht man davon wenig. Servierroboter fahren hier in einzelnen Betrieben, und die Wirte, die sie einsetzen, beschreiben sie fast wortgleich: als Hilfe beim Tragen, nicht als Ersatz für die Bedienung. Dieser Beitrag sammelt, was über die Einsätze im deutschsprachigen Raum belegt ist, was die Geräte können und kosten und wo sie an Grenzen stoßen.
Auf einen Blick
Betrieb | Roboter | Aufgabe | Stand laut Quelle |
|---|---|---|---|
Speisegalerie, Fischen im Allgäu | BellaBot (Pudu) | Geschirr vom Gastraum in die Spülküche | seit Februar 2022 (BZT, Januar 2023) |
Grüner Baum, Dormitz (Oberfranken) | Servierroboter „Hilde“, geleast | Speisen an den Tisch, Geschirr zurück | seit Oktober 2021 (BZT, Januar 2023) |
Liebesbier, Bayreuth (Brauerei Maisel) | BellaBot (Pudu) | Auf- und Abtragen, serviert wird vom Personal | fester Bestandteil des Teams (August 2022) |
Restaurant im Verkehrshaus Luzern | Serviceroboter mit Katzengesicht | Transporthilfe im Service | neu im Oktober 2021 (SRF) |
Denner, Schweiz (Migros-Gruppe) | 200 × Pudu CC1 | Bodenreinigung in den Filialen | ab September 2025 in den 200 größten Filialen |
Was ein Servierroboter tut
Ein Servierroboter ist im Kern ein fahrendes Regal. Das Personal stellt Teller oder Gläser auf die Tablare, wählt per Display, Knopfdruck oder Smartwatch einen Tisch oder eine Station, und der Roboter fährt los. Am Ziel nehmen Gäste oder Servicekräfte die Teller ab, danach kehrt das Gerät zurück. Es fährt auf Laufwegen, die bei der Installation einprogrammiert werden, und weicht mit seinen Sensoren Menschen und Hindernissen aus. Das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) beschreibt die häufigste Rolle als „Läufer“: Der Roboter bringt Essen an die Tische oder benutztes Geschirr in die Küche, be- und entladen wird er weiterhin von Menschen.
In Fischen und Bayreuth fuhr der BellaBot von Pudu, erkennbar am Display mit animiertem Katzengesicht. Laut Hersteller trägt er auf vier Tablaren zusammen bis zu 40 Kilogramm, höchstens 10 Kilogramm je Tablar, und fährt mit einstellbaren 0,5 bis 1,2 Metern pro Sekunde. Steigungen über 5 Grad schafft er nicht, Stufen gar nicht. Ohne Last hält der Akku nach Pudu-Angaben 13 Stunden, das Laden dauert 4,5 Stunden, der Akku lässt sich aber auch tauschen. Weitere Geräte dieser Art, darunter Liefer- und Transportroboter, sammelt unser Katalog Service- und Lieferroboter.

Zwei Gasthäuser in Bayern
Am genauesten dokumentiert sind zwei Betriebe, die das BZT im Januar 2023 vorgestellt hat; die folgenden Angaben geben den Stand dieses Berichts wieder. In der Speisegalerie im Kurhaus von Fischen im Allgäu fuhr seit Februar 2022 ein BellaBot namens „Bella“. Er stand an einem festen Platz im Gastraum, die Servicekräfte stellten benutztes Geschirr darauf ab und schickten ihn per Knopfdruck in die Küche. Den Kontakt mit den Gästen behielten die Menschen. Nach Angaben des Betriebs verkürzte sich der Laufweg zwischen Gastraum und Küche so um 200 Meter pro Teller. Die Anschaffung samt Einrichtung kostete rund 20.000 Euro. In den anderen Häusern des Gastronomen Anton Schöll konnte der Roboter nicht fahren, dort gibt es zu viele Stufen. Schöll zog eine nüchterne Bilanz: „Missen will Bella heute in der Speisengalerie niemand mehr, aber der Serviceroboter allein ist kein Mittel, Mitarbeitende zu binden.“
Im fränkischen Traditionsgasthaus Grüner Baum in Dormitz war seit Oktober 2021 ein geleaster Roboter namens „Hilde“ im Einsatz, Einrichtung und Wartung waren in der Leasinggebühr enthalten. Die Wirte hatten zuvor vergeblich Servicepersonal gesucht. Hilde fuhr direkt an die Tische und brachte das Geschirr zurück, auf dem Weg in den Biergarten sparte die Bedienung so laut BZT zwei Drittel der Strecke. Ein zweites Gerät lohnte sich nach Einschätzung des Hauses nicht: Im Biergarten fehlen die baulichen Voraussetzungen, und das Obergeschoss war zu wenig ausgelastet. Dass der Roboter im Erdgeschoss problemlos fahren kann, liegt laut BZT am ebenerdigen Umbau des Hauses. Der Wirt zeigte sich begeistert, wie gut er sich im engen Speiseraum bewegt: „Das Schlimmste, was passiert, ist, dass ein bisschen Suppe überschwappt, wenn ein Gast sich plötzlich Hilde in den Weg stellt.“
Ein drittes Beispiel kommt aus Bayreuth. Im Liebesbier, Restaurant und Bar der Brauerei Gebr. Maisel, war der BellaBot nach einem Bericht der Getränke Zeitung vom August 2022 nach einer Testphase fester Bestandteil des Teams. Küchenchef Mathias Locker nannte ihn „eine enorme Arbeitserleichterung für unser Servicepersonal“. Der Roboter übernahm nur die Lieferung, serviert wurde weiterhin vom Personal. Den Tischplan hatte der Küchenchef zu Beginn einprogrammiert, geladen wurde über Nacht, tagsüber reichte die Ladung für etwa zehn bis zwölf Stunden.

Wo die Geräte an Grenzen stoßen
Die Grenzen sind in allen Berichten dieselben. Stufen, Schwellen und enge Gänge schließen Räume aus, und bei vollem Haus kommt der Roboter schlecht durch. Im Restaurant des Verkehrshauses Luzern fuhr 2021 nach Angaben von SRF der erste Serviceroboter in einem Deutschschweizer Restaurant. Gäste mochten ihn vor allem als Fotomotiv, bei Hochbetrieb und vielen Hindernissen geriet er aber an seine Grenze. „Wir mussten ihn auch schon in eine Ecke stellen“, sagte Gastronomieleiter Hans Buehlmann. Die Berufsorganisation Hotel- und Gastro-Union sah darin eine Option für sehr einfache Arbeiten, im gehobenen Service bleibe die Beratung beim Menschen.
Auch die Gäste ziehen eine Linie. Das BZT verweist auf eine weltweite Befragung der Tourismusforscher Stanislav Ivanov und Craig Webster aus dem Jahr 2020. Roboter wurden darin für Reinigung, Gepäcktransport, die Lieferung von Speisen und Auskünfte eher akzeptiert, bei der Zubereitung von Speisen oder körpernahen Dienstleistungen dagegen weniger. In Restaurants und Bars erwarteten die Befragten häufiger als anderswo den Kontakt mit Menschen. Beide bayerischen Betriebe berichten, dass Personal und einzelne Gäste anfangs skeptisch waren, die Akzeptanz mit der Zeit aber stieg.
Warum Gastronomen trotzdem darüber nachdenken
Der Antrieb ist vor allem das Personal, und zwar in doppelter Hinsicht. Lange ging es darum, dass Servicekräfte schlicht fehlten; in Dormitz war das der Auslöser. Inzwischen drücken die Kosten stärker. In einer Mitgliederumfrage des DEHOGA Bundesverbands zum Jahresbeginn 2026 zählten 75,2 Prozent der Befragten die Personalkosten zu den drängendsten Problemen, häufiger als Bürokratie (67 Prozent), Energiekosten (65,7 Prozent) und die Kosten für Lebensmittel und Getränke (64,6 Prozent). Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde.
Eine Servicekraft ersetzt ein Servierroboter nach allen vorliegenden Berichten nicht. Er nimmt ihr Wege ab, und die gewonnene Zeit fließt in die Betreuung der Gäste. Aus der Speisegalerie in Fischen berichtete das BZT, dass Gäste den intensiveren Kontakt zum Personal positiv bewerteten und der Umsatz pro Gast steigen könne. Wer einen Roboter als Personalersatz plant, findet in den dokumentierten Fällen keine Grundlage dafür.
Kaufen, mieten oder leasen
Einen Listenpreis nennt Pudu auf seiner Produktseite nicht, Interessenten sollen Kontakt aufnehmen. Verkauft wird nach Angaben des Herstellers über eigene Teams und autorisierte Partner vor Ort. Die beiden bayerischen Beispiele stehen für zwei Wege: Fischen hat gekauft und nannte rund 20.000 Euro für Gerät und Einrichtung, Dormitz least und zahlt eine Gebühr, in der Einrichtung und Wartung enthalten sind. Hinzu kommen nach der Aufstellung des BZT Kosten für die Anpassung des Gastraums und die Schulung der Mitarbeiter.
Der Weg über Miete gewinnt international an Bedeutung. Die International Federation of Robotics (IFR) stellte im Oktober 2025 fest, dass immer mehr Unternehmen Serviceroboter abonnieren oder mieten, statt sie zu kaufen; die Flotte im Modell Robot as a Service sei um 31 Prozent gewachsen. In den USA ist das Mietmodell nach dem aktuellen IFR-Bericht im Bereich Transport und Logistik inzwischen das vorherrschende Geschäftsmodell.
Der Markt: zwei Spitzenreiter, zwei Studien
Belastbare Zahlen für Restaurants im deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Die IFR zählt weltweit: 2025 wurden nach ihrem Bericht World Robotics 2026 fast 250.000 professionelle Serviceroboter verkauft, 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Größte Gruppe sind Transport- und Logistikroboter mit 117.500 Einheiten. Den zweiten Platz belegen Roboter für das Hotel- und Gastgewerbe, die laut IFR aber überwiegend als Informations- und Telepräsenzroboter arbeiten. Die IFR weist darauf hin, dass ihre Zahlen auf einer Stichprobe von 238 Unternehmen beruhen und nicht hochgerechnet sind.
Bei den Herstellern dominieren chinesische Anbieter, und zwei von ihnen beanspruchen die Spitze für sich. Pudu nennt sich unter Berufung auf das Marktforschungsinstitut Frost & Sullivan weltweit führend bei Umsatz und Stückzahl kommerzieller Serviceroboter. Der Konkurrent Keenon Robotics beruft sich auf das Institut IDC: Danach hatte Keenon 2024 einen Anteil von 22,7 Prozent an den weltweiten Auslieferungen kommerzieller Serviceroboter und von 40,4 Prozent bei Robotern für die Speisenlieferung. Chinesische Hersteller lieferten nach derselben IDC-Auswertung 84,7 Prozent aller kommerziellen Serviceroboter aus. Die zugrunde liegenden Studien haben wir nicht eingesehen, die Angaben stammen aus den Pressemitteilungen der Hersteller.
Im Handel geht es schneller
Der größte dokumentierte Einsatz im deutschsprachigen Raum kommt nicht aus der Gastronomie, sondern aus dem Einzelhandel, und es geht um Reinigung. Der Schweizer Discounter Denner, eine Tochter der Migros, setzt seit September 2025 in seinen 200 größten Filialen den Reinigungsroboter Pudu CC1 ein, „dort, wo die Platzverhältnisse den Einsatz ermöglichen“, wie Denner laut Blick mitteilte. Zu den Kosten äußerte sich die Kette nicht. Ersetzen sollen die Roboter das Verkaufspersonal nach Angaben eines Sprechers nicht, die Teams sollen mehr Zeit für die Beratung haben. Dass solche Einsätze auch enden können, zeigt ein Beispiel aus demselben Bericht: Die SBB beendeten den Test eines Reinigungsroboters Anfang 2024 wieder.
Pudu nennt in seiner Mitteilung vom September 2026 weitere Kunden in der Region, darunter EDEKA in Deutschland und ein Parkhotel in Österreich, sowie in Deutschland die Seniorenpflege-Einrichtungen DOREAFAMILY und den Reinigungsdienstleister Kühl Cleaning. Welche Geräte dort in welcher Zahl fahren, schlüsselt der Hersteller nicht auf.
Was bleibt
Servierroboter funktionieren dort, wo die Wege lang, die Böden eben und die Gänge frei sind, etwa beim Geschirrrücklauf aus einem großen Gastraum oder auf dem Weg zum Biergarten. Sie tragen, sie unterhalten, und sie verschaffen dem Personal Zeit. Bedienen im eigentlichen Sinn, also beraten oder eine Beschwerde annehmen, können sie nicht. Für die meisten Betriebe ist deshalb nicht die Technik die entscheidende Frage, sondern ob der eigene Gastraum zu ihr passt.


Häufige Fragen
Was kostet ein Servierroboter für die Gastronomie?
Die Hersteller veröffentlichen keine Listenpreise, verkauft wird über Händler und Partner. Die Speisegalerie in Fischen im Allgäu nannte 2023 für ihren BellaBot rund 20.000 Euro für Anschaffung und Einrichtung, der Grüne Baum in Dormitz leaste seinen Roboter, Einrichtung und Wartung waren in der Gebühr enthalten. Hinzu können Kosten für die Anpassung des Gastraums und die Schulung des Personals kommen.
Ersetzt ein Servierroboter eine Servicekraft?
Nach allen dokumentierten Beispielen nicht. Der Roboter übernimmt Wege zwischen Küche und Tisch, be- und entladen wird er von Menschen. Die gewonnene Zeit fließt in die Betreuung der Gäste. Der Gastronom Anton Schöll aus Fischen sagte, der Serviceroboter allein sei kein Mittel, Mitarbeitende zu binden.
Welche baulichen Voraussetzungen braucht ein Servierroboter?
Ebene Böden und freie Gänge. Stufen kann der BellaBot nicht überwinden, Steigungen über 5 Grad schafft er laut Hersteller nicht. In Fischen konnte der Roboter deshalb in anderen Häusern desselben Gastronomen nicht fahren, in Dormitz fehlten im Biergarten die Voraussetzungen. Bei Hochbetrieb und vielen Hindernissen kommt er schlecht durch.
Wie lange fährt ein BellaBot mit einer Akkuladung?
Pudu gibt 13 Stunden ohne Last an, das Laden dauert 4,5 Stunden. Der Akku lässt sich auch tauschen. Im Restaurant Liebesbier in Bayreuth wurde der Roboter über Nacht geladen und reichte tagsüber für etwa zehn bis zwölf Stunden.
Welche Hersteller von Servierrobotern sind am größten?
Den Markt bestimmen chinesische Anbieter. Pudu Robotics nennt sich unter Berufung auf Frost & Sullivan weltweit führend bei Umsatz und Stückzahl kommerzieller Serviceroboter, Keenon Robotics beruft sich auf IDC und einen Anteil von 40,4 Prozent bei Robotern für die Speisenlieferung im Jahr 2024. Beide Angaben stammen aus Pressemitteilungen der Hersteller.
Quellen
- Pudu Robotics Deepens European Presence Following IFA 2026, Advancing a Scaled and Localized Growth Strategy – Pudu Robotics via PR Newswire – 14.09.2026
- BellaBot – Produktseite und technische Daten – Pudu Robotics – abgerufen 18.10.2026
- Serviceroboter in der Gastronomie: Ein Blick aus Unternehmens-, Mitarbeiter- und Kundensicht – Bayerisches Zentrum für Tourismus – 10.01.2023
- Roboter als neue Lieblingskollegen in der Gastronomie? – Bayerisches Zentrum für Tourismus – 11.01.2023
- Maisel setzt im Liebesbier auf Service-Roboter – Getränke Zeitung (Meininger Verlag) – 01.08.2022
- Verkehrshaus Luzern: Dieser Roboter unterstützt das Servicepersonal – SRF – 13.10.2021
- Auswertung Umfrage: Gastgewerbe startet verhalten ins neue Jahr – DEHOGA Berlin – 25.02.2026
- Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn – Bundesministerium für Arbeit und Soziales – abgerufen 18.10.2026
- Weltweiter Absatz professioneller Service-Roboter steigt um 24 Prozent – International Federation of Robotics – 30.09.2026
- World Robotics 2025 report – Service Robots: Service Robots See Global Growth Boom – International Federation of Robotics – 07.10.2025
- KEENON Robotics Continues Global Lead in Commercial Service Robot Market, Securing Triple No.1 Rankings, IDC Reports – KEENON Robotics – 21.07.2025
- Denner stellt 200 autonome Putzroboter ein – Blick – 27.05.2025

Alle Zahlen in diesem Artikel wurden am 18. Oktober 2026 geprüft.
Mehr zu Service & Handel




