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ARM Institute: Robotik für Amerikas Fabriken, bezahlt vom Verteidigungsministerium

von Roboterwelt Redaktion30. September 2026
Blick von oben in eine Werkhalle mit mehreren blauen Industrierobotern, darüber ein gelber Laufkran mit der Aufschrift Reading, im Vordergrund eine Veranstaltung mit Publikum
Die Halle des ARM Institute in Mill 19: blaue Roboterarme unter dem gelben Laufkran des früheren Walzwerks. Aufgenommen bei einem Besuch der First Lady Jill Biden und der damals amtierenden Arbeitsministerin Julie Su im November 2023.© Foto: Emily Matthews / U.S. Department of Labor, 08.11.2023, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0 – Ausschnitt

In der Stahlskelett-Ruine eines Pittsburgher Walzwerks sitzt ein Institut, das die amerikanische Fertigung automatisieren soll. Es forscht nicht selbst, sondern verteilt Geld – und bekommt dieses Geld vom Verteidigungsministerium. Wie das ARM Institute entstand, wie es arbeitet und woran sich Kritik entzündet. 

Das Jones-&-Laughlin-Walzwerk am Monongahela River ging 1953 in Betrieb und 1997 endgültig aus. Danach stand das Gelände Jahre leer. Heute stehen unter dem stehengebliebenen Stahlskelett blaue Roboterarme, und über ihnen hängt noch der alte gelbe Laufkran mit der eingeprägten Seriennummer 18488. 

In diesem Gebäude, Mill 19 genannt, sitzt seit 2019 das ARM Institute. Die Abkürzung steht für Advanced Robotics for Manufacturing. Es ist keine Firma, sondern eine gemeinnützige Organisation mit einer ungewöhnlichen Aufgabe: Sie soll die amerikanische Fertigung automatisieren – und tut das, indem sie Fördergeld ausschreibt und an ihre Mitglieder verteilt. Bezahlt wird sie vom US-Verteidigungsministerium. 

Im September 2026 erhielt das Institut den mit Abstand größten Auftrag seiner Geschichte: knapp 90 Millionen Dollar, um zwölf staatliche Rüstungswerke zu automatisieren. Über diese Vergabe haben wir gesondert berichtet. Dieser Beitrag nimmt das Haus dahinter in den Blick. 

Auf einen Blick

Gegründet 

Januar 2017 

Sitz 

Pittsburgh, Pennsylvania (Mill 19, Hazelwood Green); zweites Büro in St. Petersburg, Florida 

Rechtsform 

unabhängige gemeinnützige Organisation 

Entstanden aus 

einer bundesweiten Ausschreibung, die ein von der Carnegie Mellon University geführtes Konsortium gewann 

Führung 

Jorgen Pedersen (Geschäftsführer seit 17. Juni 2025), Lisa Masciantonio (Chief Workforce Officer), Brett B. Lambert (Vorsitzender des Verwaltungsrats) 

Finanzierung 

Bundesmittel des Verteidigungsministeriums, Vereinbarung W911NF-17-3-0004; Startpaket 2017: 80 Millionen Dollar Bundesmittel und 173 Millionen Dollar Zusagen von über 220 Partnern 

Mitglieder 

über 500 Organisationen aus Industrie, Hochschulen und Behörden (Unternehmensangabe; an anderer Stelle nennt die eigene Website „450+“) 

Netzwerk 

eines von 17 Instituten im Verbund Manufacturing USA 

Aufgaben 

Technologieprojekte ausschreiben und fördern, Automatisierungsberatung für Mittelständler, Aus- und Weiterbildung 

Bilanz 

über 150 abgeschlossene Technologieprojekte seit 2017; 3,8 Millionen Dollar Projektförderung im Jahr 2025 

Stand 

September 2026 

Das Problem, für das es das Institut gibt

Die Vereinigten Staaten automatisieren ihre Fabriken langsamer als ihre Wettbewerber. Nach Zahlen der International Federation of Robotics wurden 2024 weltweit rund 542.000 Industrieroboter neu installiert. Auf China entfielen 295.000 davon, also 54 Prozent. Japan kam auf 44.500, die USA auf 34.200. 

Dahinter steckt weniger ein Technologie- als ein Übernahmeproblem: Robotik ist vorhanden, aber für kleine und mittlere Zulieferer zu teuer, zu aufwendig zu integrieren und zu schwer zu bedienen. Genau dort setzt das Institut an. Sein erklärtes Ziel ist es, die USA durch den Einsatz von Robotik und KI zur führenden Nation in der Fertigungsleistung zu machen – so steht es in der eigenen Zielbeschreibung. 

Von Carnegie Mellon zum Bundesinstitut

Die Vorgeschichte beginnt 2011 im Pentagon. Brett B. Lambert, damals stellvertretender Staatssekretär für Fertigung und industrielle Basis, trieb die Gründung des ersten Instituts im späteren Manufacturing-USA-Verbund voran. Die Idee: Der Bund stiftet Anschubfinanzierung, Industrie und Hochschulen legen Geld und Personal dazu, und heraus kommt ein Haus, das Forschung in die Werkshalle bringt. 

Im Januar 2017 gewann ein von der Carnegie Mellon University geführtes Konsortium die Ausschreibung für das Robotik-Institut. Der Bund gab 80 Millionen Dollar, mehr als 220 Partner aus Industrie, Hochschulen, Behörden und dem gemeinnützigen Sektor sagten weitere 173 Millionen zu. Träger wurde eine eigens gegründete Non-Profit namens American Robotics; Dean Bartles, zuvor Gründungsdirektor des Fertigungsinstituts DMDII, wurde ihr Geschäftsführer und zugleich Leiter des neuen ARM Institute. 

Der Standort war eine Ansage. Das Institut zog nicht auf den Campus, sondern in ein totes Stahlwerk: Mill 19 auf dem 178 Hektar großen Gelände Hazelwood Green, das drei Stiftungen 2003 gekauft hatten, um es wiederzubeleben. Der erste von drei geplanten Bauten ist rund 8.400 Quadratmeter groß und steht vollständig innerhalb des alten Werksskeletts. Auf dem Dach liegt eine der größten einseitig geneigten Solaranlagen des Landes. Eröffnet wurde der Hauptsitz am 4. September 2019. 

An der Spitze wechselte es häufiger. Byron Clayton kündigte im August 2019 seinen Rückzug an, im Mai 2020 übernahm Ira Moskowitz, zuvor 30 Jahre in der Halbleiterfertigung und zuletzt beim Massachusetts Technology Collaborative. Im Juni 2025 folgte ihm Jorgen Pedersen. 

Eine junge Frau im gelben Shirt eines Ausbildungsprogramms im Gespräch mit einer Frau im dunklen Blazer, im Hintergrund unscharf blaue Roboterarme
Die zweite Hälfte des Auftrags: Ausbildung. Eine Teilnehmerin eines gewerkschaftlichen Ausbildungsprogramms im Gespräch mit der damals amtierenden US-Arbeitsministerin Julie Su in der Halle des Instituts. © Foto: Emily Matthews / U.S. Department of Labor, 08.11.2023, über Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Wie das Institut arbeitet

Das ARM Institute forscht nicht selbst. Es schreibt aus. In sogenannten Project Calls benennt es ein Problem, Mitgliedsorganisationen reichen Lösungsvorschläge ein, eine Auswahl wird gefördert – und die Geförderten legen eigenes Geld dazu. 

Wie groß dieser Hebel ist, zeigt ein Beispiel aus dem Frühjahr 2025: Drei Projektaufrufe führten dazu, dass ARM-Mitglieder rund 4,5 Millionen Dollar Förderung erhielten – bei einem Gesamtvolumen der Projekte von etwa 8,8 Millionen. Die Hälfte der Kosten trägt also die Industrie selbst. 

Die Themen der Aufrufe zeigen, wohin sich das Haus bewegt. 2025 waren es sechs Stück: Robotik für Guss und Schmieden, Fortschritte bei KI, Robotik zur Absicherung der maritimen Industrie – dieser Aufruf entstand gemeinsam mit der BlueForge Alliance und erschien am 3. Oktober 2025 – sowie Technologien für Schwerpunktthemen des Verteidigungsministeriums. Ein weiterer Aufruf namens AI FORM zielt auf ein autonomes Robotersystem für das schrittweise Freiformschmieden massiver Metallbauteile. 

Daneben betreibt das Institut eine Beratungsstelle für Hersteller, den Robotics Manufacturing Hub. Mitarbeiter fahren in Betriebe, sehen sich Prozesse an und entwickeln Automatisierungsvorschläge. 2025 waren es nach eigenen Angaben 48 Betriebsbesuche, aus denen 27 maßgeschneiderte Lösungen entstanden; etwa die Hälfte davon wurde umgesetzt. 21 Zulieferer der Verteidigungsindustrie wurden dabei unterstützt. 

Die zweite Hälfte des Auftrags: Ausbildung

Ungewöhnlich für ein Technologieinstitut ist, wie viel Gewicht auf der Qualifizierung liegt. Das Institut betreibt mit RoboticsCareer.org eine landesweite Plattform, auf der Ausbildungsangebote rund um Robotik gesammelt werden – nach eigenen Angaben über 16.700 Programme, dazu Stellenangebote, die alle zwei Wochen aktualisiert werden. 2025 zählte die Seite mehr als 119.000 Besucher und vermittelte über 1.500 Job-Kontakte. 

Weil 16.700 Angebote niemandem helfen, der Qualität sucht, prüft das Institut Programme und vergibt ein Gütesiegel. Endorsed heißt es dort. Ausgezeichnete Programme erscheinen bevorzugt in der Suche und bekommen ein Abzeichen. Bis Ende 2025 waren 36 Programme so ausgezeichnet. 

Diese Verbindung aus Technik und Ausbildung ist auch der Grund, warum jedes geförderte Projekt einen Qualifizierungsteil enthalten muss – so auch bei dem Auftrag für die Rüstungswerke. 

Die Zahlen des Jahres 2025

Das Institut veröffentlicht einen jährlichen Wirkungsbericht. Für 2025 nennt er: 

Kennzahl 

Wert 

Abgeschlossene Technologieprojekte 

14 (über 150 seit der Gründung) 

Neu begonnene Projekte 

18 

Vergebene Projektförderung 

3,8 Millionen Dollar 

Ausgeschriebene Projektaufrufe 

6 

Mitgliedsorganisationen 

knapp 500 

Betriebsbesuche der Beratungsstelle 

48 

Daraus entstandene Lösungen 

27, davon rund die Hälfte umgesetzt 

Unterstützte Verteidigungszulieferer 

21 

Investitionen über Umsetzungsprojekte 

1,25 Millionen Dollar 

Besucher auf RoboticsCareer.org 

über 119.000 

Teilnehmer an Veranstaltungen 

über 2.400 

Im Vergleich dazu steht der Auftrag vom September 2026 über knapp 90 Millionen Dollar – etwa das Zwanzigfache der gesamten Projektförderung eines gewöhnlichen Jahres. 

Offene Fragen

Ein Porträt ohne die kritischen Punkte wäre eine Broschüre. Die folgenden sind entweder durch externe Prüfberichte belegt oder vom Institut selbst eingeräumt. 

  • Ein Geldgeber, eine Richtung. Das Institut wird vom Verteidigungsministerium finanziert, sein Verwaltungsratsvorsitzender leitete dort von 2009 bis 2013 die Industriepolitik, und der größte Einzelauftrag seiner Geschichte kommt ebenfalls von dort. Das ist die Konstruktion des Programms und kein Vorwurf – es macht das Haus aber abhängig von einer einzigen Quelle. 

  • Die Eigenständigkeit ist nicht erreicht. Die Institute sollten nach der Anschubfinanzierung selbsttragend werden. Der US-Rechnungshof stellte im Juni 2025 fest, dass zwölf der siebzehn Institute den Anteil der Grundfinanzierung an ihren Gesamtmitteln gesenkt haben, acht aber zugleich mehr Grundfinanzierung erhielten. Der Umbau läuft, abgeschlossen ist er nicht. 

  • Lange Prüfzeiten. Derselbe Bericht kritisiert, dass Verteidigungs- und Energieministerium für die Prüfung von Projektanträgen und Mitgliedsaufnahmen lange brauchen. Das könne Projekte verzögern oder Interessenten abschrecken. 

  • Wirkung schwer zu messen. Schon 2019 bemängelte der Rechnungshof fehlende messbare Ziele mit Fristen und fehlende Kriterien, um die Tragfähigkeit der Institute zu beurteilen. 

  • Uneinheitliche eigene Angaben. Die Website nennt an einer Stelle über 450, an anderer über 500 Mitgliedsorganisationen. Für ein Haus, dessen Kapital das Konsortium ist, wäre eine saubere Zahl naheliegend. 

  • Keine Angaben zu Mitgliedsbeiträgen. Was eine Mitgliedschaft kostet, steht nicht öffentlich auf der Website; die Preisliste gibt es nur auf Anfrage. 

Angetreten ist das Institut, die amerikanische Fertigung insgesamt zu stärken. Die Themen der jüngsten Ausschreibungen – maritime Industrie, Schwerpunkte des Verteidigungsministeriums, zuletzt die Rüstungswerke – zeigen, wohin sich das Gewicht verschiebt. Wie weit Robotik und Rüstung inzwischen ineinandergreifen, zeigen die weiteren Beiträge in unserer Rubrik Militär Roboter. 

Die Personen

Jorgen Pedersen führt das Institut seit dem 17. Juni 2025. Er ist in Pittsburgh kein Unbekannter: Pedersen gehörte zu den Gründern des National Robotics Engineering Center der Carnegie Mellon University und baute ab 2001 RE2 Robotics auf, einen Hersteller modularer Robotergreifsysteme. Dreizehn Jahre lang finanzierte er die Firma ohne Wagniskapital, holte dann eine Series A, führte zeitweise über 100 Beschäftigte und lieferte nach Firmenangaben Hunderte Systeme an das US-Verteidigungsministerium und kommerzielle Kunden. 2022 verkaufte er RE2 für 100 Millionen Dollar an Sarcos. Seine Abschlüsse in Robotik und Elektrotechnik hat er ebenfalls von der Carnegie Mellon University. 

Brett B. Lambert steht dem Verwaltungsrat vor. Er war von 2009 bis 2013 stellvertretender Staatssekretär im Verteidigungsministerium und dort für Fertigung und industrielle Basis zuständig – also für Fragen wie Rüstungsfusionen, industrielle Fähigkeiten und den Erhalt kritischer Technologien. 2011 trieb er die Gründung des ersten Manufacturing-USA-Instituts voran. Er erhielt zwei Verdienstmedaillen des Ministers. 

Lisa Masciantonio verantwortet den Bereich Arbeitskräfte und damit die Ausbildungsplattform und das Gütesiegel. Ira Moskowitz führte das Haus von Mai 2020 bis Juni 2025 und blieb bis zum Monatsende für die Übergabe an Bord. Dean Bartles war 2017 der erste Geschäftsführer. 

Das ARM Institute im Zeitraffer

Datum 

Meilenstein 

1953 

Das Jones-&-Laughlin-Walzwerk in Hazelwood geht in Betrieb 

1997 

Die Produktion am Standort endet, das Gelände fällt brach 

2003 

Drei Stiftungen kaufen das Gelände, das später Hazelwood Green heißt 

2011 

Brett Lambert treibt im Pentagon das erste Manufacturing-USA-Institut voran 

Januar 2017 

Ein von Carnegie Mellon geführtes Konsortium gewinnt die Ausschreibung: 80 Millionen Dollar Bundesmittel, 173 Millionen Dollar Partnerzusagen 

August 2019 

Geschäftsführer Byron Clayton kündigt seinen Rückzug an 

4. September 2019 

Eröffnung des Hauptsitzes in Mill 19 

Mai 2020 

Ira Moskowitz wird Geschäftsführer 

8. November 2023 

Jill Biden und Arbeitsministerin Julie Su besuchen das Institut 

17. Juni 2025 

Jorgen Pedersen übernimmt die Geschäftsführung 

3. Oktober 2025 

Projektaufruf zur maritimen Industrie, gemeinsam mit der BlueForge Alliance 

Dezember 2025 

Auswahl der Projekte aus dem Kernaufruf 25-01 

3. September 2026 

Knapp 90 Millionen Dollar für zehn Projekte in staatlichen Rüstungswerken 

Häufige Fragen zum ARM Institute

Was ist das ARM Institute?

Eine gemeinnützige Organisation in Pittsburgh, die die Verbreitung von Robotik und KI in der amerikanischen Fertigung beschleunigen soll. Sie forscht nicht selbst, sondern schreibt Projekte aus, fördert sie und bildet Fachkräfte aus. ARM steht für Advanced Robotics for Manufacturing. 

Wer finanziert das ARM Institute?

Das US-Verteidigungsministerium, über die Vereinbarung W911NF-17-3-0004. Zum Start kamen 80 Millionen Dollar Bundesmittel und 173 Millionen Dollar an Zusagen von über 220 Partnern zusammen. Dazu kommen Mitgliedsbeiträge und Projektaufträge. 

Was ist Manufacturing USA?

Ein Verbund von derzeit 17 Instituten, die von den Ministerien für Handel, Verteidigung und Energie getragen werden. Jedes Institut deckt ein Technologiefeld ab; das ARM Institute ist für Robotik zuständig. 

Wer führt das Institut?

Geschäftsführer ist seit Juni 2025 Jorgen Pedersen, der Gründer von RE2 Robotics. Den Verwaltungsrat leitet Brett B. Lambert, früher stellvertretender Staatssekretär im Verteidigungsministerium. 

Was ist RoboticsCareer.org?

Die Ausbildungsplattform des Instituts. Sie listet über 16.700 Programme rund um Robotik in der Fertigung und zeichnet besonders wirksame mit einem Gütesiegel aus. 2025 hatte sie über 119.000 Besucher. 

Was hat es mit den 90 Millionen Dollar auf sich?

Das Institut erhielt im September 2026 knapp 90 Millionen Dollar aus einer Ausschreibung des Verteidigungsministeriums, um zwölf staatliche Rüstungswerke zu automatisieren. Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur Vergabe. 

Quellen

Alle Zahlen in diesem Artikel wurden am 30. September 2026 geprüft. 

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