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90 Millionen Dollar für Roboter in US-Rüstungswerken

von Roboterwelt Redaktion30. September 2026
Die Wanne eines M1-Abrams-Kampfpanzers hängt schräg in einem Schweißmanipulator, links davon stehen eine Offizierin und ein Werkmeister in einer neuen Werkhalle
Ein Schweißmanipulator dreht die Wanne eines M1 Abrams in Position – in der im Mai 2026 eröffneten Schweißhalle des Anniston Army Depot in Alabama.© Foto: Mark Cleghorn / U.S. Army, Anniston Army Depot (gemeinfrei). Die Verwendung von Bildmaterial des US-Verteidigungsministeriums bedeutet keine Billigung durch das Ministerium.

Das ARM Institute in Pittsburgh hat knapp 90 Millionen Dollar für zehn Projekte erhalten. Fünfzehn Mitgliedsunternehmen sollen damit binnen zwei Jahren Roboter und KI in zwölf staatliche Waffenfabriken der USA bringen. Was hinter dem Auftrag steckt – und was die Mitteilung nicht verrät. 

Arsenale, Depots und Munitionsfabriken in staatlicher Hand: In den USA gibt es eine Rüstungsindustrie, die dem Staat selbst gehört. Sie heißt Organic Industrial Base, viele ihrer Werke stammen aus dem Zweiten Weltkrieg – und sie soll nun automatisiert werden. 

Am 3. September 2026 gab das ARM Institute in Pittsburgh bekannt, dafür knapp 90 Millionen US-Dollar erhalten zu haben. Das Geld fließt in zehn Projekte, die das Institut gemeinsam mit fünfzehn seiner Mitgliedsorganisationen umsetzt. Binnen zwei Jahren sollen an zwölf Standorten Roboter, Drohnen und, wie es in der Mitteilung heißt, „physische künstliche Intelligenz“ in Betrieb gehen. 

Was die Organic Industrial Base ist

Der Begriff hat im Deutschen keine Entsprechung. Gemeint ist das Netz aus Arsenalen, Instandsetzungsdepots und Munitionswerken, das der US-Armee selbst gehört und von Regierungsbeschäftigten betrieben wird – im Unterschied zur privaten Rüstungsindustrie. Hier werden Panzer überholt, Granaten gefertigt, Funkgeräte instand gesetzt. 

Allein die Army zählt 23 solcher Werke. Sie gelten als Rückgrat der militärischen Versorgung und zugleich als Sanierungsfall: Ein Großteil der Anlagen ist Jahrzehnte alt. Generalleutnant Chris Mohan, kommandierender General des Army Materiel Command, formulierte es im Juli 2026 so: Die Organic Industrial Base sei nicht bloß eine Ansammlung von Liegenschaften, sondern ein strategisches Waffensystem. 

Zehn Projekte, zwölf Standorte, zwei Jahre

Ausgeschrieben hat den Auftrag das Manufacturing Technology Office im Büro des Unterstaatssekretärs (OSW ManTech). Es richtete die sogenannte OIB Modernization Challenge an die Manufacturing Innovation Institutes des Landes – ein vom Verteidigungsministerium finanziertes Netz von Forschungsinstituten, zu dem auch das ARM Institute gehört. 

Die ausgewählten Vorhaben ordnet das Institut drei Feldern zu: 

  • Sicherheit in der Sprengstoffproduktion und höhere Fertigungsqualität mithilfe von KI 

  • Schnellere Einsatzbereitschaft durch den Einsatz von Drohnen 

  • Beseitigung von Engpässen durch Robotik 

Betroffen seien Herausforderungen in allen Teilstreitkräften, nicht nur im Heer. Jedes Vorhaben enthält zusätzlich einen Personalteil, den das ARM Institute mit seinen Arbeitsmarktpartnern führt: Welche Fähigkeiten braucht die Belegschaft, um die neuen Anlagen zu bedienen? Wo muss weitergebildet, wo neu eingestellt werden? 

Lisa Masciantonio, beim Institut für den Bereich Arbeitskräfte zuständig, sagt dazu: „Innovation kann nicht im luftleeren Raum entstehen. Für diese Technologien braucht es eine qualifizierte Belegschaft.“ (Zitate aus der Mitteilung, übersetzt von der Redaktion.) 

Ein Beschäftigter sitzt an einem Bedienpult mit Tastatur und Monitor und beobachtet auf dem Bildschirm einen Roboterarm in einem Nebenraum
So sieht Sicherheit in der Sprengstoffverarbeitung aus: Im Munitionswerk Crane in Indiana überwacht ein Beschäftigter per Kamera einen Roboterarm, der ausgemusterte Munition in eine Drehmaschine einlegt. Der Mensch bleibt hinter der Wand. © Foto: Mallory Haag / U.S. Army, Crane Army Ammunition Activity, 18.06.2020 (gemeinfrei). Die Verwendung von Bildmaterial des US-Verteidigungsministeriums bedeutet keine Billigung durch das Ministerium.

Ein Institut, das sonst mit 3,8 Millionen im Jahr auskommt

Das ARM Institute – ausgeschrieben Advanced Robotics for Manufacturing – sitzt seit 2017 in Pittsburgh. Es ist eines der Manufacturing Innovation Institutes und wird vom Büro des Ministers unter der Vereinbarungsnummer W911NF-17-3-0004 finanziert. Das Institut forscht nicht selbst, sondern schreibt Projekte aus und vergibt sie an sein Konsortium: rund 500 Mitgliedsorganisationen aus Industrie, Hochschulen und Behörden. Woher das Haus kommt und wie es arbeitet, steht ausführlich in unserem Porträt des ARM Institute. 

Wie groß der neue Auftrag für das Haus ist, zeigt ein Blick in den eigenen Jahresbericht für 2025. Darin stehen 14 abgeschlossene und 18 neu begonnene Technologieprojekte – und 3,8 Millionen Dollar an vergebener Projektförderung. Seit der Gründung kommt das Institut auf über 150 abgeschlossene Projekte. 

Die knapp 90 Millionen entsprechen damit etwa dem Zwanzigfachen dessen, was das Institut im Vorjahr insgesamt an Projektmitteln ausgereicht hat. 

Geschäftsführer Jorgen Pedersen ordnet den Zuschlag so ein: „Diese Förderzusage würdigt nicht nur die führende Rolle des ARM Institute bei der Modernisierung der Fertigung, sondern auch die zentrale Rolle unseres Mitgliederkonsortiums.“ 

Andere Institute bekamen deutlich weniger

Die OIB Modernization Challenge ging an mehrere Institute. Zum Vergleich: America Makes, das auf additive Fertigung spezialisierte Institut, vergab aus derselben Ausschreibung bis zu 15 Millionen Dollar an sechs Projekte – und nannte sie beim Namen. 

Projekt 

Ausführende Firma 

Schnelle Herstellung von Sandgussformen per additiver Fertigung 

Honeywell 

Schnelle Qualifizierung additiv gefertigter Bauteile 

HRL Laboratories 

Edge Factories für günstige Waffensysteme 

Machina Labs 

Digitaler Zwilling und Betriebssimulation für die additive Fertigung 

Accenture Federal Services 

Prozessüberwachung beim Schmelzschichtverfahren 

Stratasys 

Chemisch-mechanisches Polieren additiv gefertigter Bauteile 

REM Surface Engineering 

Das ARM Institute erhielt aus derselben Ausschreibung also rund das Sechsfache – bei knapp doppelt so vielen Projekten. 

„Department of War“ – was hinter dem Namen steckt

In der Mitteilung ist durchgehend vom Department of War die Rede, vom Kriegsministerium also. Das verwirrt, denn offiziell heißt die Behörde weiterhin Department of Defense. 

Hintergrund ist die Executive Order 14347, die Präsident Donald Trump am 5. September 2025 unterzeichnete. Sie erlaubt dem Ministerium, „Department of War“ als Zweitbezeichnung in nicht-gesetzlichen Zusammenhängen zu führen – in Schriftverkehr, Öffentlichkeitsarbeit und bei Zeremonien. Den gesetzlichen Namen ändern kann nur der Kongress; die Verfügung weist den Minister lediglich an, dafür Vorschläge zu erarbeiten. 

Für Leser hierzulande heißt das: Wo in amerikanischen Unterlagen „DoW“, „Secretary of War“ oder „OSW ManTech“ steht, ist dieselbe Behörde gemeint, die zuvor als „DoD“ und „OSD ManTech“ auftrat. 

Der größere Rahmen: 23 Werke im Umbau

Die 90 Millionen sind ein Baustein in einem weit größeren Vorhaben. Im April 2026 unterzeichnete die Armeeführung eine Transformationsstrategie für die Organic Industrial Base und schuf zwei neue Stellen dafür: ein Integrationsbüro im Pentagon und eine Einsatzzelle in der Zentrale des Army Materiel Command. 

Im Haushaltsjahr 2025 flossen nach Armeeangaben über eine Milliarde Dollar in die Werke. Darunter waren neue Roboterschweißanlagen für die M1-Abrams-Linie im Anniston Army Depot in Alabama, die Erneuerung einer Bombenfertigungslinie im McAlester Army Depot in Oklahoma und additiv gefertigte Vorrichtungen für eine neue Fahrzeuglinie im Rock Island Arsenal in Illinois. 

Das Depot Tobyhanna in Pennsylvania und Rock Island fertigen inzwischen Bauteile für kleine unbemannte Flugsysteme im Inland – ein direkter Versuch, Abhängigkeiten in der Lieferkette zu verringern. Die im Mai 2026 eröffnete Schweißhalle in Anniston, die das Aufmacherbild zeigt, kostete 44 Millionen Dollar. 

Dass Geld in großem Stil in die amerikanische Fertigung fließt, ist dabei kein Sonderfall der Rüstung. Wie breit dieser Investitionsschub angelegt ist, beschreibt unser Beitrag über Applied Tech und die Transformation der US-Industrien. 

Was die Mitteilung offenlässt

So groß die Summe ist, so dünn ist die Auskunft darüber, wofür sie ausgegeben wird. 

  • Keine Projektnamen. Das ARM Institute nennt weder die zehn Vorhaben noch die fünfzehn beteiligten Mitgliedsorganisationen noch die zwölf Standorte. America Makes hat seine sechs Gewinner samt Firmen veröffentlicht. 

  • Keine Aufschlüsselung. Wie sich die knapp 90 Millionen auf die zehn Projekte verteilen, steht nirgends. 

  • Zwei Jahre sind knapp. Das Institut spricht selbst von „außergewöhnlich komplexen“ Automatisierungsaufgaben. Sie sollen in laufenden Produktionsbetrieben umgesetzt werden, nicht im Labor. 

  • Zwölf von 23. Allein die Army betreibt 23 Werke. Welche zwölf ausgewählt wurden und nach welchen Kriterien, bleibt offen – zumal die Vorhaben laut Institut alle Teilstreitkräfte betreffen, also über die Army hinausgehen. 

  • Keine Angaben zum Personalteil. Wie viele Beschäftigte weitergebildet werden sollen und mit welchem Budget, nennt die Mitteilung nicht. 

Nichts davon ist ungewöhnlich für Rüstungsvorhaben – Standortlisten und Fähigkeitslücken sind selten öffentlich. Für eine Einschätzung, ob das Geld gut angelegt ist, reicht die Mitteilung aber nicht aus. 

Und in Deutschland?

Eine staatseigene Rüstungsfertigung in der Größenordnung der Organic Industrial Base gibt es hierzulande nicht, und ein vom Verteidigungsministerium finanziertes Institutsnetz nach dem Muster von Manufacturing USA ebenso wenig. Der Aufwuchs läuft über die Industrie. 

Sichtbarstes Beispiel ist Rheinmetall. Im Juli 2026 wurde in Aschau am Inn der Grundstein für den Ausbau des Pulverwerks gelegt; nach Berichten der Fachpresse investiert der Konzern dort rund 350 Millionen Euro. Die Fertigung von Treibladungsmodulen soll von 300.000 auf über eine Million Stück im Jahr steigen, die Belegschaft am Standort von rund 800 auf etwa 1.400 wachsen. 

Bei der Robotik ist der Konzern dagegen noch nicht so weit. Vorstandschef Armin Papperger sagte Euronews im September 2026: „Roboter werden kommen, das ist völlig klar. Wir haben ein Forschungszentrum in Bremen für humanoide Roboter und arbeiten daran.“ Serienprodukte gebe es bislang nicht, man investiere aber viel Geld. 

Der Unterschied ist also weniger einer des Tempos als einer der Struktur: In den USA modernisiert der Staat eigene Fabriken und kauft die Automatisierung über ein Forschungsinstitut ein. In Deutschland baut ein börsennotierter Konzern neue Kapazität auf und entscheidet selbst, wie viel Robotik dabei zum Einsatz kommt. 

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