Roboter statt Richtschnur: Wie Monumental das Mauern automatisiert
von Roboterwelt Redaktion10. September 2026
Zwei Gründer, die ihre erste Firma an Palantir verkauften, bauen in Amsterdam Roboter, die Ziegel vermauern – auf echten Baustellen, bezahlt pro fertiger Wand. Über 100 Häuser stehen bereits. Die Geschichte eines Unternehmens, das den Fachkräftemangel am Bau zum Geschäftsmodell macht.
Auf einer Baustelle in den Niederlanden steht eine Maschine, die aussieht wie zwei kleine Turmkräne auf einem Fahrgestell. Der eine Arm greift einen Ziegel und setzt ihn millimetergenau auf die Wand, der andere trägt Mörtel auf. Daneben pendeln zwei kleinere Roboter zwischen Materiallager und Wand hin und her – der eine bringt Steine, der andere Mörtel. Menschen sieht man auch: Sie überwachen die Maschinen, statt selbst zu mauern. So sieht der Arbeitsalltag von Monumental aus, einem Amsterdamer Unternehmen, das seit 2021 daran arbeitet, das Mauern zu automatisieren – und dessen Roboter inzwischen die Wände von mehr als 100 Wohnhäusern errichtet haben.
Auf einen Blick
Gegründet | 2021 |
|---|---|
Sitz | Amsterdam, Niederlande |
Gründer | Salar al Khafaji (CEO), Sebastiaan Visser (CTO) |
Mitarbeiter | über 130 |
Finanzierung | über 60 Millionen US-Dollar; Series B im Juli 2026 unter Führung von Khosla Ventures |
Kernprodukte | Maurer-Roboter Pisa, Nachschubroboter Petra und Panama, Konnektivitätsgerät Pathion, Software-Plattform Atrium |
Geschäftsmodell | Robotik als Subunternehmer-Dienstleistung – abgerechnet wird die fertige Wand, nicht die Maschine |
Märkte | Niederlande und Großbritannien; Markteintritt in den USA angekündigt |
Bilanz | über 100 Wohnhäuser, dazu Schule, Gemeindezentrum, Hotel und über 150 Meter Kaimauern, verteilt auf über 40 Projekte (Unternehmensangaben) |
Stand | September 2026 |
Eine Branche, die stehen geblieben ist
Um zu verstehen, warum Monumental existiert, hilft ein Blick auf die Produktivitätsstatistik. Seit 1945 hat sich die Produktivität in der US-Industrie mehr als verachtfacht. Die der Baubranche stieg im selben Zeitraum um rund zehn Prozent – und sinkt seit den 1960er-Jahren sogar. Ein Einfamilienhaus zu bauen dauert heute im Schnitt länger als vor fünfzig Jahren. Der Bau ist damit die eine große Branche, an der die moderne Technik weitgehend vorbeigegangen ist.
Dazu kommt der Arbeitsmarkt. In mehreren westeuropäischen Ländern – Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland – zählen Maurer zu den am stärksten gesuchten Berufsgruppen; die Belegschaften altern, Nachwuchs fehlt. In den USA berichten laut dem Branchenverband AGC 92 Prozent der einstellenden Baufirmen von Problemen, qualifizierte Kräfte zu finden, während dem Land nach Berechnungen von Zillow rund 4,7 Millionen Wohnungen fehlen. In den Niederlanden, dem Heimatmarkt von Monumental, wurden 2025 rund 69.000 Wohnungen fertiggestellt – das nationale Ziel liegt bei 100.000 pro Jahr.
Monumental-Gründer Salar al Khafaji beschreibt die Lage so: Der Bau sei eine der wenigen Branchen, in denen es beim Robotereinsatz nicht darum gehe, Arbeit billiger zu machen oder Menschen zu ersetzen. Es gebe schlicht nicht genug Leute, die die Arbeit erledigen könnten.

Von der Datenvisualisierung zur Baustelle
Die Gründer von Monumental kommen nicht vom Bau. Salar al Khafaji und Sebastiaan Visser hatten zuvor gemeinsam Silk aufgebaut, eine Plattform für Datenvisualisierung, die 2016 von Palantir Technologies übernommen wurde. Nach einigen Jahren bei Palantir gründeten die beiden 2021 in Amsterdam ihr zweites Unternehmen – diesmal mit Hardware.
Zweieinhalb Jahre entwickelte Monumental im Verborgenen. Erst im Februar 2024 trat das Unternehmen mit einer Finanzierungsrunde über 25 Millionen US-Dollar an die Öffentlichkeit, angeführt von Plural und Hummingbird, beteiligt waren außerdem Northzone, Foundamental und NP-Hard Ventures. Da liefen bereits erste Pilotprojekte in den Niederlanden, darunter eine 15 Meter lange Bürofassade, und Partnerschaften mit 25 Bauunternehmen waren vereinbart.
Heute beschäftigt Monumental mehr als 130 Menschen. Das Team kommt überwiegend aus der Software- und Hardwarebranche – von Unternehmen wie Palantir, DeepMind, Tesla, Qualcomm oder Dyson – und arbeitet bewusst fünf Tage pro Woche vor Ort: im Amsterdamer Büro mit eigener Werkstatt und Robotertestfläche, gelegen im Stadtzentrum nahe dem Artis-Zoo. Kaum jemand im Team hat einen Robotik- oder Bau-Hintergrund; das Unternehmen sucht nach eigener Aussage gezielt Leute, die sich schnell in neue Felder einarbeiten.

Pisa, Petra, Panama: Die Roboterflotte
Das Herzstück von Monumental ist eine Flotte aus drei aufeinander abgestimmten Robotertypen, die alle auf derselben technischen Plattform basieren. Pisa ist der eigentliche Maurer-Roboter: eine bewusst nicht-humanoide Konstruktion aus zwei kleinen Turmkränen mit je einem Arm. Der eine greift und platziert die Ziegel, der andere extrudiert den Mörtel in die Fugen. Petra liefert die Steine nach, Panama den Mörtel. Dazu kommt Pathion, ein pilzförmiges Gerät, das die Baustelle mit 4G, 5G, Starlink-Anbindung und WLAN versorgt und die Kommunikation der Roboter untereinander sicherstellt.
Die Arbeitsteilung ist kein Zufall. Wer Bauarbeiter beobachtet, sieht sie einen großen Teil des Tages Material bewegen – al Khafaji zufolge ist das Materialhandling eines der zentralen Probleme, das jede Baustellenautomatisierung lösen muss. Entsprechend schätzt er, dass nur etwa zehn Prozent der entwickelten Technologie spezifisch für das Mauern sind. Die übrigen 90 Prozent betreffen den generellen Betrieb von Robotern auf Baustellen: Wahrnehmung, Navigation, Logistik, Kommunikation. Gesteuert wird alles von Atrium, dem selbst entwickelten Software-Stack des Unternehmens, der vom Mikrocontroller bis zur Bedienoberfläche reicht.
Die Maschinen arbeiten elektrisch, nutzen Sensorik und Bildverarbeitung zur millimetergenauen Positionierung – und sind klein genug, um auf normalen Baustellen zu operieren, auch auf Gerüsten und Hebebühnen.

Bezahlt wird die Wand, nicht der Roboter
Bemerkenswert ist, wie Monumental seine Technik in den Markt bringt: Das Unternehmen verkauft keine Roboter. Es tritt auf Baustellen als Subunternehmer auf – wie ein Maurerbetrieb, der statt einer Kolonne ein Team von Maschinen schickt. Abgerechnet wird nach Ergebnis: Bauunternehmen bezahlen für fertige Wände, nicht für Geräte, deren Anschaffung, Bedienung und Wartung sie selbst stemmen müssten.
Dieses Modell passt zur Struktur der Branche. Auf einer einzigen Baustelle können mehr als ein Dutzend Subunternehmen parallel arbeiten; niemand erwartet dort, dass sich ein Gewerk tief in fremde IT-Systeme integriert. Man ruft einen Betrieb an, der erledigt seine Arbeit. Die Fragmentierung, in anderen Branchen ein Hindernis, wird so zum Marktzugang. Die Kehrseite trägt Monumental allerdings genauso wie jeder menschliche Subunternehmer: Werden die Steine nicht geliefert, mauert auch der beste Roboter nichts.
Die Bilanz dieses Ansatzes: Nach Unternehmensangaben haben die Roboter bei Kunden in den Niederlanden und Großbritannien die Wände von über 100 Wohnhäusern errichtet, dazu eine Schule, ein Gemeindezentrum, ein Hotel und mehr als 150 Meter Kaimauern an Amsterdamer Grachten – verteilt auf über 40 Projekte.

Wachstum und die nächsten Schritte
Monumental hat von Beginn an auf frühe Einsätze bei echten Kunden gesetzt, statt jahrelang im Labor zu entwickeln – nach dem erklärten Grundsatz, kein Robotiklabor sein zu wollen, dessen Technik die Realität nicht berührt. Die Feldeinsätze liefern dabei genau das, was sich im Labor nicht simulieren lässt: unerwartete Ziegelsorten, wechselnde Witterung, regionale Eigenheiten – und damit die Daten, an denen die Systeme wachsen. Wo die Baurobotik als Branche insgesamt steht und warum diese Lernphase über die Skalierung entscheidet, beleuchtet unser Hintergrundartikel zur Baustellen-Robotik.
Im Juli 2026 sammelte Monumental in einer Series-B-Runde 32 Millionen US-Dollar ein, angeführt von Khosla Ventures – dem Silicon-Valley-Investor, der früh bei OpenAI eingestiegen war. Die Gesamtfinanzierung liegt damit bei über 60 Millionen US-Dollar. Mit dem Geld will das Unternehmen das Ingenieurteam ausbauen, mehr Roboter in Europa einsetzen, noch 2026 den Markteintritt in den USA angehen und das Aufgabenspektrum der Maschinen über das Mauern hinaus erweitern.
Die Wachstumszahlen aus dem aktuellen Media-Kit deuten an, dass die Skalierung begonnen hat: Die Bauleistung des ersten Halbjahrs 2026 lag bereits 39 Prozent über der des gesamten Jahres 2025, das zweite Quartal übertraf das erste um 84 Prozent. Die Skalierungslogik dahinter ist einfach: Wer doppelt so schnell bauen will, braucht keinen doppelt so schnellen Roboter, sondern doppelt so viele.
Offene Fragen
So schlüssig das Konzept wirkt – einiges ist noch offen. Zunächst die Datenlage: Sämtliche Kennzahlen stammen vom Unternehmen selbst; Umsätze oder Margen veröffentlicht Monumental nicht, eine externe Prüfung der Bauleistung gibt es nicht.
Dann die Größenordnung. Über 100 Häuser in fünf Jahren sind ein Nachweis, dass die Technik funktioniert – gemessen an den rund 69.000 Wohnungen, die allein in den Niederlanden 2025 fertiggestellt wurden, ist der Beitrag bislang aber klein. Das räumt auch der Gründer ein: Kein einzelnes Unternehmen werde die Wohnungsnot lösen; man könne einen Engpass entschärfen, mehr nicht. Ob der Sprung von Dutzenden Projekten zu Hunderten gelingt, ohne dass Qualität und Verlässlichkeit leiden, ist die eigentliche Bewährungsprobe der nächsten Jahre – die gesamte Baurobotik steckt noch in der Pilotphase.
Hinzu kommen strukturelle Abhängigkeiten des Subunternehmer-Modells: Verspätete Materiallieferungen, unfertige Vorgewerke oder Witterung treffen die Roboter genauso wie jede Maurerkolonne. Und der angekündigte US-Markteintritt führt in einen Markt, in dem Mauerwerk eine deutlich kleinere Rolle spielt als in Westeuropa – laut NAHB-Auswertung der Census-Daten entstanden 2024 94 Prozent der neuen US-Einfamilienhäuser in Holzrahmenbauweise. Ob sich das auf Ziegel ausgerichtete Angebot dort in gleicher Form trägt, muss sich erst zeigen. Schließlich ist Monumental im Ziegel-Segment zwar weitgehend allein, aber nicht ohne Alternativen: Der Hadrian X des australischen Anbieters FBR setzt seit 2019 große Betonblöcke mit Klebstoff statt Mörtel und wurde bereits in Australien, den USA und Mexiko eingesetzt, und Anbieter wie Reframe Systems setzen auf robotergestützte Vorfertigung statt Baustellenautomatisierung.
Die Gründer

Salar al Khafaji (CEO) führt das Unternehmen und verantwortet die Strategie, den Bau durch Software und Robotik neu zu organisieren. Vor Monumental gründete er die Datenvisualisierungsplattform Silk mit, die 2016 von Palantir übernommen wurde; dort leitete er anschließend kommerzielle Forschungs- und Produktinitiativen.

Sebastiaan Visser (CTO) verantwortet die Technologie: die durchgängige Robotik-Plattform aus KI, Bildverarbeitung und autonomen Systemen. Auch er war Mitgründer von Silk und arbeitete nach der Übernahme als Softwareentwickler bei Palantir an komplexen Systemen für Unternehmens- und Behördenkunden.
Monumental im Zeitraffer: Die wichtigsten Meilensteine
Jahr | Meilenstein |
|---|---|
2016 | Die erste Firma der Gründer, die Datenvisualisierungsplattform Silk, wird von Palantir Technologies übernommen |
2021 | Salar al Khafaji und Sebastiaan Visser gründen Monumental in Amsterdam; Entwicklung zunächst im Verborgenen |
2024 | Februar: Monumental tritt mit einer 25-Millionen-Dollar-Runde (Plural, Hummingbird u. a.) an die Öffentlichkeit; erste Pilotprojekte in den Niederlanden, Partnerschaften mit 25 Bauunternehmen |
2025 | Ausweitung der Einsätze, auch nach Großbritannien; internationale Berichterstattung u. a. durch The Economist, Bloomberg und The Telegraph |
2026 | Juli: Series B über 32 Millionen US-Dollar unter Führung von Khosla Ventures, Gesamtfinanzierung über 60 Millionen; angekündigter Markteintritt in den USA. Bilanz: über 100 gebaute Häuser, dazu Schule, Gemeindezentrum, Hotel und über 150 Meter Kaimauern; Halbjahresleistung 39 Prozent über dem Gesamtjahr 2025 |
Häufige Fragen zu Monumental
Was genau macht Monumental?
Monumental entwickelt, baut und betreibt autonome Roboter, die auf realen Baustellen Mauerwerk errichten. Das Unternehmen tritt dabei selbst als Subunternehmer auf: Bauunternehmen beauftragen es wie einen Maurerbetrieb und bezahlen für fertige Wände – die Roboter samt Software bleiben in der Hand von Monumental.
Wie funktionieren die Maurer-Roboter?
Der Hauptroboter Pisa besteht aus zwei kleinen Turmkränen mit Armen: Einer setzt die Ziegel, der andere trägt den Mörtel auf. Zwei Begleitroboter, Petra und Panama, übernehmen den Nachschub an Steinen und Mörtel. Sensorik und Bildverarbeitung sorgen für millimetergenaue Positionierung; gesteuert wird die Flotte von der selbst entwickelten Software Atrium.
Ersetzen die Roboter Maurer?
Das Unternehmen argumentiert umgekehrt: In Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland fehlen Maurer seit Jahren, die Belegschaften altern. Die Roboter sollen Kapazität schaffen, die der Arbeitsmarkt nicht mehr hergibt; auf den Baustellen arbeiten weiterhin Menschen, die die Maschinen einrichten und überwachen.
Wo ist Monumental aktiv?
Die Roboter sind derzeit bei Kunden in den Niederlanden und Großbritannien im Einsatz. Mit der Series-B-Finanzierung vom Juli 2026 hat das Unternehmen den Markteintritt in den USA angekündigt. Für Deutschland gibt es bislang keine angekündigten Projekte.
Wer finanziert Monumental?
Insgesamt hat das Unternehmen über 60 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Series B im Juli 2026 (32 Millionen) führte Khosla Ventures an; zu den weiteren Investoren zählen Plural, Hummingbird, Northzone, Foundamental und NP-Hard Ventures.
Quellen
Alle Unternehmenszahlen in diesem Artikel wurden am 10. September 2026 geprüft. Kennzahlen zu Projekten, Robotern und Bauleistung sind Unternehmensangaben.
Monumental – Unternehmensangaben zu Team, Finanzierung, Projekten und Standort
Monumental Media Kit 2026 – Fact Sheet, Gründer-Bios und Wachstumszahlen (Stand Juli 2026)
Fortune – Austritt aus dem Stealth-Modus und 25-Millionen-Runde (Februar 2024)
TechCrunch – Frühe Pilotprojekte, Partnerschaften und Wettbewerbsumfeld (Februar 2024)
Tech.eu – Series B und ergebnisbasiertes Geschäftsmodell (Juli 2026)
DutchNews – Einordnung in die niederländische Wohnungskrise und Fertigstellungszahlen (August 2026)
AGC of America – Workforce Survey 2025 zum Fachkräftemangel am US-Bau
Zillow Research – US-Wohnungsdefizit von 4,7 Millionen Einheiten (Juli 2026)
Roboterwelt Redaktion