eLuminator: Elektronische Haut aus Singapur zeigt Druck als Leuchtbild

Forscher der National University of Singapore haben eine 70 Mikrometer dünne elektronische Haut entwickelt, die dort aufleuchtet, wo sie gedrückt wird – je fester, desto heller. Sie löst Details bis 30 Mikrometer auf, genug für die Rillen eines Fingerabdrucks. Erprobt wurde sie an einem chirurgischen Greifer und an einem Fußmodell, nicht an einem Roboter.

Von Roboterwelt Redaktion5 Min. LesezeitQuellen: 5
Eine weiße Roboterhand mit Stoffbezug und ein weißer Raumanzug-Handschuh strecken sich vor dunklem, blaugrün marmoriertem Hintergrund einander entgegen, die Fingerspitzen berühren sich fast
Symbolbild: Die Hand des NASA-Roboters Robonaut 2 und ein Raumanzug-Handschuh, inszeniert nach Michelangelos „Erschaffung Adams“. Die Robotik gehört zu den Einsatzfeldern, die die Forscher für ihre leuchtende Haut nennen. Foto: NASA/Robert Markowitz, Bill Stafford, gemeinfrei, via Wikimedia Commons, Ausschnitt

Ein Team um Lim Chwee Teck vom Department of Biomedical Engineering der National University of Singapore (NUS) hat eine elektronische Haut entwickelt, die Berührung direkt als Licht anzeigt. Wo man auf die Folie drückt, leuchtet sie, und je stärker der Druck, desto heller. Die Forscher nennen das Bauteil eLuminator. Erschienen ist die Studie in Nature Communications, online am 26. Mai 2026; die NUS stellte sie am 28. September vor, das Magazin New Atlas berichtete Ende Oktober. 

Wie die Haut Druck in Licht verwandelt

Übliche elektronische Häute bestehen aus einem Raster einzelner Drucksensoren. Ihre Signale muss ein Rechner auswerten und auf einem Bildschirm darstellen; die Auflösung liegt laut Studie meist bei höchstens 100 dpi. Der eLuminator kommt ohne solche Pixel aus. Er besteht aus drei Schichten: oben eine Elektrode mit winzigen Kuppeln, in der Mitte eine elastische Schicht mit kupferdotierten Zinksulfid-Partikeln, unten eine durchsichtige Elektrode. An der Folie liegt eine Wechselspannung an, die für sich allein nicht reicht, um die Partikel leuchten zu lassen. Drückt ein Finger auf die Haut, werden die Kuppeln zusammengepresst, das elektrische Feld wird an dieser Stelle stärker, und die Partikel leuchten. Gleichzeitig ändert sich die elektrische Kapazität, sodass sich der Druck mit angeschlossener Elektronik auch messen lässt. 

Was die Versuche zeigen

Die Folie ist rund 70 Mikrometer dünn und löst Details bis etwa 30 Mikrometer auf, umgerechnet 847 dpi. Das reichte, um die Rillen eines Fingerabdrucks als Leuchtbild abzubilden. Sichtbares Licht entstand nach etwa 15 Millisekunden, der elektrische Messwert nach etwa 110. Der Messbereich reicht bis 180 Kilopascal, die Schichten reißen erst bei mehr als 100 Prozent Dehnung, und die Leistung blieb nach 1.000 Biege- und 4.000 Belastungszyklen stabil. Gezeigt haben die Forscher drei Anwendungen: eine Druckkarte an einem 3D-gedruckten Fußmodell, die bei Diabetikern auf Stellen mit Geschwürrisiko hinweisen könnte; einen laparoskopischen Greifer, der im Training an künstlichem Gewebe sichtbar macht, wie fest er zupackt; und das Nachverfolgen von Schreibbewegungen. „Instead of relying on complex electronics, users can immediately see force distribution as it happens“, sagt Lim. 

Was das für Roboter bedeutet

Die NUS hebt hervor, dass die Haut auch sanfte Berührungen erkennt, was für Robotik und Prothesen wichtig sei. Die Studie hält künftig, mit zusätzlichen Lichtsensoren, geschlossene Regelkreise für weiche Roboter und intelligente Prothesen für möglich. An einem Roboter vorgeführt haben die Forscher die Haut allerdings nicht. Ein praktisches Hindernis ist die Stromversorgung: In der Studie arbeitet die Folie mit 150 Volt Wechselspannung bei 1 Kilohertz, die Forscher halten das für die geeignete Betriebsspannung. New Atlas nennt das wenig praktisch für etwas, das man auf der Haut tragen oder an einer Roboterfingerspitze befestigen will. Das Team will nach eigener Aussage den Strombedarf senken und die Empfindlichkeit erhöhen. Vorrang hat für Lim die Medizin: Man wolle die Technik gemeinsam mit Klinikern dort einsetzen, wo sie für Patienten etwas verändere. 

Zum Vergleich: Tasthaut, die schon am Roboter sitzt

Einen anderen Weg geht ein Team um Chuan Fei Guo von der Southern University of Science and Technology in Shenzhen, beteiligt sind unter anderem das Beijing Institute of Technology und die Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence in Abu Dhabi. Seine Studie erschien am 16. Oktober 2026 in Nature Machine Intelligence, Tech Xplore berichtete am 27. Oktober. Die Forscher setzen nicht auf Licht, sondern auf eine iontronische Haut aus mehr als 10.000 Sensorpunkten. Statt die Punkte nacheinander abzufragen, gibt die Elektronik jedem eine eigene Signalfrequenz und liest alle gleichzeitig aus, 100-mal pro Sekunde. Danach werden die Daten verdichtet, laut den Zusatzmaterialien der Studie um den Faktor 268; vom Messen bis zur Auswertung vergehen dort rund 23 Millisekunden. Anders als der eLuminator lief diese Haut an Robotern, unter anderem an Händen und Körper eines humanoiden G1 von Unitree. Nach Angaben der Autoren erkennt sie Oberflächenstrukturen von 300 Mikrometern. In ihren Versuchsvideos hält ein Greifer mit der Haut eine 0,5 Millimeter dünne Bleistiftmine und einen 0,2 Millimeter dünnen Lötdraht; auf schädliche Reize reagiert der Roboter mit einer Schutzbewegung, eine stachelige Kastanie greift er dagegen sicher. 

Häufige Fragen

Was ist der eLuminator?

Eine elektronische Haut der National University of Singapore, die Druck direkt in Licht umsetzt: Wo sie gedrückt wird, leuchtet sie, und stärkerer Druck ergibt helleres Licht. Zugleich lässt sich der Druck über die Änderung der elektrischen Kapazität messen. Die Studie erschien im Mai 2026 in Nature Communications. 

Wie funktioniert die leuchtende elektronische Haut?

Sie besteht aus drei Schichten: einer Elektrode mit winzigen Kuppeln, einer Leuchtschicht mit kupferdotierten Zinksulfid-Partikeln und einer durchsichtigen Elektrode. Unter Wechselspannung leuchten die Partikel erst, wenn Druck die Kuppeln zusammenpresst und das elektrische Feld an dieser Stelle verstärkt. 

Wie fein löst die Haut Berührungen auf?

Laut Studie bis etwa 30 Mikrometer, das entspricht 847 dpi. Damit ließen sich die Rillen eines Fingerabdrucks abbilden. Pixelbasierte elektronische Häute erreichen nach Angaben der Forscher meist höchstens 100 dpi. 

Kann man die Haut schon für Roboter nutzen?

Noch nicht. Die Forscher nennen Robotik und Prothesen als mögliche Einsatzfelder, haben die Haut aber nicht an einem Roboter gezeigt, sondern etwa an einem laparoskopischen Greifer und einem Fußmodell. Zudem braucht sie bisher 150 Volt Wechselspannung; das Team will den Strombedarf senken. 

Gibt es elektronische Haut, die schon an Robotern funktioniert?

In der Forschung ja. Ein Team der Southern University of Science and Technology in Shenzhen hat im Oktober 2026 in Nature Machine Intelligence eine Tasthaut mit mehr als 10.000 Sensorpunkten vorgestellt, die an Händen und Körper eines humanoiden Roboters Unitree G1 erprobt wurde. Ein Greifer mit dieser Haut hielt eine 0,5 Millimeter dünne Bleistiftmine. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 29. Oktober 2026 anhand der Originalstudie in Nature Communications, der Pressemitteilung der National University of Singapore und des Berichts von New Atlas geprüft. Der Abschnitt zur Tasthaut aus Shenzhen beruht auf der Studie in Nature Machine Intelligence (Zusammenfassung, Zusatzmaterialien und Videobeschreibungen; der Haupttext ist kostenpflichtig) und dem Bericht von Tech Xplore. Die Einschätzung zur Stromversorgung stammt von New Atlas, die Zitate von Lim Chwee Teck aus der Pressemitteilung der NUS.

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