Drohnenabwehr: Bundeswehr soll 48 GARMR-Systeme von Diehl bekommen

Laut Handelsblatt will die Bundeswehr 48 mobile Drohnenabwehrsysteme GARMR von Diehl Defence beschaffen, als Zwischenlösung, bis der Skyranger 30 kommt. Einen Vertrag haben weder Diehl noch das Beschaffungsamt bestätigt; Heeresinspekteur Freuding hat das System aber öffentlich als kommende Ausrüstung genannt.

Von Roboterwelt Redaktion7 Min. LesezeitQuellen: 11
Olivgrüner Geländewagen auf Mercedes-G-Klasse-Basis mit Sensormast, auf dem ein sandfarbener Radarkasten und ein Kameramodul sitzen, und einer Waffenstation auf dem Dach; links ein Aufsteller mit der Aufschrift CICADA, rechts angeschnitten ein Aufsteller mit KDV, dahinter ein grüner Lkw mit Container, Birken und blauer Himmel mit Kondensstreifen
Diehls Drohnenabwehrfahrzeug auf G-Klasse-Basis mit Sensormast und Waffenstation; der Aufsteller rechts trägt noch die alte Bezeichnung KDV. Pressebild aus der GARMR-Mitteilung vom Februar 2026. Foto: Diehl Defence GmbH & Co. KG

Die Bundeswehr will nach einem Bericht des Handelsblatts 48 Drohnenabwehrsysteme vom Typ GARMR bei Diehl Defence beschaffen. Golem.de griff den Bericht am 23. Oktober 2026 auf: Demnach sollen 24 Fahrzeuge mit Maschinengewehr und 24 mit Abfangdrohnen ausgestattet werden. Die Angaben stammen aus Branchenkreisen. Diehl Defence hat dazu keine Mitteilung veröffentlicht, auch vom Beschaffungsamt BAAINBw gibt es keine Bestätigung (Stand 23. Oktober 2026). Auftragswert und Liefertermine sind nicht bekannt. 

Dass das Heer GARMR bekommen soll, ist allerdings offiziell: Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding zählte das System nach einem Bericht des Fachdienstes suv.report in einem Video-Statement zu den Waffensystemen, die der neu aufgestellten Heeresflugabwehrtruppe zulaufen sollen, neben dem Skyranger 30 und IRIS-T SLM. Stückzahlen, Kosten oder einen Zeitplan nannte er nicht. 

Was GARMR ist

GARMR ist der Nachfolger des Kinetic Defence Vehicle (KDV), das Diehl Defence im Februar 2026 auf der Messe Enforce Tac in Nürnberg unter dem neuen Namen vorstellte. Der Name steht laut Hersteller für einen Wachhund aus der nordischen Mythologie. Diehl beschreibt das System als hybrid und modular: Es soll sowohl zivile Infrastruktur wie Gebäude oder Veranstaltungen schützen als auch in Gefechten hoher Intensität bestehen. Die Sensorik soll Luftziele vom kleinen Multikopter bis zu Kampfdrohnen wie Shahed oder Lancet erfassen. KI-gestützte Algorithmen werten die Sensordaten aus, klassifizieren Bedrohungen, priorisieren Ziele und unterstützen die Bediener bei der Entscheidung. Die Besatzung besteht laut Produktseite aus zwei Personen; nach Angaben des Fachdienstes hartpunkt soll der hohe Automatisierungsgrad es erlauben, das System im Stand notfalls mit einer Person zu betreiben. Ob und wie weit der Waffeneinsatz selbst automatisiert abläuft, sagt Diehl nicht. 

Diehl bietet zwei Varianten an. Das Kurzstreckensystem GARMR SRS kombiniert eine Waffenstation mit der elektrisch angetriebenen Abfangdrohne CICADA, die Ziele entweder mit einem Fangnetz einfängt oder mit einem Splittergefechtskopf zerstört. Als Hauptbewaffnung der SRS-Variante nennt Diehl das Mehrlaufgeschütz M134D; für die Bundeswehr gilt laut hartpunkt zunächst das eingeführte MG 6 als wahrscheinlich. Das Mittelstreckensystem GARMR MRS ergänzt weitere Abfangdrohnen für größere Reichweiten; welche, nennt Diehl nicht. Die von Golem beschriebene Aufteilung in 24 Fahrzeuge mit Maschinengewehr und 24 mit Abfangdrohnen lässt sich diesen Varianten nicht eindeutig zuordnen. 

Bestandteil 

Angabe 

Quelle 

Trägerfahrzeug 

Mercedes-Benz G-Klasse, Baureihe 464 mit verlängertem Radstand 

hartpunkt, 12.10.2026 

Radar 

zwei EchoShield-Radare des US-Herstellers Echodyne 

hartpunkt, 12.10.2026 

Waffenstation 

stabilisierte R400, Waffeneinsatz auch während der Fahrt; MG 6 (7,62 × 51 mm) mit 1.000 bis 1.200 m Bekämpfungsreichweite 

hartpunkt, suv.report 

Abfangdrohnen 

bis zu 15 CICADA auf der Ladefläche, Reichweite rund fünf Kilometer 

hartpunkt, suv.report, Golem 

Besatzung 

zwei Personen, hoher Automatisierungsgrad durch KI 

Diehl Defence (Produktseite) 

Vernetzung 

mehrere Fahrzeuge als Feuereinheit, Schnittstelle zu übergeordneten Luftverteidigungssystemen 

suv.report, 20.10.2026 

Transport 

Verlegung per Hubschrauber möglich 

Diehl Defence (Produktseite) 

Der Kompromiss gegenüber dem Skyranger liegt laut Golem in Schutz und Reichweite: Die Skyranger-Besatzung sitzt im gepanzerten Boxer, die GARMR-Besatzung in einem leicht geschützten Fahrzeug. Das Maschinengewehr reicht etwa 1.000 Meter weit, die 30-Millimeter-Kanone des Skyranger bis zu 3.000 Meter. Die Abfangdrohne CICADA kommt dagegen auf rund fünf Kilometer. 

Vorgänger aus der Ukraine-Hilfe

Das Vorgängersystem KDV ist bereits im Einsatz: Laut der Liste der militärischen Unterstützungsleistungen der Bundesregierung (Stand 17. April 2025) hat Deutschland 16 Kinetic Defence Vehicle aus Diehl-Produktion an die Ukraine geliefert, finanziert aus Mitteln der Ertüchtigungsinitiative des Bundes. Nach Darstellung von Diehl hat sich das System dort bewährt; unabhängige Angaben zu Einsätzen oder Trefferquoten liegen nicht vor. 

Warum das Heer eine Zwischenlösung sucht

Hintergrund ist der Wiederaufbau der Heeresflugabwehr, die 2012 aufgelöst worden war. Am 1. Oktober 2025 wurde die Truppengattung in Lüneburg neu aufgestellt. Am 14. Oktober 2026 übergab die Luftwaffe auf dem NATO-Schießplatz NAMFI auf Kreta das leichte Flugabwehrsystem Ozelot an das Heer, das damit sein erstes mobiles Flugabwehrsystem erhält. Als Hauptsystem ist der Flugabwehrpanzer Skyranger 30 von Rheinmetall auf dem Radpanzer Boxer vorgesehen. Dessen Zeitplan verschiebt sich laut Golem um zwei bis drei Jahre, unter anderem wegen Sonderanforderungen an die Raketenintegration und das Fahrwerk: Eine Vertragsänderung könnte im November 2026 unterzeichnet werden, die Serienproduktion im zweiten Quartal 2027 beginnen, die Tests bis ins dritte Quartal 2028 laufen. 

Das ist zu lang für die Panzerbrigade 45, die dauerhaft in Litauen stationiert wird und bis Ende 2027 voll einsatzfähig sein soll. Freuding hatte laut hartpunkt am 1. Oktober bei der Experimentalserie Land 2026 und am 7. Oktober beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer angekündigt, die Brigade noch vor der Verlegung mit einer Drohnenabwehrfähigkeit auszustatten – „mit einer leistungsfähigen Zwischenlösung, die wir auch weiternutzen, wenn unsere Zielsysteme zulaufen“. 

Nach hartpunkt-Informationen vom 12. Oktober soll zunächst nur eine sehr kleine Zahl GARMR-Fahrzeuge zur Qualifizierung beschafft werden, mit einem Auftragswert unterhalb der 25-Millionen-Euro-Schwelle, ab der der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmen muss. Parallel werde ein größeres Vorhaben vorbereitet, möglicherweise im internationalen Rahmen und auf einer größeren, ballistisch geschützten Plattform. Wie die 48 Systeme aus dem Handelsblatt-Bericht zu dieser Stufung passen, ist offen: Entweder ist die Qualifizierungstranche der erste Teil davon, oder die Zahl bezieht sich auf das größere Vorhaben. 

Was offen bleibt

Belegt ist bislang die Absicht, nicht der Auftrag. Unter den Rüstungsvorhaben, die der Haushaltsausschuss am 14. Oktober 2026 billigte, ist GARMR nicht; die dort genehmigte Drohnenabwehr betrifft Netzwerferdrohnen zum Schutz von Liegenschaften. Einen Vertrag für mobile Drohnenabwehr hat das BAAINBw dagegen mit dem Münchner Start-up Tytan Technologies geschlossen: Am 16. Oktober 2026 bestellte es laut einer Vergabebekanntmachung im EU-Amtsblatt sechs Systeme vom Typ Drone Defender und zwei Führungsfahrzeuge für das Vorhaben „Schutz mobiler Kräfte gegen UAS“. Aus Bundeswehrkreisen hieß es laut Golem, die verschiedenen Systeme könnten sich mit der Zeit ergänzen; Diehl und Tytan hatten im Juni 2026 in Berlin eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit unterzeichnet. 

Für GARMR fehlen damit drei Angaben: ein unterschriebener Vertrag, der Preis und der Liefertermin. Golem nennt weder Vertragswert noch Lieferdaten, Diehl äußert sich nicht. Sicher ist nur, dass es schnell gehen soll: Die Panzerbrigade 45 braucht die Fähigkeit vor der Verlegung nach Litauen. 

Häufige Fragen

Hat die Bundeswehr GARMR schon bestellt?

Nein, belegt ist das nicht. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf Branchenkreise von 48 geplanten Systemen, Golem.de griff das am 23. Oktober 2026 auf. Weder Diehl Defence noch das Beschaffungsamt BAAINBw haben einen Vertrag bestätigt. Heeresinspekteur Freuding hat GARMR aber öffentlich als kommendes System der Heeresflugabwehr genannt. 

Was kann das Drohnenabwehrsystem GARMR?

GARMR sitzt auf einer Mercedes G-Klasse, erfasst Luftziele mit zwei Radaren und bekämpft sie mit einer Waffenstation (bei der Bundeswehr voraussichtlich MG 6) oder der Abfangdrohne CICADA, die Ziele mit Netz einfängt oder mit Gefechtskopf zerstört. KI-Algorithmen klassifizieren und priorisieren die Ziele; die Besatzung besteht aus zwei Personen. 

Warum braucht die Bundeswehr eine Zwischenlösung?

Der Flugabwehrpanzer Skyranger 30 auf dem Boxer verzögert sich laut Golem um zwei bis drei Jahre. Die Panzerbrigade 45 soll aber bis Ende 2027 in Litauen voll einsatzfähig sein und vorher eine Drohnenabwehrfähigkeit bekommen, wie Heeresinspekteur Freuding angekündigt hat. 

Was kostet GARMR und wann wird geliefert?

Dazu gibt es keine belegten Angaben. Laut hartpunkt soll eine erste kleine Qualifizierungstranche unter der 25-Millionen-Euro-Schwelle bleiben, ab der der Haushaltsausschuss zustimmen muss. Liefertermine hat bislang niemand genannt. 

Ist GARMR schon irgendwo im Einsatz?

Das Vorgängersystem Kinetic Defence Vehicle (KDV) ja: Laut der Liste der Bundesregierung hat Deutschland 16 Stück an die Ukraine geliefert (Stand 17. April 2025). GARMR ist die im Februar 2026 vorgestellte Weiterentwicklung mit neuen Abfangdrohnen und KI-gestützter Zielerkennung. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 23. Oktober 2026 geprüft. Der Handelsblatt-Bericht selbst liegt uns nur in der Wiedergabe durch Golem.de vor.

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