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Militärroboter: Die wichtigsten Hersteller im Überblick

von Roboterwelt Redaktion30. September 2026
Eine graue Kampfdrohne MQ-9 Reaper mit Raketen unter den Tragflächen im Flug über einer Wüstenlandschaft mit ausgetrocknetem Flussbett
Die MQ-9 Reaper von General Atomics ist der Inbegriff der bewaffneten Drohne – und steht für ein Geschäft, das zuletzt geschrumpft ist.© Foto: U.S. Air Force / Lt. Col. Leslie Pratt (gemeinfrei, via Wikimedia Commons). Die Verwendung von Bildmaterial des US-Verteidigungsministeriums bedeutet keine Billigung durch das Ministerium.

Kampfdrohnen aus Kalifornien und Istanbul, Tankerdrohnen für Flugzeugträger, Kamikazedrohnen aus München: Zehn Konzerne und Start-ups bauen die unbemannten Systeme der Streitkräfte. Eine belastbare Rangliste gibt es nicht – und die unabhängigsten Zahlen erzählen eine andere Geschichte als der Boom, von dem alle sprechen. 

Wer die größten Hersteller von Militärrobotern sucht, findet Listen – aber keine Zahlen. Kein Konzern weist aus, wie viel er mit unbemannten Systemen verdient. Die Marktforscher, die es trotzdem schätzen, liegen um den Faktor zwei auseinander. Und das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI, die sauberste Quelle der Branche, misst Rüstungsumsätze insgesamt, nicht Robotik. 

Dieser Überblick versucht deshalb gar nicht erst eine Rangliste. Er nennt die zehn Unternehmen, die in den Marktberichten immer wieder auftauchen, zeigt, was sie bauen – und stellt daneben, was die unabhängigsten verfügbaren Zahlen sagen. Die passen nämlich nicht zur gängigen Erzählung. 

Warum es keine belastbare Rangliste gibt

Drei Gründe stehen einer sauberen Reihenfolge im Weg. 

  • Niemand meldet Robotikumsätze. Northrop Grumman, Boeing, IAI und Elbit weisen ihren Anteil unbemannter Systeme nicht getrennt aus. Die chinesischen Staatskonzerne AVIC und CASC veröffentlichen gar keine Segmentzahlen, Anduril ist nicht börsennotiert. 

  • Die Gesamtumsätze taugen nicht als Ersatz. Beim Mutterkonzern General Atomics stecken Kern- und Energietechnik mit drin, bei AeroVironment seit der BlueHalo-Übernahme auch Raumfahrt und Drohnenabwehr. Wer danach sortiert, misst etwas anderes, als er zu messen vorgibt. 

  • Die Marktschätzungen widersprechen sich. Für 2026 nennen Auftragsforscher zwischen 21,6 und 42,2 Milliarden US-Dollar. Der Unterschied hängt vor allem daran, ob die Massenfertigung billiger Kleindrohnen mitgezählt wird. 

Was sich sagen lässt: Fliegende Systeme sind mit Abstand das größte Segment. Unbemannte Bodenfahrzeuge kommen je nach Abgrenzung nur auf 2 bis 4,4 Milliarden US-Dollar. Eine Liste der größten Hersteller ist deshalb zwangsläufig eine Liste von Drohnenbauern – und alles, was wir zu dieser Gattung schreiben, sammelt sich in unserer Rubrik Drohnen. 

Was die unabhängigsten Zahlen sagen

SIPRI veröffentlicht jedes Jahr die hundert größten Rüstungsunternehmen der Welt. Die Zahlen umfassen das gesamte Rüstungsgeschäft, nicht nur Robotik – aber sie sind unabhängig erhoben und über die Jahre vergleichbar. Für 2024 ergibt sich dieses Bild: 

Unternehmen 

Rang 

Rüstungsumsatz 2024 

gegenüber 2023 

Northrop Grumman 

3 

37,9 Mrd. $ 

+3,3 % 

Boeing 

6 

nicht einzeln genannt 

von Verzögerungen belastet 

AVIC 

8 

20,3 Mrd. $ 

−1,3 % 

CASC 

17 

10,2 Mrd. $ 

−16 % 

Elbit Systems 

25 

nicht einzeln genannt 

Auftragsbestand 22,6 Mrd. $ 

Israel Aerospace Industries 

31 

5,2 Mrd. $ 

+13 % 

Baykar 

73 

1,90 Mrd. $ 

−12 % 

General Atomics 

74 

1,89 Mrd. $ 

−13 % 

Die beiden Unternehmen, die weltweit am stärksten mit Kampfdrohnen verbunden werden, sind 2024 also geschrumpft – Baykar um zwölf, General Atomics um dreizehn Prozent. Auch die beiden chinesischen Staatskonzerne verloren: AVIC wegen langsamerer Auslieferung von Militärflugzeugen, CASC wegen verschobener Satelliten- und Trägerraketenprogramme. 

Gewachsen ist anderes. Die israelische Industrie legte zu, getrieben von der Nachfrage nach Drohnen und Drohnenabwehr; bei Elbit stammten 65 Prozent des Auftragsbestands aus dem Ausland, darunter europäische Aufträge für Langstreckendrohnen. In der Türkei standen erstmals fünf Unternehmen in der Top 100, zusammen 10,1 Milliarden Dollar und elf Prozent mehr als im Vorjahr – den größten Sprung machte allerdings nicht Baykar, sondern der Elektronikhersteller ASELSAN mit plus 24 Prozent. 

Zwei Einordnungen gehören dazu. Erstens sind die Plätze 73 und 74 gemessen am Gesamtmarkt klein: Baykar und General Atomics liegen zusammen etwa bei einem Zehntel dessen, was Northrop Grumman allein umsetzt. Zweitens ist 2024 nicht 2026. Baykar selbst meldet für 2025 wieder 2,5 Milliarden Dollar Umsatz bei 2,2 Milliarden Export – diese Zahl ist allerdings eine unbestätigte Eigenangabe eines Unternehmens ohne Veröffentlichungspflicht. 

Die vier Drohnenspezialisten

General Atomics Aeronautical Systems aus San Diego hat die bewaffnete Drohne populär gemacht. Rund 575 MQ-9 Reaper sind gebaut worden. Im September 2025 sicherte sich die Firma bei der US Air Force einen Rahmenvertrag über 14,1 Milliarden Dollar, der Weiterentwicklung, Beschaffung und Wartung der Flotte bis Ende der 2030er Jahre abdeckt. Das jüngste Produkt ist die FQ-42A, eine unbemannte Begleitdrohne für bemannte Kampfjets, die im Juni 2026 in Serie ging. 

Baykar aus Istanbul exportiert mehr Kampfdrohnen als jeder andere Hersteller. Die Bayraktar TB2 fliegt nach Firmenangaben in 36 Ländern, die schwerere Akinci in 16; von ihr sind 110 Stück ausgeliefert. Die trägergestützte TB3 ist seit September 2025 bei der türkischen Marine im Dienst, der düsengetriebene Kampfjet Kizilelma in Serienfertigung. 

Anduril Industries aus Costa Mesa ist der Aufsteiger. Der Umsatz stieg 2025 auf rund 2,2 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr; für 2026 stellt die Firma etwa 4,3 Milliarden in Aussicht. Im Mai 2026 sammelte sie fünf Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 61 Milliarden ein. Weniger oft zitiert wird die andere Seite: Für 2026 erwartet Anduril einen operativen Verlust von rund 1,2 Milliarden Dollar. Da das Unternehmen nicht börsennotiert ist, stammen alle diese Zahlen aus Branchenberichten, nicht aus geprüften Abschlüssen. 

AeroVironment aus Virginia ist der Spezialist für Kleindrohnen und Loitering Munition – jene Kamikazedrohnen, die über dem Zielgebiet kreisen und sich dann ins Ziel stürzen. Im Geschäftsjahr bis April 2026 stieg der Umsatz laut Geschäftsbericht um 141 Prozent auf 1,98 Milliarden Dollar. Der Sprung geht allerdings überwiegend auf die Übernahme von BlueHalo zurück, die Raumfahrt-, Drohnenabwehr- und Dienstleistungsgeschäft mitbrachte; allein 413 Millionen Dollar davon waren Serviceumsatz. Bekannt ist die Firma für die Switchblade 300 und 600 sowie die Aufklärungsdrohnen Puma und Raven. 

Die weiße Kampfdrohne Bayraktar TB2 mit Doppelleitwerk und Propeller am Heck steht auf einem Ausstellungsgelände
Die Bayraktar TB2 von Baykar auf der Teknofest 2021. Nach Firmenangaben fliegt sie in 36 Ländern. © Foto: CeeGee / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die sechs Konzerne

Bei den übrigen sechs ist das Drohnengeschäft ein Ausschnitt eines viel größeren Ganzen – und in zwei Fällen ein schrumpfender. 

Unternehmen 

Land 

Wichtigste unbemannte Systeme 

Northrop Grumman 

USA 

Höhenaufklärer RQ-4 Global Hawk (bei der NATO als RQ-4D Phoenix), maritime MQ-4C Triton. Die Hubschrauberdrohne MQ-8C Fire Scout wird ausgemustert. 

Israel Aerospace Industries 

Israel 

MALE-Drohne Heron TP, Loitering Munition Harop und Harpy, Bodenroboter REX MKII, bewaffnetes Überwasserboot Katlanit 

Elbit Systems 

Israel 

Hermes 450 und 900, Loitering Munition SkyStriker, unbemanntes Boot Seagull, Kampfroboter ROBUST 

AVIC 

China 

Wing-Loong-Serie, Tarnkappendrohne GJ-11 Sharp Sword 

Boeing 

USA 

Tankerdrohne MQ-25A Stingray, Begleitdrohne MQ-28A Ghost Bat, extragroßes U-Boot Orca, ScanEagle 

CASC 

China 

Exportdrohnen der CH-Serie („Caihong“), Tarnkappenaufklärer CH-7 

Boeings Tankerdrohne MQ-25A absolvierte im April 2026 den Erstflug des ersten Serienflugzeugs; die volle Einsatzbereitschaft hat die US Navy auf 2029 verschoben. Bei Northrop Grumman wächst das unbemannte Portfolio nicht mehr, sondern schrumpft – ein Punkt, der in den üblichen „Key Player“-Listen untergeht. 

Deutschland: eine geleaste Drohne und die ersten Kamikazedrohnen

Für deutsche Leser ist die Heron TP von IAI das wichtigste Produkt dieser Liste: Sie ist die große Aufklärungsdrohne der Bundeswehr. Airbus betreibt sie im Leasing, drei bewaffnungsfähige Maschinen sind beschafft, und auf der ILA 2026 zeigte die Luftwaffe sie erstmals öffentlich im Flug. 

Im Frühjahr 2026 schloss die Bundeswehr außerdem erstmals Verträge über Loitering Munition. Im ersten Abruf wurden 4.300 Stück HX-2 des Münchner Herstellers Helsing und 2.200 Virtus der Berliner Firma Stark bestellt, jeweils für rund 270 Millionen Euro. Die ersten Lieferungen sind ab 2027 geplant. Zur Aufklärung im Nahbereich dient die Rheinmetall-Drohne LUNA NG – 13 Systeme für 200 Millionen Euro. 

Bei Bodenrobotern ist die Bundeswehr dagegen noch nicht über Erprobungen hinaus. Ein Serienauftrag für Mission Master, Gereon oder THeMIS ist nicht belegt. 

Die weiße Aufklärungsdrohne Heron TP mit deutschem Hoheitszeichen steht auf einem Flugplatz, dahinter Patriot-Startgeräte und Militärfahrzeuge
Die Heron TP der Bundeswehr mit der Kennung 92+52. Betrieben wird sie im Leasing durch Airbus. © Foto: André Gerwing / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Bodenroboter sind eine ganz andere Liga

Wer nach Umsatz sortiert, findet keinen einzigen Bodenroboter-Spezialisten in den ersten zehn. Das Segment ist mit 2 bis 4,4 Milliarden Dollar schlicht zu klein. In seiner eigenen Liga sieht die Rangfolge völlig anders aus. 

Teledyne FLIR liefert mit PackBot, Centaur und Kobra die Standardroboter der Kampfmittelräumer – der PackBot 525 ist auch bei der Bundeswehr im Einsatz. Die estnische Firma Milrem Robotics, seit 2023 Teil der emiratischen EDGE Group, hat ihr Kettenfahrzeug THeMIS in 19 Staaten verkauft. Rheinmetall verkaufte zuletzt zwölf Mission Master an das US Marine Corps. Und das Münchner Start-up ARX Robotics fertigt seinen Gereon gemeinsam mit dem Motorenbauer DEUTZ in Ulm. 

Diese Firmen bekommen einen eigenen Beitrag – nach Umsatz gehören sie nicht in diese Liste, nach Wirkung auf dem Gefechtsfeld schon. 

Ein kastenförmiger unbemannter Kettenroboter mit Ladefläche steht auf einer Wiese, im Hintergrund Soldaten und Militärfahrzeuge
Der Mission Master von Rheinmetall bei einer Übung der US-Streitkräfte. Nach Umsatz spielen Bodenroboter in einer anderen Größenordnung als Drohnen. © Foto: U.S. Army / Kevin Ray J. Salvador (gemeinfrei, via Wikimedia Commons). Die Verwendung von Bildmaterial des US-Verteidigungsministeriums bedeutet keine Billigung durch das Ministerium.

Wo die Stückzahlen wirklich herkommen

Nach Stückzahlen spielen alle zehn Hersteller in einer anderen Liga als ein Land, das in keiner Rangliste auftaucht. Die ukrainischen Streitkräfte erhielten 2025 rund drei Millionen FPV-Drohnen und knapp 15.000 Bodenroboter. Im ersten Quartal 2026 absolvierten unbemannte Bodenfahrzeuge dort mehr als 24.500 Einsätze. 

Gebaut wird das meiste von mehr als zweihundert kleinen Firmen, deren Umsätze in keiner globalen Statistik erscheinen. Wir nehmen uns das in einem eigenen Beitrag vor. 

Was das für die Robotikbranche heißt

Der Umbruch ist echt, aber er sieht anders aus als im Schlagwort vom Drohnenboom. Neben klassischen Rüstungskonzernen stehen heute ein türkisches Familienunternehmen, ein kalifornisches Start-up mit Milliardenverlust und ein Spezialist für Kleindrohnen. Die etablierten Programme schrumpfen teilweise, während Geld in Autonomie-Software fließt. 

Wie groß dieser Schwenk ist, zeigt der amerikanische Haushaltsentwurf für 2027. Für die neu geschaffene Defense Autonomous Warfare Group wurden 54,6 Milliarden Dollar beantragt – gegenüber 225 Millionen im Vorjahr. Nur: Davon sind 53,6 Milliarden an ein Sonderverfahren geknüpft, das bislang kein Ausschuss behandelt hat. Festgeschrieben haben Repräsentantenhaus und Senat bisher jeweils eine Milliarde. Die oft zitierte Riesensumme ist ein Antrag, kein Budget. 

Für die zivile Robotik heißt das zweierlei. Erstens verschiebt sich Kapital in Richtung Verteidigung – auch in der Fertigung selbst, wie der Auftrag über knapp 90 Millionen Dollar zeigt, mit dem die USA ihre staatlichen Rüstungswerke automatisieren. Zweitens wird die Grenze zwischen zivil und militärisch dünner: Wer Sensorik, Antriebe oder Autonomie-Software baut, bekommt Dual-Use-Fragen auf den Tisch. Dass ein kommerzieller Vierbeiner wie der Unitree A2 als Lastenträger beworben wird und anderswo bewaffnet auftaucht, ist dafür das deutlichste Beispiel. 

Quellen

Alle Zahlen wurden am 30. September 2026 geprüft. Wo Unternehmen ihre Zahlen selbst melden und keine Prüfpflicht besteht, ist das im Text vermerkt. 

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