Enact Intelligence: Zürcher Robotik-Start-up sammelt 30 Millionen Dollar vor dem ersten Produkt ein

Das im März 2026 gegründete Zürcher Start-up Enact Intelligence hat eine Pre-Seed-Runde über 30 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Co-Leads sind laut Notion Capital redalpine und Notion Capital, zu den Privatinvestoren gehört Mistral-Mitgründer Arthur Mensch. Die Firma will Roboter bauen, die Kraft über ihre eigenen Antriebe messen – ein Produkt gibt es noch nicht.

Von Roboterwelt Redaktion5 Min. LesezeitQuellen: 7
Blick über die Limmat in Zürich bei Abenddämmerung: links das Fraumünster mit grüner Turmspitze und die Kirche St. Peter mit beleuchteter Uhr, in der Mitte eine beleuchtete Brücke, rechts die beiden Türme des Grossmünsters; auf dem Wasser Boote und ein Schwan
Zürich an der Limmat: Hier sitzt Enact Intelligence. Co-Investor Notion Capital nennt die Stadt das „Silicon Valley der Robotik“. Foto: Alejandro Forero Cuervo, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Zürcher Start-up Enact Intelligence hat am 22. Oktober 2026 eine Pre-Seed-Finanzierung über 30 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Nach Angaben des Unternehmens ist es eine der größten Pre-Seed-Runden, die bislang in Europa eingesammelt wurden; das Branchenmedium Sifted nennt sie die größte Pre-Seed-Runde in der Geschichte der Schweiz. Enact wurde im März 2026 gegründet und entwickelt Roboter, die ihre Umgebung nicht nur sehen, sondern auch Kraft und Berührung wahrnehmen sollen. Ein Produkt und bestätigte Kunden gibt es bislang nicht. 

Wer investiert

Die Runde führen laut Notion Capital die Wagniskapitalfirmen redalpine und Notion Capital gemeinsam an. Als weiteren Fonds nennt Enact firstminute capital. Dazu kommen Privatinvestoren: Arthur Mensch, Mitgründer und Chef des französischen KI-Unternehmens Mistral AI, Yann LeCun, Gründer von AMI Labs und früher Chief AI Scientist von Meta, sowie Andrew Lonsberry, Gründer von Path Robotics. Notion Capital nennt außerdem Thomas Wolf von Hugging Face als Geldgeber. Eine Bewertung hat Enact nicht genannt. 

Harald Nieder, General Partner von redalpine, begründet das Investment mit einer „neuen Datenmodalität“: Enact beginne mit hochpräzisen Kraftdaten aus eigens entwickelten Antrieben und denke den gesamten Technikstapel von der Hardware aus neu. Kamil Mieczakowski von Notion Capital formuliert es so: Roboter würden nicht generalisieren, bevor sie ein Nervensystem hätten, mit dem sie die Welt nicht nur sehen, sondern auch fühlen. 

Kraft messen im Antrieb statt am Sensor

Die meisten heutigen Roboter verlassen sich nach Darstellung von Enact fast ausschließlich auf Kameras. Das begrenze, wie gut sie Objekte handhaben und aus Erfahrung lernen können. Bestehende Lösungen mit haptischer Sensorik seien für den Industrieeinsatz zu teuer und zu empfindlich. Enact will deshalb die Kraft nicht mit separaten Sensoren an einem einzelnen Punkt messen, sondern direkt in den Antrieben erfassen – so, wie Menschen Kraft über die Spannung ihrer Muskeln spüren und nicht nur an den Fingerspitzen. Das Unternehmen spricht von einem „propriozeptiven Nervensystem“ samt einer Auswertungsschicht, die es als Cortex bezeichnet. Der Ansatz soll für jede Bauform taugen, vom einfachen Roboterarm bis zum Humanoiden. 

Dafür entwickelt Enact nach eigenen Angaben den kompletten Stapel selbst: Modellarchitekturen, Datenpipelines, Antriebe und Sensoren. Beim KI-Modell will Gründer Manuel Yves Galliker nicht bei null beginnen. Anders als in den Anfängen der Sprachmodelle gebe es heute bereits starke Fähigkeiten in Sprache, Bild und logischem Schließen; Enact wolle auf bestehenden Modellen wie Videomodellen aufsetzen und sie so anpassen, dass sie Roboteraktionen ausgeben. Technische Details, Messwerte oder Vorführungen hat die Firma bislang nicht veröffentlicht; ihre Website besteht aus einem Slogan, einer Teamseite und dem Impressum. 

Gründer aus dem NEO-Team von 1X

Galliker leitete zuvor das Softwareteam für den Humanoiden NEO beim Humanoiden-Hersteller 1X, half beim Aufbau von dessen KI-Team im Silicon Valley und arbeitete danach beim Robotiklabor Physical Intelligence. Den Standort Zürich hat er nach eigenen Worten bewusst gewählt: Das Silicon Valley sei stark in Software und KI, es fehle dort aber an Fachleuten für Robotik und Hardware; er wolle die KI-Erfahrung aus Kalifornien mit dem Zürcher Talentpool verbinden. Das zwölfköpfige Team kommt laut Enact unter anderem von DeepMind, 1X, Amazon Robotics, Helsing und Physical Intelligence. Philip Kneis, bislang Deeptech-Investor bei redalpine, ist als Verantwortlicher für Wachstum eingestiegen. Rechtlich firmiert das Start-up als Eta Robotics AG mit Sitz an der Binzstrasse in Zürich. 

Wofür das Geld ist

Mit dem Kapital will Enact sein Team bis Ende 2027 verfünffachen, die Entwicklung von Hardware und Forschung beschleunigen und erste Roboter bei Industriepartnern in Betrieb nehmen. Gespräche laufen nach Angaben des Unternehmens mit großen europäischen Industriekunden aus Fertigung, Infrastruktur, Handel und Lebensmittelverarbeitung. Namen nennt Enact nicht. Notion Capital beschreibt das Ziel als Basismodell für Roboter plus eigene Roboterplattformen für manuelle und hybride Arbeit, etwa in der Montage. Ob und wann daraus ein verkaufbares System wird, ist offen – bislang gibt es nur die Ankündigung und die Namen der Geldgeber. 

Häufige Fragen

Was ist Enact Intelligence?

Ein im März 2026 gegründetes Robotik-Start-up aus Zürich (rechtlich Eta Robotics AG). Es entwickelt Roboter, die Kraft und Berührung über ihre eigenen Antriebe wahrnehmen sollen, und baut dafür Modelle, Antriebe und Sensorik selbst. Ein Produkt ist noch nicht auf dem Markt. 

Wie viel Geld hat Enact eingesammelt und von wem?

30 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde, bekannt gegeben am 22. Oktober 2026. Co-Leads sind laut Notion Capital redalpine und Notion Capital, dazu kommt firstminute capital. Als Privatinvestoren nennt Enact Arthur Mensch (Mistral AI), Yann LeCun (AMI Labs, früher Meta) und Andrew Lonsberry (Path Robotics); Notion Capital nennt zusätzlich Thomas Wolf (Hugging Face). 

Welcher Mistral-Gründer investiert bei Enact?

Arthur Mensch, Mitgründer und Chef von Mistral AI. Er beteiligt sich als Privatinvestor (Business Angel), nicht über Mistral AI als Unternehmen. 

Wer steht hinter Enact?

Gründer Manuel Yves Galliker leitete zuvor das Softwareteam für den Humanoiden NEO bei 1X und arbeitete danach bei Physical Intelligence. Das zwölfköpfige Team kommt laut Enact unter anderem von DeepMind, 1X, Amazon Robotics, Helsing und Physical Intelligence. 

Wofür will Enact das Geld einsetzen?

Das Team soll bis Ende 2027 verfünffacht werden, die Hardware- und Forschungsentwicklung beschleunigt und erste Roboter bei Industriepartnern eingesetzt werden. Gespräche laufen laut Enact mit europäischen Unternehmen aus Fertigung, Infrastruktur, Handel und Lebensmittelverarbeitung; Namen nennt die Firma nicht. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 23. Oktober 2026 geprüft.

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