Der Zulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach hat am 20. Oktober 2026 im chinesischen Taicang eine Fabrik für humanoide Robotik eröffnet. Schaeffler nennt sie „Lighthouse Factory“ und beschreibt ihren Leitgedanken mit drei Worten: Humanoide fertigen Humanoide. Sechs humanoide Roboter montieren dort Gelenkmodule, darunter Aktuatoren, die in die nächste Generation humanoider Roboter eingebaut werden sollen. Am 22. Oktober legte Schaeffler nach und vereinbarte mit dem Dresdner Softwareunternehmen Wandelbots eine Technologiepartnerschaft für den Einsatz von Physical AI in allen Werken des Konzerns. Beide Meldungen gehören zusammen: Die eine zeigt, wo Schaeffler Komponenten für Humanoide fertigt, die andere, mit welcher Software der Konzern Roboter in seinen Fabriken steuern will.
Was in Taicang steht
Nach Angaben von Schaeffler vereint das Gebäude auf rund 7.500 Quadratmetern vier Bereiche: eine Montagelinie, ein Trainings- und Datenerfassungszentrum, eine Plattform für digitale Zwillinge und ein Rechenzentrum. Die Montagelinie hat Schaeffler selbst entwickelt. Sie ist für Schlüsselkomponenten humanoider Roboter ausgelegt, genannt werden lineare und rotative Aktuatoren. An fünf Stationen arbeiten sechs Humanoide zusammen. Sie stellen Bauteile bereit, sortieren sie, fügen sie zusammen, prüfen, kennzeichnen und verpacken sie. Mit der Fabrik startet Schaeffler laut Mitteilung die Serienfertigung dieser Komponenten.
Ein digitaler Zwilling bildet die Abläufe der Linie virtuell ab. Sensoren erfassen die Genauigkeit der Montage, die Dauer einzelner Arbeitsschritte, den Energieverbrauch und den Zustand der Anlagen. Änderungen sollen erst digital getestet und dann in die reale Produktion übernommen werden. Im Trainingszentrum lernen Humanoide Tätigkeiten, die in Schaefflers rund 100 Produktionswerken anfallen: Sichtprüfung von Bauteilen, Verpacken, Materialtransport, Bewegen von Behältern, Teilemontage und das Nachfüllen von Material an Produktionslinien. Kunden und Partner sollen die Anlage nutzen können, um eigene KI-Systeme unter Fabrikbedingungen zu trainieren.
Jochen Schröder, im Vorstand der Schaeffler AG für Produktion, Supply Chain Management und Einkauf zuständig, spricht von einem „geschlossenen Fertigungskreislauf, in dem Humanoide Komponenten für Humanoide montieren“. Yilin Zhang, Regional CEO Greater China, ordnet die Eröffnung als Schritt in Schaefflers langfristigem China-Engagement ein; Chinas Industrie für humanoide Robotik trete „in eine Phase des schnellen Wachstums ein“.
Wer die Roboter baut
Welche Humanoiden in Taicang montieren, sagt die Pressemitteilung nicht. Das von Schaeffler verbreitete Foto der Montagelinie gibt einen Hinweis: Der Roboter trägt den roten Schriftzug ROKAE auf der Brust. ROKAE Robotics aus Peking und Schaeffler haben am 15. April 2026 eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Beide wollen integrierte Gelenkmodule für Humanoide gemeinsam entwickeln; Schaeffler steuert laut ROKAE Lager, Getriebe, Drehmomentsensoren und Wellgetriebe bei und soll Kernlieferant für ROKAEs Gelenkmodule werden. Im Gegenzug soll ROKAE die Automatisierung in Schaeffler-Werken unterstützen. Ob alle sechs Roboter in Taicang von ROKAE stammen, ist damit nicht belegt. Welche Rolle ausländische Zulieferer für Chinas Robotikindustrie spielen, beschreibt unsere Analyse zu Chinas Robotik-Strategie.
Die Fabrik gehört zu einer eigenen Gesellschaft: In einer Mitteilung vom 2. März 2026 zur Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Leju Robotics nennt Schaeffler die „Schaeffler Humanoids (Taicang) Co., Ltd.“ und spricht von der Gründung eines eigenständigen Humanoid-Unternehmens vor Ort. In einer Investorenpräsentation vom Juli 2026 führt Schaeffler die Lighthouse Factory als „Kooperationsplattform für ein Humanoid-Ökosystem in China“.
Schaefflers Rolle: Gelenke für fast alle
Schaeffler positioniert sich als Zulieferer. Der Konzern liefert, was Roboter zum Bewegen brauchen: Aktuatoren, also Antriebseinheiten aus Motor, Getriebe, Sensorik und Leistungselektronik, dazu Lager, Gewindetriebe und Wellgetriebe. Nach eigener Darstellung will Schaeffler „weltweit führender Zulieferer und bevorzugter Technologiepartner für humanoide Robotik“ werden. Seit Ende 2025 hat der Konzern dafür eine Reihe von Partnerschaften geschlossen, die sich in zwei Richtungen lesen lassen: Schaeffler liefert Komponenten und kauft im Gegenzug Roboter für die eigenen Werke.
Partner | Sitz | Datum | Schaeffler liefert | Schaeffler setzt ein |
|---|---|---|---|---|
NEURA Robotics | Metzingen | November 2025 | Technologiepartnerschaft | Kaufvereinbarung für zwei Roboter der NEURA-Humanoid-Reihe (laut Investorenpräsentation Juli 2026) |
Humanoid | London | 13. Januar und 13. Mai 2026 | Aktuatoren, bevorzugter Lieferant für Radplattformen; über 50 Prozent des Bedarfs bis 2031 (laut Humanoid) | vierstellige Zahl radgestützter Einheiten bis 2032; Start Dezember 2026 in Herzogenaurach und Schweinfurt (laut Humanoid) |
Leju Robotics | China | 2. März 2026 | Lager, Gewindetriebe, Getriebe, Motoren, Sensoren | mittlere vierstellige Zahl bis 2035 |
ROKAE Robotics | Peking | 15. April 2026 | Komponenten für gemeinsam entwickelte Gelenkmodule | ROKAE unterstützt Automatisierung in Schaeffler-Werken |
Hexagon Robotics | Zürich | 22. April 2026 | Aktuatoren für Schultern und Ellbogen des Roboters AEON | mindestens 1.000 AEON innerhalb von sieben Jahren |
Alle Angaben stammen aus den Mitteilungen der jeweiligen Unternehmen. Was NEURA Robotics mit seinem Humanoiden vorhat, steht in unserem Beitrag zum NEURA 4NE1. Die Zahlen für den eigenen Einsatz addieren sich nicht zwingend; Schaeffler nannte im Januar 2026 als Rahmen „mehrere hundert Humanoide“ in den nächsten fünf Jahren, die Partnermeldungen gehen teils deutlich darüber hinaus. Was tatsächlich bestellt ist, zeigt eine andere Zahl: Im dritten Quartal 2026 gewann Schaeffler zwei neue Kunden aus der Region Greater China, der globale Auftragseingang in der humanoiden Robotik stieg damit laut Konzern auf rund 400 Millionen Euro. Eine Investorenpräsentation vom Juli 2026 nennt außerdem drei Humanoide vom Typ „Digit“, die in US-Werken Material bewegen.
Wandelbots: die Software dazu
Die zweite Meldung kam am 22. Oktober von der Konferenz GTC Berlin des Chipherstellers NVIDIA. Schaeffler und Wandelbots wollen die offene Plattform „Wandelbots NOVA“ zum Standard in allen Schaeffler-Werken machen. NOVA soll Anwendungen entwerfen, digital testen und in verschiedene Werke ausrollen; die Plattform verbindet unterschiedliche Robotersysteme, ausdrücklich auch humanoide. Für virtuelle Tests kommen NVIDIAs Omniverse und Isaac Sim zum Einsatz. Ein „Skill Store“ soll Anwendungen, Modelle und Wissen bündeln, damit eine einmal entwickelte Fertigkeit in anderen Werken wiederverwendet und später auch extern angeboten werden kann. Die Lebenszykluskosten von Automatisierungslösungen sollen so um bis zu 40 Prozent sinken, in neuen wie in bestehenden Fertigungsumgebungen. Diese Zahl ist eine Erwartung der Partner, keine Messung.
Neu ist die Zusammenarbeit nicht. Im Juni 2025 zeigten Wandelbots und Schaeffler auf der GTC Paris einen in Omniverse integrierten Arbeitsablauf, bei dem ein Prozess mit weichen Materialien erst virtuell und dann physisch automatisiert wurde. In seiner eigenen Mitteilung vom 22. Oktober nennt Wandelbots ein weiteres Ergebnis: In einer robotergestützten Verpackungszelle habe die Simulation rund zwei Wochen Entwicklungszeit je Anwendung gespart. Schaeffler betreibt demnach mehrere tausend Robotersysteme. Einen Zeitplan für den weltweiten Rollout nennt keine der beiden Seiten.
Was offen bleibt
Die Mitteilung zur Fabrik nennt weder den Hersteller der sechs Humanoiden noch eine Investitionssumme, Stückzahlen oder Taktzeiten. „Serienfertigung“ beschreibt Schaeffler als Start, nicht als Volumen. Wie weit die Roboter autonom arbeiten und wie viel menschliche Aufsicht die Linie braucht, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Die Kostenersparnis von 40 Prozent durch NOVA und die verkürzten Entwicklungszeiten sind Angaben der Beteiligten. Für Leser in Deutschland ist der Zeitplan der Humanoid-Vereinbarung am konkretesten: Ab Dezember 2026 sollen radgestützte Roboter in Herzogenaurach Kisten bewegen und in Schweinfurt den Dauerbetrieb testen. Ob die in Taicang gefertigten Gelenke in diesen Robotern stecken, sagt bislang niemand.
Häufige Fragen
Wo steht die neue Schaeffler-Fabrik für Humanoide?
In Taicang in China. Schaeffler hat die „Lighthouse Factory“ am 20. Oktober 2026 eröffnet; sie umfasst rund 7.500 Quadratmeter mit Montagelinie, Trainingszentrum, digitalem Zwilling und Rechenzentrum.
Welche Roboter arbeiten in der Fabrik?
Sechs humanoide Roboter an fünf Stationen. Den Hersteller nennt Schaeffler nicht. Auf dem Pressefoto der Montagelinie trägt der Roboter den Schriftzug ROKAE; mit dem Pekinger Hersteller ROKAE Robotics hat Schaeffler im April 2026 eine Partnerschaft für Gelenkmodule geschlossen.
Was fertigt Schaeffler dort?
Gelenkmodule für humanoide Roboter, darunter lineare und rotative Aktuatoren. Die Humanoiden stellen Bauteile bereit, sortieren, fügen, prüfen, kennzeichnen und verpacken sie. Schaeffler bezeichnet die Eröffnung als Start der Serienfertigung, nennt aber keine Stückzahlen.
Was hat Wandelbots damit zu tun?
Am 22. Oktober 2026 vereinbarten Schaeffler und Wandelbots aus Dresden, die Plattform Wandelbots NOVA zum Standard in allen Schaeffler-Werken zu machen. Sie soll Roboteranwendungen, auch für Humanoide, entwickeln, mit NVIDIA Omniverse und Isaac Sim simulieren und in andere Werke übertragen. Die Partner erwarten bis zu 40 Prozent geringere Lebenszykluskosten.
Wann kommen Humanoide in deutsche Schaeffler-Werke?
Laut dem britischen Hersteller Humanoid beginnt der Rollout radgestützter Roboter im Dezember 2026 in Herzogenaurach und Schweinfurt und läuft bis Juni 2027. Bis 2032 soll eine vierstellige Zahl dieser Roboter in Schaeffler-Werken weltweit arbeiten.
Quellen
- Humanoide fertigen Humanoide: Schaeffler eröffnet Lighthouse Factory in Taicang – Schaeffler Pressemitteilung – 20.10.2026
- Humanoids making humanoids: Schaeffler opens lighthouse factory in Taicang – Schaeffler press release (englisch) – 20.10.2026
- Physical AI: Schaeffler and Wandelbots enter into technology partnership – Schaeffler Pressemitteilung – 22.10.2026
- Schaeffler Leverages Wandelbots NOVA as Its Physical AI Platform – Wandelbots – 22.10.2026
- ROKAE Robotics and Schaeffler Sign Strategic Partnership – ROKAE Robotics – 15.04.2026
- Humanoid robotics: Schaeffler expands global partner network and cooperates with Leju Robotics in China – Schaeffler – 02.03.2026
- Schaeffler and Humanoid enter strategic technology partnership – Schaeffler – 13.01.2026
- Humanoid Secures Landmark Deal with Schaeffler to Deploy Thousands of Humanoid Robots – Humanoid – 13.05.2026
- Humanoid robotics: Schaeffler enters into strategic partnership with Hexagon Robotics – Schaeffler – 22.04.2026
- Goldman Sachs APAC – Robotics Call Series (Investorenpräsentation, Folien 7, 8, 12) – Schaeffler AG – 09.07.2026
- From Simulation to Scale: Wandelbots and Schaeffler Bridge Virtual and Physical Automation with NVIDIA Omniverse – Wandelbots-Mitteilung, Wiedergabe bei RoboticsTomorrow – 11.06.2025
- Schaeffler: Humanoid robots build joint modules for humanoid robots – heise online – 20.10.2026

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 22. Oktober 2026 geprüft.
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