AgiBot gibt Datensatz für „Physical Reasoning“ frei: Roboter sollen vor dem Handeln entscheiden

Mit dem vierten Teil seines Datensatzes AGIBOT WORLD 2026 will AgiBot Robotern beibringen, je nach Lage zu entscheiden, statt feste Abläufe zu wiederholen. Die Daten liegen bei Hugging Face; die Lizenz schließt eine kommerzielle Nutzung aus.

Von Roboterwelt Redaktion5 Min. LesezeitQuellen: 8
Weißer humanoider Roboter AgiBot X2 mit gelben Füßen hebt grüßend die rechte Hand, auf der Brust ein blaues Logo mit der Aufschrift Minth Group, links ein blauer Roll-up-Banner mit drei Abbildungen des Roboters, dahinter ein vergoldeter Barockspiegel auf einer Marmorkonsole, rechts eine Hand mit einer kleinen Kamera
AgiBots Humanoider X2 auf dem Mobile World Congress 2026. Die Daten von AGIBOT WORLD 2026 stammen allerdings vom zweiarmigen Radroboter G2. Foto: JJxFile, CC BY 4.0, bearbeitet

AgiBot hat am 22. Oktober 2026 den vierten Teil seines Datensatzes AGIBOT WORLD 2026 freigegeben. Der Hersteller aus Shanghai nennt ihn „Physical Reasoning“. Erstmals gehe es nicht um die Schwierigkeit der Handgriffe, sondern um die Komplexität der Entscheidung: Ein Roboter soll dieselbe Aufgabe je nach Ausgangslage anders lösen. Die Daten liegen bei Hugging Face. Stunden oder Episodenzahlen nennt AgiBot in der Mitteilung nicht; nach unserer Zählung sind es rund 7.500 Episoden zu 18 Aufgaben. 

Was „Physical Reasoning“ hier bedeutet

AgiBot erklärt den Begriff an Beispielen. Soll ein Roboter die Minibar eines Hotelzimmers auf drei volle Flaschen auffüllen, muss er leere von vollen Flaschen unterscheiden, zählen, was schon da ist, und daraus ableiten, wie viele Flaschen er entnimmt und nachlegt. Liegt ein Schlüssel hinter einer Kiste, kann er ihn direkt greifen, wenn Platz ist; sonst muss er zuerst die Kiste wegschieben. Das Ziel bleibt gleich, der Handlungsweg ändert sich mit der Szene. Der Datensatz enthält deshalb für dieselbe Aufgabe bewusst mehrere Ausgangszustände und Ausführungszweige. 

AgiBot ordnet die Aufgaben neun Fähigkeiten zu: Auswahl nach Eigenschaften, Auswahl nach Kontext, Einschätzung, ob ein Griff machbar ist, Vorbedingungen einer Aktion, zielgerichtete Suche, Schlussfolgern über Zustand und Menge, Planung über lange Abläufe, Gedächtnis für den Aufgabenstand und die Reihenfolge von Teilaufgaben. Drei Schwierigkeitsstufen trennen einzelne Urteile von Aufgaben mit Mengenvorgaben und von Abläufen mit mehreren Teilzielen. Zu jeder Aufzeichnung gehören laut AgiBot eine Anweisung mit dem Gesamtziel, Teilaufgaben und Aktionsschritte, eine detaillierte Aktionsbeschreibung mit Zielobjekt, Greifbereich, Rolle beider Arme und Greiferzustand sowie räumliche Markierungen als Rahmen, Punkt oder Bewegungslinie. Erfolgreiche und fehlerhafte Durchläufe sind gleich gewichtet; auch das Ergebnis ist annotiert, etwa ob das richtige Objekt am richtigen Ort gelandet ist. Nach Angaben des Herstellers wurde der Datensatz bereits für ein kommendes Agenten-Framework und das nächste Basismodell von AgiBot genutzt. 

Umfang: Was bei Hugging Face liegt

Wir haben den Ordner „PhysicalReasoning“ des Datensatzes am 24. Oktober 2026 ausgezählt. Die Fassung „opensourcev4-20261001“ enthält 18 Aufgaben in 77 Teildatensätzen mit 7.470 Episodendateien. Die Aufgaben stammen aus Hotel, Gastronomie, Handel und Haushalt: Minibar und Toilettenartikel auffüllen, Zimmer reinigen (Sofa, Tisch, Bett), Tische abräumen und neu eindecken, Deckel zur passenden Essensbox finden, ein Regal am Eingang auffüllen, Waren nach Kundenwunsch oder Ernährungsvorgabe auswählen, Rührei mit Tomaten zubereiten, eine Werkzeugkiste aufräumen, Dinge je nach Wetter einpacken und Schubladen durchsuchen. Aufgezeichnet hat AgiBot mit seinem zweiarmigen Radroboter G2 (Gerätetyp „g2a“ in den Metadaten) über sieben Kamerakanäle mit 30 Bildern pro Sekunde: eine Kopfkamera, zwei Handkameras, drei Fischaugenkameras und eine Tiefenkamera. Ein Teildatensatz zum verdeckten Schlüssel umfasst 170 Episoden mit 75.828 Bildern, also gut 42 Minuten Material. Eine Gesamtstundenzahl lässt sich daraus nicht ableiten. 

Der Frage-Antwort-Teil liegt in einem Ordner „sharegpt“: Zu einzelnen Kamerabildern gehört jeweils eine Anweisung wie „Der rechte Arm schiebt die Taschentuchbox auf dem Tisch weg“ und als Antwort das Zielobjekt mit seinem Bildrahmen. Der gesamte Datensatz AGIBOT WORLD 2026 belegt bei Hugging Face rund 17,5 Terabyte, ist ohne Registrierung abrufbar und folgt dem Format LeRobot 2.1 der gleichnamigen Hugging-Face-Bibliothek. 

Die vier Teile von AGIBOT WORLD 2026

Teil 

Thema 

Mitteilung 

Umfang 

1 

Imitationslernen 

7. April 2026 

„Hunderte Stunden“ aus Gewerbe- und Serviceumgebungen (Herstellerangabe) 

2 

Rich Interaction: Kontakte, Fehlgriffe, Kollisionen 

3. Juni 2026 

keine Angabe 

3 

Reinforcement Learning 

1. September 2026 

11.430 Trajektorien aus 14 Aufgaben (Herstellerangabe) 

4 

Physical Reasoning 

22. Oktober 2026 

keine Angabe; eigene Zählung: 7.470 Episoden, 18 Aufgaben 

AgiBot hatte im April 2026 fünf Teile angekündigt; der fünfte steht noch aus. Vorläufer ist der Datensatz AgiBot World von 2025, der laut dem zugehörigen Fachaufsatz mehr als eine Million Trajektorien aus 217 Aufgaben enthält. Dass AGIBOT WORLD 2026 der erste offene Datensatz sei, der das gesamte Forschungsfeld der verkörperten KI abdecke, ist eine Aussage des Herstellers. 

Lizenz: offen für Forschung, nicht für Produkte

AgiBot spricht von „Open Source“. Die Lizenz ist aber enger: Die Datensatzbeschreibung bei Hugging Face legt fest, dass alle Daten und der Code unter CC BY-NC-SA 4.0 stehen. Nach dem Lizenztext von Creative Commons darf das Material nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden, Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz weitergegeben werden, und der Urheber ist zu nennen. Für Hochschulen und Forschungsinstitute in Europa ist der Datensatz damit nutzbar, sofern sie die 17,5 Terabyte herunterladen und verarbeiten können. Unternehmen, die daraus Modelle für eigene Produkte trainieren wollen, deckt die Lizenz nicht; ob AgiBot gesonderte Vereinbarungen anbietet, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Europäische Partner nennt AgiBot nicht. Der Hersteller hat nach eigenen Angaben im September 2026 seinen 20.000sten Roboter gefertigt. 

Häufige Fragen

Was ist AGIBOT WORLD 2026 Release 4?

Der vierte Teil des Datensatzes AGIBOT WORLD 2026, den AgiBot am 22. Oktober 2026 unter dem Namen „Physical Reasoning“ freigegeben hat. Er zeigt dieselbe Aufgabe in verschiedenen Ausgangslagen, damit Roboter lernen, je nach Situation zu entscheiden. 

Wie groß ist der Datensatz?

AgiBot nennt keine Stunden- oder Episodenzahlen. Nach unserer Zählung bei Hugging Face am 24. Oktober 2026 enthält der Ordner 7.470 Episodendateien zu 18 Aufgaben in 77 Teildatensätzen. Der gesamte Datensatz AGIBOT WORLD 2026 belegt rund 17,5 Terabyte. 

Mit welchem Roboter wurden die Daten aufgenommen?

Mit AgiBots zweiarmigem Radroboter G2, in den Metadaten als „g2a“ geführt. Aufgezeichnet wurden sieben Kamerakanäle mit 30 Bildern pro Sekunde, darunter Kopf-, Hand-, Fischaugen- und Tiefenkamera. 

Unter welcher Lizenz steht AGIBOT WORLD 2026?

Unter CC BY-NC-SA 4.0. Die Daten dürfen mit Namensnennung geteilt und bearbeitet werden, Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz stehen, und eine kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen. 

Welche Teile von AGIBOT WORLD 2026 gab es vorher?

Teil 1 zum Imitationslernen (April 2026), Teil 2 „Rich Interaction“ mit Kontakten und Fehlgriffen (Juni 2026) und Teil 3 zum Reinforcement Learning mit 11.430 Trajektorien (September 2026). Ein fünfter Teil ist angekündigt. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 24. Oktober 2026 geprüft.

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