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iRobot: Aufstieg und Fall des Roomba-Erfinders

von Roboterwelt Redaktion11. September 2026
Schwarzer Roomba-Saugroboter auf Holzboden neben seiner AutoEmpty-Station, deren Inneres als Röntgengrafik mit aufgefangenem Staub dargestellt ist
Die aktuelle Roomba-Max-Generation mit AutoEmpty-Station – das Geschäft, das iRobot einst erfunden hat.© iRobot

iRobot hat den Saugroboter massentauglich gemacht: 1990 von drei MIT-Robotikern gegründet, brachte das Unternehmen 2002 den Roomba auf den Markt und verkaufte über 50 Millionen Roboter. Doch auf den Pionier folgte der Absturz – gescheiterte Amazon-Übernahme, Massenentlassungen, Insolvenz. Seit Januar 2026 gehört iRobot dem chinesischen Auftragsfertiger Picea. 

iRobot beginnt weit weg vom Haushalt. 1990 gründeten Rodney Brooks – langjähriger Direktor des MIT-Labors für Informatik und KI –, sein Student Colin Angle und die Ingenieurin Helen Greiner in Massachusetts die Firma IS Robotics. Das erklärte Ziel: Robotik aus dem Labor in die Praxis bringen. Die ersten Kunden waren Regierung und Militär. 

Auf einen Blick

Unternehmen 

iRobot Corporation 

Gegründet 

1990 als IS Robotics 

Gründer 

Rodney Brooks, Colin Angle und Helen Greiner (MIT Artificial Intelligence Lab) 

Hauptsitz 

Bedford, Massachusetts, USA 

Eigentümer 

Shenzhen PICEA Robotics (100 Prozent, seit Januar 2026); zuvor börsennotiert an der Nasdaq (2005 bis 2025) 

CEO 

Gary Cohen 

Umsatz 

2023: 891 Millionen US-Dollar; 2024: 681,8 Millionen US-Dollar 

Verkaufte Roboter 

über 50 Millionen weltweit 

Bekannteste Produkte 

Roomba (Saugroboter), Braava (Wischroboter); historisch PackBot (Militärroboter) 

Stand 

September 2026 

Drei MIT-Robotiker und ein Insektenroboter

1991 entstand der sechsbeinige Insektenroboter Genghis für die Weltraumforschung, 1996 der Minensuchroboter Ariel, und ein DARPA-Auftrag von 1998 führte zum PackBot – jenem kettengetriebenen Militärroboter, der nach dem 11. September 2001 in den Trümmern des World Trade Center und später zu Tausenden im Irak und in Afghanistan zur Bombenentschärfung eingesetzt wurde. 

Der Roomba macht Robotik alltagstauglich

Im September 2002 wagte iRobot den Sprung ins Wohnzimmer: Der Roomba war der erste massentaugliche Saugroboter – ein Gerät ohne Kartierung, das sich mit Stoßsensoren, Absturzerkennung und Zufallsfahrmuster durch Wohnungen arbeitete. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen: Statt der geplanten 15.000 Stück verkaufte iRobot allein im ersten Weihnachtsgeschäft rund 50.000 Geräte, bis 2004 war die Millionengrenze erreicht. Der Roomba machte iRobot zum Synonym für Saugroboter – für viele Menschen war und ist er der erste Roboter, mit dem sie je zu tun hatten. 

2005 folgte der Börsengang an der Nasdaq. Das Unternehmen kaufte 2012 den Navigationsspezialisten Evolution Robotics zu und trennte sich 2016 für 45 Millionen US-Dollar von seiner Militär- und Sicherheitssparte, um sich ganz auf Haushaltsroboter zu konzentrieren – neben dem Roomba vor allem die Braava-Wischroboter. 

Wie sich die Geräte jener Jahre im Alltag schlugen, zeigt unser Test des Roomba 880 aus dem Jahr 2015. 

Die gescheiterte Amazon-Übernahme

Während iRobot den Weltmarkt lange dominierte, drängten ab Mitte der 2010er-Jahre chinesische Wettbewerber wie Ecovacs, Roborock und später Dreame mit technisch aufgerüsteten und günstigeren Geräten in den Markt. Im August 2022 schien ein Ausweg gefunden: Amazon kündigte an, iRobot für 1,7 Milliarden US-Dollar (61 Dollar je Aktie) zu übernehmen. Doch der Deal geriet ins Visier der Wettbewerbshüter. Die EU-Kommission sah die Gefahr, dass Amazon auf seinem Marktplatz konkurrierende Saugroboter-Anbieter benachteiligen könnte; auch bei der US-Handelsbehörde FTC zeichnete sich laut Medienberichten Widerstand ab. Nachdem der Kaufpreis zwischenzeitlich auf rund 1,4 Milliarden Dollar gesenkt worden war, erklärten beide Seiten die Übernahme am 29. Januar 2024 für gescheitert. 

Für iRobot war das ein Schlag mit unmittelbaren Folgen: Amazon zahlte zwar eine Abstandssumme von 94 Millionen Dollar, doch das Unternehmen kündigte noch am selben Tag die Entlassung von 350 Beschäftigten an – fast ein Drittel der Belegschaft. Mitgründer und Langzeit-CEO Colin Angle trat mit sofortiger Wirkung zurück. Die vorläufigen Zahlen für 2023 zeigten das Ausmaß der Krise: 25 Prozent Umsatzrückgang auf 891 Millionen Dollar und ein operativer Verlust von bis zu 285 Millionen Dollar; über Wasser hielt sich iRobot vor allem mit einem 200-Millionen-Dollar-Kredit der Carlyle Group. 2024 sank der Umsatz weiter auf 681,8 Millionen Dollar. 

Colin Angle im Anzug vor einer Tafelzeichnung, die den Roomba mit Patentnummern im Querschnitt zeigt
Mitgründer Colin Angle führte iRobot fast 30 Jahre lang und trat im Januar 2024 zurück. © iRobot

Insolvenz und Übernahme durch Picea

Am 14. Dezember 2025 beantragte iRobot in Delaware ein vorbereitetes Chapter-11-Verfahren – das US-Pendant zur Insolvenz in Eigenverwaltung mit Sanierungsplan. Der Plan stand von Anfang an fest: Übernahme durch Shenzhen PICEA Robotics, den langjährigen chinesischen Auftragsfertiger und zugleich besicherten Kreditgeber von iRobot. Die Nasdaq setzte den Handel der Aktie am 22. Dezember 2025 aus; die Altaktionäre gingen leer aus, ihre Aktien wurden ersatzlos annulliert. Ende Januar 2026 war das Verfahren abgeschlossen – schneller als der ursprünglich angepeilte Februar. iRobot ist seither eine private US-Tochtergesellschaft von Picea. 

Der neue Eigentümer ist kein Unbekannter: Picea zählt mit über 7.000 Beschäftigten und mehr als 20 Millionen gefertigten Saugrobotern zu den größten Auftragsfertigern der Branche und produzierte neben iRobot-Geräten unter anderem für Dyson, Shark und eufy; Entwicklung und Fertigung sitzen in China und Vietnam. Picea kündigte an, die eigene Endkundenmarke 3i einzustellen und sich auf iRobot zu konzentrieren. 

Die ersten Produkte unter neuer Eigentümerschaft

Dass es mit der Marke weitergeht, hat Picea inzwischen belegt. Anfang September 2026 stellte iRobot mit dem Roomba Max 875 Combo das nach eigenen Angaben leistungsstärkste Gerät der Firmengeschichte vor. Zwei Tage später folgte auf der IFA 2026 in Berlin der Roomba Duo – ein Prototyp mit zweiteiliger Architektur: Eine schwere Haupteinheit mit Dampfwischwalze trägt per Mechanikarm eine nur 8,35 Zentimeter flache Zweiteinheit, setzt sie unter niedrigen Möbeln ab und arbeitet mit ihr auf einer gemeinsamen Karte. Ein Verkaufstermin steht noch nicht fest. 

Bemerkenswert ist dabei, was in den Mitteilungen fehlt: Die neue Eigentümerschaft wird mit keinem Wort erwähnt. Kommuniziert wird ausschließlich über Technik und Marke. 

iRobot in Deutschland

In Deutschland war der Roomba lange der Inbegriff des Saugroboters und Dauergast in Vergleichstests. Von der einstigen Dominanz ist wenig geblieben: In der aktuellen Amazon-Bestsellerliste der Saugroboter taucht kein einziges iRobot-Modell mehr auf – die vorderen Plätze teilen sich Roborock, Mova/Dreame, Ecovacs und Amazon-Eigenmarken. Erhältlich bleiben die Geräte im gesamten deutschen Handel; der Roomba Max 715 Vac mit AutoEmpty-Station ist das jüngste Modell der Mittelklasse, der Max 705 Vac steht mit 699 Euro in der Herstellerliste. iRobot hat für die Übergangszeit zugesichert, dass bestehende Roboter und die App normal weiterlaufen. 

In unserem Preisvergleich ist iRobot bislang nicht gelistet. 

Offene Fragen

Was wird aus den Datenzusagen unter chinesischer Eigentümerschaft? Roomba-Modelle der Oberklasse kartieren Wohnungen und arbeiten teils mit Kameras. Mitgründer und Ex-CEO Colin Angle hatte stets versichert, iRobot verkaufe keine persönlichen Kundendaten und werde das auch nie tun. Mit dem Eigentümerwechsel liegt das Unternehmen nun vollständig bei einem chinesischen Konzern – ein Umstand, zu dem Mitgründer und Branchenexperten während des Verfahrens öffentlich Bedenken äußerten, gerade mit Blick auf Roboter in Millionen US-Haushalten. Ob und wie die bisherigen Datenschutzzusagen unter Picea fortgelten, ist über Absichtserklärungen hinaus offen; überprüfbare Festlegungen des neuen Eigentümers stehen aus. 

Kann die Marke zurückkommen? Picea bekennt sich zur Marke und opfert dafür sogar die eigene Marke 3i, und mit dem Max 875 Combo und dem Roomba Duo liegen die ersten Produkte der neuen Ära vor. Die Ausgangslage bleibt dennoch hart: Der Umsatz hat sich zwischen 2021 und 2024 fast halbiert, die technologische Führungsrolle liegt längst bei Roborock, Dreame und Ecovacs, und in den Bestsellerlisten ist iRobot nicht mehr vertreten. Ob die Kombination aus amerikanischer Marke und chinesischer Fertigungs- und Entwicklungskompetenz reicht, um wieder konkurrenzfähige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen zu liefern, muss sich erst am Markt zeigen – der Roomba Duo ist bislang nur ein Prototyp. 

Wie sich die Wettbewerber aufgestellt haben, die iRobot überholt haben, beschreiben unsere Porträts von Roborock und von Ecovacs. 

iRobot im Zeitraffer: Die wichtigsten Meilensteine

Jahr 

Ereignis 

1990 

Gründung als IS Robotics durch Rodney Brooks, Colin Angle und Helen Greiner 

1991 

Sechsbeiniger Forschungsroboter Genghis 

1998 

DARPA-Auftrag, aus dem der Militärroboter PackBot hervorgeht 

2002 

Marktstart des Roomba (September) – erster massentauglicher Saugroboter 

2004 

Eine Million verkaufte Roombas 

2005 

Börsengang an der Nasdaq 

2012 

Übernahme von Evolution Robotics (Navigation) 

2016 

Verkauf der Militär- und Sicherheitssparte an Arlington Capital Partners (45 Millionen US-Dollar) 

2022 

Amazon kündigt Übernahme für 1,7 Milliarden US-Dollar an (August) 

2024 

Amazon-Deal scheitert am EU-Widerstand (Januar); 31 Prozent der Belegschaft entlassen; CEO Colin Angle tritt zurück 

2025 

Chapter-11-Insolvenzantrag (14. Dezember); Nasdaq-Handel ausgesetzt (22. Dezember) 

2026 

Übernahme durch Shenzhen PICEA Robotics abgeschlossen (Januar); im September erste neue Produkte: Roomba Max 875 Combo und der IFA-Prototyp Roomba Duo 

Häufige Fragen zu iRobot

Ist iRobot pleite?

iRobot hat im Dezember 2025 ein Chapter-11-Insolvenzverfahren durchlaufen, das Ende Januar 2026 abgeschlossen wurde. Das Unternehmen besteht fort, gehört aber jetzt vollständig dem chinesischen Hersteller Picea. Die früheren Aktionäre verloren ihren Einsatz komplett. 

Wem gehört iRobot heute?

Shenzhen PICEA Robotics, einem der größten Auftragsfertiger für Saugroboter, der unter anderem für iRobot, Dyson, Shark und eufy produzierte. Picea war zuvor bereits Hauptfertiger und Kreditgeber von iRobot. 

Funktionieren bestehende Roombas weiter?

Ja. iRobot hat erklärt, dass Roboter, App und Service während und nach der Restrukturierung normal weiterlaufen; Picea will die Produktlinie fortführen. Im September 2026 sind mit dem Roomba Max 875 Combo und dem Prototyp Roomba Duo die ersten neuen Geräte unter dem neuen Eigentümer erschienen. 

Warum scheiterte die Übernahme durch Amazon?

Die EU-Kommission sah die Gefahr, dass Amazon konkurrierende Saugroboter-Anbieter auf seinem Marktplatz benachteiligen könnte; auch die US-Behörde FTC stand dem Deal laut Berichten ablehnend gegenüber. Amazon und iRobot gaben die Übernahme im Januar 2024 auf, Amazon zahlte 94 Millionen US-Dollar Abstandsgebühr. 

Wer hat den Roomba erfunden?

Der Roomba entstand bei iRobot unter maßgeblicher Beteiligung von Mitgründer Colin Angle, der das Unternehmen fast drei Jahrzehnte lang als CEO führte. Die Firma selbst geht auf drei Robotiker des MIT Artificial Intelligence Lab zurück: Rodney Brooks, Colin Angle und Helen Greiner. 

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