Sereact und Teradyne Robotics: Stuttgarter KI steuert Cobots von Universal Robots in der Retourenlogistik

Teradyne Robotics, die Mutter von Universal Robots und MiR, und das Stuttgarter Start-up Sereact haben auf der GTC Berlin eine Partnerschaft bekannt gegeben. Sereacts KI-Plattform Cortex steuert UR-Roboterarme beim Sortieren von Retouren und beim Picken; bei Zalando läuft das System bereits in Greven und im polnischen Świebodzin.

Von Roboterwelt Redaktion4 Min. LesezeitQuellen: 9
Freigestellter mobiler Manipulator auf weißem Grund: ein grauer Roboterarm von Universal Robots mit hellblauen Gelenkkappen und schwarzem Zweifingergreifer, montiert auf einem dunkelgrauen Aufbau mit Not-Aus-Taster und der Aufschrift Enabled Robotics, darunter eine flache fahrerlose MiR-Plattform mit Schachbrettmarker auf der Ladefläche
Ein UR16e-Arm von Universal Robots auf einer MiR250-Plattform, kombiniert vom dänischen Integrator Enabled Robotics. Auf der GTC Berlin steuerte Sereacts Cortex zwei UR12e-1300. Foto: Auledas, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, bearbeitet

Teradyne Robotics und Sereact haben am 21. Oktober 2026 in Berlin eine Partnerschaft angekündigt. Teradyne Robotics mit Sitz im dänischen Odense ist die Robotiksparte des US-Konzerns Teradyne und führt die Marken Universal Robots (UR, kollaborative Roboterarme) und Mobile Industrial Robots (MiR, autonome mobile Roboter). Sereact wurde 2021 in Stuttgart gegründet und entwickelt die KI-Plattform Cortex, mit der Roboter auch Objekte greifen sollen, die sie vorher nie gesehen haben. Ziel der Partnerschaft ist nach Angaben beider Firmen, KI-gesteuerte Roboter in Handel, Logistik und Fertigung schneller in den Betrieb zu bringen. 

Was die Partnerschaft umfasst

Cortex steuert Roboterarme von Universal Robots. Als Anwendungen nennen die Partner Retourenbearbeitung, Regalnachfüllung, Piece-Picking und Sortierung, Auftragseinschleusung, Maschinenbeschickung, Behälterkonsolidierung, Kitting, Verpacken und Warenhandling. Sereact betont, dass dasselbe Produktionsmodell alle diese Aufgaben abdecke, ohne für neue Artikel nachtrainiert zu werden. Beide Firmen geben an, bereits hunderte UR-Roboter in zweiarmigen Systemen bei Kunden in Europa installiert zu haben – eine Herstellerangabe ohne genaue Stückzahl. Teradyne bringt nach den Worten von Jacob Pascual Pape, im September 2026 zum Chief Commercial Officer ernannt, mehr als 100.000 industrielle Installationen der UR-Plattform ein; Sereact-Chef Ralf Gulde will über das Vertriebs- und Integratorennetz von Teradyne „ein Gehirn“ für alle Roboter zu Kunden weltweit bringen. Sereact hat im Sommer 2026 einen US-Sitz in Boston eröffnet. 

Zalando-Retouren in Greven als Referenz

Auf der GTC Berlin von NVIDIA zeigten die Partner Cortex auf zwei UR12e-1300. Die Anwendung läuft nach Angaben der Firmen bereits produktiv: In Zalandos Logistikzentren in Greven und im polnischen Świebodzin, wo CEVA Logistics die Systeme einsetzt, greifen, identifizieren und sortieren zweiarmige Roboter seit Oktober 2026 Modeartikel aus Retouren. Das Angebot läuft als Robotics-as-a-Service; Stückzahlen und Volumina nennen die Partner nicht, der Einsatz ist als erste Phase eines europaweiten Ausbaus beschrieben. Gulde verweist darauf, dass eine schnelle Wiederaufbereitung Händlern helfe, EU-Vorgaben einzuhalten, die die Vernichtung retournierter Ware verbieten; welche Vorschrift er meint, sagt die Mitteilung nicht. Zalando ist seit Juli 2026 strategischer Investor bei Sereact. Die Series B beläuft sich nach Firmenangaben auf 116 Millionen Dollar unter Führung von Headline, die Gesamtfinanzierung auf über 145 Millionen Dollar. 

Die Rolle von NVIDIA

Cortex wird laut Mitteilung in NVIDIA Isaac Sim mit Cosmos-Weltmodellen trainiert und mit Isaac Lab per Reinforcement Learning nachtrainiert, bevor es auf Teradyne-Hardware getestet wird. Im Betrieb läuft das Modell auf einem Jetson Thor direkt an der Roboterzelle; für Entwicklung, Prüfung und Modellupdates am Standort dient ein DGX Spark. Teradyne stellt simulationsfertige OpenUSD-Modelle seiner UR- und MiR-Roboter in NVIDIAs SimReady-Bibliothek auf Hugging Face bereit. Beide Mitteilungen bezeichnen Cortex als Vision-Language-Action-Modell. 

Einordnung: Deutsches Start-up, dänische Hardware

Sereact firmiert als Sereact GmbH in Stuttgart; Geschäftsführer sind die Gründer Ralf Gulde und Marc Tuscher. Als Kunden nennt die Firma neben Zalando unter anderem IKEA, DHL, Arvato, BMW, Mercedes-Benz und Daimler Truck. Im Juli 2026 sprach Sereact von über 200 Systemen in Europa und mehr als einer Milliarde Griffen auf der Plattform, die Website nennt inzwischen über 300 Einsätze – alles Firmenangaben. Was die Partnerschaft wirtschaftlich bedeutet, lassen beide Mitteilungen offen: Es gibt keine Angaben zu Exklusivität, Preisen oder Vertriebsmodell über die UR-Partner. Belegt sind die Partnerschaft selbst, die gemeinsame Demo und ein laufendes Referenzprojekt in Deutschland und Polen. Für Betreiber von Logistikzentren hierzulande ist vor allem relevant, dass die Kombination aus UR-Arm und Cortex laut Gulde über das Vertriebs- und Integratorennetz von Teradyne zu den Kunden kommen soll. 

Häufige Fragen

Was haben Sereact und Teradyne Robotics vereinbart?

Eine Partnerschaft, bekannt gegeben am 21. Oktober 2026 auf der GTC Berlin: Sereacts KI-Plattform Cortex steuert Roboterarme von Universal Robots für Aufgaben wie Retourenbearbeitung, Piece-Picking, Sortierung, Kitting und Verpacken. Zu Exklusivität, Preisen oder Vertriebsmodell machen die Firmen keine Angaben. 

Wer ist Sereact?

Ein 2021 in Stuttgart gegründetes Start-up (Sereact GmbH, Geschäftsführer Ralf Gulde und Marc Tuscher), das Software für Roboter entwickelt, die auch unbekannte Objekte greifen sollen. Die Series B beläuft sich nach Firmenangaben auf 116 Millionen US-Dollar; Zalando ist seit Juli 2026 strategischer Investor. Seit Sommer 2026 gibt es einen US-Sitz in Boston. 

Wo läuft das System bereits?

Nach Angaben von Sereact seit Oktober 2026 in Zalandos Logistikzentren in Greven und im polnischen Świebodzin, wo CEVA Logistics die Systeme einsetzt. Zweiarmige Roboter greifen, identifizieren und sortieren dort Modeartikel aus Retouren. Stückzahlen nennen die Partner nicht. 

Welche Rolle spielt NVIDIA?

Cortex wird laut Mitteilung in NVIDIA Isaac Sim mit Cosmos-Weltmodellen trainiert und mit Isaac Lab nachtrainiert. Im Betrieb läuft das Modell auf einem Jetson Thor an der Roboterzelle, Entwicklung und Updates laufen auf einem DGX Spark. Teradyne stellt simulationsfertige Modelle seiner UR- und MiR-Roboter in NVIDIAs SimReady-Bibliothek bereit. 

Was gehört zu Teradyne Robotics?

Die Robotiksparte des US-Konzerns Teradyne mit Sitz in Odense, Dänemark. Dazu gehören Universal Robots (kollaborative Roboterarme) und Mobile Industrial Robots, kurz MiR (autonome mobile Roboter). Nach eigenen Angaben hat die UR-Plattform mehr als 100.000 industrielle Installationen. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 25. Oktober 2026 geprüft.

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