Thruster T100 von Blue Robotics: Von Los Angeles nach Hawaii – und noch viel weiter

Im Bereich marine robotics passiert viel Spannendes. Doch viele Entwickler haben das Problem, bezahlbare und robuste Antriebselemente zu finden, haben Rustom Jehangir, Joe Spadola und Josh Villbrandt von Blue Robotics festgestellt. Mit ihrem Thruster T100 wollen sie das ändern.

Von Britta ZachauAktualisiert 4 Min. LesezeitQuellen: 9
Zwei Unterwasser-Thruster T100 von vorn, schwarze Düsengehäuse mit blauen Propellern und Kabel, vor weißem Hintergrund
Zwei Thruster T100 Foto: Blue Robotics

Wer, was und warum?

Die drei Robotikexperten hatten eine Idee: ein solarbetriebenes, autonomes Boot von Los Angeles nach Hawaii zu schicken. Einfach, um herauszufinden, ob es machbar ist. Bei der Arbeit für das Projekt wurde schnell klar, dass ein geeigneter Antrieb fehlt. Motoren und Düsen, die es auf dem Markt bereits gab, waren entweder nicht funktionsfähig, wenn sie über längere Zeit Salzwasser oder großem Druck ausgesetzt waren, oder sie waren viel zu teuer. Jehangir, Spadola und Villbrandt hatten den Anspruch, einen bezahlbaren, zuverlässigen und langfristig leistungsfähigen Antrieb zu entwickeln, um den Ozean zu erforschen. „Der Ozean bedeckt mehr als 70% der Erdoberfläche und ist weitestgehend unerforscht. Unser Ziel ist es, preisgünstige, qualitative Komponenten zu entwickeln, um die marine Robotik zu verbessern“, so die Gründer von Blue Robotics. 

Der Thruster T100

Der Thruster T100 wurde entwickelt. Es handelt sich dabei um einen bürstenlosen Motor, wie er beispielsweise auch in Drohnen eingesetzt wird – mit dem Unterschied, dass er speziell für den Einsatz im Meer designt wurde. Der Thruster T100 besteht aus starkem, UV-resistentem Plastik. Statt Stahllagern, die im Salzwasser rosten würden, kommen Kunststofflager zum Einsatz; alle Metallteile bestehen aus Aluminium oder rostfreiem Edelstahl. Das Wasser strömt durch alle Teile des T100, da eingebaute Ölkammern oder ähnliches keinen großen Druck, wie er in den Tiefen des Ozeans herrscht, aushalten würden. Wo andere Geräte korrodieren würden, soll der T100 den Anforderungen einer langen Reise im Meer gewachsen sein. 

Thruster T100 schräg von vorn: schwarzes Kunststoffgehäuse mit Düsenring, blauer Propeller und Kabel
Thruster T100 von Blue RoboticsFoto: Blue Robotics

101 mm ist er lang, der Düsendurchmesser beträgt 97 mm und das Gewicht 295 g. Laut der Herstellerfirma gibt es vielfältige Möglichkeiten, den T100 anzubringen. Blue Robotics wendet sich mit diesem Produkt an Hobbybastler, die sich für marine robotics interessieren, aber keine passende Hardware finden, des Weiteren an Studenten und Schulen, die den Thruster für Projekte und Wettbewerbe benutzen können, sowie an professionelle Nutzer, die nach einer preisgünstigen Alternative für bisherige Antriebsmöglichkeiten suchen. 

Die Feuertaufe für den T100: der SolarSurfer

Zwei Thruster T100 nebeneinander, wie sie im SolarSurfer eingesetzt werden sollten
zwei Thruster T100Foto: Blue Robotics

Blue Robotics selbst nutzt den T100 als Erstes für den SolarSurfer. Das Gefährt besteht aus einem Surfbrett, das mit Solarzellen, GPS, einem Mikrocontroller und zwei Thruster T100 ausgestattet ist. Rund 4000 Kilometer soll das System in drei Monaten zurücklegen und dabei von Los Angeles nach Hawaii kommen. Die Technik des SolarSurfers ist open source, sodass jeder ihn nachbauen kann. 

An finanzieller Unterstützung fehlt es nicht

Um vom Prototyp zur Produktion zu kommen, haben die Ingenieure von Blue Robotics eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Im April 2014 gewann ihr Design des T100 den Proto Labs Cool Idea! Award. Die Crowdfunding-Kampagne endete im September 2014 mit 293 % der gewünschten Fördersumme. Da das Ziel so deutlich übertroffen wurde, wird bereits am Thruster T200 gearbeitet, der rund 4,5 kg Schub liefern und als leistungsfähiger Antrieb für größere Objekte als ein Surfbrett dienen soll.
Das Projekt hat großes Potential, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Denn so unterschiedlich die Geräte für die marine robotics sind, haben sie doch eins gemeinsam: Sie brauchen einen Motor und Propeller. Der Thruster T100 besticht durch ein kompaktes Design, das sich für die unterschiedlichsten Einsätze eignet – er könnte sogar einen Menschen bei der Fortbewegung im Ozean unterstützen, träumen die Entwickler. 

Nachtrag der Redaktion (Oktober 2026)

Den T100 bietet Blue Robotics nicht mehr an; im Shop ist nur noch ein T100-Propellersatz mit dem Vermerk „End of Life“ gelistet. Der hier angekündigte T200 wurde zum Standardprodukt des Herstellers und ist inzwischen um den deutlich stärkeren T500 ergänzt worden. Zur geplanten Fahrt des SolarSurfers nach Hawaii ist es nach den öffentlichen Projektprotokollen nicht gekommen, die letzten Einträge vom Oktober 2014 bereiten einen Test von Los Angeles nach Monterey vor. Laut der University of Southern California beschäftigte Blue Robotics 2023 rund 55 Mitarbeiter und hatte mehr als 100.000 Thruster verkauft. 

Britta Zachau

Die Angaben in diesem Artikel wurden am 4. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen geprüft.

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