Quantum Systems: Testdrohne erreicht 777 km/h, Multi-Domain-Übung Forward Edge 26 beendet

Der Drohnenhersteller aus Gilching hat nach eigenen Angaben eine batterieelektrische Testdrohne auf 777 km/h gebracht und zugleich die zweiwöchige Übung „Forward Edge 26“ abgeschlossen. Beides sind Herstellerangaben: Der Rekord ist nicht offiziell, und die Übung lief ohne genannten militärischen Auftraggeber.

Von Roboterwelt Redaktion6 Min. LesezeitQuellen: 19
Hellgraue Flächendrohne Vector von Quantum Systems mit vier Rotorgondeln und rumänischer Kokarde am Heckleitwerk steht seitlich auf einer Wiese mit gelben Blüten, dahinter hohes Gras
Aufklärungsdrohne Vector von Quantum Systems bei der NATO-Übung Eastern Phoenix 2026 in Rumänien (Standbild aus einem NATO-Video). Das Bild zeigt weder den Apex Recordhunter noch die Übung Forward Edge. Die Nutzung bedeutet keine Billigung durch die NATO oder das US-Verteidigungsministerium. Foto: NATO / DVIDS

Quantum Systems aus Gilching bei München hat innerhalb weniger Tage zwei Meldungen abgesetzt. Am 20. Oktober 2026 schrieb Vertriebschef Martin Karkour auf LinkedIn, am Vortag habe das Unternehmen eine batterieelektrische Drohne mit 777 km/h geflogen, „mehr als 200 Meter pro Sekunde“. Am 22. Oktober folgte die Pressemitteilung zum Abschluss der Übung „Forward Edge 26“, bei der unbemannte Systeme in Luft, Land und See zusammenwirken sollten. Schlagzeilen wie „Abfangdrohne mit 777 km/h“ greifen zu kurz: Das schnelle Fluggerät ist nach Angaben des Herstellers ein Technologieträger und kein Produkt. 

Apex Recordhunter: Demonstrator, keine Waffe

Das Fluggerät heißt Apex Recordhunter und stammt aus der Entwicklungsabteilung N3XT, die rund ein Jahr daran gearbeitet hat. Einen ersten Wert hatte Quantum Systems im Sommer gemeldet: Bei internen Tests am 26. Juni 2026 erreichte die Drohne 699 km/h im Horizontalflug, nach Unternehmensangaben ein inoffizieller Bestwert für batterieelektrische Fluggeräte. Der Flug vom 19. Oktober legte 78 km/h drauf. 

Gegenüber dem ukrainischen Portal Militarnyi beschrieb das Unternehmen den Ablauf: In 27 Sekunden aus dem Stand auf 777 km/h, die Spitze hielt nur einen Bruchteil einer Sekunde, dann bremste der Pilot ab und landete. Als größte Hürde nennt Quantum Systems die Stabilität, weil kleine Lageabweichungen bei diesem Tempo sofort Widerstand erzeugen. Laut dem ukrainischen Portal dev.ua, das sich auf Unternehmensvertreter beruft, hätten unabhängige Fachleute den Test begleitet und die GPS-Werte seien mit dem Flugschreiber abgeglichen worden; die Batterie stamme von der Porsche-Tochter V4Smart. Reichweite, Flugdauer und Steuerung hat Quantum Systems nicht veröffentlicht. 

Ein offizieller Rekord ist das nicht, und Quantum Systems sagt das selbst. Karkour schrieb: „Ein Rekord muss in beide Richtungen geflogen werden, und erst der Rückflug macht ihn offiziell.“ Der Rückflug steht aus. Der Hersteller begründet das Projekt mit der Bedrohungslage: Russland setze strahlgetriebene Angriffsdrohnen wie die Geran-5 mit bis zu 600 km/h ein, dafür brauche es schnellere Abfangdrohnen. Die Erkenntnisse zu Antrieb, Kühlung und Aerodynamik sollen in diese Entwicklung fließen. Ob aus dem Apex selbst einmal ein Abfangsystem wird, geht aus den Angaben nicht hervor. 

Die Serien-Abfangdrohne fliegt deutlich langsamer

Die Abfangdrohne, die Quantum Systems als Produkt führt, heißt STRILA. Entwickelt hat sie das ukrainische Unternehmen WIY, das zur Quantum-Systems-Gruppe gehört; nach Herstellerangaben ist sie in der Ukraine im Einsatz. Am 4. Oktober 2026 kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz in Kyjiw an, Deutschland finanziere „mehrere Zehntausend“ Abfangdrohnen von Quantum Systems als Teil des Winter-Hilfspakets 2026/2027; gefertigt werden sie in der Ukraine. Welches Modell das ist, sagt die Mitteilung nicht: Sie spricht nur von Abfangdrohnen, die das ukrainische Team des Gemeinschaftsunternehmens Quantum WIY Industries entwickelt hat und die dort bereits im Einsatz sind. Im Juli hatte das Unternehmen neben STRILA ein zweites WIY-Modell namens SPYS genannt. Die Zahlen in der Tabelle sind Herstellerangaben. 

System 

Rolle 

Höchstgeschwindigkeit 

Status 

Apex Recordhunter 

Technologieträger (N3XT) 

777 km/h (19.10.2026, nicht offiziell) 

Demonstrator, kein Produkt 

STRILA (WIY, Quantum-Systems-Gruppe) 

Abfangdrohne, kinetischer Treffer 

415 km/h 

im Einsatz in der Ukraine (Herstellerangabe) 

Geran-5 (Russland, laut Quantum Systems) 

strahlgetriebene Angriffsdrohne 

bis 600 km/h 

im Einsatz 

STRILA laut Datenblatt 

Wert 

Maximales Abfluggewicht 

5,7 kg 

Nutzlast 

700 g 

Höchstgeschwindigkeit 

415 km/h 

Reichweite (einfach) 

34 km 

Flugzeit 

15 Minuten 

Maximale Höhe 

6.000 m 

Ein Radar weist die Drohne halbautomatisch in den Zielsektor, den Treffer steuert der Bediener per Tag- und Wärmebildkamera von Hand. Ob und wann eine schnellere Variante kommt, sagt Quantum Systems nicht. 

Forward Edge 26: Übung ohne Soldaten im Gelände

Die zweiwöchige Übung fand nach Angaben des Unternehmens auf einem Truppenübungsplatz in Mitteldeutschland statt; welcher, sagt Quantum Systems nicht. Vier Szenarien wurden gezeigt: die Verteidigung einer Stellung, bei der Aufklärungsdrohnen simulierte Angreifer entdeckten und Drohnenabwehr, Wirkmittel und unbemannte Bodenfahrzeuge sie bekämpften; der Schutz eines unbemannten Konvois mit laserbasierter Drohnenabwehr; Küsten- und Hafenschutz mit vernetzten Luft- und Seesystemen; sowie Minenverlegen und Routenräumen nach Vorbild der Einsätze in der Ukraine. Zusätzlich wurden Systeme in der Ukraine, den USA und Australien aus der Ferne gesteuert, verbunden über die hauseigene Software MOSAIC UXS. 

Als Partner nennt die Mitteilung Daimler Truck, Frontline Robotics, Ground A, Planet, Wolf Radar, Reactive Dynamics, Tencore, Volkswagen und XTEND sowie die deutsch-ukrainischen Gemeinschaftsunternehmen Quantum Frontline Industries und Quantum Tencore Industries. Co-Chef Sven Kruck sprach in der englischen Fassung der Mitteilung von der „Zukunft der Kriegsführung: leise, präzise, tödlich und orchestriert durch Software und KI“; die deutsche Fassung macht daraus die „Zukunft der Verteidigung: lautlos, präzise, schlagkräftig“. Karkour hob hervor, es sei eine „vollständig unbemannte Übung“ gewesen; unbemannte Multi-Domain-Operationen seien „heute schon möglich“. 

Was in der Mitteilung fehlt: Die Bundeswehr kommt nicht vor, ein Auftraggeber oder Kunde wird nicht genannt, von unabhängigen Beobachtern ist nicht die Rede. Es war eine Industrievorführung des Herstellers mit seinen Partnern; die Fachmedien hartpunkt, Hardthöhenkurier und Defence Network berichteten auf Grundlage derselben Mitteilung. Die Ergebnisse sollen laut Quantum Systems in Entwicklung, Integration und „operative Validierung“ einfließen. 

Einordnung: vom zivilen Drohnen-Startup zum Rüstungsunternehmen

Quantum Systems wurde im Januar 2015 gegründet, sitzt in Gilching und begann mit senkrecht startenden Flächendrohnen für Landwirtschaft und Infrastruktur. Heute nennt sich das Unternehmen „europäischer Defence-Neo-Prime“ mit mehr als 1.700 Beschäftigten in acht Ländern, davon mehrere Hundert in der Ukraine; Golem nannte Anfang Oktober nach einem Handelsblatt-Interview mit Co-Chef Florian Seibel noch rund 1.000 Beschäftigte. Im Juli 2026 meldete das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden US-Dollar, angeführt von Blackstone, Noteus, Airbus und Advent, bei einer Bewertung von rund 8 Milliarden US-Dollar nach Geldeingang. Die Aufklärungsdrohne Vector fliegt bei der ukrainischen Armee in großer Zahl. 

Für deutsche Leser bleibt festzuhalten: Die 777 km/h sind ein Testwert ohne offizielle Anerkennung, die Abfangdrohne im Produktkatalog fliegt 415 km/h, und die von Merz angekündigten Abfangdrohnen werden aus deutschen Mitteln für die Ukraine finanziert. Eine Beschaffung für die Bundeswehr geht aus den geöffneten Quellen nicht hervor. 

Häufige Fragen

Ist der Apex Recordhunter eine Abfangdrohne?

Nein. Quantum Systems bezeichnet das Fluggerät als Technologieträger seiner Entwicklungsabteilung N3XT, nicht als Produkt. Die Erkenntnisse zu Antrieb, Kühlung und Aerodynamik sollen in künftige Abfangdrohnen einfließen. 

Ist 777 km/h ein offizieller Weltrekord?

Nein. Der Wert stammt aus einem einzelnen Flug am 19. Oktober 2026 und ist eine Herstellerangabe. Vertriebschef Martin Karkour schrieb selbst, ein Rekord müsse in beide Richtungen geflogen werden; erst der Rückflug mache ihn offiziell. Dieser steht aus. 

Wie schnell ist die Abfangdrohne, die Quantum Systems tatsächlich liefert?

Die STRILA des ukrainischen Konzernunternehmens WIY kommt laut Datenblatt auf 415 km/h bei bis zu 15 Minuten Flugzeit. Deutschland finanziert nach Angaben von Quantum Systems mehrere Zehntausend in der Ukraine gefertigte Abfangdrohnen des Gemeinschaftsunternehmens Quantum WIY Industries; welches Modell das ist, nennt die Mitteilung nicht. 

Was war Forward Edge 26?

Eine zweiwöchige Übung von Quantum Systems mit elf Partnerunternehmen auf einem nicht genannten Truppenübungsplatz in Mitteldeutschland. In vier Szenarien wurden unbemannte Systeme in Luft, Land und See über die Software MOSAIC UXS koordiniert, Systeme in der Ukraine, den USA und Australien wurden ferngesteuert. Die Mitteilung zum Abschluss erschien am 22. Oktober 2026. 

War die Bundeswehr an Forward Edge 26 beteiligt?

In der Pressemitteilung von Quantum Systems kommt die Bundeswehr nicht vor, ebenso wenig ein Kunde oder Auftraggeber. Es handelte sich um eine Industrievorführung des Herstellers und seiner Partner. 

Quellen

  1. Martin Karkour (CRO Quantum Systems): „You learn fastest at the physical limit“ – LinkedIn-Beitrag – 20.10.2026
  2. Quantum Systems successfully demonstrates integrated Multi-Domain Operations at „Forward Edge 26“ – Pressemitteilung Quantum Systems – 22.10.2026
  3. Merz announces interceptor-drone package produced by Quantum Systems during Ukraine visit – Pressemitteilung Quantum Systems – 04.10.2026
  4. STRILA: Battlefield proven Counter-UAV Interceptor – Produktseite und technische Daten – Quantum Systems – abgerufen 25.10.2026
  5. About Quantum Systems (Gründung Januar 2015, Management) – Quantum Systems – abgerufen 25.10.2026
  6. Legal Notice (Sitz Gilching) – Quantum Systems – abgerufen 25.10.2026
  7. Quantum Systems Gets Interceptor Drone Up to 777 km/h – Militarnyi – 21.10.2026
  8. Quantum Systems brachte experimentelle Drohne auf 777 km/h – dev.ua – 21.10.2026
  9. Apex Recordhunter electric drone sets unofficial speed record – New Atlas – 20.10.2026
  10. The need for speed: Quantum Systems chases multiple records (699 km/h am 26.06.2026) – European Security & Defence – 06.07.2026
  11. Quantum Systems mit Hochgeschwindigkeitsdrohne auf Rekordjagd – Europäische Sicherheit & Technik – 06.07.2026
  12. Produkt: Quantum Systems baut Abfangdrohne mit 777 km/h – Golem.de – 22.10.2026
  13. Deutscher Hersteller: Quantum Systems geht mit Drohnenabfangjägern in die Serienfertigung – Golem.de – 06.10.2026
  14. Industrievorführung Forward Edge 2026 – Quantum Systems zeigt mit Partnern unbemannte Multi-Domain-Operationen – hartpunkt – 23.10.2026
  15. Quantum Systems: Kontinentübergreifende Multi-Domain-Koordination von UxS – Hardthöhenkurier – 23.10.2026
  16. Quantum Systems demonstriert Multi-Domain-Operations – Defence Network – 23.10.2026
  17. Neue Finanzierung: über 1 Milliarde Dollar für Quantum Systems (Series D, Bewertung rund 8 Mrd. US-Dollar) – Defence Network – 02.07.2026
  18. Quantum Systems Raises $1.2Bn Series D to Accelerate Multi-Domain Autonomy – sUAS News – Juli 2026
  19. Elektro-Abfangdrohne aus Deutschland bricht Geschwindigkeitsrekord (699 km/h, Batterie einer Porsche-Tochter) – WinFuture – 30.07.2026
Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 25. Oktober 2026 geprüft.

Mehr zu Militärroboter & Sicherheit

Alle 26 Beiträge
Junger US-Marine in Tarnuniform und sandfarbener Schutzweste blickt nach oben, eine weiße FPV-Videobrille mit der Aufschrift FAT SHARK auf die Stirn geschoben, ein Kabel führt an der Schläfe entlang; hinter ihm ein Tarnnetz, rechts unscharf ein weiterer MarineKurzmeldungPentagon fordert 50 Milliarden Dollar für die Massenproduktion von DrohnenUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth will rund 50 Milliarden Dollar als einmalige Sonderfinanzierung für autonome und robotische Systeme; noch in diesem Jahr sollen Hunderttausende Einwegdrohnen zur Truppe, später Millionen. Bewilligt ist das Geld nicht. Parallel holt General Atomics für seinen unbemannten Kampfjet FQ-42 eine Boeing-Tochter in die Fertigung, und der Drohnen-Marktplatz der US Army zählt inzwischen 33 Staaten.24.10.2026Olivgrüner Geländewagen auf Mercedes-G-Klasse-Basis mit Sensormast, auf dem ein sandfarbener Radarkasten und ein Kameramodul sitzen, und einer Waffenstation auf dem Dach; links ein Aufsteller mit der Aufschrift CICADA, rechts angeschnitten ein Aufsteller mit KDV, dahinter ein grüner Lkw mit Container, Birken und blauer Himmel mit KondensstreifenKurzmeldungDrohnenabwehr: Bundeswehr soll 48 GARMR-Systeme von Diehl bekommenLaut Handelsblatt will die Bundeswehr 48 mobile Drohnenabwehrsysteme GARMR von Diehl Defence beschaffen, als Zwischenlösung, bis der Skyranger 30 kommt. Einen Vertrag haben weder Diehl noch das Beschaffungsamt bestätigt; Heeresinspekteur Freuding hat das System aber öffentlich als kommende Ausrüstung genannt.23.10.2026Grauer Tarnkappenjet F-35 rollt links im Vordergrund über ein helles Betonvorfeld mit weißer und roter Bodenmarkierung, dahinter folgen zwei weitere F-35, rechts ein dunkler Bogenhangar und ein Soldat, darüber wolkenloser blauer HimmelAnalyseAbgelenkte Drohnen über dem Baltikum: Was hinter den Abstürzen in Litauen stecktAm 18. Oktober 2026 stürzte im Norden Litauens eine mutmaßliche Drohne ab, Trümmer trafen ein fahrendes Auto. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Seit 2025 landen immer wieder Drohnen aus dem Krieg in der Ukraine im Baltikum, in Polen und Finnland. Oft fällt dabei das Wort Störsender. Was belegt ist, was offen bleibt und wie solche Störungen Drohnen vom Kurs bringen.19.10.2026Schwarzes Modell eines unbemannten Kampfflugzeugs mit schlankem, spitz zulaufendem Rumpf, langen Tragflächen, schräg gestellten Leitwerken und orangefarbener Luftklappe steht hinter Absperrgittern auf einem Messegelände, links ein schwarzer Pavillon mit Helsing-Logo und BesucherFirmenporträtHelsing: Kampfdrohnen, KI-Piloten und 16 Milliarden Euro BewertungHelsing begann 2021 in München als Softwarefirma für militärische Datenauswertung. Heute baut das Unternehmen die Loitering Munition HX-2, Unterwassergleiter für die Überwachung von U-Booten und mit der übernommenen Grob Aircraft den unbemannten Kampfjet CA-1 Europa. Investoren bewerten Helsing mit 16 Milliarden Euro, die Bundeswehr hat erstmals bestellt, aus der Ukraine kamen Berichte über Probleme an der Front.18.10.2026