Die Roboterproduktion der Ukraine: Was die Zahlen belegen – und was nicht
von Roboterwelt Redaktion1. Oktober 2026
Drei Millionen Drohnen in einem Jahr, 25.143 Robotereinsätze in einem einzigen Monat, eine neu ausgerufene „Armee der Roboter“: Aus der Ukraine kommen die spektakulärsten Zahlen der Militärrobotik. Wir haben sie an den Originalquellen geprüft und sortiert, was tatsächlich gemessen wurde, was lediglich beauftragt ist und was eine Ankündigung bleibt.
Ende September 2026 stellte Mychajlo Fedorow auf der Technikkonferenz IT Arena in Lwiw ein Vorhaben vor, das er „Armee der Roboter“ nennt. Binnen sechs Monaten soll ein humanoider Roboter erstmals nachweislich an der Tötung eines russischen Soldaten beteiligt sein. Binnen zwölf Monaten soll ein Sturmangriff gelingen, bei dem keine Infanterie mitgeht. Fedorow war bis Juli dieses Jahres ukrainischer Verteidigungsminister.
Solche Sätze sind leicht zu zitieren und schwer zu prüfen. Dahinter steht allerdings eine Industrie, die es 2021 noch nicht gab und die heute nach Stückzahlen die größte ihrer Art weltweit sein dürfte. Dieser Text sortiert, was sich über sie belegen lässt – und an welchen Stellen die vielzitierten Zahlen etwas anderes bedeuten, als sie auf den ersten Blick zu sagen scheinen.
Drei Millionen Drohnen – und was die Zahl wirklich sagt
Die meistzitierte Zahl stammt vom ukrainischen Verteidigungsminister. Am 24. Dezember 2025 erklärte Denys Schmyhal, die Streitkräfte würden bis Jahresende rund drei Millionen FPV-Drohnen erhalten haben, knapp das Zweieinhalbfache des Vorjahres. 2,4 Millionen davon beschaffte die staatliche Rüstungsagentur direkt, weitere 200.000 liefen über die digitale Beschaffungsplattform DOT-Chain Defence.
FPV steht für First Person View: Der Pilot sieht über eine Videobrille, was die Kamera der Drohne sieht. Die Technik kommt aus dem Modellflug-Rennsport und kostet im zivilen Handel wenige hundert Euro – unsere Rubrik Drohnen sammelt beide Seiten dieser Entwicklung.
Das Wachstum dahinter ist der eigentliche Befund. 2022 verließen nach Angaben der Verteidigungsforscherin Lesia Bidotschko zwischen 3.000 und 5.000 FPV-Drohnen pro Jahr die ukrainischen Werkstätten. Heute arbeiten mehr als 500 Unternehmen an Drohnen, von denen 40 bis 50 den Markt bestimmen; rund 90 Prozent der FPV-Fertigung kommt aus dem Privatsektor.
Hier beginnt allerdings die Unschärfe. Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine meldete am 23. Januar 2026, die Kapazitäten der Industrie erlaubten mehr als acht Millionen FPV-Drohnen pro Jahr. Diese Zahl wird seither regelmäßig als Produktionsleistung weitergereicht. Sie ist keine. Sie beschreibt, was die vorhandenen Werkstätten herstellen könnten, wenn jemand dafür bezahlte. Tatsächlich angelaufen sind für 2026 rund 4,5 Millionen Stück, gut die Hälfte.
Auf der russischen Seite verhält es sich nicht anders. Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj nennt für 2026 einen russischen Plan von 7,3 Millionen FPV-Drohnen sowie 7,8 Millionen Gefechtsteilen, etwa 20.000 Stück pro Tag. Auch das ist ein Plan, und er wird von der Gegenseite verkündet. Wer beide Länder anhand solcher Angaben vergleicht, vergleicht Absichtserklärungen.

15.000 Bodenroboter: eine Zahl mit Vorgeschichte
Für Bodenroboter kursiert eine ähnlich prominente Zahl: 15.000 Stück im Jahr 2025. Ihre Herkunft ist aufschlussreich. Im Mai 2025 kündigte Hlib Kanewskyj, Beschaffungsdirektor im Verteidigungsministerium, an, die Ukraine werde bis Jahresende 15.000 Bodenroboter an die Truppe liefern. Das war ein Ziel, kein Ergebnis.
Bestätigt wurde es später, wenn auch indirekt. Am 6. Januar 2026 erklärte Minister Schmyhal, der Bedarf der Streitkräfte an Bodenrobotersystemen sei 2025 zu mehr als hundert Prozent gedeckt worden. Jorge Rivero vom Institute for Defense Analyses nennt im März 2026 ebenfalls 15.000 Einheiten für 2025, gegenüber 2.000 im Jahr davor. Das wäre eine Versiebenfachung binnen zwölf Monaten.
Die methodisch sauberste Erhebung stammt aus einer gemeinsamen Untersuchung der Kyiv School of Economics, der staatlichen Innovationsplattform Brave1 und der Beratung Defence Builder vom 31. März 2026. Sie beziffert keine Stückzahlen, sondern Marktvolumen:
Die drei größten Segmente der ukrainischen Verteidigungstechnik zusammen: 6,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, nach 2,8 Milliarden im Jahr 2024
Fluggeräte: 6,3 Milliarden US-Dollar
Bodenroboter: 252 Millionen US-Dollar, bei einem Produktionszuwachs von 488 Prozent
Elektronische Kampfführung: 220 Millionen US-Dollar
Investitionen und Zuschüsse für ukrainische Verteidigungs-Start-ups: rund 129 Millionen US-Dollar
Innerhalb des Bodenroboter-Segments ist die Verteilung das Interessante. Logistikroboter wuchsen um 556 Prozent und stellen 61 Prozent des Volumens, Kamikaze-Plattformen um 967 Prozent. Bewaffnete Kampfroboter – also genau die Geräte, die auf Pressefotos zu sehen sind – legten nur um 19 Prozent zu. Wie sich Geld in diesem Feld sonst noch bewegt, sammeln wir in der Rubrik Investment.
Für 2026 liegen drei verschiedene Angaben vor, und sie messen drei verschiedene Dinge. Seit Januar wurden über 22.000 Bodenroboter vertraglich beauftragt, fast doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Für das erste Halbjahr nannte das Ministerium ein Beschaffungsziel von 25.000 Stück. Präsident Selenskyj wiederum spricht von 50.000 Bodenrobotern pro Jahr. Keine dieser Zahlen ist falsch; sie sind nur nicht dasselbe.
Angabe | Wert | Stand | Was dahintersteckt |
|---|---|---|---|
FPV-Drohnen an die Truppe | rund 3 Mio. | 2025 | geliefert, Angabe des Verteidigungsministers |
FPV-Kapazität | über 8 Mio. pro Jahr | Januar 2026 | theoretisch mögliche Herstellung, nicht Produktion |
FPV-Beschaffung | rund 4,5 Mio. | 2026 | laufende Beschaffung |
Bodenroboter | rund 15.000 | 2025 | geliefert; 2024 waren es 2.000 |
Bodenroboter | über 22.000 | seit Januar 2026 | vertraglich beauftragt, nicht geliefert |
Bodenroboter | 25.000 | 1. Halbjahr 2026 | angekündigtes Beschaffungsziel |
Bodenroboter | 50.000 | pro Jahr | Produktionsziel, vom Präsidenten genannt |
Was die Roboter tatsächlich tun
Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlicht monatlich Einsatzzahlen aus dem Lagebildsystem Delta. Sie sind die verlässlichste offene Datenreihe zum Thema: 7.511 Einsätze im Januar 2026, 11.028 im April, 16.664 im Juni, 19.940 im Juli und 25.143 im August. Bis Anfang September summierte Delta rund 112.000 Einsätze für das laufende Jahr. Die Zahl der Einheiten, die Bodenroboter nutzen, stieg von 117 Ende 2025 auf 230 zur Jahresmitte.
Entscheidend ist, was dabei gezählt wird. Das Ministerium zählt ausdrücklich Logistik- und Evakuierungseinsätze. Lesia Bidotschko kommt in einer Analyse für War on the Rocks vom 2. September 2026 zum selben Bild: Etwa 19 von 20 Aufgaben ukrainischer Bodenroboter sind Nachschub und Verwundetentransport, nur rund zwei Prozent sind Kampfeinsätze.
Der Grund ist die Kill Zone, jener fünf bis dreißig Kilometer tiefe Streifen hinter der Front, in dem Drohnen praktisch jedes Fahrzeug und jeden Fußmarsch erfassen. Nachschub per Lastwagen und Verwundetentransport per Hubschrauber funktionieren dort nicht mehr. Bei Pokrowsk und Myrnohrad erledigten nach Angaben des Modern War Institute im Spätjahr 2025 bis zu 90 Prozent der Logistik unbemannte Fahrzeuge, in der 3. Sturmbrigade rund 80 Prozent. Der ukrainische Generalstab beziffert den Rückgang der eigenen Verluste durch robotische Plattformen auf bis zu 30 Prozent.
Jorge Rivero, der die Entwicklung für das Modern War Institute ausgewertet hat, fasst den Zweck so zusammen: Es gehe nicht darum, Soldaten zu ersetzen, sondern sie wann immer möglich aus den Tötungszonen herauszuhalten.

Billig im Stück, teuer im Verbrauch
Ein ukrainischer Minenräumroboter vom Typ Zmij kostet nach Angaben des Modern War Institute rund 20.000 US-Dollar, das bewaffnete System Karakurt des Herstellers IRV etwa 50.000. Gemessen an einem geschützten Fahrzeug ist das wenig. Gemessen am Verbrauch ist es viel.
Bidotschko berichtet von einer Brigade, die zwei bis fünf Bodenroboter pro Tag verliert. Bei einer Verwundetenevakuierung über 64 Kilometer wurden sechs Roboter zerstört, ehe der siebte durchkam.
Die Ursachen sind technisch und durchweg banal. Funkreichweiten wurden ursprünglich für zwei bis fünf Kilometer ausgelegt, heute sind Routen von 15 bis 20 Kilometern nötig. Russische Störsender legen die Funksteuerung lahm, und die Satellitenanbindung über Starlink liefert zeitweise nur zehn Megabit pro Sekunde – zu wenig für ein durchgehendes Videobild. Minen stoppen die Fahrzeuge, ihre Wärmesignatur verrät sie an FPV-Drohnen, und russische Drohnen sind es auch, die die meisten ukrainischen Bodenroboter zerstören.
Gegen das Stören hat sich eine bemerkenswert altmodische Antwort durchgesetzt: das Kabel. Glasfaserspulen an Bord lassen sich nicht elektronisch unterdrücken, weil zwischen Gerät und Bediener gar kein Funk mehr fließt. Bei Drohnen ist das inzwischen Standard genug, dass das Verteidigungsministerium im August 2026 eine eigene Ausschreibung dafür aufgesetzt hat; bei Bodenrobotern zählt die Glasfaser neben Funk, Starlink und Luftrelais zu den vier gebräuchlichen Übertragungswegen. Der Preis dafür ist eine feste Reichweitengrenze – so weit die Spule reicht, nicht weiter.
Vor allem aber braucht fast jedes dieser Systeme über die gesamte, oft mehrstündige Fahrt hinweg einen Menschen an der Steuerung. Autonomie ist in der Ukraine bislang ein Anspruch, kein Betriebszustand.

Von der Werkstatt zur Ausschreibung
Mehr als 200 Unternehmen arbeiten nach Angaben Fedorows an Bodenrobotern, über 40 Entwicklungen sind nach NATO-Standard kodifiziert. Der Osteuropa-Forscher Taras Kusio zählte im Januar 2026 rund 200 UGV-Modelle und stellte fest, dass 40 Firmen 99 Prozent der Produktion stemmen.
Diese Vielfalt war lange ein Vorteil und wurde zum Problem: Ersatzteile passten nicht, Steuerungen waren untereinander inkompatibel, und Werkstätten nahe der Front konnten nicht jedes Modell instand setzen. Am 25. August 2026 schrieb das Verteidigungsministerium deshalb erstmals Bodenroboter nach eigenen Spezifikationen aus. Die Systeme werden nach Reichweite und Nutzlast in Klassen eingeteilt, je Klasse gibt es vier bis fünf Lose, und kein Hersteller darf mehr als die Hälfte einer Klasse erhalten.
„Eine Ausschreibung ist dafür eines der besten Instrumente, weil wir für dasselbe Geld mehr Gerät kaufen und das Risiko von Lieferausfällen verringern, indem wir den Auftrag auf verschiedene Hersteller aufteilen“, begründete der stellvertretende Verteidigungsminister Mstyslaw Banyk das Verfahren. Drei Tage zuvor war dieselbe Vorlage auf FPV-Drohnen mit Glasfasersteuerung angewandt worden.
Das ist der eigentliche Übergang: von einer spendenfinanzierten Bastelszene zu einer Beschaffung nach Industriestandard. Es bleibt eine andere Welt als die der etablierten Rüstungskonzerne, deren Geschäft wir im Überblick über die wichtigsten Hersteller von Militärrobotern sortiert haben – dort werden einzelne Systeme über Jahre entwickelt und in Dutzenden Stück ausgeliefert.

Russland holt auf – weitgehend unsanktioniert
Die ukrainische Denkfabrik StateWatch legte im April 2026 die bislang gründlichste Bestandsaufnahme der russischen Bodenrobotik vor. Sie identifiziert 32 Modelle von mindestens 20 Herstellern; für 29 Modelle ließ sich der Produzent bestimmen, und mindestens 20 Typen sind im Gefecht gegen die Ukraine dokumentiert. Serienfertigung in nennenswertem Umfang läuft bei dreien: Kurjer, Waran und Impuls-M.
2022 gab es diese Branche praktisch nicht. Im September 2025 zählte Russland 563 Unternehmen im Bereich Servicerobotik, ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Rund 90 Prozent der verbauten Elektronik stammt aus China. Verteidigungsminister Andrej Belousow sprach im April 2025 davon, die Streitkräfte hätten im Jahr zuvor „mehrere hundert“ unbemannte Bodensysteme erhalten.
Der politisch brisanteste Befund des Berichts betrifft die Sanktionen. Von den 20 Herstellern standen im März 2026 zehn auf US-Listen, neun auf ukrainischen und drei auf EU-Listen. Die größten Serienhersteller standen auf keiner einzigen.
Militärisch liegt Russland bei Bodenrobotern weiterhin deutlich zurück. StateWatch schätzt ihren Anteil am gesamten russischen Nachschubvolumen auf 0,2 Prozent – gegenüber bis zu 90 Prozent auf ukrainischer Seite in den am härtesten umkämpften Abschnitten.
Der erste Stellungsgewinn ohne Infanterie
Am 13. April 2026, dem ukrainischen Tag des Waffenschmieds, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, erstmals sei eine feindliche Stellung ausschließlich von unbemannten Plattformen eingenommen worden – ohne Infanterie und ohne eigene Verluste. Er nannte die beteiligten Baureihen: Ratel, Termit, Ardal, Rys, Zmij, Protector und Volia. In den drei Monaten zuvor hätten ukrainische Bodenroboter mehr als 22.000 Einsätze absolviert.
Ort, Einheit und Umfang nannte er nicht. Der ukrainische Militäranalyst Iwan Stupak, früher beim Inlandsgeheimdienst SBU, ordnete das gegenüber der Moscow Times nüchtern ein: wahrscheinlich kein Durchbruch, eher die Einnahme einer kleinen, nachrangigen Stellung. Bemerkenswert sei vielmehr, was daraus folgen könne.
Im September 2026 ging das 3. Armeekorps einen Schritt weiter. Bei der Operation „Vivaldi“ nahe Lyman im nördlichen Donezk trugen schwere Bomberdrohnen Kamikaze-Bodenroboter über die russischen Linien und setzten sie dort ab. Zurückerobert wurden nach Angaben des Korps die Dörfer Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe.
Gerade hier lohnt die Unterscheidung. Das Institute for the Study of War bestätigte anhand geolokalisierter Aufnahmen, dass diese drei Dörfer den Besitzer wechselten. Die ebenfalls verbreiteten Angaben – rund 120 Quadratkilometer zurückerobert, mehr als 3.000 getötete russische Soldaten – bestätigte es nicht. Sie stammen vom Korps selbst.

Humanoide: der Praxistest fiel durch
Im Februar 2026 brachte das US-Start-up Foundation zwei humanoide Roboter vom Typ Phantom MK-1 zur Erprobung in die Ukraine, mit Unterstützung der US-Regierung. Die Aufgaben waren logistisch: Material in gefährdete Stellungen bringen und von dort abholen.
Das Ergebnis war ernüchternd. Der MK-1 trägt höchstens 20 Kilogramm, der Akku hält im aktiven Einsatz etwa vier Stunden, und regenfest ist das Gerät nicht. Der Hersteller räumt die Einschränkungen bei Wasserfestigkeit und Laufzeit öffentlich ein. Ein Nachfolger mit doppelter Nutzlast ist angekündigt; ob er die beiden anderen Mängel behebt, geht aus den veröffentlichten Daten nicht hervor.
Es ist der bislang einzige humanoide Roboter, der in einem aktiven Kampfgebiet erprobt wurde. Und genau auf diese Gattung richtet sich nun das ambitionierteste Versprechen.
Fedorows „Armee der Roboter“
Mychajlo Fedorow hat die ukrainische Drohnenbeschaffung geprägt wie kein Zweiter. Seit 2019 war er Minister für digitale Transformation und Vizepremier, vom 14. Januar bis 15. Juli 2026 Verteidigungsminister. In seine Verantwortung fallen die Beschaffungsplattform DOT-Chain Defence und das Innovationscluster Brave1. Seine Entlassung im Juli löste öffentliche Proteste aus.
Ende September 2026 stellte er auf der IT Arena in Lwiw die „Armee der Roboter“ vor. Der Zuschnitt ist bemerkenswert unstaatlich: ein Wagniskapitalfonds, mehrere Verteidigungstechnik-Firmen und eine eigene Forschungsabteilung. Für zwei bis drei Partnerunternehmen sei die Anschubfinanzierung gesichert, Namen nannte er nicht. Erster Investor seiner neuen Rüstungsfirma ist nach Angaben von Defense News Alex Karp, der Vorstandsvorsitzende von Palantir.
Drei Arbeitsrichtungen gibt Fedorow aus: Sensorik und Roboter, billigere Abfangflugkörper gegen Drohnen sowie KI-gesteuerte Angriffsdrohnen. Das Ziel formuliert er als Ökosystem – Ingenieure, Start-ups und Kapital zusammenzubringen, um humanoidähnliche Roboter auf das Gefechtsfeld zu bringen. Die Zeitmarken: sechs Monate bis zum ersten belegten Gefechtserfolg eines solchen Systems, zwölf Monate bis zum Sturmangriff ohne Infanterie. Seine Begründung für das Tempo ist knapp: Es bleibe nicht genug Zeit.
Dass praktisch alle ukrainischen Bodenroboter heute durchgehend ferngesteuert werden, meist über Starlink, räumt Fedorow selbst ein. Zwischen diesem Zustand und einem autonom geführten Sturmangriff liegen zwölf Monate Versprechen. Seit Ende August 2026 berät er zusätzlich den italienischen Verteidigungsminister Guido Crosetto.
Was Europa daraus mitnehmen kann
Der deutsche Bezug ist konkret. ARX Robotics aus München, 2022 von drei ehemaligen Bundeswehroffizieren gegründet, fertigt sein Bodenrobotersystem Gereon seit dem Sommer 2026 gemeinsam mit dem Motorenbauer DEUTZ im Werk Ulm. Die erste Lieferung ging am 29. September 2026 in die Ukraine, zwölf Wochen nach Produktionsstart.
Übertragbar ist nach Bidotschkos Analyse allerdings weniger die Hardware als das Drumherum: ein Lagebildsystem, in das sich jede Plattform einklinkt; standardisierte Bauteile, damit Reparaturen überhaupt möglich sind; und Werkstätten wenige Kilometer hinter der Front statt Instandsetzungsdepots in der Heimat. Rivero formuliert dieselbe Erkenntnis schärfer: Bodenroboter, die sich nicht nahtlos in vorhandene Drohnennetze, elektronische Kampfführung und Truppenführung einfügen, blieben mit ziemlicher Sicherheit Nischenwerkzeuge.
Und die Grenze bleibt, wo sie war. Der frühere Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj sagt, robotische Systeme nähmen bereits Personal aus der vordersten Linie und senkten die Verluste – Menschen im großen Maßstab ersetzen könnten sie nicht. Wer eine Stellung räumen und halten muss, braucht nach wie vor Infanterie. Der Analyst David Kiritschenko nennt Bodenroboter deshalb keine Wunderwaffen, sondern einen Baustein unter vielen.

Was offen bleibt
Sämtliche Produktions- und Lieferzahlen beider Seiten stammen von Kriegsparteien. Unabhängige Überprüfungen gibt es nicht.
„Beauftragt“, „geliefert“ und „produziert“ werden in der Berichterstattung regelmäßig vermischt. Die Spanne von 20.000 bis 50.000 Bodenrobotern für 2026 ist keine Messung, sondern eine Mischung aus Verträgen, Halbjahres- und Jahreszielen.
Verlustzahlen für Roboter werden nicht zentral veröffentlicht. Die Angaben einzelner Brigaden lassen sich nicht hochrechnen.
Zu russischen FPV- und Bodenroboter-Stückzahlen existieren keine unabhängig geprüften Daten; auch die 7,3 Millionen für 2026 sind eine ukrainische Lagebeurteilung.
Offen ist schließlich die rechtliche Seite: Wie weit Zielauswahl und Waffeneinsatz an Maschinen abgegeben werden dürfen, verhandeln die Vertragsstaaten des UN-Waffenübereinkommens im November 2026 in Genf.
Quellen
Kyiv Independent, 24.12.2025: Ukraine on track to receive total of 3 million FPV drones in 2025
Lesia Bidochko, Just Security, 01.06.2026: How Ukraine Became a Drone Superpower
Lesia Bidochko, War on the Rocks, 02.09.2026: Ukraine's Ground Robots and the Economics of Survival
Militarnyi, 26.02.2025: More than 200 companies in Ukraine involved in ground drone production
Meta-Defense, 28.09.2026: Fedorov lays the foundations for Ukraine's Robot Army
EuropaWire, 29.09.2026: ARX Robotics und DEUTZ liefern die ersten Gereon-Systeme in die Ukraine
Roboterwelt Redaktion