Stretch Gen 2: Boston Dynamics baut seinen Entladeroboter auf Wartung um

Boston Dynamics hat die zweite Generation seines Lkw-Entladeroboters Stretch vorgestellt. Die Änderungen zielen vor allem auf weniger Ausfallzeiten: weniger Kabel, robustere Stecker, schnellere Reparaturen. Grundlage sind nach Herstellerangaben Daten aus mehr als 100.000 Betriebsstunden.

Von Roboterwelt Redaktion4 Min. LesezeitQuellen: 3
Grafik auf dunklem Raster: drei Kisten, die mittlere rot, auf einem grauen Förderband mit Rollen, darunter der Schriftzug Industrie & Logistik und roboterwelt.de
Foto: Roboterwelt

Der US-Robotikhersteller Boston Dynamics hat am 3. November 2026 die zweite Generation seines Roboters Stretch vorgestellt. Stretch entlädt Kartons aus Lkw-Aufliegern und Containern, die lose beladen sind, also ohne Paletten. Bei Stretch Gen 2 geht es dem Hersteller vor allem darum, dass der Roboter seltener ausfällt und schneller wieder läuft. Dafür hat das Team nach eigenen Angaben Daten aus mehr als 100.000 Betriebsstunden und mehreren Dutzend Millionen entladenen Kartons der ersten Generation ausgewertet und nach den häufigsten Ursachen ungeplanter Stillstände gesucht. 

Was sich an der Hardware ändert

Ein Schwerpunkt ist die Verkabelung im Inneren. Nach Firmenangaben hat Boston Dynamics sie um 81 Prozent gekürzt, das entspricht rund 800 Metern Kabel. Damit falle die größte Quelle für sporadische elektrische Fehler und Kabelverschleiß weg. Bewegliche Kabel und komplexe Kabelbäume gibt es laut Mitteilung nicht mehr. Neue robuste Steckverbinder in Automobilqualität sollen die Vibrationen aushalten, die beim schnellen, kraftvollen Umsetzen von Kartons und beim Fahren über unebene Hallenböden entstehen. 

Neu sind auch Drehgelenke, die sich endlos über 360 Grad hinaus drehen. Bei der ersten Generation stießen Gelenke an feste Anschläge, was laut Hersteller die Mechanik belastete. Der Sauggreifer hat neue Ventile und eine genauere Sensorik. Zwei Änderungen zielen auf Fehlalarme: Der Not-Aus-Schalter sitzt tiefer und ist versenkt, und die Außenverkleidung besteht aus neuen Materialien. Ein herabfallender Karton soll so deutlich seltener einen ungewollten Sicherheitsstopp auslösen oder ein Paneel beschädigen. 

Schneller reparieren, öfter selbst

Wenn doch etwas kaputtgeht, soll die Reparatur schneller gehen. Als Beispiel nennt Boston Dynamics den Tausch des kompletten Fahrmoduls: Er dauere nun etwa eine Stunde statt eines ganzen Tages. Bauteile sollen sich modular nach dem Prinzip „Plug and Play“ wechseln lassen, einheitliche hochfeste Verbindungselemente sollen Werkzeugwechsel und Reparaturzeit sparen. Neue Diagnose- und Wartungswerkzeuge im Roboter sollen mehr Routinearbeiten in die Hände der eigenen Instandhaltung des Kunden legen, damit der Betrieb weniger auf externen Service angewiesen ist. „Mit Gen 2 haben wir uns auf die Dinge konzentriert, die Roboter in der Praxis tatsächlich lahmgelegt haben“, sagt Brian Donnelly, bei Boston Dynamics Vice President und General Manager für Logistikrobotik. 

Dazu kommt eine neu entwickelte Rechenplattform im Roboter. Regelmäßige Software-Updates sollen die Kartonerkennung, die Bewegungsplanung, die Greifstrategien und das Umgebungsmodell der ganzen Flotte verbessern, ohne dass dafür Hardware getauscht werden muss. 

Stretch (Herstellerangaben) 

Erste Generation 

Gen 2 

Vorgestellt 

29.03.2021, kaufbar seit 28.03.2022 

03.11.2026 

Akkulaufzeit 

mehr als eine Schicht, bis zu 16 Stunden mit größerem Akku (Angabe 2022) 

zwei Schichten 

Laden 

keine Angabe 

90 Prozent in etwa 75 Minuten (Schnellladegerät) 

Kartons pro Stunde 

keine Angabe 

bis zu 1.000, stark abhängig von Gewicht und Stapelung 

Kartongewicht 

bis 50 Pfund (rund 23 kg) 

keine Angabe 

Tausch des Fahrmoduls 

ein ganzer Tag 

etwa eine Stunde 

Was offen bleibt

Boston Dynamics bezeichnet Stretch als Marktführer beim robotischen Entladen mit mehr Installationen als jedes Konkurrenzprodukt. Zahlen dazu nennt die Mitteilung nicht, ebenso wenig Preis, Liefertermin, Kunden oder Märkte; ob und wann Stretch Gen 2 in Europa erhältlich ist, bleibt offen. Für die erste Generation hatte Boston Dynamics im März 2022 als frühe Kunden unter anderem DHL Supply Chain, Gap, H&M und Performance Team, eine Tochter von Maersk, genannt. 

Häufige Fragen

Was macht der Roboter Stretch von Boston Dynamics?

Stretch entlädt Kartons aus lose beladenen Lkw-Aufliegern und Containern in Lagern und Verteilzentren. Er besteht aus einer fahrbaren Basis, einem Arm und einem Sauggreifer; ein Bildverarbeitungssystem erkennt die Kartons. Boston Dynamics hat Stretch im März 2021 vorgestellt und im März 2022 in den Verkauf gebracht. 

Was ist neu an Stretch Gen 2?

Laut Boston Dynamics vor allem die Robustheit und die Wartung: 81 Prozent weniger interne Verkabelung, Steckverbinder in Automobilqualität, endlos drehende Gelenke ohne Anschläge, ein überarbeiteter Greifer, ein versenkter Not-Aus und modulare Bauteile. Der Tausch des Fahrmoduls dauert nach Herstellerangaben etwa eine Stunde statt eines Tages (Stand 3. November 2026). 

Wie viele Kartons schafft Stretch Gen 2 pro Stunde?

Boston Dynamics nennt in der Mitteilung vom 3. November 2026 bis zu 1.000 Kartons pro Stunde. Der Wert hängt nach Herstellerangaben stark vom Gewicht der Kartons ab und davon, wie ordentlich sie gestapelt sind. Der Akku reicht laut Mitteilung für zwei Schichten. 

Was kostet Stretch Gen 2 und ist er in Deutschland erhältlich?

Das ist offen. Die Mitteilung vom 3. November 2026 nennt weder Preis noch Liefertermin noch Märkte, in denen die zweite Generation angeboten wird. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in dieser Meldung wurden am 5. November 2026 geprüft. Grundlage ist die Pressemitteilung von Boston Dynamics vom 3. November 2026; die Angaben zur ersten Generation stammen aus den Mitteilungen vom 29. März 2021 und 28. März 2022. Alle technischen Angaben, Betriebsstunden, Wartungszeiten und die Aussage zur Marktführerschaft sind Herstellerangaben; unabhängig überprüfen konnten wir sie nicht. Die Längenangabe zur Verkabelung (im Original „about a half-mile“) haben wir in Meter umgerechnet, das Kartongewicht der ersten Generation (50 Pfund) in Kilogramm.

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