China hat SoftBank untersagt, das Robotikgeschäft von ABB im Land zu übernehmen. SoftBank erhielt die Mitteilung nach eigenen Angaben am 4. November 2026 vom Büro des Arbeitsmechanismus für die Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen. ABB machte das Verbot am 5. November öffentlich, SoftBank bestätigte es am 6. November. Beide Mitteilungen beziehen sich auf das Geschäft in China. Vereinbart war im Oktober 2025 aber der Verkauf der gesamten Sparte für 5,375 Milliarden US-Dollar. Beide Konzerne erklären, sie arbeiteten weiter an der Transaktion. Wie das gehen soll, sagen sie nicht.
Was vereinbart war
Am 8. Oktober 2025 gab ABB bekannt, die Robotiksparte an die SoftBank Group zu verkaufen, statt sie wie zuvor geplant als eigenes börsennotiertes Unternehmen abzuspalten. Laut SoftBank sollte ABB das Geschäft in eine neue Holding mit Sitz in Zürich ausgliedern, an der eine SoftBank-Tochter alle Anteile erwirbt. Nötig waren demnach Genehmigungen unter anderem in der EU, in China und in den USA. Die EU-Kommission genehmigte den Kauf laut der Nachrichtenagentur AWP am 12. März 2026. Die chinesische Wettbewerbsprüfung passierte der Deal laut Financial Times im Februar, danach folgte die Sicherheitsprüfung für ausländische Investitionen. Noch am 20. Oktober 2026 rechnete ABB im Quartalsbericht mit dem Abschluss im vierten Quartal.
Verkauf von ABB Robotics | Wert | Stand |
|---|---|---|
Unternehmenswert | 5,375 Mrd. US-Dollar | Vereinbarung vom 08.10.2025 |
Erwarteter Nettoerlös für ABB | rund 5,3 Mrd. US-Dollar | 08.10.2025 |
Erwarteter Buchgewinn vor Steuern | rund 2,4 Mrd. US-Dollar | 08.10.2025, erneut genannt am 20.10.2026 |
Umsatz der Sparte | 2,331 Mrd. US-Dollar | Geschäftsjahr 2025 |
Beschäftigte | rund 7.000 | 08.10.2025 |
Erwarteter Abschluss | viertes Quartal 2026 | ABB, 20.10.2026, vor dem Verbot |
Warum eine chinesische Behörde entscheidet
Weder Käufer noch Verkäufer kommen aus China. Entscheidend ist, wo das Gekaufte steht. Die chinesische Verordnung zur Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen gilt seit Januar 2021. Sie erfasst direkte und indirekte Investitionen, ausdrücklich auch den Erwerb von Anteilen oder Vermögen inländischer Unternehmen durch ausländische Investoren. Anmelden muss sich, wer in sensiblen Bereichen die tatsächliche Kontrolle über ein Unternehmen erhält, etwa ab 50 Prozent der Anteile. Zu den genannten Bereichen zählen die Fertigung wichtiger Ausrüstung, wichtige Informationstechnik und Schlüsseltechnologien. Welchen Tatbestand die Prüfer im Fall ABB herangezogen haben, ist nicht bekannt.
Das Büro sitzt bei der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die den Mechanismus gemeinsam mit dem Handelsministerium führt. Daher schreibt die Financial Times von der NDRC, während ABB und SoftBank das Büro nennen. Nach einer besonderen Prüfung kann es eine Investition freigeben, unter Auflagen freigeben oder verbieten. Ein Verbot heißt: Die Investition darf nicht umgesetzt werden.
Für ABB ist das Land kein Randmarkt. China sei der weltweit größte Robotikmarkt und auch für ABB Robotics der größte, schrieb ABB im Juli 2025. Mehr als 90 Prozent der Roboter für chinesische Kunden würden im Land gefertigt. Das Werk in Shanghai-Pudong ging laut Financial Times 2022 in Betrieb, kostete 150 Millionen Dollar und entstand mit Hilfe der Stadtregierung. Welcher Teil des Spartenumsatzes auf China entfällt, haben wir in ABBs Finanzbericht 2025 nicht gefunden.
Der Markt selbst ist groß und politisch gewollt. Nach Zahlen der International Federation of Robotics (IFR) vom September 2026 wurden 2025 in China 354.000 Industrieroboter installiert, 59 Prozent aller Installationen weltweit. 55 Prozent davon kamen von chinesischen Anbietern, die Installationen ausländischer Marken stiegen um 27 Prozent. Die IFR verweist auf Chinas nationale Robotikstrategie, die mit dem 15. Fünfjahresplan für 2026 bis 2030 aktualisiert wurde und die KI-Forschung auf physische Anwendungen ausrichten soll.
Was über die Gründe bekannt ist
Offiziell nichts. ABB und SoftBank nennen keine Gründe, eine veröffentlichte Begründung chinesischer Stellen haben wir nicht gefunden. Außenamtssprecher Guo Jiakun verwies laut Voice of America am 5. November an die zuständigen Behörden.
Was kursiert, geht auf die Financial Times zurück, die als Erste berichtete und sich auf nicht genannte Personen stützt. Wir zitieren sie nach dem Nachdruck bei Swissinfo. Danach war die NDRC besorgt, dass Robotikdaten ins Ausland gelangen und dort KI-Modelle trainieren könnten, auch solche von OpenAI, an dem SoftBank maßgeblich beteiligt ist. Die Prüfung habe ABBs Lieferketten in China genau untersucht und verlangt, einen Teil der Fertigung im Land zu halten. Geprüft worden sei auch, geistiges Eigentum in China zu halten; dafür hätten womöglich Teile des Geschäfts an chinesische Eigentümer abgespalten werden müssen. Peking sorge sich zudem, dass in China entwickelte Werte in einer Zeit erhöhter Spannungen mit Tokio an ein japanisches Unternehmen gehen. Bis zur Vorwoche rechneten Personen aus dem Umfeld von SoftBank demnach mit einer Freigabe. Welche Bedingungen förmlich gestellt waren, sei in Japan zuletzt unklar gewesen.
Der Fall steht nicht allein. Am 27. April 2026 hatte dieselbe Stelle die Übernahme des KI-Unternehmens Manus durch Meta untersagt und die Beteiligten aufgefordert, sich vom Geschäft zurückzuziehen, ebenfalls ohne Gründe zu nennen. Der Unterschied: Manus hatte chinesische Wurzeln und saß zuletzt in Singapur. Bei ABB Robotics geht es um das China-Geschäft eines Schweizer Konzerns.
Was ABB und SoftBank jetzt sagen
Beide Mitteilungen sind kurz und fast gleich formuliert. ABB bestätigte am 5. November laut der Wiedergabe bei Robotics 24/7, von SoftBank über das Verbot informiert worden zu sein, und betonte, die Genehmigungen betreibe SoftBank. Die Unternehmen stünden in engem Austausch und arbeiteten konstruktiv an der Transaktion. Zu den Folgen für den Gesamtverkauf und zu den nächsten Schritten wollte sich ABB laut Keystone-SDA nicht äußern. SoftBank schrieb am 6. November dasselbe und ergänzte, man werde offenlegungspflichtige Entscheidungen umgehend bekannt geben. Laut Financial Times versucht der Konzern zu klären, was schiefging und ob ein neuer Antrag möglich ist.
Für SoftBank-Chef Masayoshi Son war der Kauf ein strategischer Schritt. Die „nächste Grenze“ seines Konzerns sei „Physical AI“, sagte er im Oktober 2025. Am 10. November erläutert SoftBank seine Halbjahreszahlen. Das ist die nächste feste Gelegenheit für eine Aussage.
Was offen bleibt
Die wichtigste Frage: Kann der Verkauf ohne China zustande kommen? SoftBank sollte alle Anteile an der neuen Holding erwerben, ABB und SoftBank nennen als Verbot aber nur das Geschäft in China. Die Financial Times schreibt dagegen, China lasse den Kauf der Sparte nicht zu. Ob der China-Teil bei ABB bleibt, an andere Eigentümer geht oder ob die Partner den Vertrag ändern, hat keine Seite gesagt. Offen ist auch, was das für den Preis bedeuten würde.
Unklar ist ebenso, ob ein zweiter Antrag Aussicht hat. Die Verordnung erlaubt, den Investitionsplan während der Prüfung zu ändern, und sie kennt die Freigabe unter Auflagen. Einen neuen Antrag nach einem Verbot regelt sie nach unserer Lektüre nicht ausdrücklich.
Weitere Punkte sind ungeklärt. Einen neuen Zeitplan nennen beide Konzerne nicht, ABBs Erwartung vom Oktober stammt aus der Zeit vor dem Verbot. Den Stand der Genehmigung in den USA haben wir nicht gefunden. Aussagen zu Folgen für Kunden, Beschäftigte oder Standorte in Europa haben wir bisher nicht gefunden. Bis zu einem Abschluss bleibt ABB Robotics Teil von ABB; der Konzern weist die Sparte seit dem vierten Quartal 2025 als aufgegebenes Geschäft aus.
Roboter als Frage der Sicherheit
Der Fall fällt in eine Phase, in der Staaten Roboter zunehmend als Sicherheitsthema behandeln. Die US-Proklamation vom 28. Oktober 2026 begründet ihren Befund unter anderem damit, dass Roboter sensible Daten verarbeiten und speichern und solche bestimmter ausländischer Anbieter Schwachstellen schaffen könnten. Trifft der FT-Bericht zu, argumentiert China im Fall ABB spiegelbildlich: Hier ginge es um Daten aus chinesischen Fabriken, die ins Ausland abfließen könnten. Die Mittel unterscheiden sich. Die USA setzen bei Importen und Zulassungen an, China hier beim Eigentum.
Datum | Staat | Entscheidung | Genannte Begründung |
|---|---|---|---|
17.08.2016 | Deutschland | Kein förmliches Prüfverfahren zur Übernahme von KUKA durch Midea, das knapp 95 Prozent hält | Keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit |
27.04.2026 | China | Übernahme von Manus durch Meta untersagt | Keine genannt |
28.07.2026 | USA | FCC setzt im Ausland gefertigte mobile Roboter wie Humanoide und Vierbeiner auf ihre Covered List | Risiken für Lieferketten und Cybersicherheit |
28.10.2026 | USA | Proklamation stuft Importe von Robotern und Industriemaschinen als Sicherheitsrisiko ein, vorerst keine Zölle | Importabhängigkeit, Bedarf von Verteidigung und Infrastruktur, Datenrisiken |
04.11.2026 | China | Mitteilung an SoftBank: Kauf des China-Geschäfts von ABB Robotics untersagt | Keine genannt; laut FT unter anderem Sorge um Daten |
Ein Blick zurück zeigt den Abstand. 2016 ging KUKA an einen chinesischen Konzern, ohne dass Berlin ein förmliches Verfahren eröffnete. Zehn Jahre später verbietet China einem japanischen Käufer den Zugriff auf das China-Geschäft eines Schweizer Herstellers.
Häufige Fragen
Ist der Verkauf von ABB Robotics an SoftBank gescheitert?
Das ist offen. SoftBank erhielt am 4. November 2026 die Mitteilung, dass der Kauf des Robotikgeschäfts in China untersagt ist. ABB und SoftBank erklären, sie arbeiteten konstruktiv an der Transaktion. Wie es weitergeht, sagen sie nicht.
Warum darf China über einen Verkauf zwischen ABB und SoftBank entscheiden?
Weil ein Teil des Gekauften in China liegt. Die Verordnung zur Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen erfasst auch den Erwerb von Anteilen oder Vermögen inländischer Unternehmen durch ausländische Investoren. Die zuständige Stelle sitzt bei der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission und kann solche Investitionen verbieten.
Warum hat China den Kauf untersagt?
Offiziell ist das nicht bekannt. Laut Financial Times, die sich auf nicht genannte Personen stützt, war die zuständige Kommission besorgt, dass Robotikdaten ins Ausland gelangen und dort KI-Modelle trainieren. Auch der Verbleib von Fertigung und geistigem Eigentum soll eine Rolle gespielt haben.
Wie wichtig ist China für ABB Robotics?
Sehr wichtig: Es ist nach ABB-Angaben vom Juli 2025 der größte Markt der Sparte, mehr als 90 Prozent der Roboter für chinesische Kunden werden im Land gefertigt. Welcher Umsatzanteil auf China entfällt, haben wir in ABBs Finanzbericht 2025 nicht gefunden.
Quellen
- Update on Acquisition of ABB Ltd’s Robotics Business – SoftBank Group, Pressemitteilung – 06.11.2026
- Acquisition of ABB Ltd’s Robotics Business – SoftBank Group, Pressemitteilung – 08.10.2025
- ABB to divest Robotics division to SoftBank Group – ABB, Ad-hoc-Mitteilung – 08.10.2025 (PDF)
- Q3 2026 results – ABB, Zwischenbericht – 20.10.2026 (PDF)
- Financial Report 2025 – ABB (PDF)
- ABB strengthens China robotics leadership with three new robot families – ABB, Pressemitteilung – 02.07.2025 (PDF)
- 外商投资安全审查办法 (Verordnung Nr. 37 zur Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen) – NDRC und Handelsministerium, Amtsblatt des Staatsrats 2021
- Live Webcasts – Earnings Results Briefing for Q2 FY2026 – SoftBank Group, 02.10.2026
- China blocks SoftBank’s $5.4bn takeover of ABB’s robotics division – Financial Times, Nachdruck bei Swissinfo – 05.11.2026
- SoftBank’s proposed $5.4B acquisition of ABB Robotics blocked by China – Robotics 24/7 – 05.11.2026
- Chinese regulators block SoftBank’s $5.4B acquisition of ABB Robotics – The Robot Report – 05.11.2026
- China blocks sale of ABB robotics division to SoftBank – Keystone-SDA via swissinfo.ch – 05.11.2026
- ABB erhält von EU-Kommission grünes Licht für Verkauf von Roboter-Sparte – AWP via cash.ch – 12.03.2026
- 中国阻止日本软银以近54亿美元收购ABB在华机器人业务交易 – Voice of America Chinese – 06.11.2026
- China Installs 59 Percent of World’s Industrial Robots – International Federation of Robotics, Pressemitteilung – 24.09.2026 (PDF)
- China blocks Meta from acquiring AI startup Manus – Associated Press via WTOP – 27.04.2026
- Adjusting Imports of Robotics, Industrial Machinery, and Their Parts and Components into the United States – Proklamation, The White House – 28.10.2026
- FACT SHEET: FCC Updates Covered List to Include Foreign-Produced Advanced Robotic Devices and Power Inverters – FCC – 28.07.2026 (PDF)
- Gabriel macht Weg frei für Kuka-Übernahme – dpa via Volksstimme – 17.08.2016

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 6. November 2026 geprüft. Grundlage sind die Mitteilung von SoftBank vom 6. November 2026, die Mitteilungen von ABB und SoftBank vom 8. Oktober 2025, ABBs Quartalsbericht vom 20. Oktober 2026, ABBs Finanzbericht 2025, ABBs Mitteilung vom 2. Juli 2025 sowie der amtliche Text der chinesischen Verordnung zur Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen. Die ABB-Stellungnahme vom 5. November 2026 geben wir nach dem Wortlaut bei Robotics 24/7 wieder, weil die ABB-Seite beim Abruf nicht antwortete. Den Bericht der Financial Times haben wir im Nachdruck bei Swissinfo gelesen; er beruht auf nicht genannten Personen. Der Entscheidungstext der chinesischen Stelle liegt uns nicht vor. Die Einschätzung, wie die Verordnung auf den Fall anzuwenden ist, ist unsere Lesart des Textes, englische und chinesische Aussagen haben wir übersetzt. The Robot Report nennt für ABB Robotics Aufträge aus China von 928.000 und 662.000 Dollar für 2025 und 2024 sowie für das dritte Quartal 2026 ein Plus von 32 Prozent. Wir übernehmen diese Angaben nicht. In ABBs Berichten finden wir dieselben Ziffern in anderem Zusammenhang: 928 und 662 Millionen Dollar als China-Aufträge des Unternehmensbereichs Automation, zu dem die Robotiksparte nicht mehr zählt, und 32 Prozent als Auftragsplus des Konzerns in China, der die Sparte getrennt als aufgegebenes Geschäft ausweist. Zahlen allein für die Sparte in China haben wir nicht gefunden.
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