Drohnen ans Rohrpostnetz: Matternet und Swisslog wollen Kliniken verbinden

TransLogic, die Rohrpost-Sparte von Swisslog Healthcare, soll Matternets neue Lieferdrohne M3 an Krankenhäuser verkaufen, zuerst in den USA. Die Drohnen sollen Proben und Medikamente zwischen den Standorten fliegen, die Rohrpost übernimmt im Gebäude. Doch die M3 hat noch keine Zulassung, und Matternet macht bisher kaum Umsatz.

Von Roboterwelt Redaktion6 Min. LesezeitQuellen: 14
Eine Frau mit hochgestecktem Haar, roter Stoffmaske, hellblauem Laborkittel und grauen Handschuhen tippt im Labor auf den Touchscreen einer in die Wand eingebauten Rohrpoststation; auf dem Bildschirm steht „Send Empty“, daneben der Schriftzug Pevco Link, im Hintergrund unscharf Arbeitsplätze mit Monitoren
Rohrpost im Klinikalltag: Eine Mitarbeiterin im Labor des Naval Medical Center San Diego bedient im August 2020 eine Rohrpoststation. Die Anlage im Bild stammt vom Hersteller Pevco, nicht von TransLogic. Foto: Luke Cunningham, U.S. Navy, gemeinfrei, via DVIDS, seitlich ergänzt. Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Der Drohnenhersteller Matternet aus dem kalifornischen Mountain View und TransLogic, eine Tochter von Swisslog Healthcare, arbeiten künftig zusammen. Das gaben beide Unternehmen am 29. Oktober 2026 bekannt. TransLogic baut Rohrpostanlagen für Krankenhäuser. Sein Vertrieb soll nun auch Matternets Lieferdrohne M3 anbieten. Die Idee: Die Drohne fliegt Medikamente, Laborproben und dringendes Material zwischen Klinik, Labor, Apotheke und Außenstellen, im Gebäude übernimmt die Rohrpost. Im ersten Jahr wollen die Partner Klinikverbünde in Kalifornien, Florida und Arizona ausstatten. 

Was die Partner vorhaben

Bisher laufen die Transporte in Kliniken nach Darstellung der Unternehmen getrennt: Swisslog Healthcare automatisiert die Wege im Gebäude mit Rohrpost, Apothekenautomaten und Probenverfolgung, Matternet die Wege zwischen den Gebäuden durch die Luft. Beides soll nun ein Netz werden. „Seit Jahren automatisieren Krankenhäuser, was innerhalb ihrer Mauern passiert. Diese Partnerschaft dehnt die Automatisierung auf alles außerhalb aus“, sagt Cory Kwarta, Chef von Swisslog Healthcare. Matternet-Gründer und -Chef Andreas Raptopoulos beschreibt einen möglichen Ablauf: Eine Laborprobe könnte per Drohne von einer entfernten Praxis zum Zentrallabor fliegen und dann per Rohrpost durch das Krankenhaus an ihr Ziel gelangen. 

Die Anlagen von Swisslog Healthcare laufen nach Unternehmensangaben vom Oktober 2026 in mehr als 2.300 Krankenhäusern in Nordamerika, darunter 18 der 20 führenden US-Kliniken, und in mehr als 3.000 Krankenhäusern weltweit. In diesen Kundenstamm soll der TransLogic-Vertrieb die M3 verkaufen. Außerdem wollen die Partner prüfen, ob sie die Zusammenarbeit auf Installation, Betreuung und Wartung ausweiten; der Außendienst von Swisslog Healthcare würde dann die Matternet-Anlagen an den Kliniken installieren. Eine konkrete Klinik, einen Preis oder eine Zahl bestellter Systeme nennt die Mitteilung nicht. Die 2.300 Häuser sind also mögliche Kunden, keine Aufträge. 

Swisslog Healthcare gehört zum Roboterhersteller KUKA. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 1.000 Menschen. TransLogic fertigt seine Anlagen nach eigenen Angaben in den USA. 

Die M3 muss erst noch zugelassen werden

Matternet hat die M3 am 28. September 2026 vorgestellt. Der kommerzielle Betrieb soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen. Das System besteht aus drei Teilen: der Drohne, einer Station, in der sie zwischen den Flügen steht und lädt, und einer Abgabebox für Sendungen. Die Station kann auf dem Dach oder am Boden stehen. Wer etwas verschickt, legt es in die Box, den Rest soll das System ohne Personal vor Ort erledigen. Als erste Partner nannte Matternet die Restaurantkette Dave’s Hot Chicken in den USA und das britische Unternehmen Apian. 

Matternet M2 und M3 (Herstellerangaben) 

M2 

M3 

Status 

im Einsatz, unter anderem für Kliniken 

vorgestellt am 28.09.2026, kommerzieller Betrieb ab 2. Halbjahr 2027 geplant 

Musterzulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA 

ja, seit September 2022 

keine genannt 

Nutzlast 

in den Mitteilungen nicht genannt 

bis 11 Pfund (rund 5 kg), Zielwert 

Einsatzradius 

in den Mitteilungen nicht genannt 

10 Meilen (rund 16 km), Zielwert 

Bodenstation 

Matternet Station 

M3 Dock (Dach oder Boden) und Abgabebox M3 Portal 

Eine Musterzulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA hat bisher nur das Vorgängermodell M2. Matternet meldete sie im September 2022 und bezeichnet die M2 als erste nichtmilitärische unbemannte Maschine mit einer solchen Zulassung in den USA. Für die M3 nennt Matternet keine Zulassung. In den Risikohinweisen der Mitteilung vom 29. Oktober nennt das Unternehmen selbst das Risiko, Entwicklung, Tests und Zulassung der M3 nicht abschließen zu können. Im Federal Register, dem US-Amtsblatt, fand sich bei unserer Abfrage am 6. November 2026 kein Eintrag zur M3. Bei der M2 veröffentlichte die FAA dort am 20. November 2020 den Entwurf der Lufttüchtigkeitskriterien und am 25. Februar 2022 die endgültige Fassung; vom Entwurf bis zur Zulassung vergingen rund 22 Monate. Ob die M3 denselben Weg nimmt, sagen die ausgewerteten Unterlagen nicht. Welche Drohne die ersten Kliniken im ersten Partnerschaftsjahr tatsächlich bekommen, sagt die Mitteilung ebenfalls nicht. Für die Zusammenarbeit nennt sie nur die M3. 

Wie viel Geschäft Matternet heute macht

Matternet wurde im Mai 2026 durch eine Fusion zum berichtspflichtigen Unternehmen, seit dem 21. September wird die Aktie am US-Freiverkehrsmarkt OTCQB gehandelt. Der Bericht für das Quartal bis 30. Juni 2026, eingereicht am 19. August, zeigt ein kleines Unternehmen: Im Quartal setzte Matternet 121.439 US-Dollar um, in den neun Monaten seit Oktober 2025 insgesamt 255.564 Dollar. Davon kamen 204.125 Dollar aus den USA und 51.439 Dollar aus Großbritannien. Ein einzelner Kunde stand für rund 80 Prozent des Neunmonatsumsatzes. Im selben Zeitraum verlor Matternet 15,1 Millionen Dollar. Ende Juni lagen 23,1 Millionen Dollar in der Kasse. Neuere Geschäftszahlen hatte Matternet bis zum 6. November 2026 nicht vorgelegt. 

Das reicht nach dem eigenen Geschäftsplan nicht lange. Weil die Ausgaben für die nächste Plattform und den kommerziellen Ausbau deutlich steigen sollen, rechnet Matternet damit, dass das Geld innerhalb von zwölf Monaten nach Erscheinen des Berichts aufgebraucht ist. Das Unternehmen sieht deshalb „erhebliche Zweifel“ an seiner Fähigkeit, den Betrieb fortzuführen, und will sich neues Geld über Kredite oder Aktien beschaffen. Für gewerbliche Flüge in den USA ist Matternet auf Partner angewiesen: Laut Bericht hat es keine eigene Betriebsgenehmigung nach Part 135. Geflogen wird mit Betreibern wie UPS Flight Forward und Ameriflight, im Juli 2026 kam Beeline UAS hinzu. Einige Kundenprogramme hängen an einem einzigen Betreiber. 

Und in Europa?

In Europa fliegt Matternet nach eigenen Angaben seit 2017 für das Gesundheitswesen, zuerst in der Schweiz. Aus der Schweiz kam in den neun Monaten bis Juni 2026 allerdings kein Umsatz mehr, im Vorjahreszeitraum waren es 61.839 Dollar. Neu ist seit 2026 London: Zusammen mit Apian, einem von Ärzten des britischen Gesundheitsdienstes NHS gegründeten Logistik-Start-up, betreibt Matternet dort ein Drohnennetz mit Genehmigung der britischen Luftfahrtbehörde CAA. Am 20. Oktober 2026 meldete Matternet den Start am Great Ormond Street Hospital, einer Kinderklinik: Die Drohnen fliegen dringende Pathologieproben zu nahe gelegenen Laboren von The Doctors Laboratory. Matternet zufolge verkürzt das dringende Lieferzeiten um bis zu 90 Prozent. Projekte in Deutschland nennen die ausgewerteten Mitteilungen nicht. Die Mitteilung mit TransLogic stellt Nordamerika in den Vordergrund, die ersten Einsätze sind in den USA geplant. Als Vertriebskanal nennt sie aber den weltweiten Kundenstamm von mehr als 3.000 Krankenhäusern. Ob und wann das Europa einschließt, sagt sie nicht. 

Häufige Fragen

Was planen Matternet und Swisslog Healthcare?

TransLogic, die Rohrpost-Sparte von Swisslog Healthcare, soll Matternets Lieferdrohne M3 an seine Krankenhauskunden verkaufen. Die Drohne soll Proben, Medikamente und dringendes Material zwischen Klinikstandorten fliegen, im Gebäude übernimmt die Rohrpost. Bekannt gegeben wurde die Partnerschaft am 29. Oktober 2026. 

Wo sollen die ersten Krankenhaus-Drohnen fliegen?

Im ersten Jahr der Partnerschaft wollen die Unternehmen Klinikverbünde in Kalifornien, Florida und Arizona ausstatten. Konkrete Kliniken, Preise oder Bestellungen nennen sie nicht. 

Ist die Drohne M3 schon zugelassen?

Nein. Eine Musterzulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA hat nur das Vorgängermodell M2, seit September 2022. Für die M3 nennt Matternet keine Zulassung; der kommerzielle Betrieb soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen (Stand 28. September 2026). 

Wie steht Matternet wirtschaftlich da?

Laut Quartalsbericht setzte Matternet in den neun Monaten bis 30. Juni 2026 rund 256.000 US-Dollar um und verlor 15,1 Millionen Dollar. Nach dem Plan vom August 2026 ist das Geld innerhalb von zwölf Monaten aufgebraucht. Das Unternehmen sieht erhebliche Zweifel an seiner Fortführung und sucht neues Kapital. 

Gibt es Krankenhaus-Drohnen von Matternet in Europa?

Ja, in London. Zusammen mit dem Start-up Apian fliegt Matternet für den britischen Gesundheitsdienst NHS, am 20. Oktober 2026 meldete es auch den Start am Great Ormond Street Hospital. Projekte in Deutschland nennen die Mitteilungen nicht. 

Quellen

  1. Matternet Partners with Swisslog Healthcare's TransLogic to Bring Drone Delivery to Thousands of North American Hospitals – Matternet und TransLogic, Pressemitteilung via GlobeNewswire – 29.10.2026
  2. Matternet Expands NHS Drone Delivery Network to Great Ormond Street Hospital – Matternet, Pressemitteilung – 20.10.2026
  3. Matternet Unveils M3, Its Next-Generation Autonomous Drone Delivery Platform – Matternet, Pressemitteilung – 28.09.2026
  4. Matternet, The World's Only FAA Type-Certified Drone Delivery Platform, Begins Trading on the OTCQB Venture Market – Matternet, Pressemitteilung – 21.09.2026
  5. Matternet Expands Part 135 Operator Network to Accelerate U.S. Drone Delivery Growth – Matternet, Pressemitteilung – 15.07.2026
  6. Matternet M2 Drone Delivery System First to Achieve FAA Type Certification – Matternet, Pressemitteilung – 07.09.2022
  7. Matternet Unveils the Matternet Station – Matternet, Pressemitteilung – 20.09.2017
  8. Matternet, Inc., Form 10-Q für das Quartal bis 30.06.2026 – eingereicht 19.08.2026 (Investorenseite)
  9. Matternet, Inc., Liste der SEC-Einreichungen (Investorenseite, abgerufen 06.11.2026)
  10. Airworthiness Criteria: Special Class Airworthiness Criteria for the Matternet, Inc. M2 – FAA, Federal Register (Entwurf) – 20.11.2020
  11. Airworthiness Criteria: Special Class Airworthiness Criteria for the Matternet, Inc. M2 Unmanned Aircraft – FAA, Federal Register (endgültige Fassung) – 25.02.2022
  12. Federal Register, Volltextsuche „Matternet“ (abgefragt 06.11.2026)
  13. Corporate structure – KUKA (Unternehmensseite, abgerufen 06.11.2026)
  14. Swisslog Healthcare – Unternehmensseite (abgerufen 06.11.2026)
Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 6. November 2026 geprüft. Grundlage sind die Pressemitteilungen von Matternet vom 29. Oktober 2026 (gemeinsam mit TransLogic), vom 20. Oktober 2026 (Great Ormond Street Hospital), vom 28. September 2026 (M3), vom 21. September 2026 (OTCQB), vom 15. Juli 2026 (Beeline UAS), vom 7. September 2022 (FAA-Musterzulassung der M2) und vom 20. September 2017 (Schweiz), der Quartalsbericht (Form 10-Q) von Matternet für das Quartal bis 30. Juni 2026, eingereicht am 19. August 2026 und abgerufen über die Investorenseite des Unternehmens, die Liste der dort veröffentlichten Einreichungen, die Einträge im Federal Register zur M2 sowie die Unternehmensseiten von KUKA und Swisslog Healthcare. Die Aussage, dass das Federal Register keinen Eintrag zur M3 enthält, beruht auf unserer eigenen Abfrage vom 6. November 2026. Angaben zu Kundenzahlen, Nutzlast, Reichweite, Zeitplänen und Lieferzeitverkürzungen sind Herstellerangaben, die wir nicht unabhängig überprüfen konnten. Welche Kliniken teilnehmen und was das System kostet, haben die Unternehmen nicht mitgeteilt.

Mehr zu Medizin & Pflege

Alle 18 Beiträge
Eine weiße Roboterhand mit Stoffbezug und ein weißer Raumanzug-Handschuh strecken sich vor dunklem, blaugrün marmoriertem Hintergrund einander entgegen, die Fingerspitzen berühren sich fastKurzmeldungeLuminator: Elektronische Haut aus Singapur zeigt Druck als LeuchtbildForscher der National University of Singapore haben eine 70 Mikrometer dünne elektronische Haut entwickelt, die dort aufleuchtet, wo sie gedrückt wird – je fester, desto heller. Sie löst Details bis 30 Mikrometer auf, genug für die Rillen eines Fingerabdrucks. Erprobt wurde sie an einem chirurgischen Greifer und an einem Fußmodell, nicht an einem Roboter.31.10.2026Operationssaal mit drei Personen in blauer OP-Kleidung, im Vordergrund weiße, in Folie gehüllte Roboterarme mit der Aufschrift Versius über dem abgedeckten Patienten, oben Monitore mit dem Bild aus dem BauchraumAnalyseChirurgieroboter nach da Vinci: Wer Intuitive herausfordertMehr als 11.700 Da-Vinci-Systeme stehen weltweit in Kliniken. Inzwischen haben Medtronic, Johnson & Johnson, mehrere europäische Spezialisten und chinesische Hersteller eigene Operationsroboter zugelassen. Ein Überblick über Zulassungen, belegte Einsatzorte in Deutschland, Geschäftsmodelle und den Stand der Telechirurgie.08.10.2026Drei Produkte von Wandercraft nebeneinander: eine Frau im Klinik-Exoskelett Atalante X mit Techniker, eine Frau im persönlichen Exoskelett Eve mit Begleitperson und der zweibeinige Industrieroboter Calvin-40FirmenporträtWandercraft: Vom Exoskelett für die Klinik zum Roboter in der FabrikDrei Absolventen der École Polytechnique wollten 2012 einen Roboter bauen, der gelähmte Menschen wieder gehen lässt. Vierzehn Jahre später steht ihr Exoskelett in über 150 Kliniken, ein zweites Modell wird in den USA nach Hause geliefert – und dieselbe Technik trägt inzwischen Reifen durch ein Renault-Werk. Ein Porträt mit Zahlen, Belegen und offenen Fragen.27.09.2026Eine junge Frau steht aufrecht im schwarzen Exoskelett Eve und streckt den rechten Arm nach oben, hinter ihr steht eine BegleitpersonKurzmeldungFDA gibt selbstbalancierendes Exoskelett Eve für zu Hause freiEve hält sich selbst im Gleichgewicht – ohne Krücken, ohne Rollator. Die US-Behörde FDA hat das Exoskelett des Pariser Unternehmens Wandercraft freigegeben, seit dem 17. September 2026 wird es in den USA verkauft. Was das Gerät kann, was die Studie dahinter wirklich zeigt und warum es in Deutschland noch nicht zu haben ist.27.09.2026