Abgelenkte Drohnen über dem Baltikum: Was hinter den Abstürzen in Litauen steckt

Am 18. Oktober 2026 stürzte im Norden Litauens eine mutmaßliche Drohne ab, Trümmer trafen ein fahrendes Auto. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Seit 2025 landen immer wieder Drohnen aus dem Krieg in der Ukraine im Baltikum, in Polen und Finnland. Oft fällt dabei das Wort Störsender. Was belegt ist, was offen bleibt und wie solche Störungen Drohnen vom Kurs bringen.

Von Roboterwelt Redaktion12 Min. LesezeitQuellen: 33
Grauer Tarnkappenjet F-35 rollt links im Vordergrund über ein helles Betonvorfeld mit weißer und roter Bodenmarkierung, dahinter folgen zwei weitere F-35, rechts ein dunkler Bogenhangar und ein Soldat, darüber wolkenloser blauer Himmel
US-amerikanische F-35 bei der Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Šiauliai in Litauen im Februar 2022. Von Šiauliai aus stiegen 2026 mehrfach NATO-Jets gegen Drohnen auf. Foto: Senior Airman John R. Wright, U.S. Air Force (gemeinfrei), seitlich ergänzt. Die Verwendung von Bildmaterial des US-Verteidigungsministeriums bedeutet keine Billigung durch das Ministerium.

Am Morgen des 18. Oktober 2026 stürzte im Norden Litauens ein Flugobjekt ab, vermutlich eine Drohne. Trümmer trafen ein fahrendes Auto, verletzt wurde niemand. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ein: Seit dem Sommer 2025 sind wiederholt Drohnen aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine im Luftraum der baltischen Staaten, Polens und Finnlands aufgetaucht. Als mögliche Ursache nennen Regierungen und Streitkräfte immer wieder elektronische Kampfführung, also Störsender, die Funk- und Navigationssignale stören oder fälschen. 

Dieser Text trennt, was zum Vorfall vom 18. Oktober belegt ist und was offen bleibt. Er ordnet ihn in die früheren Fälle ein, erklärt, wie Störsender Drohnen ablenken können, und zeigt, wie die Staaten der Region reagieren. 

Was am 18. Oktober passiert ist

Laut dem lettischen Rundfunk LSM wurde das Objekt zwischen 6 und 8 Uhr im litauischen Luftraum geortet. Nachdem es vom Radar verschwunden war, suchte die Armee nahe dem Dorf Juodžionys nach Trümmern. Teile fielen auf eine Landstraße zwischen Biržai und Pasvalys und trafen ein fahrendes Privatauto, dessen Tür eingedellt wurde. Der Fahrer hörte eine Explosion. Premierminister Mindaugas Sinkevičius sagte: „Offensichtlich hat es irgendeine Explosion gegeben.“ 

Bewohner im Zentrum und im Norden Litauens wurden aufgefordert, für etwa eine Stunde Schutz zu suchen. Während des Alarms war der Flughafen Kaunas zeitweise geschlossen. Lettland gab für die Grenzregionen Bauska, Aizkraukle und Ogre laut LSM von 7.40 bis 8.12 Uhr eine Warnung heraus. 

Unter NATO-Kommando stiegen zwei italienische Eurofighter auf. Wegen der Bewölkung konnten die Piloten das Objekt nicht identifizieren und versuchten keinen Abschuss. Die lettischen Streitkräfte teilten mit, die Jets hätten die mutmaßliche Drohne nicht abgeschossen, sie habe sich möglicherweise selbst gesprengt. Präsident Nausėda schrieb auf X, eine mutmaßliche Drohne sei über dem Norden des Landes explodiert, und Russlands Krieg greife auf die Ostflanke von NATO und EU über. 

Vieles ist dagegen offen oder umstritten: 

Frage 

Was gesagt wurde 

Stand 

Woher kam das Objekt? 

Verteidigungsminister Robertas Kaunas: Es sei nach vorläufiger Einschätzung aus Polen eingeflogen. Er bat seinen polnischen Amtskollegen um eine gemeinsame Untersuchung. 

Umstritten: Ein Sprecher des polnischen Verteidigungsministeriums sagte, die Radarsysteme hätten keinen Grenzübertritt nach Litauen bestätigt. 

Wessen Drohne war es? 

Vilmantas Vitkauskas, Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums, im Radiosender LRT: höchstwahrscheinlich eine ukrainische Drohne, möglicherweise von Angriffen auf das Gebiet St. Petersburg. 

Offiziell nicht bestätigt. Der Typ ist unbekannt. 

Warum wich sie vom Kurs ab? 

Nur Kyjiw: Laut Heorhij Tychyj, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, lenkte russische elektronische Kampfführung Drohnen bei einer Operation gegen „legitime militärische Ziele in Russland“ ab. Die Ukraine entschuldigte sich für Störungen, Risiken und Sorgen. 

Eine eigene Bewertung litauischer Behörden zur Ursache lag bis Redaktionsschluss nicht vor. 

Trug sie Sprengstoff? 

Sinkevičius laut LSM: unklar. Geprüft werde, ob die Drohne in der Luft oder beim Aufprall, etwa an einem Baum, explodierte. 

Offen. 

Warum kamen Warnungen spät? 

Kaunas nannte es „seltsam und inakzeptabel“, dass nur der Norden Litauens gewarnt worden sei. Mit der Feuerwehr will er prüfen, warum Warnungen nicht rechtzeitig kamen. 

Prüfung angekündigt. 

Kein Einzelfall: die Vorfälle seit 2025

Die Tabelle zeigt eine Auswahl von Vorfällen im Baltikum, in Polen und Finnland, die sich anhand von Medienberichten und Behördenangaben nachvollziehen lassen. Sie ist nicht vollständig. In der letzten Spalte steht, wer welche Ursache genannt hat. Mit EK ist elektronische Kampfführung gemeint. 

Datum 

Ort 

Was geschah 

Genannte Ursache 

10.07.2025 

Litauen, Einflug aus Belarus 

Russische Drohne vom Typ Gerbera 

Militärvertreter laut LRT: vermutlich von ukrainischer EK umgelenkt, als Russland die Ukraine mit Drohnen angriff; andere Erklärungen nicht ausgeschlossen 

Ende Juli 2025, gefunden am 1.8. 

Truppenübungsplatz Gaižiūnai, Bezirk Jonava 

Drohne aus Belarus mit rund 2 kg Sprengstoff, vor Ort entschärft; laut Generalstaatsanwältin vermutlich ebenfalls eine Gerbera 

Wie oben, nicht abschließend geklärt 

9./10.09.2025 

Polen 

Massiver Einflug russischer Drohnen, erstmals NATO-Jets im Einsatz 

Belarus: Kursverlust durch die EK „der Seiten“; diese Darstellung ist umstritten 

23.03.2026 

Lavysas-See, Bezirk Varėna 

Ukrainische Drohne stürzte in den See und explodierte; sie flog unter rund 300 Metern und wurde weder von Litauen noch von Belarus geortet 

Verteidigungsminister Kaunas: sehr wahrscheinlich eine ukrainische Drohne, von EK beeinflusst 

25.03.2026 

Auvere (Estland), Krāslava (Lettland) 

Drohne traf den Schornstein des Kraftwerks Auvere, keine Verletzten; eine zweite detonierte in Lettland 

Lettische Streitkräfte: wahrscheinlich vom Kurs abgekommen oder durch elektromagnetische Kampfführung beeinflusst 

29.03.2026 

Bei Kouvola (Finnland) 

Zwei Drohnen abgestürzt, eine als ukrainische AN-196 identifiziert; Kampfjets stiegen auf, schossen aber nicht 

Premier Petteri Orpo verwies auf sehr starke russische Störfähigkeiten; die Ukraine entschuldigte sich und nannte russische EK 

07.05.2026 

Rēzekne und Viļāni (Lettland) 

Zwei Drohnen aus Russland, eine stürzte auf ein Öllager; Schulen wurden geschlossen 

Ukrainischer Außenminister Andrij Sybiha: von russischer EK bewusst umgelenkt; lettische Stellen schlossen eine russische Provokation nicht aus 

17.05.2026 

Samanė, Bezirk Utena 

Militärdrohne auf einem Feld, vom Militärradar nicht erfasst 

Litauisches Verteidigungsministerium am 27.05.: wie in Varėna ukrainisch, wahrscheinlichste Ursache russische EK, andere Ursachen werden geprüft 

19.05.2026 

Võrtsjärv-See (Estland) 

Rumänische F-16 aus Šiauliai schoss die Drohne ab 

Estnische Streitkräfte: Vorfall unter starker russischer EK einschließlich GPS-Spoofing und -Jamming; der ukrainische Verteidigungsminister entschuldigte sich 

08.06.2026 

Ostlettland 

Französische Jets aus Šiauliai schossen eine Drohne ab 

In der Meldung keine Ursache genannt 

14.08.2026 

Lettland 

Ein italienischer Eurofighter schoss eine Drohne ab 

Lettisches Verteidigungsministerium: Einflug infolge russischer elektromagnetischer Kampfführung 

15.09.2026 

Bezirk Kaišiadorys, nahe dem Pumpspeicherwerk Kruonis 

Italienische Jets aus Šiauliai schossen eine russische Gerbera ab 

Präsident Nausėda: für die Ukraine bestimmt, von ukrainischer EK vom Kurs abgebracht 

18.10.2026 

Bezirk Pasvalys 

Mutmaßliche Drohne explodiert, Trümmer treffen ein Auto 

Nur Kyjiw: russische EK 

Auffällig ist, dass die Ablenkung in beide Richtungen beschrieben wird. Russische Gerbera-Drohnen sollen nach litauischen Angaben von ukrainischer EK nach Litauen gelenkt worden sein. Ukrainische Drohnen auf dem Weg zu Zielen in Russland sollen nach Angaben aus Kyjiw und der betroffenen Staaten von russischer EK abgelenkt worden sein. Ob Russland gezielt umlenkt oder ob die Einflüge eine Nebenwirkung des Schutzes eigener Anlagen sind, ist laut der Fachzeitschrift Defense News offen. 

Wie Störsender Drohnen vom Kurs bringen

Langstreckendrohnen fliegen Hunderte Kilometer, ohne dass ein Bediener sie sieht. Um ihre Route zu halten, müssen sie ihre Position selbst bestimmen. Dafür nutzen Drohnen vom Typ Shahed beziehungsweise Geran nach einer Analyse des US-Thinktanks CSIS Satellitennavigation, also GPS und vergleichbare Systeme, kurz GNSS. Genau dort setzen Störsender an. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA unterscheidet zwei Verfahren. 

Beim Jamming stört ein Sender absichtlich die Funkfrequenzen, sodass der Empfänger die Satellitensignale nicht mehr erfassen kann. Das gelingt, weil diese Signale schwach sind und ein stärkerer Sender in der Nähe sie überdeckt. Beim Spoofing sendet der Störer gefälschte Satellitensignale. Der Empfänger berechnet daraus eine falsche Position, ohne es zu bemerken. Das kann einen Autopiloten in die Irre führen. Ralf Ziebold vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nennt Spoofing schwerer zu erkennen und abzuwehren als Jamming. 

Laut Defense News blockieren und fälschen russische Sender GPS- und Galileo-Signale. Bekommt eine Drohne falsche Positionsdaten, verliert sie die Orientierung oder weicht ab. Bei Zielen, die bis zu 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt liegen, wachsen schon kleine Navigationsfehler über die lange Strecke an. 

Als Rückfallebene bei gestörtem Satellitensignal dient die Trägheitsnavigation. Sensoren für Drehrate und Beschleunigung messen jede Bewegung, daraus rechnet das System die Position fort. Schon frühe Geran-Varianten koppelten laut CSIS GNSS mit einer solchen inertialen Messeinheit, damit die Drohne auch bei gestörtem Signal ihre Route halten kann. Der Haken: Ohne Abgleich mit Satellitendaten wächst der Fehler rasch. Kleine Messfehler der Sensoren summieren sich, und zwar nicht gleichmäßig, sondern mit der Flugzeit immer schneller. Die Trägheitsnavigation kann GNSS-Lücken deshalb nur für begrenzte Zeit überbrücken. 

Eine zweite Gegenmaßnahme sind Antennen mit mehreren Elementen, die Störsender aus verschiedenen Richtungen ausblenden. Russland setzt dafür laut CSIS Antennen vom Typ Kometa ein, die Variante Kometa-M8 soll bis zu sieben Störquellen ausblenden. Wie wirksam Störsender in der Praxis sind, lässt sich von außen kaum prüfen. Ein Vertreter der ukrainischen Luftwaffe behauptete Anfang 2026, EK könne in manchen Nächten fast die Hälfte der angreifenden Geran-Drohnen ausschalten. 

Welche Navigation ukrainische Langstreckendrohnen wie die An-196 Ljutyj genau nutzen und ob sie im Störfall auf Trägheitsnavigation zurückfallen, ist öffentlich nicht belegt. 

Störungen im Baltikum: was die Zahlen zeigen

Störungen der Satellitennavigation sind im Ostseeraum seit Jahren Alltag, vor allem für die zivile Luftfahrt. Die EASA zählt in ihrem aktuellen Sicherheitsbulletin SIB 2022-02R4 vom 3. Juli 2026 die Ostsee neben dem Mittelmeer, dem Schwarzen Meer, dem Nahen Osten und der Arktis zu den hauptsächlich betroffenen Gebieten. In ihrer Übersicht der Fluginformationsgebiete waren bei unserem Abruf Vilnius, Riga, Tallinn, Warschau und Helsinki mit Meldungen markiert, Tallinn innerhalb der letzten 30 Tage auch mit Spoofing. 

Für Litauen nennt der Rundfunk LRT konkrete Zahlen. Im Juni 2025 meldeten Piloten den Rekordwert von 1.022 Störungen, im ersten Halbjahr 2025 waren im Schnitt mehr als 1.000 Flugzeuge pro Monat betroffen. Die Spoofing-Fälle stiegen zwischen Juni und August 2025 von einigen Hundert auf über 3.000 pro Monat. Im Januar 2026 gab es 169 Meldungen, im Februar 118. Darius Kuliešius von der litauischen Regulierungsbehörde RRT sagte, die Lage sei im Wesentlichen unverändert. 

2025 waren in der russischen Exklave Kaliningrad und auf der Ostsee laut LRT möglicherweise mehr als 30 Störquellen aktiv. Störsender in Kaliningrad wirken demnach über mehr als 400 Kilometer. Im Mai 2026 meldete Reuters unter Berufung auf die Regulierungsbehörde, die Zahl russischer Spoofing-Antennen sei von 3 Anfang 2025 auf 36 gestiegen. Ihre Reichweite liege bei bis zu 450 Kilometern um Kaliningrad und decke Estland, Lettland, Litauen, den Großteil Polens sowie Teile Finnlands, Schwedens und von Belarus ab. 

Forscher der Maritimen Universität Gdynia und der University of Colorado haben im Frühjahr 2025 zwei Störquellen an der Küste Kaliningrads auf etwa einen Kilometer genau eingegrenzt, nahe der Antennenanlage Okunewo und im Raum Baltijsk. Dabei stellten sie fest, dass sich die Störung 2025 vom Blockieren zum Fälschen verschob. Ein weiterer Schwerpunkt liegt um St. Petersburg und betrifft Estland: Der Flughafen Tartu musste Flüge streichen, Finnair setzte seine Verbindungen dorthin von April bis Mai 2024 aus. 

Ein Vorbehalt gehört dazu: Diese Daten beschreiben Störungen der zivilen Luftfahrt. Dass genau diese Sender die Drohnen umgelenkt haben, die im Baltikum abstürzten, ist nicht belegt. Die Drohnen kamen meist aus Richtung Russland oder Belarus. 

Wie die Staaten reagieren

Nach dem Einflug russischer Drohnen in Polen startete die NATO am 12. September 2025 die Operation Eastern Sentry. Generalsekretär Rutte und Grynkewich, der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, kündigten an, sie werde klassische Fähigkeiten und neue Technologien verbinden, darunter Elemente gegen die Bedrohung durch Drohnen. 

Die EU-Kommission hat in ihrem Fahrplan zur Verteidigungsbereitschaft bis 2030 zwei Leitprojekte gegen Drohnen verankert, die European Drone Defence Initiative (EDDI) und Eastern Flank Watch. Die EDDI wird oft auch als Drohnenwall bezeichnet. Erste Fähigkeiten sollen bis Ende 2026 stehen, voll funktionsfähig soll die EDDI bis Ende 2027 sein, Eastern Flank Watch bis Ende 2028. Laut dem Fachmagazin Euro-SD leiten Finnland und Polen Eastern Flank Watch seit Dezember 2025 gemeinsam. Welche Sensoren, Abwehrmittel und Führungsstrukturen dazugehören, war im März 2026 noch offen. 

Das Wort Drohnenwall ist älter als die EU-Pläne. Am 24. Mai 2024 vereinbarten die Innenminister der drei baltischen Staaten, Polens, Finnlands und Norwegens bei einem Treffen in Lettland einen solchen Wall von Norwegen bis Polen. Er sollte nach den Worten der litauischen Innenministerin Agnė Bilotaitė gegen Provokationen unfreundlicher Staaten und gegen Schmuggel schützen. Einen Zeitplan nannte sie nicht. 

Litauen hat laut dem polnischen Zentrum für Oststudien OSW 2025 rund 500 Millionen Euro für den Schutz des Luftraums bereitgestellt und will bis 2030 tief fliegende Objekte besser erkennen. Das Land verfügt über drei Batterien des Flugabwehrsystems NASAMS, hat Radare bestellt und bezieht Drohnenabwehr von der polnischen Firma APS. Zusätzliche Radare gegen Tiefflieger sollen laut Verteidigungsminister Kaunas 2026, 2027 und 2028 kommen. Am 2. September 2026 erlaubte die Regierung Beschaffungen im Schnellverfahren ohne die üblichen Vergaberegeln: Abfangdrohnen, zunächst als Testlose mehrerer Hersteller, sowie Nahbereichs- und Passivradare. 

Lettland erwartet laut OSW 2026 drei Batterien des Flugabwehrsystems IRIS-T SLM und testet Systeme zur elektronischen Kampfführung und Drohnenabwehr, bisher ohne sie einzuführen. Estland hat die Überwachung im Nordosten verstärkt, erwägt eine größere Flugverbotszone an der Grenze und erwartet ebenfalls IRIS-T SLM. Wie schwierig die Abwehr im Einzelfall ist, zeigte der Mai 2026 in Lettland: Ein Abschuss sei nicht möglich gewesen, weil nicht alle Sicherheitskriterien erfüllt waren, erklärte Brigadegeneral Egils Leščinskis. Es folgten Kritik an verspäteten Handywarnungen und die Rücktritte von Verteidigungsminister Sprūds und Premierministerin Siliņa. 

Für den Vorfall vom 18. Oktober war bis Redaktionsschluss offen, ob es die von Kaunas vorgeschlagene gemeinsame Untersuchung mit Polen gibt und was die Trümmer über Typ und Herkunft der Drohne verraten. 

Häufige Fragen

Was ist am 18. Oktober 2026 in Litauen passiert?

Am Morgen drang ein Flugobjekt, vermutlich eine Drohne, in den litauischen Luftraum ein und explodierte im Norden des Landes. Trümmer fielen auf eine Landstraße zwischen Biržai und Pasvalys und trafen ein fahrendes Auto, verletzt wurde niemand. Zwei italienische Eurofighter stiegen unter NATO-Kommando auf, konnten das Objekt wegen der Bewölkung aber nicht identifizieren. 

War es eine ukrainische Drohne?

Das ist nicht offiziell bestätigt. Der Leiter des litauischen Krisenmanagementzentrums hält eine ukrainische Drohne für am wahrscheinlichsten. Das ukrainische Außenministerium entschuldigte sich und machte russische elektronische Kampfführung für die Ablenkung verantwortlich. Woher das Objekt einflog, ist zwischen Litauen und Polen umstritten. 

Was ist der Unterschied zwischen Jamming und Spoofing?

Beim Jamming überdeckt ein Störsender die schwachen Satellitensignale, sodass der Empfänger keine Position mehr bestimmen kann. Beim Spoofing sendet der Störer gefälschte Satellitensignale, und der Empfänger berechnet eine falsche Position. Spoofing gilt als schwerer zu erkennen und abzuwehren. 

Wie oft wird die Satellitennavigation im Baltikum gestört?

Sehr häufig. In Litauen meldeten Piloten im Juni 2025 den Rekordwert von 1.022 Störungen, im Januar 2026 waren es 169, im Februar 118. Laut der litauischen Regulierungsbehörde stieg die Zahl russischer Spoofing-Antennen von 3 Anfang 2025 auf 36. Diese Zahlen betreffen die zivile Luftfahrt; dass dieselben Sender die abgestürzten Drohnen umgelenkt haben, ist nicht belegt. 

Quellen

  1. Drone enters Lithuania from Poland, debris hits a car on rural road – LRT – 18.10.2026
  2. Suspected drone destroyed in Lithuania as it approached Latvia – LSM – 18.10.2026
  3. Lithuania tells residents to go to shelters after detecting suspected drone – Reuters via ThePrint – 18.10.2026
  4. Italian NATO jets scrambled after drone enters Lithuanian airspace, damages car – Anadolu via A News – 18.10.2026
  5. Drone crashes in northern Lithuania, damaging car – dpa via Yahoo News – 18.10.2026
  6. NATO jets scramble as drone explodes in Lithuanian airspace – Kyiv Independent – 18.10.2026
  7. Stellungnahme des ukrainischen Außenministeriums zum Vorfall in Litauen – Ukrajinska Prawda – 18.10.2026
  8. Explosive device found in drone from Belarus that crashed in Lithuania – LRT – 2025
  9. Belarus: drones over Poland lost course due to electronic warfare – European Pravda – 10.09.2025
  10. 2025 Russian drone incursion into Poland – Wikipedia (Überblick)
  11. Incident in Varėna district involved Ukrainian stray drone, Lithuanian PM says – LRT – 2026
  12. Ukrainian drones hit all three Baltic states. Did Russia redirect them? – Defense News – 27.03.2026
  13. Baltic states respond to incidents involving Ukrainian drones – OSW – 25.03.2026
  14. Finland reports territorial violation by drones, at least one from Ukraine – Reuters via Arctic Today – 2026
  15. Ukrainian drones keep straying into Baltic and Finnish airspace after being diverted by Russian electronic warfare – Meduza – 15.05.2026
  16. Basic facts so far about latest drone incidents in Latvia – LSM – 07.05.2026
  17. Drone crashed in Lithuania believed to be Ukrainian military aircraft – LRT – 2026
  18. Lithuania confirms two found drones were Ukrainian – LRT – 27.05.2026
  19. Intruding drone shot down by Romanian fighter jet in Estonia – ERR – 2026
  20. Lithuania-based French NATO fighter jets shoot down a drone over Latvia – LRT – 2026
  21. NATO jets shoot down drone in Latvian airspace – France 24 – 14.08.2026
  22. Nausėda: drone shot down over Lithuania was Russian Gerbera headed for Ukraine – LRT – 2026
  23. Global Navigation Satellite System outages and alterations (SIB 2022-02R4) – EASA – 03.07.2026
  24. Researchers home in on origins of Russia's Baltic GPS jamming – Defense News – 02.07.2025
  25. Shahed/Geran: How Russia continues to reinvent the one-way attack drone – CSIS
  26. Inertial error propagation: understanding inertial behavior – Inside GNSS – 04.06.2022
  27. GPS jamming incidents reported by pilots continue in Lithuania, regulator says – LRT – 09.03.2026
  28. Russia can falsify GPS signals deep into Europe, Lithuania says – Reuters via Internazionale – 26.05.2026
  29. NATO launches Eastern Sentry to bolster posture along Eastern flank – NATO – 12.09.2025
  30. Defence Readiness Roadmap 2030 – Europäische Kommission
  31. Europe's drone wall: ready, EDDI, go? – Euro-SD – März 2026
  32. Baltics, Poland, Finland, Norway agree on drone wall to protect borders – LRT – 24.05.2024
  33. Lithuania fast-tracks C-UAS interceptor and passive radar purchases – Unmanned Airspace – 2026
Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 19. Oktober 2026 geprüft.

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