Pentagon fordert 50 Milliarden Dollar für die Massenproduktion von Drohnen

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will rund 50 Milliarden Dollar als einmalige Sonderfinanzierung für autonome und robotische Systeme; noch in diesem Jahr sollen Hunderttausende Einwegdrohnen zur Truppe, später Millionen. Bewilligt ist das Geld nicht. Parallel holt General Atomics für seinen unbemannten Kampfjet FQ-42 eine Boeing-Tochter in die Fertigung, und der Drohnen-Marktplatz der US Army zählt inzwischen 33 Staaten.

Von Roboterwelt RedaktionAktualisiert 8 Min. LesezeitQuellen: 13
Junger US-Marine in Tarnuniform und sandfarbener Schutzweste blickt nach oben, eine weiße FPV-Videobrille mit der Aufschrift FAT SHARK auf die Stirn geschoben, ein Kabel führt an der Schläfe entlang; hinter ihm ein Tarnnetz, rechts unscharf ein weiterer Marine
Ein US-Marine mit FPV-Videobrille beim ersten scharfen Schießen mit Angriffsdrohnen vom Typ Neros Archer in Südkorea, August 2026. Solche Einwegdrohnen will das Pentagon zu Hunderttausenden beschaffen. Foto: Cpl. Daniel Granados, U.S. Marine Corps, gemeinfrei, via DVIDS, Ausschnitt. Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Das US-Verteidigungsministerium, das inzwischen als Department of War firmiert, will rund 50 Milliarden Dollar zusätzlich für autonome und robotische Systeme. Minister Pete Hegseth nannte die Summe am 14. Oktober 2026 auf der Jahrestagung der Association of the United States Army (AUSA) in Washington, bei einer Podiumsrunde zum „Project Agincourt“. Das Geld soll über ein sogenanntes Reconciliation-Gesetz kommen, ein Haushaltsverfahren, das im Senat mit einfacher Mehrheit auskommt. Hegseth beschrieb den Betrag laut Defense News als einmalige Investition, nicht als jährlich wiederkehrenden Posten; bei Defense Daily ist von „one-time generational investments“ die Rede. 

Was damit beschafft werden soll, machte Hegseth an Stückzahlen fest: Noch in diesem Jahr wolle das Ministerium Hunderttausende Einweg-Angriffssysteme („one-way attack systems“) zur Truppe bringen, in den kommenden Jahren Millionen. Gegenüber dem Federal News Network sprach er von der Skalierung von 1.000 auf 100.000 und schließlich eine Million Drohnen. Bewilligt ist davon bislang nichts. Der Kongress hat weder das Reconciliation-Gesetz noch die regulären Haushaltsgesetze für das Haushaltsjahr 2027 verabschiedet; die Regierung arbeitet mit einer Übergangsfinanzierung. 

Beantragt, nicht bewilligt: die Zahlen

Die 50 Milliarden sind nicht die einzige Drohnensumme, die derzeit in Washington kursiert. Im regulären Haushaltsantrag für 2027, den die Regierung am 21. April 2026 vorlegte, stehen bereits 53,6 Milliarden Dollar für die Initiative „Drone Dominance“. Ob das Reconciliation-Geld dasselbe Geld ist oder obendrauf kommt, lässt sich aus den Haushaltsunterlagen nicht ablesen, wie Defense News anmerkt. Nach Darstellung des Federal News Network hatte das Pentagon die knapp 54 Milliarden für seine Defense Autonomous Warfare Group (DAWG) ursprünglich selbst als Reconciliation-Mittel beantragt; insgesamt hoffe das Ministerium auf rund 55 Milliarden Dollar für diese Vorhaben, eingerechnet 1,2 Milliarden, die der Kongress im Reconciliation-Gesetz des Vorjahres bewilligt hatte. 

Posten 

Summe 

Stand 

Reconciliation-Antrag für autonome und robotische Systeme 

rund 50 Mrd. US-Dollar, einmalig 

von Hegseth am 14.10.2026 genannt, kein Gesetz verabschiedet 

Haushaltsantrag 2027: „Drone Dominance“ 

53,6 Mrd. US-Dollar: 16,9 Mrd. Beschaffung unbemannter Systeme, 14,4 Mrd. Drohnenabwehr, 13,5 Mrd. Logistik unter Bedrohung, 4,5 Mrd. kollaborative Autonomie, 4,3 Mrd. Institutionen und Personal 

vorgelegt am 21.04.2026, Haushaltsgesetze nicht verabschiedet 

Zum Vergleich: Haushaltsjahr 2026 

13,4 Mrd. US-Dollar autonome Systeme plus 3,1 Mrd. Drohnenabwehr 

laut Pentagon-Angaben vom April 2026 

Reconciliation-Gesetz 2025 („One Big Beautiful Bill“) 

1,2 Mrd. US-Dollar für unbemannte und autonome Systeme 

bewilligt 

Drone-Dominance-Programm der US Army 

1 Mrd. US-Dollar für rund 340.000 kleine Drohnen über zwei Jahre 

angekündigt im Dezember 2025 

Alle Beträge sind Angaben des Ministeriums oder seiner Vertreter, wie sie Defense News, DefenseScoop und das Federal News Network wiedergeben. Die Haushaltsunterlagen selbst haben wir nicht eingesehen. Der kommissarische Haushaltsdirektor des Pentagons, Jules „Jay“ Hurst, nannte den Antrag für 2027 im April „the largest investment in drone warfare and counter-drone technology in U.S. history“. Der Forschungs- und Entwicklungsansatz der DAWG, die das frühere Replicator-Programm aufgenommen hat, soll demnach von 225,9 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 2026 auf bis zu 54,6 Milliarden steigen. 

Warum das Geld im Kongress hängt

Das Reconciliation-Paket, in dem die 50 Milliarden stecken sollen, ist Teil eines größeren Wunsches: Hegseth verlangt darin mindestens 350 Milliarden Dollar für die Verteidigung, „potentially more“, als Teil eines Gesamtbudgets von 1,5 Billionen Dollar. Das Pentagon werde das „regardless of what happens in the midterms“ verfolgen, sagte er mit Blick auf die Kongresswahlen am 3. November 2026. Laut Federal News Network würde ein Mehrheitswechsel in einer der beiden Kammern ein Reconciliation-Gesetz im kommenden Jahr praktisch unmöglich machen. Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Senat, Roger Wicker, hofft auf eine Verabschiedung im November. Widerstand kommt von Haushaltspolitikern, die keine neuen Schulden ohne Gegenfinanzierung wollen, und von Abgeordneten, die auf den Basishaushalt von 1,2 Billionen Dollar und die 156 Milliarden aus dem Reconciliation-Gesetz 2025 verweisen. 

Scheitert das Verfahren, will das Ministerium die Mittel in den regulären Haushalt verschieben, sagte Hurst; das hieße Kürzungen an anderer Stelle. Hintergrund ist ein selbst gesetzter Termin: Zum 1. Oktober 2027 soll ein neues Autonomous Warfare Command (AUTOWARCOM) mit einem Vier-Sterne-General an der Spitze stehen, das Beschaffung und Einsatz unbemannter Systeme über alle Teilstreitkräfte bündelt. Dafür braucht es ein Gesetz; der Senatsentwurf des Verteidigungsgesetzes NDAA sieht laut Breaking Defense bereits ein ähnliches Kommando vor. 

Drone Dominance: vom Memo zum Kommando

Die Linie reicht bis ins Vorjahr zurück. Am 10. Juli 2025 unterzeichnete Hegseth das Memo „Unleashing U.S. Military Drone Dominance“. Es stuft kleine Drohnen der Gruppen 1 und 2 als Verbrauchsgüter („consumable commodities“) ein, also wie Munition statt wie langlebiges Gerät, erlaubt Offizieren ab Oberst-Rang, Beschaffung und Ausbildung selbst zu genehmigen, und setzt das Ziel, dass bis Ende des Haushaltsjahres 2026 jeder Trupp über eigene Einwegdrohnen verfügt. „We started with drone dominance almost the minute we got here“, sagte Hegseth in Washington; eine erste Milliarde sei „straight into the hands of operators“ geflossen. 

Am 30. September 2026 kündigte er in Quantico das AUTOWARCOM an und richtete als Übergang das Project Agincourt ein, geleitet von Owen West und Max Strasiser. „Ukraine's lesson is not that one type of drone wins wars“, sagte Hegseth dort; es brauche ein System, das Anpassung maximiere. Die Army will laut ihrem kommissarischen Minister Adam Telle ein eigenes Futures and Autonomous Systems Command aufstellen, das an das neue Kommando berichtet, und eine Laufbahn für Robotik-Warrant-Officers schaffen. Hegseth selbst forderte auf der AUSA, neuen Firmen den Zugang zu einem Markt zu erleichtern, der bislang von etablierten Auftragnehmern und teuren Plattformen geprägt sei, und fragte, welche Vorschriften sich ohne neue Gesetze streichen ließen. 

Industrie: General Atomics holt Boeing-Tochter an Bord

Wie die Hersteller auf den Bedarf reagieren, zeigte sich am 23. Oktober 2026: General Atomics Aeronautical Systems (GA-ASI) gab bekannt, dass Spirit Defense, eine Tochter von Boeing mit Sitz in Wichita, als „fuselage design-build partner“ in die Fertigung des unbemannten Kampfjets FQ-42 Vengeance einsteigt. Spirit soll Rumpfstrukturen konstruieren und bauen. Die Partnerschaft füge Kapazität hinzu und reduziere „single points of failure“, erklärte GA-ASI-Präsident David R. Alexander; genau diese Art von Produktionsresilienz suche der Kunde für den Hochlauf. Stückzahlen und Auftragswert nennt die Mitteilung nicht. 

Den Produktionsauftrag für die FQ-42A hatte die US Air Force im Juni 2026 erteilt, parallel zu Andurils FQ-44A. Nach Angaben von The War Zone plant die Luftwaffe bis 2032 eine Flotte von mindestens 500 dieser Collaborative Combat Aircraft, gemischt aus beiden Typen. Spirit war bis 2005 eine Boeing-Sparte, wurde dann eigenständig und ist seit 2025 wieder Teil des Konzerns; The War Zone erinnert an die Verluste und Qualitätsprobleme des Zulieferers in den vergangenen Jahren. 

Zwei US-Marines in Tarnuniform unter einem Tarnnetz: links kniet einer mit weißer FPV-Videobrille über einem schwarzen Transportkoffer, rechts hält einer mit Tarnschminke, Helm und Headset ein Funkgerät in der Hand und blickt zur Seite
FPV-Drohnentraining mit scharfer Munition im Rodriguez Live Fire Complex, Südkorea, 5. August 2026: Das Marine Corps übt den Einsatz von Einwegdrohnen auf Trupp-Ebene.Foto: Cpl. Daniel Granados, U.S. Marine Corps, gemeinfrei, via DVIDS. Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Drohnen-Marktplatz: 33 Staaten kaufen mit

Einen zweiten Hebel sieht die Army in ihrem digitalen Drohnen-Marktplatz, über den Einheiten geprüfte Systeme direkt bestellen. Er ging im März 2026 an den Start und hat nach Angaben von Defense News Transaktionen über 800 Millionen Dollar abgewickelt; Rahmenverträge für Drohnenabwehr im Wert von 7 Milliarden Dollar seien darüber vergeben worden. Seit August 2026 läuft die Plattform unter drones.mil auch für Drohnenabwehr, Systeme der Gruppe 3, Nutzlasten und Software sollen folgen. Am 13. Oktober unterzeichneten Kanada, Kroatien, Ägypten, Japan, Kuwait, Marokko, Albanien und Panama Absichtserklärungen; damit nehmen laut AUSA-Präsident Robert Brown 33 Staaten teil. Telle sieht darin auch eine Hilfe für die Hersteller: Gebündelte Nachfrage erleichtere den Produktionshochlauf. 

Aus Europa sind nach einer Vereinbarung von der Eurosatory im Juni 2026 Schweden, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Polen, Großbritannien, die Niederlande, Italien und Litauen dabei. Deutschland taucht in keiner der uns vorliegenden Teilnehmerlisten auf. Der Marktplatz dient als Regierung-zu-Regierung-Kanal für Auslandsverkäufe, bei denen Cybersicherheit und Exportfähigkeit der Systeme bereits vorab geprüft sind. 

Was belegt ist und was nicht

Belegt sind die Forderung, die Zielzahlen und der Zeitplan für das neue Kommando. Nicht belegt ist, wie viel von den 50 Milliarden tatsächlich in Drohnenkäufe fließen würde, wie sich die Summe zu den 53,6 Milliarden des Haushaltsantrags verhält und ob der Kongress das Verfahren überhaupt trägt. Auch für die „Hunderttausende“ in diesem Jahr gibt es außer der Ankündigung der Army vom Dezember 2025 keine veröffentlichte Stückliste. Sicher ist nur, dass das Pentagon kleine Drohnen künftig wie Munition behandeln will, und dass der Markt dafür, von der FPV-Drohne bis zum Begleitjet, gerade industriell aufgestellt wird. 

Häufige Fragen

Wofür will das Pentagon die 50 Milliarden Dollar ausgeben?

Für autonome und robotische Systeme, vor allem Einweg-Angriffsdrohnen in großer Stückzahl, sowie für das geplante Autonomous Warfare Command. Eine Aufschlüsselung der 50 Milliarden hat das Ministerium nicht veröffentlicht; die Summe soll einmalig über ein Reconciliation-Gesetz kommen. 

Ist das Geld schon bewilligt?

Nein. Weder das Reconciliation-Gesetz noch die regulären Haushaltsgesetze für 2027 sind verabschiedet, die US-Regierung arbeitet mit einer Übergangsfinanzierung. Ein Mehrheitswechsel bei den Kongresswahlen am 3. November 2026 würde ein Reconciliation-Gesetz nach Einschätzung des Federal News Network praktisch unmöglich machen. 

Was ist der Unterschied zwischen den 50 und den 53,6 Milliarden Dollar?

Die 53,6 Milliarden stehen im regulären Haushaltsantrag 2027 für die Initiative Drone Dominance, aufgeteilt auf Beschaffung, Drohnenabwehr, Logistik, kollaborative Autonomie und Personal. Die 50 Milliarden nannte Hegseth als Reconciliation-Antrag. Ob es sich um dasselbe Geld handelt, geht aus den Haushaltsunterlagen nicht hervor. 

Was ist Drone Dominance?

Der Name für die Drohnenpolitik des Pentagons seit dem Memo vom 10. Juli 2025: Kleine Drohnen gelten als Verbrauchsgüter wie Munition, Kommandeure ab Oberst-Rang dürfen sie selbst beschaffen, jeder Trupp soll bis Ende des Haushaltsjahres 2026 eigene Einwegdrohnen haben. Im September 2026 kam die Ankündigung eines eigenen Vier-Sterne-Kommandos hinzu. 

Was hat Boeing mit General Atomics zu tun?

Die Boeing-Tochter Spirit Defense aus Wichita steigt als Partner für Konstruktion und Bau der Rumpfstrukturen in die Fertigung des unbemannten Kampfjets FQ-42 von General Atomics ein, um Kapazität für den Hochlauf zu schaffen. Die US Air Force plant laut The War Zone bis 2032 mindestens 500 Collaborative Combat Aircraft. 

Quellen

  1. Pentagon needs $50B for mass drone production, Hegseth says – Defense News – 14.10.2026
  2. Hegseth ties new drone command to uncertain reconciliation bill – Federal News Network – 14.10.2026
  3. Hegseth Pushes For Reconciliation With At Least $350 Billion For Defense ‘Regardless’ Of Midterms Outcome – Defense Daily – 14.10.2026
  4. Hegseth: Autonomous Warfare Command has always been end state – DoD News via army.mil – 15.10.2026
  5. Pentagon seeking $50 billion autonomous warfare investment to expand U.S. military drone production – Military Embedded Systems – 15.10.2026
  6. DOD plans largest-ever investment in drones, anti-drone weapons – DefenseScoop – 21.04.2026
  7. Hegseth announces plans for new 4-star drone command, further general officer cuts – Breaking Defense – 30.09.2026
  8. New DoD Policy: “Unleashing” Small Drones, Cutting Regulations – Inside Unmanned Systems – 14.07.2025
  9. GA-ASI Partnering with Spirit Defense for FQ-42 CCA Production – General Atomics Aeronautical Systems – 23.10.2026
  10. General Atomics FQ-42 CCA Drone Production Ramp Up To Be Boosted By Boeing Subsidiary – The War Zone – 23.10.2026
  11. US Army expands drone marketplace to 33 nations – Defense News – 14.10.2026
  12. Drone Marketplace goes live, expands functionality – U.S. Army – 14.08.2026
  13. Army Secretary Driscoll signs agreement with NATO allies to widen access to UAS Marketplace (Eurosatory 2026) – ExecutiveGov – Juni 2026

Aktualisiert : Verweise auf die Porträts von General Atomics, Boeing und Anduril sowie auf das Glossar ergänzt Erstveröffentlichung: .

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 24. Oktober 2026 geprüft. Die Transkripte und Haushaltsdokumente auf war.gov waren für uns nicht abrufbar (HTTP 403); die Zitate stammen aus den genannten Fachmedien und der Veröffentlichung des Pentagon-Nachrichtendienstes auf army.mil.

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