Microduck: Warum Hugging Face einen Laufroboter für 399 Dollar baut

Pollen Robotics, das Robotik-Team von Hugging Face, bietet mit Microduck einen 25 Zentimeter großen Zweibeiner an, den Käufer per Reinforcement Learning selbst trainieren sollen. Was der Roboter lehrt, was an ihm offen ist und worin er sich von Reachy Mini unterscheidet.

Von Roboterwelt Redaktion6 Min. LesezeitQuellen: 13
Drei kleine zweibeinige Roboter mit entenartigem Kopf und einer Kamera als Auge auf einem grünen Gitterboden neben einem weißen Ball mit bunten Flecken: vorn ein hellblauer mit Schildkröten- und Regenbogenaufkleber, in der Mitte ein cremefarbener, den eine Hand am Kopf hochhebt, rechts unscharf ein graphitfarbener; dahinter Beine in weißen Sneakern und Ringelsocken
Microduck in den Farben Sky, Cream und Graphite. Ein Ball gehört zum optionalen Zubehörpaket, Schießen zum Repertoire. Foto: Pollen Robotics SAS

Pollen Robotics aus Bordeaux, seit April 2025 Teil von Hugging Face, nimmt seit dem 27. August 2026 Vorbestellungen für Microduck an. Der entenähnliche Zweibeiner ist laut Hersteller 25 Zentimeter groß und wiegt unter 800 Gramm. Er kostet 399 Dollar vor Steuern und Versand, das ist ausdrücklich ein Einführungspreis. Erste Lieferungen plant Pollen vor Weihnachten 2026. Microduck ist nach Reachy Mini der zweite Roboter des Teams für Endkunden. 

Warum Hugging Face so einen Roboter baut

Bei der Übernahme von Pollen im April 2025 erklärte Thomas Wolf von Hugging Face, Robotik könne das nächste Feld sein, das KI erschließt. Sie solle „open, affordable, and private“ sein, also offen, bezahlbar und privat. The Register beschreibt Microduck als günstige Testplattform zum Lernen über KI auf echter Hardware, nicht als Haushaltshilfe. 

Die Ankündigung vom 27. August nennt als Ausgangspunkt eine Frage: Wie sähe ein kleiner Roboter aus, dessen Hauptaufgabe nicht die Interaktion am Schreibtisch ist, sondern die Bewegung? Dass es für kleine Roboter dieser Art Interessenten gibt, zeigt Reachy Mini: Laut derselben Ankündigung sind seit dem Start im Vorjahr mehr als 10.000 Stück zu Nutzern in aller Welt gelangt. 

Dazu kommt ein Plattformeffekt. Das ist unsere Einordnung, nicht die des Herstellers. Der Simulator läuft auf Hugging Face, trainieren lässt sich auf Hugging Face Jobs, und das Dev Pack enthält Hugging-Face-Guthaben. Pollen will Bewegungen so teilbar machen wie Modelle auf Hugging Face. Der Roboter bindet Bastler so an die Plattform, auf der Hugging Face sonst KI-Modelle verteilt. 

Was man damit lernen kann

Kern ist der Weg von der Simulation auf echte Hardware. Die Bewegungen sind keine festen Abläufe, sondern trainierte Steuerungsmodelle, im Fachjargon Policies. Pollen beschreibt den Ablauf in vier Schritten: in der Simulation trainieren, auf den Roboter übertragen, die Simulation verfeinern, das Ergebnis veröffentlichen. Alle sieben ausgelieferten Bewegungen sind veröffentlicht und lassen sich neu trainieren, darunter Gehen, Aufstehen aus der Rückenlage, Schießen und, mit optionalen Rollen, Rollschuhfahren. 

Das Training läuft im öffentlichen Repository microduck_rl mit dem Physiksimulator MuJoCo und dem Lernverfahren PPO. Nötig ist eine CUDA-Grafikkarte; wer keine hat, kann auf Hugging Face Jobs ausweichen. Für einen brauchbaren Gang nennt das Repository rund ein bis zwei Stunden. Lehrreich ist vor allem die Lücke zwischen Simulation und Wirklichkeit: Das Repository bildet das Verhalten der Servos nach und variiert unter anderem Akkuspannung, Befehlsverzögerung und Reibung. So soll das Gelernte auch am echten Gerät funktionieren. 

Fehlversuche sind dabei eingeplant. Weil der Roboter klein und leicht ist, endet ein Fehlversuch laut Pollen meist mit einem Roboter am Boden, nicht mit einem größeren Zwischenfall. Aus vielen gängigen Stürzen richtet er sich selbst wieder auf. Die Grenzen sind klar: Pollen-Vertreter Santiago Pavon schätzt laut The Register, dass Microduck kaum mehr als 100 Gramm heben kann. Autonome Fähigkeiten wie Spracherkennung, Kartierung und Navigation will Pollen gemeinsam mit der Community erreichen, sagte Pavon im August. Der Akku hält laut Press-Kit je nach Nutzung rund eine Stunde. 

Microduck und Reachy Mini im Vergleich

Beide Roboter kosten als Einstiegsmodell 399 Dollar, sie verfolgen aber verschiedene Ziele. Pollen selbst sagt, Microduck sei nicht einfach ein Reachy Mini mit Beinen: Reachy Mini sei eine Plattform für KI, die interagiert, Microduck eine für KI, die handelt. Wer Fortbewegung und Reinforcement Learning verstehen will, findet in Microduck nach dieser Beschreibung das passendere Gerät. 

Herstellerangaben 

Microduck 

Reachy Mini 

Schwerpunkt 

Bewegung, Handeln 

Interaktion, kreatives Programmieren 

Fortbewegung 

zwei Beine 

stationär; Räder nur mit Hoverboard-Basis (Vorbestellung) 

Höhe, Gewicht 

25 cm, unter 800 g 

28 cm, 1,5 kg (Stand Juli 2025) 

Lieferzustand 

laut Pollen sofort spielbar 

Bausatz, rund 2,5 Stunden Montage 

Preis vor Steuern und Versand 

399 $ (Einführungspreis) 

Lite 399 $, Wireless 499 $ 

Lieferung 

erste Geräte vor Weihnachten 2026 geplant 

bis zu 90 Tage 

Preise und Lieferzeiten: Stand 6. November 2026. 

Offen ist nur die Software

Pollen wirbt auf der Produktseite mit einem „open-source biped“, und Hugging-Face-Chef Clément Delangue sprach laut The Next Web von einem „open-source robot“. Das Press-Kit ist genauer: Die Open-Source-Aussage gilt nur für den Software-Stack. Die mechanischen und elektronischen Konstruktionsdateien deckt sie nicht ab. Pollen bittet ausdrücklich darum, den Roboter nicht als Open-Source-Hardware zu bezeichnen. SDK, Simulation und Trainingswerkzeuge stehen laut Produktseite unter der Apache-2.0-Lizenz. Pläne, die Hardware zu öffnen, hat Pollen laut The Register nicht. 

Noch nicht endgültig sind laut Press-Kit Kameraauflösung und Sichtfeld, die Reichweite des LiDAR-Sensors, die Funkversionen, die SDK-Sprachen und eine Altersempfehlung. Wer an Schulen oder Kinder denkt, sollte die Altersempfehlung abwarten. 

Bestellen aus Deutschland und die Nvidia-Frage

Auch für Europa peilt Pollen erste Lieferungen vor Weihnachten 2026 an. Laut Versandrichtlinie (Stand 29. Oktober 2026) kommen EU-Bestellungen aus dem Lager in Frankreich. Mehrwertsteuer und Versandkosten berechnet der Shop an der Kasse. Den Bestellvorgang haben wir nicht getestet, einen Endpreis in Euro nennen wir deshalb nicht. 

Was der geplante Eigentümerwechsel für Microduck bedeutet, ist offen. Nvidia hat sich laut CNBC am 3. September 2026 darauf geeinigt, Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu kaufen. Das US-Justizministerium hat Nvidia nach einem CNBC-Bericht vom 28. Oktober um Informationen gebeten, wie sich der Kauf auf Wettbewerber auswirken könnte. CNBC stützt sich auf eine nicht genannte Person, zuerst berichtete Reuters; Nvidia äußerte sich nicht. Auf Nvidias Konferenz GTC in Berlin ließ Konzernchef Jensen Huang im Oktober Microducks auf Sprachbefehle reagieren, berichtet The Register. Aussagen zu den Folgen für Microduck haben wir nicht gefunden. 

Pollen Robotics Microduck – zweibeiniger Lernroboter mit 15 Motoren, Kamera und LiDAR (angekündigt)
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Häufige Fragen

Was kostet Microduck?

399 Dollar vor Steuern und Versand, das ist laut Pollen Robotics ein Einführungspreis. Enthalten sind Roboter, Akku, USB-C-Kabel und Game-Controller. 

Wann wird Microduck geliefert?

Erste Lieferungen plant Pollen Robotics vor Weihnachten 2026. Vorbestellungen laufen seit dem 27. August 2026. Europäische Bestellungen kommen laut Versandrichtlinie aus einem Lager in Frankreich. 

Ist Microduck Open-Source-Hardware?

Nein. Quelloffen ist laut Pollen Robotics der Software-Stack unter Apache-2.0-Lizenz. Die mechanischen und elektronischen Konstruktionsdateien deckt diese Aussage nicht ab, Pollen bittet ausdrücklich darum, den Roboter nicht als Open-Source-Hardware zu bezeichnen. 

Was unterscheidet Microduck von Reachy Mini?

Reachy Mini steht auf dem Tisch und ist auf Interaktion ausgelegt. Microduck läuft auf zwei Beinen und ist auf Bewegung und Handeln ausgelegt. Reachy Mini kostet als Lite-Version ebenfalls 399 Dollar, die Wireless-Version 499 Dollar (Stand 6. November 2026). 

Brauche ich für das Training eine Grafikkarte?

Das Repository microduck_rl verlangt für das Training eine CUDA-Grafikkarte. Ohne eigene Karte lässt sich das Training auf Hugging Face Jobs auslagern. Für einen brauchbaren Gang nennt das Repository rund ein bis zwei Stunden. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 6. November 2026 geprüft. Grundlage sind die Produktseite, das Press-Kit, die Ankündigung vom 27. August 2026 und die Versandrichtlinie (Stand 29. Oktober 2026) von Pollen Robotics, das GitHub-Repository microduck_rl, die Reachy-Mini-Seite von Pollen, die Hugging-Face-Beiträge vom 14. April 2025 und 9. Juli 2025 sowie Berichte von The Register, The Next Web und CNBC. Technische Daten, Liefertermine, die Trainingsdauer und die Zahl von mehr als 10.000 Reachy Mini sind Herstellerangaben. Ein Testgerät hatten wir nicht, das Training haben wir nicht selbst ausprobiert. Die Grenze von rund 100 Gramm ist eine Schätzung von Santiago Pavon (Pollen Robotics) gegenüber The Register. Vorläufig sind laut Press-Kit Kameraauflösung und Sichtfeld, LiDAR-Reichweite, Funkversionen, SDK-Sprachen und Altersempfehlung; wir nennen dazu keine Werte. Größe und Gewicht von Reachy Mini stammen aus dem Hugging-Face-Beitrag vom Juli 2025. Zum Nvidia-Kauf schreiben wir nur von der Einigung, nicht von einem Abschluss. Den Reuters-Bericht zur US-Prüfung konnten wir nicht selbst öffnen; wir stützen uns auf CNBC. Einen Euro-Preis nennen wir nicht, weil wir ihn für Deutschland nicht belegen konnten.

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