Saildrone in der Ostsee: Schweden kauft ein Jahr Seeüberwachung mit vier Segeldrohnen

Die schwedische Rüstungsbehörde FMV hat für die Streitkräfte vier unbemannte Segeldrohnen des US-Herstellers Saildrone für ein Jahr unter Vertrag genommen. Gekauft werden nicht die Fahrzeuge, sondern die Daten. Sie sollen der Marine zeigen, was sich in der Ostsee bewegt, wo 2024 und 2025 mehrfach Unterseekabel beschädigt wurden.

Von Roboterwelt Redaktion8 Min. LesezeitQuellen: 15
Zwei graue unbemannte Segelboote auf tiefblauem, leicht bewegtem Meer unter klarem Himmel. Vorn ein flacher Rumpf mit hohem, starrem Segelflügel, darauf eine US-Flagge, Solarpaneele und die Nummer 2040, oben auf dem Flügel eine Radarantenne. Im Hintergrund ein zweites Boot gleicher Bauart vor einer kleinen Felsinsel.
Zwei Saildrone Voyager mit Radar im Einsatz in der Karibik. Die Aufnahme stammt nicht aus der Ostsee, zeigt aber das Modell, das Schweden einsetzt. Foto: Courtesy Saildrone

Die schwedische Marine bekommt Verstärkung, die keine Besatzung braucht. Die Rüstungsbehörde Försvarets materielverk (FMV) hat im Auftrag der schwedischen Streitkräfte einen Rahmenvertrag mit dem US-Unternehmen Saildrone geschlossen. Vier unbemannte Segeldrohnen vom Typ Voyager sollen ein Jahr lang die Ostsee überwachen. Das teilte die FMV am 22. Oktober 2026 mit, Saildrone folgte am 26. Oktober mit einer eigenen Mitteilung. Laut FMV sind die Drohnen seit Oktober 2026 im Einsatz. 

Neu ist für Schweden die Form des Geschäfts. Schweden kauft keine Fahrzeuge, sondern eine Dienstleistung. „Wir kaufen also die Dienstleistung ausdauernde maritime Überwachung, und Saildrone stellt die Fahrzeuge, die die Marine mit Daten versorgen“, sagt FMV-Projektleiter Johan Wahren (aus dem Schwedischen übersetzt). Ein solches Konzept werde international immer häufiger. Was der Vertrag kostet, nennen weder FMV noch Saildrone. 

Was der Vertrag umfasst

Nach Angaben von Saildrone fährt jede der vier Voyager 360 Tage für Schweden, zusammen 1.440 vertraglich vereinbarte Fahrzeugtage. Das Einsatzgebiet umfasst die schwedischen Hoheitsgewässer und die ausschließliche Wirtschaftszone in der Ostsee. Saildrone wartet die Fahrzeuge, setzt sie ein und steuert sie. Die Marine gibt laut FMV die Aufträge vor und erhält rund um die Uhr Informationen. Die Drohnen bewegen sich innerhalb ihres Auftrags selbstständig, etwa von einem Ort zum nächsten, und werden dabei ständig vom Personal des Unternehmens überwacht. Der Vertrag erlaubt es, weitere Drohnen hinzuzunehmen. 

Mit Sensoren wie Kamera und Radar sollen die Drohnen zum Lagebild der Marine beitragen. Wahren nennt drei Aufgaben: Schiffe entdecken, prüfen, ob ein Schiff tatsächlich das ist, was sein AIS-Transponder angibt, und die Position von Schiffen bestätigen, die möglicherweise eine falsche Position senden. Am 22. Oktober stellte die FMV das Projekt in Nynäshamn vor, wo eine der Drohnen Zwischenstation machte. Verteidigungsminister Pål Jonson und Justizminister Gunnar Strömmer waren am Kai. 

Ein unbemanntes Segelboot mit flachem, dunkelgrünem Rumpf und hohem orangefarbenem Segelflügel liegt auf glatter, blauer See. Auf dem Flügel steht senkrecht der Schriftzug „Saildrone“, darunter waagerecht „Unmanned Science Vehicle – Keep Clear“ und die Nummer 2022, oben sitzt eine Kuppelantenne. An beiden Enden des Rumpfs ragen Masten mit Sensoren auf, das Orange spiegelt sich im Wasser.
Eine Voyager in ziviler Ausführung für die Kartierung von Küstengewässern im Atlantik. Rumpf und Segelflügel entsprechen der Bauart, die in der Ostsee fährt.Foto: Courtesy Saildrone

Die Voyager: zehn Meter, Flügel statt Segel

Die Voyager ist ein zehn Meter langes Überwasserfahrzeug ohne Besatzung. Statt eines Tuchsegels trägt sie einen starren Flügel. Zum Antrieb gibt es unterschiedliche Angaben. Die FMV schreibt, die Drohnen würden hauptsächlich vom Wind angetrieben, Solarpaneele lieferten Strom für die Elektronik, dazu komme ein kleiner Motor mit Kraftstofftank. Auf der Produktseite von Saildrone ist dagegen ein Elektromotor als Hauptantrieb aufgeführt, der Wind als Hilfsantrieb. In der Mitteilung zum dänischen Einsatz vom Februar 2026 spricht Saildrone von Windkraft, die einen dieselelektrischen Antrieb ergänze. Die Herstellerangaben zum Modell: 

Merkmal 

Saildrone Voyager (Herstellerangabe, Stand 27.10.2026) 

Länge 

10 m 

Höhe des Segelflügels 

6 m 

Tiefgang 

2 m 

Geschwindigkeit 

5 Knoten (Kartierungsfahrt) 

Ausdauer 

100 Tage zwischen zwei Servicestopps 

Sensoren (Auswahl) 

Radar, schwenkbare Infrarotkamera, AIS-Sender und -Empfänger 

Datenverbindung 

Starlink 

Saildrone sitzt in Alameda in Kalifornien und betreibt eine Tochtergesellschaft in Dänemark mit Sitz in Kopenhagen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen vier Voyager unter dänischer Flagge registriert. Neben der Voyager führt Saildrone die Modelle Explorer und Surveyor sowie die im April 2026 vorgestellte Spectre. In Schweden kommt nur die Voyager zum Einsatz. 

Vorgeschichte: Kabelschäden und die NATO-Mission Baltic Sentry

Die FMV begründet den Einsatz mit dem Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur. Nach mehreren Kabelschäden Ende 2024 startete die NATO am 14. Januar 2025 die Mission Baltic Sentry. Sie soll mit Fregatten, Seefernaufklärern und einer kleinen Flotte von Marinedrohnen die Präsenz in der Ostsee erhöhen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach damals von Sabotage, die Energie- und Kommunikationskabel beschädigt habe. 

Zwei Fälle zeigen, wie schwierig die Aufklärung ist. Über Weihnachten 2024 wurden in der Ostsee fünf Unterseekabel beschädigt, darunter eine wichtige Stromverbindung zwischen Finnland und Estland. Die finnische Staatsanwaltschaft klagte drei Besatzungsmitglieder des unter der Flagge der Cookinseln fahrenden Tankers Eagle S an, unter anderem wegen schwerer Sabotage. Sie wirft ihnen vor, den Anker über den Meeresboden geschleift zu haben. Der Kapitän hat den Schaden als Unfall bezeichnet. Das Bezirksgericht Helsinki erklärte sich am 3. Oktober 2025 für nicht zuständig und wies die Anklage ab. Das Berufungsgericht Helsinki entschied am 27. August 2026 das Gegenteil und verwies den Fall zurück. Gegen diese Entscheidung konnte laut Yle noch der Oberste Gerichtshof angerufen werden, sofern er die Beschwerde zulässt. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. 

Im zweiten Fall wurde am 26. Januar 2025 ein Schaden an einem Kommunikationskabel zwischen Schweden und Lettland vor Gotland entdeckt. Schweden ermittelte wegen schwerer Sabotage und beschlagnahmte ein Schiff, gab es aber am 3. Februar 2025 wieder frei. Am 13. Oktober 2025 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Nach ihren Ermittlungen hatte sich bei schwerem Wetter der Anker gelöst, weil zwei von drei Sicherungen schon länger defekt waren und die dritte brach. Das Schiff schleppte den Anker, ohne dass es auf der Brücke bemerkt wurde. Es sei ein Unfall gewesen, keine Absicht; für mögliche Fahrlässigkeit sei Schweden nicht zuständig. Lettland führte nach Angaben der Staatsanwaltschaft (Stand Oktober 2025) ein eigenes Ermittlungsverfahren. 

Einordnung: Teil eines nordischen und NATO-Rahmens

Den Vertrag hat Schweden im Rahmen der nordischen Verteidigungskooperation Nordefco ausgehandelt, zu der seit 2009 Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen gehören. Andere nordische Länder können laut FMV auf dieser Grundlage eigene Verträge schließen. Saildrone kündigt an, dass weitere nationale Einsätze folgen. Die Drohnen tragen nach Angaben der FMV außerdem zur NATO-Initiative Task Force X Baltic bei. Sie wurde im Januar 2025 zur Unterstützung von Baltic Sentry gestartet und soll unbemannte Systeme schneller in die Seeüberwachung bringen. Von März bis Oktober 2025 wurden dabei laut NATO 70 Luft- und Seedrohnen getestet. 

Saildrone war daran beteiligt. Nach Angaben von Saildrone fuhren vom 16. bis 27. Juni 2025 vier Voyager für die Task Force im Finnischen Meerbusen und in der westlichen Ostsee; zu Wasser gelassen worden waren sie Anfang Juni im dänischen Køge. Anschließend setzte die dänische Rüstungsbehörde FMI die Voyager sechs Monate lang in einer operativen Erprobung für die Marine ein. Für diesen Einsatz nennt Saildrone mehr als 170.000 erfasste Schiffe, über 20.000 Seemeilen und eine Verfügbarkeit der Flotte von 92 Prozent. Am 12. Februar 2026 vereinbarten acht NATO-Staaten, darunter Deutschland und Schweden, neue technikgestützte Fähigkeiten für Marineeinsätze gemeinsam und schneller zu beschaffen – durch Entwicklung, Kauf oder Leasing. 

Was offen bleibt

Die Drohnen liefern Daten. Die FMV beschreibt ihre Aufgabe als Beitrag zum Lagebild: Schiffe erkennen, AIS-Angaben prüfen, Positionen bestätigen. Als Sensoren nennt sie unter anderem Kamera und Radar. Die Voyager-Produktseite führt zwar auch Technik zur Vermessung des Meeresbodens auf, die Mitteilungen zum schwedischen Einsatz erwähnen sie aber nicht. 

Die beiden Kabelfälle zeigen zudem, dass ein Lagebild nicht alle Fragen beantwortet. Im schwedischen Fall kam die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis, dass es ein Unfall war; im finnischen Fall ging es vor Gericht bislang vor allem um die Frage, ob Finnland überhaupt zuständig ist. 

Beim Dienstleistungsmodell liegen Betrieb und Überwachung der Fahrzeuge beim Hersteller, einem US-Unternehmen. Die Leistungszahlen aus dem dänischen Einsatz stammen von Saildrone selbst. Für den schwedischen Einsatz nennen weder FMV noch Saildrone Kriterien, an denen der Erfolg nach dem Jahr gemessen wird. 

Häufige Fragen

Was hat Schweden bei Saildrone gekauft?

Keine Fahrzeuge, sondern eine Dienstleistung: ein Jahr Seeüberwachung mit vier unbemannten Segeldrohnen vom Typ Voyager. Laut Saildrone sind das 360 Tage je Fahrzeug, zusammen 1.440 Fahrzeugtage. Saildrone betreibt, wartet und überwacht die Drohnen, die Marine gibt die Aufträge vor und erhält die Daten. Den Preis nennen weder die Rüstungsbehörde FMV noch Saildrone. 

Was sollen die Saildrone-Drohnen in der Ostsee tun?

Sie sollen mit Kamera und Radar zum Lagebild der schwedischen Marine beitragen. Laut FMV geht es darum, Schiffe zu entdecken, zu prüfen, ob ein Schiff wirklich das ist, was sein AIS-Transponder meldet, und Positionen zu bestätigen. Einsatzgebiet sind die schwedischen Hoheitsgewässer und die Wirtschaftszone in der Ostsee. 

Was ist eine Saildrone Voyager?

Ein zehn Meter langes unbemanntes Überwasserfahrzeug mit starrem Segelflügel des US-Herstellers Saildrone. Laut Hersteller fährt es bis zu 100 Tage ohne Servicestopp und trägt unter anderem Radar, eine Infrarotkamera und AIS. Zum Antrieb machen FMV und Saildrone unterschiedliche Angaben: Die FMV nennt hauptsächlich Wind und einen kleinen Motor, Saildrone einen Elektromotor als Hauptantrieb mit Wind als Ergänzung. 

Was hat der Einsatz mit den Kabelschäden in der Ostsee zu tun?

Nach mehreren Kabelschäden Ende 2024 startete die NATO im Januar 2025 die Mission Baltic Sentry und die Initiative Task Force X Baltic, die unbemannte Systeme schneller in die Seeüberwachung bringen soll. Die schwedischen Drohnen tragen laut FMV zu dieser Initiative bei. Die Fälle zeigen aber auch die Grenzen: Einen Kabelschaden vor Gotland im Januar 2025 stufte die schwedische Staatsanwaltschaft als Unfall ein, im Fall Eagle S ging es vor finnischen Gerichten bislang vor allem um die Frage, ob Finnland überhaupt zuständig ist. 

Setzen auch andere Länder Saildrone-Drohnen in der Ostsee ein?

Dänemark hat Voyager nach einer NATO-Vorführung für die Task Force X Baltic im Juni 2025 sechs Monate lang für seine Marine erprobt. Der schwedische Vertrag ist laut Saildrone der erste nationale Einsatz im Rahmen der nordischen Verteidigungskooperation Nordefco, über die auch Dänemark, Finnland, Island und Norwegen eigene Verträge schließen können. 

Quellen

  1. Ny drönarsatsning för sjöövervakning – Försvarets materielverk (FMV) – 22.10.2026
  2. Sweden Selects Saildrone for Year-long Maritime Domain Awareness Mission in the Baltic Sea – Saildrone (Pressemitteilung) – 26.10.2026
  3. Sweden Expands Maritime Surveillance Capabilities with Year-long Saildrone Mission – Saildrone (News) – 26.10.2026
  4. Saildrone Voyager – Produktseite mit technischen Daten – Saildrone – abgerufen 27.10.2026
  5. Media Room (Boilerplate, Pressemitteilungsliste) – Saildrone – abgerufen 27.10.2026
  6. Saildrone Unveils Spectre, a New Class of High-speed Unmanned Surface Vessel (USV) for Naval Operations – Saildrone (Pressemitteilung) – 20.04.2026
  7. NATO launches 'Baltic Sentry' to increase critical infrastructure security – NATO – 14.01.2025
  8. NATO Allies agree to expedite innovation adoption and integration for Baltic Sea security – NATO – 12.02.2026
  9. Förundersökning om grovt sabotage av kommunikationskabel läggs ned – Åklagarmyndigheten – 13.10.2025
  10. Bericht zur Entscheidung des Bezirksgerichts Helsinki im Fall Eagle S – Yle News – 03.10.2025
  11. Bericht zur Entscheidung des Berufungsgerichts Helsinki im Fall Eagle S – Yle News – 27.08.2026
  12. Presseinvitation: Indsættelse af Saildrone i Østersøen – Forsvarsministeriets Materiel- og Indkøbsstyrelse (FMI) – 10.06.2025
  13. 6 Months, 92% Uptime: Saildrone is a Persistent, On-station Force in the Baltic Sea – Saildrone – 04.02.2026
  14. Unmanned, Unmatched: Saildrone Boosts Allied Awareness in NATO Task Force X Baltic Demo – Saildrone – 07.07.2025
  15. Sweden Selects Saildrone for Year-Long Mission in the Baltic Sea – DroneLife (Ian McNabb) – 27.10.2026
Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 27. Oktober 2026 anhand der Mitteilungen von FMV, Saildrone, NATO, der dänischen Rüstungsbehörde FMI und der schwedischen Staatsanwaltschaft sowie der Berichte des finnischen Rundfunks Yle geprüft.

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