Xpanner X1 Piling R6: Pfahlramme für Solarparks fährt die Pfähle auf Knopfdruck selbst an

Das kalifornische Start-up Xpanner hat eine Pfahlramme für große Solarparks und Batteriespeicher vorgestellt, die nach einem Knopfdruck selbst von Pfahl zu Pfahl fährt, den Hammer ausrichtet und rammt. Ein Bediener überwacht sie per Fernbedienung. Angeboten wird die Maschine im Abo, die Leistungsangaben stammen vom Hersteller.

Von Roboterwelt Redaktion7 Min. LesezeitQuellen: 12
Eine grüne Pfahlramme auf Raupenketten mit hohem Mast steht auf schneebedecktem, trockenem Gras, am Mast hängt ein senkrechter Stahlpfahl, daneben zwei Arbeiter mit weißen Helmen und Warnwesten in Gelb und Orange, am Boden eine gespannte pinkfarbene Schnur. Links Reihen leerer Solarmodul-Gestelle aus Metall, dahinter klein eine dritte Person in Warnweste, rechts Gestelle mit montierten dunklen Modulen und gestapelte Kartons, im Hintergrund verschneite Berge unter blauem Himmel mit Schleierwolken
Symbolbild: Herkömmliches Rammen mit Arbeitern direkt am Mast. Bau eines Solarparks auf der Hill Air Force Base in Utah, Dezember 2018. Die abgebildete Maschine stammt nicht von Xpanner. Foto: R. Nial Bradshaw, U.S. Air Force, gemeinfrei, via DVIDS, bearbeitet. Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Das Bauautomatisierungs-Start-up Xpanner aus Santa Fe Springs in Kalifornien hat am 26. Oktober 2026 die X1 Piling R6 vorgestellt. Die Pfahlramme ist für große Solarparks und Batteriespeicher-Anlagen gedacht und arbeitet laut Hersteller vollautomatisch: Ein Bediener startet den Ablauf per Knopfdruck, danach fährt die Maschine selbst zum nächsten Pfahlpunkt, richtet den Hammer aus, rammt den Pfahl ein und hält ihn dabei lotrecht. Der Mensch überwacht das Ganze über eine Fernbedienung. Seit dem Tag der Vorstellung ist die Maschine im Abo erhältlich. 

Was die Maschine selbst erledigt

Vor dem Einsatz lädt das Projektteam den Pfahlplan mit allen Koordinaten in Xpanner Connect, eine Weboberfläche für die Baustelle. Auf der Fläche steuert der Bediener die Maschine per Fernbedienung an den Anfang einer Reihe und drückt einen Knopf. Den Weg von Pfahl zu Pfahl findet die Ramme über Satellitenortung: Laut Datenblatt arbeitet sie mit zwei Antennen und RTK-Korrekturdaten, die eine Genauigkeit im Zentimeterbereich liefern sollen. Dazu kommen weitere Sensoren und ein eigener Steuerrechner von Xpanner. Der Bediener kann von Hand übernehmen oder die Maschine per Not-Aus stoppen. 

Für die Feinausrichtung muss die Ramme nicht jedes Mal auf den Ketten umsetzen: Die Führungsschiene am Mast lässt sich nach vorn, hinten und zur Seite verschieben, der Oberwagen dreht sich um 180 Grad. Weil sich der Hammer bis nah an den Boden absenken lässt, rammt eine Maschine nach Herstellerangabe sowohl die normalen Pfähle für nachgeführte Modulreihen als auch kurze Pfähle für die Antriebsmotoren und Fundamentpfähle für Batteriespeicher, ohne Adapter. Für jeden Pfahl hält die Software Lage, Tiefe und Lot fest und zeigt sie auf einer Projektkarte an. Das soll Strichlisten, Tabellen und Tagesberichte ersetzen. 

Kennwert (Herstellerangabe) 

X1 Piling R6 

Motorleistung 

97 kW 

Schlagenergie des Hydraulikhammers 

bis 1.260 Joule, drei Stufen 

Pfahllänge 

bis 7,0 m 

Rammtiefe 

bis 4,8 m 

Verschiebeweg der Führungsschiene 

300 mm vor und zurück, 500 mm seitlich 

Drehung des Oberwagens 

180 Grad 

Betriebsgewicht 

6.500 kg 

Höchstgeschwindigkeit 

mehr als 2,5 km/h 

Gegenüber der Vorgängergeneration soll der Arbeitszyklus um 45 Prozent schneller sein. Worauf sich dieser Wert genau bezieht, erklärt Xpanner nicht, unabhängig überprüft ist er nicht. Vorbohren und das Eindrehen von Schraubfundamenten nennt Xpanner als mögliche spätere Funktionen desselben Mastes. Laut Produktseite kann die aktuelle Version aber nur rammen. Offen lässt Xpanner auch, wer bei der R6 die Pfähle in den Mast einsetzt und wie sie zur Maschine kommen. Beim Vorgänger-Bausatz hängte der Bediener nach Schilderung des Anlagenbauers Black & Veatch jeden Pfahl selbst ein. Für das Verteilen der Pfähle auf der Fläche bietet Xpanner mit X1 Shake-Out ein eigenes GPS-geführtes Nachrüstsystem für Kompaktlader an. 

Warum gerade Solarparks

Ein Solarpark braucht sehr viele gleichartige Fundamente. Der US-Gestellhersteller Terrasmart gibt für sein Nachführsystem TerraTrak 1P 200 bis 300 Fundamente je Megawatt an. Mit diesem System bräuchte ein Park mit 100 Megawatt also 20.000 bis 30.000 Fundamente. Jeder muss an der geplanten Stelle, in der richtigen Höhe und lotrecht sitzen, damit die Gestelle später passen. 

Bisher arbeitet an der Ramme ein Zweierteam, dazu kommen eigene Trupps zum Vermessen, Markieren und Vorbereiten. So beschreibt es Xpanner. Xpanner-Chef Henri Lee sagte im Oktober 2025 dem US-Fachmagazin Engineering News-Record (ENR), mehr als 70 bis 80 Prozent der Rammen würden von zwei Leuten bedient: Einer steuere per Fernbedienung, der andere hänge die Pfähle ein. Xpanner will den Ablauf auf einen Bediener verdichten, der nicht mehr neben dem Mast steht. 

Als Grund nennt Lee, der Xpanner mitgegründet hat, den Personalmangel: Wer Solarparks und Batteriespeicher baue, wolle schnell neue Leistung für das Stromnetz und für KI-Rechenzentren liefern und finde nicht genug Fachkräfte. Auch ENR schrieb, Bauunternehmen berichteten durchweg von fehlendem Personal. Zahlen nennen beide nicht. Erfahrungen mit der Xpanner-Technik schilderte im selben ENR-Bericht der Anlagenbauer Black & Veatch, der den Vorgänger-Bausatz X1 Kit bis dahin auf zwei Solarprojekten eingesetzt hatte; ein Foto des Unternehmens zeigt ihn an einer Ramme vom Typ Vermeer PD10. Auf dem ersten Projekt habe es eine Lernphase gegeben, auf einem Projekt habe man nachbessern müssen, der Unterschied zum Rammen von Hand sei bei der Effizienz aber „dramatisch“ gewesen. Messwerte nannte das Unternehmen nicht. 

Zwei Arbeiter mit weißen Helmen und gelben Warnwesten tragen lange Metallprofile über einen verschneiten Weg zwischen langen Reihen schräg gestellter, leerer Solarmodul-Gestelle aus Metall, hinter ihnen ein grüner Kompaktlader mit Fahrer, rechts im Hintergrund eine grüne Pfahlramme mit hohem Mast und zwei Arbeitern daneben, dahinter ein schneebedeckter Bergrücken
Reihe um Reihe gleicher Gestelle auf gleichen Pfählen: Bau desselben Solarparks auf der Hill Air Force Base in Utah, Dezember 2018. Hinten rechts arbeitet die Ramme. Symbolbild, keine Xpanner-Technik.Foto: R. Nial Bradshaw, U.S. Air Force, gemeinfrei, via DVIDS. Die Verwendung bedeutet keine Billigung durch das US-Verteidigungsministerium.

Fertige Maschine im Abo statt Nachrüstsatz

Bislang hat Xpanner vor allem vorhandene Rammen nachgerüstet, darunter die PD10 des Herstellers Vermeer. Noch im Mai 2026 warb Lee gegenüber Crunchbase News damit, Baumaschinen zu automatisieren, „ohne eine einzige Maschine zu ersetzen“. Mit der R6 liefert Xpanner nun auch das Trägergerät. Es stammt vom Hersteller Everstar, dessen Raupenramme R6 mit der Xpanner-Automatik ausgerüstet wird. Weitere Angaben zu Everstar machen weder Xpanner noch die Fachberichte. 

Laut Pressemitteilung deckt ein Vertrag Maschine, Automatik, Software und Betreuung vor Ort ab. Xpanner übernimmt Vorführung, Prüfung des Pfahlplans, Schulung und Wartung. Gegenüber The Robot Report beschrieb das Unternehmen das Modell etwas anders: Die Kunden kaufen oder mieten die Maschine und zahlen für die Automatik ein Monatsabo, das nur läuft, solange die Technik im Einsatz ist, unabhängig von Projekt und Pfahlzahl. Die Bediener stellt die Baufirma. Preise nennt Xpanner nicht. 

Gegründet wurde Xpanner 2020 in Südkorea, 2023 zog der Hauptsitz nach Kalifornien, in Seoul gibt es weiter ein Büro. Im Mai 2026 sammelte das Unternehmen nach einem Bericht von Crunchbase News 18 Millionen US-Dollar ein, insgesamt 38 Millionen seit der Gründung. Den Umsatz für 2025 bezifferte Finanzchef Ryan Park dort auf 21 Millionen Dollar. Als Kunden nennt der Bericht Mortenson, Black & Veatch und Qcells. Laut Pressemitteilung lief die Xpanner-Automatik bisher auf mehr als 67 Baustellen in den USA, die Produktseite spricht von mehr als 60. 

Andere Anbieter und Bezug zu Europa

Xpanner ist nicht der erste Anbieter einer automatischen Solar-Ramme. Built Robotics aus San Francisco hat seinen RPD 35 im März 2023 vorgestellt. Der Roboter vereint Vermessen, Verteilen, Rammen und Dokumentieren und trägt nach Herstellerangabe bis zu 224 Pfähle pro Fahrt mit sich. Laut eigener Website setzen Baufirmen die Roboter von Built derzeit in den USA und Australien ein. 

Europäische Kunden oder Vertriebspläne nennt Xpanner nicht. Als Einsatzorte führt die Produktseite Arizona, Texas, Colorado, Missouri und Australien auf. Wie viel automatisches Rammen bringen könnte, untersucht der britische Solarparkbetreiber Lightsource bp in einem Entwicklungsprogramm: Nach seiner Analyse können satellitengeführte Rammen die Installationszeit um bis zu 12,5 Prozent verkürzen, wie das Fachmagazin pv magazine im Oktober 2026 berichtete. Versuche plant das Unternehmen in Australien und den USA. 

Häufige Fragen

Was ist die Xpanner X1 Piling R6?

Eine Pfahlramme auf Raupenketten für große Solarparks und Batteriespeicher-Anlagen, die Xpanner am 26. Oktober 2026 vorgestellt hat. Sie kombiniert die Raupenramme R6 des Herstellers Everstar mit der Automatik X1 von Xpanner. Nach einem Knopfdruck fährt sie selbst zu den Pfahlpunkten, richtet den Hammer aus, rammt den Pfahl ein und hält ihn lotrecht. 

Arbeitet die Pfahlramme ohne Menschen?

Nein. Ein Bediener lädt den Pfahlplan, steuert die Maschine an den Anfang einer Reihe und überwacht sie per Fernbedienung, mit der er auch von Hand übernehmen oder einen Not-Aus auslösen kann. Selbstständig erledigt die Maschine das Anfahren der Pfahlpunkte, das Ausrichten und das Rammen. Wer bei der R6 die Pfähle in den Mast einsetzt, sagt Xpanner nicht. 

Warum wird gerade das Rammen in Solarparks automatisiert?

Solarparks stehen auf sehr vielen gleichartigen Fundamenten. Der Gestellhersteller Terrasmart nennt für sein Nachführsystem TerraTrak 1P 200 bis 300 Fundamente je Megawatt. Bisher arbeitet an der Ramme nach Angaben von Xpanner meist ein Zweierteam, dazu kommen Trupps zum Vermessen und Markieren. Xpanner begründet die Automatisierung mit dem Mangel an Fachkräften. 

Was kostet die X1 Piling R6?

Preise nennt Xpanner nicht. Laut Pressemitteilung wird die Maschine im Abo angeboten, das Maschine, Automatik, Software und Betreuung vor Ort umfasst. Gegenüber The Robot Report sprach das Unternehmen von Kauf oder Miete der Maschine plus einem Monatsabo für die Automatik. 

Gibt es die Pfahlramme auch in Europa?

Dazu macht Xpanner keine Angaben. Die Produktseite nennt Einsätze in Arizona, Texas, Colorado, Missouri und Australien, europäische Kunden oder Vertriebspläne werden nicht erwähnt. 

Roboterwelt Redaktion

Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 27. Oktober 2026 geprüft. Grundlage ist die Pressemitteilung von Xpanner vom 26. Oktober 2026 (GlobeNewswire; die GlobeNewswire-Seite war für uns gesperrt, gelesen wurde der unveränderte Abdruck bei FinancialContent), ergänzt um Produktseiten (X1 Piling R6, X1 Shake-Out) und Datenblatt des Herstellers, das Datenblatt des Gestellherstellers Terrasmart, die Website von Built Robotics sowie Berichte von The Robot Report, Engineering News-Record, Crunchbase News und pv magazine. Technische Daten und Leistungsangaben stammen vom Hersteller und sind nicht unabhängig geprüft.

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